
Identifikation (Gliederung)
Titel
Hildesheimer Allgemeine Zeitung
(Gerstenberg), 1807, 28.06. ff. (Lücken)
Laufzeit
1807 ff.
Beschreibung
Der Vorgänger wurde am 24.06.1705 von Henrich [Heinrich] Christian Hermitz als "Hildesheimer Relations-Courier" gegründet. Das Blatt wurde ab 1748 von Christian Levin Lüdemann übernommen und ab 1763 von dessen Sohn Christian Lüdemann weitergeführt. Zuletzt (1804) erschien es als "Königlich-Preußische allergnädigst privilegirte Hildesheimsche Zeitung".
Mit Hilfe des Altverlegers (bei dem das zur Herausgabe benötigte Zeitungsprivileg zunächst noch verblieb) ließ Johann Daniel Gerstenberg 1807 das Blatt dann als "Stadt-Hildesheimische privilegirte Zeitung und Anzeigen für alle Stände" neu herauskommen.
Kurz darauf und auch mehrfach noch im weiteren Verlauf ihrer Geschichte erhielt die Zeitung einen neuen Titel. Ab 1854 gewann das vor allem in der hiesigen städtisch-protestantischen Bevölkerung beliebte Blatt unter ihren damaligen Verlegern Albert und Bruno Gerstenberg immer mehr an Verbreitung und Ansehen und wurde zeitweilig zum maßgeblichen Parteiblatt des nationalliberalen Bürgertums in der Provinz Hannover. Nach der Revolution von 1918 diente die "Gerstenbergsche" volksparteilichen Zielen (und stand somit der DVP nahe).
Die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung (Gerstenbergsche Zeitung)" erschien bis zum 31.03.1943.
Am 01.04.1943 erfolgte die Zwangsfusion mit dem "Hildesheimer Beobachter" und der "Provinzialzeitung Bockenem" zur "Hildesheimer Zeitung", die bis zum 07.04.1945 herauskam.
Nach Aufhebung des alliierten Lizenzzwangs erfolgte in Kooperation mit dem Verlag Madsack (Hannover) am 01.10.1949 ein Neustart als "Hildesheimer Allgemeine Zeitung".
Enthält
1807-1808 (Einzelne);
1809-1862, 1. Hj.;
1863 (Einzelne);
1864-1943, 31.03.;
1949, 01.10. ff.
Informationen / Notizen
Zusatzinformationen
Aktueller Untertitel (UT) seit 06.03.1995: "Deutschlands älteste Tageszeitung";
Aktuelles Motto im Titelkopf: "Unabhängig und überparteilich";
Erscheinungsweise:
3 x wöchentlich, ab 01.07.1848 täglich;
Formate:
ab 1807 Quart, ab 1838 Folio; ab 1889 Groß-Folio, ab 1949 Berliner Format, ab 1975 Nordisches Format, ab 21.11.2016 Rheinisches Format;
Auflage:
1807 (300), 1819 (540), 1834 (1.350), 1840 ff. (1.200), 1859 (1.500), 1896 (3.100/5.000), 1906 (8.900), 1911-1913 (11.500-13.600), 1917 (16.500), 1934-1939 (10.216-11.000), 1951 (16.000), 1957 (26.884), 1961 (29.775), 1965 (33.300), 1988 (49.000);
Farbe:
Am 31.10.1900 erschien die Gerstenbergsche Zeitung erstmals zweifarbig (schwarz mit roten Zierbalken, passend zum Kaiserbesuch). Danach wurde Farbe so gut wie nicht mehr verwendet, weil ihr Einsatz weiterhin sehr aufwändig und teuer war. Erst seit dem 12.08.1939 kam Rot zur Hervorhebung der Titelseiten-Schlagzeile zum Einsatz, sowohl in den regulären Nummern als auch in Extrablättern (bis zur Einstellung des Blattes im März 1943). Erst nach dem Wiedererscheinen der HAZ wurde Farbe gelegentlich zur Hervorhebung von Anzeigen oder zu besonderen Anlässen und Festtagen eingesetzt, bald auch häufiger im Unterhaltungsteil der Wochenendausgaben. Ab 1960 erschienen dann großformatige mehrfarbige Anzeigen im Rahmen einer Kampagne der Werbewirtschaft (Arbeitskreis "die farbige Zeitungs-Anzeige", z. B. in der HAZ vom 05.11.1960, S. 44). Dennoch blieb besonders im redaktionellenn Teil der Farbdruck eher die Ausnahme als die Regel. Erst im Verlauf der 1990er-Jahren wurden einelne Seiten regulär mehrfarbig hergestellt (der Rest blieb weiterhin schwarzweiß). Um die Jahrtausendwende herum erfolgte dann die komplette Umstellung auf den Mehrfarbendruck.
Fotos:
In den auswärtig hergestellten illustrierten Offsetbeilagen des Blattes war der Abdruck von Fotos schon einige Jahre vor 1914 üblich. Intensiv genutzt wurde die Photographie in den Beilagen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Im Innenteil der Zeitung jedoch erschienen Fotos ab 1925 nur sehr vereinzelt und dann auch nur winzig klein (in Geschäftsanzeigen). Im Lokalteil kamen Fotos erstmals am 11.09.1926 zum Einsatz. Am 08.08.1935 richtete die HAZ mit der Rubrik "Licht und Linse" erstmals eine "Beilage" zum Thema Photographie ein (die dann für wenige Jahre als "Photoseite" 14tägig jeweils Donnerstags erschien);
Literatur:
- Abromeit, Sven [Red.]: 300 Jahre "Hildesheimer Allgemeine Zeitung": Seitenblicke, Hildesheim 2005 (darin u. a.: Matysiak, Stefan: Dreihundert Jahre "Hildesheimer Allgemeine Zeitung". Traditionsbildung und publizistische Entwicklung einer Heimatzeitung, S. 20-49; Braem, Harald: Streifzüge im historischen Blätterwald. Miszellen aus der alten Hildesheimer Presse, vom Relations-Courier zur Gerstenbergschen Zeitung, S. 59-74; Hartmann, Andreas: Das Foto in der Zeitung, S. 133-140) [Hi 12 C 43464];
- Barth, Aloys: Das Zeitungswesen von Hildesheim. Ein Beitrag zur Geschichte und Soziologie der deutschen Presse, Hildesheim 1929 [LS: Hi 12 C 17527];
- Berg, Britta/ Albrecht, Peter: Presse der Regionen Braunschweig/Wolfenbüttel, Hildesheim-Goslar. (Deutsche Presse. Biobibliographische Handbücher zur Geschichte der deutschsprachigen periodischen Presse von den Anfängen bis 1815, Hrsg.: Holger Böning, Bd. 3.2), Bad Cannstatt 2003 [LS: Nds 12 C 42418];
- Braem, Harald: 400 Jahre Zeitung in der Welt, 300 Jahre HAZ in Hildesheim. Zwei bedeutende Jubiläen des Pressewesens. (In: Hildesheimer Kalender 2005, S. 74-85);
- Ders.: Als die Zeitung jubilierte... Wie die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung" ihre Geburtstage feierte (In: Hildesheimer Kalender 2006, S. 72-84);
- Ders.: "Der Zweck dieser Blätter ist Gemeinnützigkeit". Vor 200 Jahren erschien die HAZ erstmals im Verlag Gerstenberg (In: Hildesheimer Kalender 2007, S. 124-130);
- Gerstenberg, Bruno: Die Hildesheimer Zeitungsunternehmen und die Spiegelung der städtischen Wirtschaft in den Zeitungen von 1705 bis 1866. Hildesheim 1972 [LS: Hi 12 C 17843];
- Ders. [Hrsg.]: Hildesheimer Relations-Courier 1705 [Nachdruck]. Hildesheim 1980 [LS: Hi 12 C 23935];
- Hagelweide, Gert: Deutsche Zeitungsbestände in Bibliotheken und Archiven. Düsseldorf 1974 (dort Nr. 939) [LS: 12 D 20662];
- Hartmann, Wilhelm: Die Hildesheimer Zeitungen in der Zeit von 1617 bis 1813 (In: Alt-Hildesheim 1954, S. 1-13)
Biographische Hinweise zu den Verlegerfamilie Gerstenberg:
- 1. Generation: Johann Daniel Gerstenberg, Hrsg. ab 1807;
- 2. Generation: Constantin Gerstenberg, Hrsg. ab 1841;
- 3. Generation: Bruno und Albert Gerstenberg, Hrsg. ab 1854, Albert war u.a. Bürgervorsteher und unbesoldeter Senator der Stadt Hildesheim, 1867-1873 Abgeordneter im Preuß. Landtag;
- 4. Generation: Albert Georg Gerstenberg, war u.a. von 1911-1933 Präsident der IHK Hildesheim, 30 Jahre Vorsitzender des MTV Eintracht, 10 Jahre Ratsmitglied;
- 5. Generation: Hans-Albert Gerstenberg, war u.a. fast 20 Jahre Vorsitzender des Verbandes Norddeutscher Zeitungsverleger;
- 6. Generation: Dr. Bruno Gerstenberg, war u.a. Vorsitzender vom Kulturring Hildesheim;
- 7. Generation: Daniel Gerstenberg