NLA ST Rep. 6

  • Show associated objects
  • Print
  • Create link
  • Send
  • Improve

Description

Identification (short)

Title 

Niedersächsische Kreisakten von Bremen-Verden

Life span 

1532-1712

Fonds data

Short description 

Niedersächsische Kreisakten und Kreistagsabschiede, größtenteils über Militärsachen
Findmittel: Maschinenschriftliches Archivfindbuch 1952
Umfang: 9,5 lfdm

Custodial history 

1. Zur Geschichte des Niedersächsischen Reichskreises

Der erste Versuch einer Einteilung des Reichsgebietes in Kreise erfolgte mit dem Nürnberger Landfrieden vom 11. März 1383. Erst im Rahmen der Reichsreform Kaiser Maximilians I. (1495-1517) allerdings wurden auf dem Augsburger Reichstag von 1500 sechs Reichskreise geschaffen. Die Einteilung des Reiches in bestimmte Kreise sollte die Reichsstände in festeren territorialen Bereichen verbinden. Die Aufgaben der Kreise bestanden in der Wahl eines Beisitzers für das Reichsregiment sowie in der Wahl eines Assessors für das Reichskammergericht. Seit 1555 kamen als weitere Aufgaben die Vollstreckung der Urteile des Reichskammergerichts und die Wiederherstellung des Landfriedens, seit 1559 zudem die Aufsicht über das Münzwesen sowie seit 1681/82 Aufstellung und Unterhalt des Reichsheeres hinzu.

An der Spitze eines jeden Reichskreises stand der vom Kreistag gewählte Kreishauptmann. Die sogenannten Kreisausschreibenden Fürsten bzw. Direktoren (je Kreis ein bzw. zwei Fürsten) schrieben zum Kreistag aus.

Bereits im Jahr 1522 erfolgte eine Neuorganisation, wonach fortan zwölf Reichskreise bestanden. Der im Jahr 1500 eingerichtete Sächsische Reichskreis wurde auf den Niedersächsischen Kreis und den Obersächsischen Kreis aufgeteilt. Der Niedersächsische Reichskreis umfaßte das Erzstift bzw. Herzogtum Bremen, die welfischen Fürstentümer, die Herzogtümer Holstein und Sachsen-Lauenburg, die Mecklenburgischen Fürstentümer, das Erzstift bzw. Herzogtum Magdeburg mit seinen Exklaven Halle und Jüterbog, das Hochstift bzw. Fürstentum Halberstadt, die Hochstifte Hildesheim, Lübeck und Ratzeburg sowie die schon präreformatorisch mediatisierten geistlichen Fürstentümer Schwerin und Schleswig und die Städte Hamburg und Lübeck. Kleine Exklaven im Gebiet des obersächsischen Kreises waren die Reichsstädte Mühlhausen und

Nordhausen.

Das Direktorium des Niedersächsischen Reichskreises stand dem Erzstift Magdeburg zu, welches 1660 an Brandenburg-Preußen fiel. Seit 1652 alternierte das Direktorium des Kreises zwischen Magdeburg und dem 1648 säkularisierten, nunmehr schwedischen Herzogtum Bremen. Der älteste regierende Herzog des Welfenhauses mußte sich mit dem Kondirektorium zufrieden geben.

Während der Reichskrieg gegen Schweden 1675-1679 die Kreisverfassung nicht nachhaltig beeinflußte, führte die schwedische Niederlage im Großen Nordischen Krieg 1700-1721 zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse. Bereits 1712 mußte Schweden das Direktorium des Kreises ganz Brandenburg-Preußen überlassen, während das Kondirektorium auf das Kurfürstentum Hannover überging. Nach der Erwerbung des Herzogtums Bremen durch das seit 1714 mit England in Personalunion verbundene Kurhannover 1715/20 wurde für Bremen und Magdeburg wieder die Regelung des alternierenden Direktoriums eingeführt. Seitdem stand der Niedersächsische Reichskreis ganz im Zeichen der überregionalen Aktivitäten der beiden Kreisdirektoren.

Im Gefolge der Umgestaltung der territorialen Landschaft durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 und der Niederlegung der Kaiserkrone durch Kaiser Franz II. im Jahr 1806 fand auch die Tätigkeit der Reichskreise weitgehend ihr Ende, wenngleich die durch die territorialen Arrondierungen erstarkten weltlichen Fürsten die Kreise noch einige Jahre über das Ende des Alten Reiches hinaus die Kreisverfassungen bestehen ließen.


2. Zur Geschichte des Bestandes

Die niedersächsischen Kreisakten der Stader Regierung, insgesamt 40 Fach, sind anscheinend auch vor dem Zweiten Weltkrieg nicht in einem modernen Findbuch verzeichnet gewesen; wenigstens tragen die Akten keinerlei moderne Aufschriften, sondern nur die alten Nummern und gelegentlich die Bezeichnung Celle 106. Der Grund liegt

vermutlich in der Überlegung, dass es sich größtenteils um die gleichen Vorgänge handelt wie in den entsprechenden Designationen der Calenberger und Celler Briefarchivs. Eine summarische Verzeichnung nach den zum großen Teil solide gebundenen, in sich chronologisch angelegten alten "Kreisbüchern" hat sich trotzdem gelohnt, weil auch einige, an anderer Stelle nicht feststellbare bremisch-verdische Specialia darin zu finden sind und weil einige zeitgenössische Hilfsmittel das Material erschließen helfen. Diese sind in Fach 87-89 (jetzt Rep. 6 Nr. 239-241) zusammengestellt und bestehen in einem Stichwortregister, einem Inventar von 1623 und einem Verzeichnis der Akten aus schwedischer Zeit von 1648-82.

Von 1685 ab wird die rein chronologische Abheftung durch eine Faszikulierung nach Sachbetreffs abgelöst. Diese Neuerung geht offenbar, ebenso wie das alte Repertorium aus schwedischer Zeit, auf den schwedischen Regierungsarchivar Joachim Bey (1679-89) zurück. Die Faszikel befanden sich bei der Neuverzeichnung größtenteils noch im ursprünglichen Zustand, sofern sie nicht durch Benutzungen aufgelöst und durcheinandergebracht waren. Die alte Ordnung konnte jedoch wiederhergestellt werden. Der Teil von 1685 ab ist infolgedessen übersichtlicher und leichter benutzbar. Mit Rücksicht auf die alten Hilfsnmittel sind die ursprünglichen Nummern 1 - 89, anscheinend Aktenfächer in halber Größe der heutigen, also richtige Aktenpakete bezeichnend, als Fach-Nr. beibehalten; doch sind die schmäleren Einzelfaszikel laufend neu von 1 - 241 durchgezählt worden. Für das Bestellen und Zitieren genügen also die Nummern ohne Fachangabe. Die Akten des Jahres 1663, Fach 45-47, ein großes Fach, werden vermißt und dürften sich vielleicht noch finden.

Das Ende des Jahres 1952 von Erich Weise fertiggestellte Repertorium zum Bestand Rep. 6 wurde im Frühjahr 2006 unter Anleitung durch den

Unterzeichner von der Archivangestellten Franziska Krause per EDV verzeichnet. In seiner derzeitigen Gestalt umfaßt der Bestand 243 Nummern (= 11,5 lfdm) aus der Zeit von 1532 bis 1712. Auch das alte Archivfindbuch von 1952 wurde zum Bestand gelegt.


3. Literaturhinweise:

Dotzauer, Winfried, Die deutschen Reichskreise in der Verfassung des Alten Reiches und ihr Eigenleben (1500-1806), Darmstadt 1989.

Gittel, Udo, Untersuchungen zur Geschichte der Entwicklung und Verfassung des Niedersächsischen Reichskreises seit 1555, Typoskript Hamburg 1981.

Gittel, Udo, Die Aktivitäten des Niedersächsischen Reichskreises in den Sektoren "Friedenssicherung" und "Policey" (1555-1682) (= Quellen und Untersuchungen zur allgemeinen Geschichte Niedersachsens in der Neuzeit, 14), Hannover 1996.


Stade, den 3. Mai 2006 Dr. Christian

Hoffmann



Information / Notes

Additional information 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet