LkAH L 3 II

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Description

Identification (short)

Title 

Kanzlei Hanns Lilje (Oberlandeskirchenrat)

Life span 

1935-1952

Fonds data

Custodial history 

L 3 Kanzlei Hanns Lilje

LEBEN:
Johannes Richard Lilje wurde am 20. 8. 1899 in Hannover als Sohn eines Diakons geboren. In seiner Heimatstadt besuchte er die Leibnizschule, nahm nach dem Abitur 1917 kurzfristig noch am 1. Weltkrieg teil, studierte dann in Göttingen und Leipzig Theologie und zeitweilig Kunstgeschichte und wurde 1924 ordiniert. Zunächst als Jugendpfarrer tätig, war Lilje 1925-1927 Studentenpfarrer an der Technischen Hochschule Hannover und wechselte dann nach Berlin als Generalsekretär der Deutsch-Christlichen Studentenvereinigung (DCSV). 1932 promovierte er in Zürich mit einer Arbeit über Luthers Geschichtsanschauung zum Dr. theol. 1932-1935 war er zugleich Vizepräsident der World Student Federation und knüpfte in dieser Zeit die ersten ökumenischen Kontakte. Von der NS-Herrschaft schon nach kurzer Zeit ernüchtert, engagierte sich Lilje bald auf Seiten der kirchlichen Opposition gegen die Deutschen Christen, welche die Kirche mit dem NS-Staat gleichschalten wollten. Mit anderen gründete er die "Jungreformatorische Bewegung", gab die oppositionelle Zeitschrift "Junge Kirche" heraus und engagierte sich im "Lutherrat", der die Aktivitäten lutherischer Kirchenleitungen gegen die Deutschen Christen koordinierte. Als Generalsekretär des Lutherischen Weltkonvents 1935-1945 hielt Lilje die Verbindung zu den Lutheranern in anderen Ländern und Kontinenten. Nach dem 20. Juli 1944 wurde er wegen seiner seelsorgerlichen Kontakte zu den Hitler-Attentätern verhaftet und erst im Mai 1945 von amerikanischen Truppen befreit. In Hannover wurde er 1945 Oberlandeskirchenrat, wenige Tage später wurde er zum Mitglied des Rates der neu gegründeten Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt. 1947 wurde er zum Landesbischof der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers gewählt, in diesem Amt blieb er bis zum Beginn seines Ruhestands (1971). Daneben übernahm Lilje zahlreiche weitere kirchliche Ämter: 1949-1967 war er stellvertretender Vorsitzender des Rats der

Evangelischen Kirche in Deutschland, 1955-1969 Leitender Bischof der Vereinigten Ev.-luth. Kirche Deutschlands (VELKD). An der nach dem 2. Weltkrieg sich neu bildenden internationalen ökumenische Bewegung beteiligte sich Lilje von Anfang an in führenden Positionen. Er galt als Gegner des NS-Regimes, war kommunikativ und sprach mehrere Sprachen fließend. 1947-1970 war er Mitglied des Exekutivkomitees des Luth. Weltbunds und amtierte 1952-1957 als dessen Präsident. Im Weltrat der Kirchen war er seit dessen Gründung (1948) Mitglied des Zentralkomitees und 1968-1975 einer von dessen Präsidenten. Als Abt von Loccum (seit 1950) konnte Lilje seine Weltläufigkeit, die für Deutsche nach dem 2. Weltkrieg selten war, mit dem Stolz auf die kirchlichen Traditionen Niedersachsens verbinden. Diese Traditionen wollte er für die Gegenwart fruchtbar machen. Um einer zunehmend säkularen Welt das Evangelium zu verkünden, nutzte Lilje entschlossen die modernen Kommunikationsmedien, 1948 gründete er das "Deutsche Allgemeine Sonntagsblatt" als "unabhängige Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft, Kultur". Um den Dialog von Kirche und Gesellschaft zu fördern, beteiligte er sich 1946 an der Gründung der Evangelischen Akademie Hermannsburg, die 1952 nach Loccum verlegt wurde. Ebenso unterstützte er die Deutschen Evangelischen Kirchentage, auf seine Initiative wurde der erste Kirchentag 1949 in Hannover veranstaltet. Lilje war eine der zentralen Personen des deutschen Protestantismus im 20. Jahrhundert; er wollte, dass die Kirche ohne Scheu vor der modernen Welt die biblische Botschaft weitergibt. - Ihm wurden zahlreiche internationale Ehrungen zuteil. Er starb am 6. 1. 1977 in Hannover und wurde auf dem Klosterfriedhof in Loccum begraben.

VERÖFFENTLICHUNGEN:
Die wichtigsten Veröffentlichungen Liljes nennt Ursula Gröger (Bearb.): Bibliographie Hanns Lilje, Blomberg 1979 (= Beiheft zum Jahrbuch der Gesellschaft für nieders. Kirchengeschichte 77 [1979]). Hauptwerke sind: Das technische

Zeitalter, Berlin 1928, 3. Aufl. 1932. - Im finstern Tal. Rückblicke auf eine Haft, Nürnberg 1947, 5. Aufl. Hannover 1999. - Martin Luther in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek 1965.

LITERATUR:
Ronald Uden: Hanns Lilje, Bischof der Öffentlichkeit, Hannover 1998. - Harry Oelke: Hanns Lilje. Ein Lutheraner in der Weimarer Republik und im Kirchenkampf, Stuttgart 1999. - Johannes Jürgen Siegmund: Bischof Johannes Lilje. Abt zu Loccum, Göttingen 2003.

L 3 II Kanzlei Hanns Lilje (Oberlandeskirchenrat)

Der Bestand L 3 II umfasst die Akten, die Lilje als Oberlandeskirchenrat in Hannover in den Jahren 1945-1947 führte; in Einzelfällen wurden sie noch einige Jahre weitergeführt. Sie dokumentieren die vielfältigen Aktivitäten Liljes nach seiner Befreiung aus der Haft: unter anderem als Fürsprecher des geschlagenen Deutschlands, als Mitglied im Rat der EKD, aber auch in der Öffentlichkeitsarbeit - sehr schnell begann er mit Planungen für eine christliche Zeitung - sowie in der Diakonie, Lilje war seit 1945 Präsident des Centralausschusses für die Innere Mission . Nach seiner Wahl zum Bischof der hannoverschen Landeskirche (1947) wurden die Akten, die sich direkt auf seine Tätigkeit als Landesbischof beziehen, neu angelegt; sie sind im Bestand L 3 III zu finden. Dagegen wurden Akten, die sich auf ökumenische und journalistische Arbeitsbereiche bezogen, zunächst noch in diesem Bestand (L 3 II) weitergeführt; erst nach und nach wurden neue Akten angelegt, die dann im Bestand L 3 III zu finden sind.
Die vorliegende Gliederung des Bestandes wurde in Liljes Sekretariat 1946 angelegt. Als Lilje 1968 in die neue Bischofskanzlei in der Haarstraße umzog, nahm er sie mit; hier galten sie zunächst als Altregistratur. Sie wurden mit anderen Akten Liljes 1976 dem Landeskirchlichen Archiv übergeben. 1984 wurden sie umgebettet und das Findbuch angelegt. Dabei wurde die Gliederung beibehalten.

Information / Notes

Additional information 

Abgeschlossen: ja

vollständig verzeichnet