NLA HA Hild. Or. 2 Heiningen

  • Zugeordnete Objekte zeigen
  • Drucken
  • Mit Strg+C oder Rechtsklick kopieren.
    Verlinken
  • Versenden
  • Verbessern

Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Urkunden des Klosters Heiningen

Laufzeit

1142-1758

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

I. Bestandsinformation:
Das Stift ist durch die edelfreie Dame Hildeswid und ihre Tochter Walburg, möglicherweise aus dem Geschlecht der Billunger, unter Mitwirkung Bischofs Bernward von Hildesheim als Kollegiatstift an der Peterskirche in Heiningen kurz vor dem Jahr 1000 errichtet worden. Die Umwandlung in ein Augustinerchorfrauenstift erfolgte 1126. Es wurde 1810 säkularisiert. Die 1878 durch das Staatsarchiv Hannover käuflich erworbenen Urkunden waren vorübergehend mit dem Depositum (Dep. 9) der Familie Degener, die das ehemalige Stiftsgut später erworben hatte, verbunden.
Akten: Hild. Br. 3, 17

II. Umfang:
58 Urkunden

III. Erschließung:
EDV-Findbuch 1991

IV. Bemerkungen:
Urkunden bis 1500 sind in einem Sonderfindmittel erfasst und online recherchierbar.

Bestandsgeschichte

Im August 1878 wurden vom Staatsarchiv Hannover durch Vermittlung des Hildesheimer Gymnasialdirektors, Konsistorialrats und Domkapitulars Joseph Godehard Müller 55 Urkunden, eine Handschrift und zwei Registerbände des ehemaligen Augustinerchorfrauenstifts Heiningen aus dem Nachlass des verstorbenen Hildesheimer Bischofs Wedekin für 180 Mark angekauft. Das von Wedekin als Universalerbe eingesetzte Hildesheimer Domkapitel hatte Müller mit dem Vorsitz einer Kommission betraut, die den Verkauf der Sammlung abwickeln sollte.

Im Juli 1878 war der Direktor des Staatsarchivs, Karl Janicke, anläßlich eines Besuchs in Hildesheim von Müller auf einen eventuellen Ankauf der Urkunden angesprochen worden. Ursprünglich sollten 51 Urkunden und eine Handschrift für 150 Mark verkauft werden, mit Schreiben vom 3. August bot Müller weitere 4 Originalurkunden, 14 Urkundenabschriften und zwei Registerbände für zusätzlich 30 Mark an. Die letzten Stücke waren in Akten des früheren Hildesheimer Annunziatenklosters enthalten gewesen, die Müller vom Hildesheimer Bischof Sommerwerck-Jakobi übergeben worden waren.

Heiningen war eine Gründung der edelfreien Dame Hildeswid und ihrer Tochter Walburg - beide möglicherweise aus der sächsischen Herzogsfamilie der Billunger - unter Mitwirkung Bischof Bernwards von Hildesheim im letzten Jahrfünft des 10. Jahrhunderts. Zur Errichtung eines Kanonissenstifts hatten sie ihren Besitz an 11 Orten der Peterskirche in "oppido Heniggi" übertragen.

Nach einem Verfall der Klosterzucht wurde Heiningen auf Weisung Bischof Bertold I. von Hildesheim 1126 durch Propst Gerhard von Riechenberg reformiert und - analog zu Steterburg und Katlenburg - in ein Augustinerchorfrauenstift umgewandelt. Im Jahr 1451 erfolgte eine erneute Reform durch Propst Bertold Ziegenmeier vom Hildesheimer Sültestift und die Eingliederung in die Windsheimer Kongregation.

Nach der

Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) fiel das Stift an Braunschweig- Wolfenbüttel. 1542 erfolgte nach der Vertreibung des altgläubig gebliebenen Herzogs Heinrich des Jüngeren (+ 1568) die erste Einführung der Reformation und nach einer Phase der Rekatholisierung ab 1547 im Jahr 1568 die zweite Einführung der Reformation unter Herzog Julius. Infolge der Rückgabe des sogenannten Großen Stifts an Hildesheim Rückgabe Heiningens an die Augustiner nach einem gescheiterten Besetzungsversuch durch die Jesuiten. Nach den Verwüstungen und Plünderungen besonders 1627 und 1631-1638 Wiederaufbau des Stifts. 1802 besaß Heiningen 1766 Morgen Ackerland, 1556 Morgen Wiesen, Wald, Gärten und Teiche, 26.000 Taler Aktivkapital und keine Schulden.

Im Jahr 1802 fiel Heiningen mit dem Hochstift Hildesheim an das Königreich Preußen, 1806 an das neugegründete Königreich Westfalen. Am 17. Januar 1810 verfügte die westfälische Regierung die Aufhebung des Stifts. Bereits am 27. Februar wurde dem Justizrat Samuel Markwort Heiningen verkauft, wobei er 500.000 Francs für das Stiftsgut selbst und 20.000 Francs für den Viehbestand zahlen musste; die katholische Stiftskirche blieb vom Verkauf ausgeschlossen. Die formelle Auflösung des Konvents und die Einweisung des neuen Besitzers erfolgte am 7. März 1810.

Wie und wann die ehemaligen Urkunden in den Besitz Wedekins gelangten, ist nicht bekannt. Das Stiftsarchiv gehörte zum Inventar und ging beim Verkauf Heiningens in den Besitz des neuen Eigentümers über. Teile des Archivs, vor allem die älteren Urkunden, finden sich heute als Depositum der jetzigen Besitzerfamilie im Hauptstaatsarchiv Hannover (Dep. 9). Möglich, dass vor der offiziellen Übergabe des Stifts an Markwort Urkunden entfernt und später dann Wedekin angeboten wurden.

Die angekauften Urkunden wurden noch vor 1900 zu den von der Familie Degener im November 1878 als Depositum in

das Staatsarchiv gegebenen Heininger Urkunden gelegt und bildeten den Bestand Deposita 9. Ob in dem 1943 verbrannten Findbuch die unterschiedliche Herkunft der Urkunden vermerkt war, ist nicht bekannt. In dem 1967 neu angelegten Findbuch Dep. 9 fehlt jedenfalls jeder Hinweis auf die staatlich Herkunft eines großen Teils der dort verzeichneten Urkunden. Um die unterschiedliche Herkunft sauber zu trennen und die verschiedenen Eigentumsverhältnisse deutlich zu machen, wurden die 1878 gekauften 55 Urkunden zusammen mit einer vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg angekauften Urkunde aus dem Bestand Dep. 9 herausgenommen und bilden den neuen Bestand Hild. Or. 2 Heiningen.
Bei der Neuverzeichnung wurden die Titelaufnahmen von 1967 bis auf kleinere Änderungen übernommen. Die Handschriften sind 1943 verbrannt.

Quellen und Literatur:
HStA Hannover Hann. 1/3 Nr. 250 ff. 111 - 128.
Bär, M., Übersicht über die Bestände des K. Staatsarchivs Hannover, 1900, S. 120.
Taddey, G., Das Kloster Heiningen von der Gründung bis zur Aufhebung, 1966.
Engfer, H., Die Sammlung des Bischofs Eduard Jakob Wedekin und die Gründung des Diözesanmuseums, in: Alt Hildesheim Nr. 41, 1970, S. 62 ff.
Streich, G., Klöster, Stifte und Kommende in Niedersachsen vor der Reformation, 1986, S. 72 mit weiterer Literatur.

Dr. Franke
Hannover, April

1991

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet