NLA WO VI Hs 13

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Description

Identification (short)

Title 

Stammbücher

Fonds data

Custodial history 

Im Wolfenbütteler Archiv waren schon im 18. Jahrhundert eine Anzahl von Kopiaren, Missalien und "geschichtlichen Handschriften" vereinigt, die mindestens zum großen Teil aus den Archiven der Stifte und Klöster und von Behörden stammten. W. Ehlers legte 1846 dafür ein Findbuch an, das damals schon rund 440 Handschrifteneinheiten umfasste und dessen Gliederung in der Folgezeit für diese Hauptabteilung maßgebend wurde. P. Zimmermann erweiterte den Bestand seit etwa 1890 systematisch. Er war besonders auf den Ausbau einer Stammbuchsammlung, aber auch auf die Angliederung von geschichtlichen, juristischen, topographischen u. heraldischen Aufzeichnungen und Ausarbeitungen sowie von Briefen [jetzt Bestand 298 N] bedacht. Neben dem mannigfachen, zum Teil auch literarisch-biographischen handschriftlichen Sammelgut sind den Handschriften auch Teile von Behördenabgaben, besonders Kopialbücher und ähnliche Buchreihen, einverleibt worden, da leider die Befolgung des Provenienzprinzips im Wolfenbütteler Archiv im 19. Jahrhundert in Vergessenheit geraten war. Ebenso wurden Stücke aus Nachlässen und kleinen privaten Archiven aus ihrem archivischen Zusammenhang gerissen, um auf die Sachgruppen dieser Hauptabteilung aufgeteilt zu werden.
Die Handschriften wurden 1914-1922 neu verzeichnet, was mit geringer Änderung der Abteilungsbezeichnungen bei Neugliederung der Bestände 1939/1949 übernommen wurde.
Die Verzeichnung: 12 Findbücher Einzelbände und 6 Sammelbände (1914-1922); 2 Bände Indices (Orte, Personen, Sachen).

Dieser Bestand ist größtenteils durch systematische Sammeltätigkeit von Dr. Paul Zimmermann begründet und zusammengebracht worden. Im Jahr 1917 äußert er, daß er "seit Jahrzehnten" im Landeshauptarchiv Studenten-Stammbücher sammle (in: Braunschweigische Anzeigen vom 19.1.1910). Um 1910 waren bereits im vorliegenden Bestand fast 100 Stammbücher vereinigt (ebd.). Der Sammelschwerpunkt war die Universität Helmstedt und das Collegium Carolinum in Braunschweig (in: Braunschweigisches Magazin 1907, S. 5).
Über das Ziel dieser Sammeltätigkeit hat er sich mehrfach geäußert (siehe unten unter Literatur). Einige Zeit vor dem Jahr 1910 fand eine länger gezeigte Stammbuch-Ausstellung im Vaterländischen Museum in Braunschweig statt, bestückt von diesem Museum und hauptsächlich vom Landeshauptarchiv Wolfenbüttel. Der erste datierte Zugang zum Bestand erfolgte im Jahr 1891 (vgl. VI Hs 13 Nr. 70), nachdem Zimmermann Archivleiter geworden war. Ein Stück war schon vorher im Archiv vorhanden (Nr. 15). Einige Stücke stammen von dem Archivrat W. Ehlers und aus P. Zimmermanns eigenem Besitz. Der Großteil kam als Geschenk und durch Kauf (gelegentlich auch durch Tausch) in den vorliegenden Bestand. Bis etwa zum Jahr 1911 konnte man Stammbücher bei Antiquaren noch sehr billig kaufen (P. Zimmermann: Was sollen Archivare sammeln?, 1911, S. 468). Der Hauptbestand bis zur lfd. Nr. 193 war bis Ende 1918 zusammengekommen. Das bis zu dieser Nummer führende Findbuch hat der Seminarinspektor Friedrich Jeep (1850-1922) [vgl. 222 N] im Jahr 1919 geschrieben. Das Namensverzeichnis zum Bestand hat Herr von Glümer im Jahr 1908 begonnen (vgl. 249 N 220), aber geschrieben ist dieses größtenteils ebenfalls von Friedrich Jeep. Auch nach 1918 erwarben Zimmermanns Nachfolger im Amt Stammbücher, was aus den mitgeteilten Erwerbsdaten im Findbuch zu ersehen ist (= a-Nummern zu Nr. 1 bis Nr. 193 sowie ab Nr. 194ff.).

Im Zusammenhang mit der Bearbeitung der Matrikel der Universität Helmstedt wertete Zimmermann den hiesigen Bestand und auch anderswo lagernde Studenten-Stammbücher aus (vgl. 34 Slg 53-54: darin wertvolle Exzerpte!). Deposita in diesem Bestand sind: VI Hs 13 Nrn. 3, 8, 11-13, 21, (30?), [41?], 107a, 120, 162 und 138a.
Der vorliegende Bestand ist schon quantitativ vom Umfang her bedeutsam und zugleich der umfangreichste in Niedersachsen. Eine genaue Übersicht über die Anzahl der in öffentlichen Instituten vorhandenen Stammbücher existiert nicht (zum Folgenden siehe: Milde in Fechner, 1981, S. 231 sowie Schätzler, S. 105 [vgl. unten]). Die größten Sammlungen lagern in Weimar (Zentralbibliothek der Deutschen Klassik) mit ca. 700 Stück und in London (Britisches Museum) mit ca. 500 Nummern. In Niedersachsen sind u.a. vorhanden:
- Städtisches Museum Göttingen: 257 Nummern;
- Stadtarchiv Braunschweig: 98 Nummern;
- Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel: 88 Nummern;
- Braunschweiges Landesmuseum: 45 Nummern;
- Stadt- und Kreisheimatmuseum Wolfenbüttel: ca. 20 Nummern.
Das Institut für Hochschulkunde (an der Universitätsbibliothek in Würzburg hat neben der Spezialbibliothek zur Hochschul- und Studentengeschichte umfangreiche, zum Teil museale Sammlungen, dabei 180 Studentenstammbücher sowie die von F. A. Pietsch 1954 eingerichtete "Zentralkartei für Studentenstammbücher" mit (im Jahr 1973) 3000 Nachweisen (vgl. Zeitschrift "Einst und Jetzt", Bd. 18, 1973, S. 2112ff.).

Der vorliegende Bestand enthält Stammbücher zumeist von Persönlichkeiten aus dem Herzogtum Braunschweig, und zwar von Männern und auch Frauen. Ein großer Teil (wohl mehr als ein Drittel) stammt von Studenten der Universität Helmstedt, ein geringer Teil jeweils von Studenten des Collegium Carolinum und der Universität Göttingen. Beim jetzigen Stand überwiegen die nichtstudentischen persönlichen Stammbücher. Die Orte der Eintragungen in den Stammbüchern sind konzentriert auf Süd- und Ostniedersachsen, das mittlere Niedersachsen, das Harzgebiet, das westliche Sachsen-Anhalt und den Nordthüringer Raum, d. h. den sogenannten Raum Ostfalen. Viele Eintragungen stammen u.a. aus Braunschweig, Göttingen, Halle, Helmstedt und Wolfenbüttel. Ganz selten finden sich außerdeutsche Städte.
Die Stammbücher sind vielfach (zum Teil auch farbig) illustriert bzw. mit Stichen, Silhouetten usw. ausgeziert und gelegentlich jeweils mit Indizes ausgestattet. Im Bestand sind auch nicht wenige lose Stammbuchblätter vorhanden (Sonderindex von Jeep vorhanden).
Nach dem Stand von 1981 verteilen sich die Stammbücher des Bestandes VI Hs 13 nach Jahrhunderten folgendermaßen (vgl. Fechner [s. unten], D. 232):
16. Jahrhundert: 6 Stück
17. Jahrhundert: 30 Stück
18. Jahrhundert: 130 Stück
19. Jahrhundert: 99 Stück.
Der von Jeep und Herrn von Glümer um 1908 gefertigte Namensindex erfasst anhand des Textinhalts der Stammbücher die Namen der Eintragenden sowie deren damaliger Aufenthaltsort. Die Namen der Stammbuchführer sowie der Eintragungsorte waren im Generalindex zur Handschriftenabteilung verstreut, d.h. unübersichtlich nachgewiesen. Nachträge sind zum Teil später nicht indiziert worden. im Jahr 1998 hat Frau Harenberg anhand des Bestandsfindbuchs (d.h. des Findbuchtextes) folgende Namen in einem IndeX erfasst:
- Stammbuchführer (= Personennamen)
- sonstige Personennamen
- Orte der Eintragungen (=Ortsnamen).

Hinweise:
- Anderswo eingeordnete Stammbücher siehe: 197 N Nrn. 2+3 (Breithaupt); 235 N 14-15; 238 N 16 [Bestand liegt nicht mehr vor]; 301 N 21-22, 44-46; 320 N 37; VI Hs 11 Nr. 109 und 101.
- Die Indizes (4 Zettelkästen unter VI Hs 13 Nr. 240) erfassen nur die Namen der Einträger (d.h. der in den Stammbüchern eingetragenen Personen) und sind unvollständig (Nachträge wie a-Nummern sowie Nr. 194ff. sind offenbar nicht berücksichtigt). Die Stammbuchführer bzw. -besitzer sind dagegen im Gesamtindex zur Handschriftenabteilung Hs erfasst. Die vier oben genannten Zettelkästen sind wahrscheinlich um 1908 von Friedrich Jeep und Herrn v. Glümer verfertigt worden (vgl. 249 N 222).

gez. Dr. Dieter Lent, Wolfenbüttel im Juni 1998


Literatur:
- H. Schünemann: Stammbücher [= Bibliographie] (in: Schriftumsberichte zur Genealogie und ihren Nachbargebieten, Bd. 2, Sept. 1965, S. 67-108)
- F.-C. Freiherr von Stechow: Lexikon der Stammbuchsprüche (1996) [Abkürzung deutscher und fremdsprachlicher Sinnsprüche; darin umfangreiche Bibliographie zum Stammbuchwesen; S. 266-286 enthält auch Mehrjahresgesamtbibliographien]
- J.-U. Fechner (Hrsg.): Stammbücher als kulturhistorische Quellen (1981) [Sammelband; darin u.a. H. Milde S. 231f. über Stammbuchsammlungen]
- C. von Heusinger: Herzog Anton Ulrich Museum Braunschweig. Die Handzeichnungssammlung (1997) [S. 247-261: Verzeichnis der Stammbücher und Stammbuchblätter]
- J. T. Schätzler: Erkenntnisse aus Studentenstammbüchern der Jahre 1620-1820. Verse, Verbindungen, Geheimzeichen, Zirkel u.a. (in: Einst und Jetzt, Bd. 11, 1966, S. 105ff.)
- G. Angermann: Stammbücher und Poesiealben als Spiegel ihrer Zeit (1971)
- Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für Corpsstudentische Geschichtsforschung, Jg. 1 (ff.), 1956 (ff.): enthält viele wertvolle Veröffentlichungen über Studentenstammbücher (u.a. mit Abbildungen); Bd. 21, 1976 und Bd. 30, 1985: Gesamtinhaltsverzeichnisse dieser Zeitschrift)

- U. Becker: Das Institut für Hochschulkunde an der Universität Würzburg (in JuS, 1988, Heft 11, S. 919f.)
- Paul Zimmermann: Stammbücher von Helmstedter Studenten (in: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, 65 Jg., 1917, Sp. 94-96) [Sonderdruck in 249 N 235]
- Paul Zimmermann: Stammbuch-Ausstellung im Vaterländischen Museum in Braunschweig (in: Braunschweigische Anzeigen Nr. 15 vom 19.1.1910) [Sonderdruck in 249 N 219]
- Paul Zimmermann: Über ein Stammbuch Philipps von Damm und über Stammbücher im Allgemeinen (in: Braunschweigisches Magazin, Bd. 13, 1907, S. 1-7, S. 16-21)
- Paul Zimmermann: A. Leisewitz' Stammbuch aus seiner Göttinger Studienzeit (in: Jahrbuch des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig, 4. Jahrgang, 1905, S. 114-135) [betr. VI Hs 13 Nr. 65]

Parallelarchivalien:
34 Slg 53-54: Materialsammlung von Paul Zimmermann über Stammbücher (dabei Namensregister!);
249 N 219-229;
235 N 14-15; 238 N 16; 301 N 21-22, 44-46; 320 N 37; VI Hs 11 Nr. 109; (vgl. auch VI Hs 11 Nr. 101); 298 N 793; 299 N 516, 593

Bildgut im Bestand VI Hs 13:
a) Abbildungen (von Orten, Ortsteilen usw.):
VI Hs 13 Nr. 29, 30, 41 56, 65a, 68, 75, 75a, 84, 90a, 96, 99, 110, 130, 140, 158, 161, 165, 165a, 167, 169a, 172, 174a, 176, 178, 180a, 185, 189, 194, 202, 209, 31a, 39a, 48, 52, 57
b) Holzschnitte:
VI Hs 13 Nr. 5
c) VI Hs 13 Nr. 19, 13, 31a, 15, 39a, 41, 15, 48, 52, 54, 56, 57, 65a, 67, (72), 75, 90a, 96, 102a, 110, 117a, 126, 130, 139, 139a, 140, 141, 143, 145, 145a, 145b, 147, 148, 149a, 150b, 152, 156, 157a, 158, 159, 161, 162, 163, 165, 165a, 166, 167, 169, 170, 172, 174, 176, 177, 177a, 178, 179a, 184, 188a, (117c1), (151a), (154a), 194, 198, 201, 203, 209, 210
d) Lithographien:
VI Hs 13 Nr. 185, 202
e) Porträts:
VI Hs 13 nr. 90a, 14, 157a, 163, 166, 227 (darin: 43 Studentenporträts)
f) Silhouetten (Porträtsilhouetten):
VI Hs 13 Nr. 72, 73, 75, 76a, 77, 82, 95, 99, 100, 103, 105, 109-110, 116, 118, 121, 127a, 139, 180a, 186
g) Zeichnungen, Bilder:
VI Hs 13 Nr. 3, 4, 5, 13, 15, 19, 22, 23, 29, 30, 33, 40, 41, 43, 45, 49, 56, 63, 65a, 65, 65, 67, 68, 71, 72, 73, 74, 75, 75a, 76a, 77, 79a, 81, 84, 83a, 88, 91, 90a, 95, 96, 98, 99, 100, 101, 107, 108, 109, 110, 111, 115, 116, 120, 121, 122a, 123, 125, 125a, 127a, 132, 133, 134, 140, 142, 144, 145, 146, 150b, 151, 155, 156, 157, 157a, 160, 168, 176, 177a, 180a, 181, 186, 188a, 189, 193, 154b, 174, 195, 197, 200, 204
h) Zeichnungen (usw. aus dem Studentenleben):
VI Hs 13 Nr. 65a, 157a, (158), 163,