NLA BU Dep. 37

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Nachlass Heilpädagoge und Sprachforscher Dr. Heinz Ritter

Laufzeit

1772-1994

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Abteilung: Akten nichtstaatlicher Provenienz, Deposita, allgemein.
Inhalt: Schriftgut aus Ritters Tätigkeit als Sprachforscher zu Novalis (Diss. 1929), zur Sagenforschung u. a. und aus der Tätigkeit als Pädagoge in seinem Kinderheim Schaumburg (seit 1936).
Umfang: 16,88 m.
Erschließung: Findbuch, EDV, einige Acc. unverzeichnet.

Bestandsgeschichte

1. Zur Person
Heinz Ritter wurde am 3. Juni 1902 in Greifswald (Pommern) als Sohn des Chirurgen Dr. Carl Ritter geboren. Die Familie verzog nach Düsseldorf, wo er 1921 das Abitur machte. Er studierte zunächst Medizin (bis zum Physikum), wechselte dann aber das Fach und studierte Germanistik, Biologie und Spanisch. 1929 promovierte er zum Dr. phil. mit einer Arbeit über Novalis in Bonn. Dort legte er auch das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab.
Mit seinem Freund Hubert Bollig gründete er 1931 ein Kinderheim im Schwarzwald (Waldhaus Malsch) und arbeitete dort als Heilpädagoge. 1935 trennte er sich von Bollig und ging als Lehrer an die Waldorfschule in Hannover.
1936 begann Heinz Ritter ein eigenes pädagogisches Kinderheim in Schaumburg aufzubauen, wo er nach neuartigen selbst entwickelten pädagogischen Grundsätzen arbeitete. Über 30 Jahre betreute er dort Kinder, die aus schwierigen familiären Verhältnissen kamen. 1967 verpachtete er schließlich das Heim und widmete sich gänzlich seinen wissenschaftlichen und literarischen Arbeiten.
Heinz Ritter ist Verfasser zahlreicher Bücher über Themen aus den unterschiedlichsten Fachbereichen. Hierzu zählen seine Arbeiten über Novalis (Novalis' Hymnen an die Nacht, Novalis und seine erste Braut, Der unbekannte Novalis) ebenso wie Arbeiten aus der Sprachforschung (Die Kraft der Sprache) und der Sagenforschung (Nibelungen, Dietrich von Bern, Hermann der Cherusker).
Die Breite seines literarischen Schaffens reicht von eigener Lyrik (Lebensquellen, Der Goldene Wagen, Blauer Turm) und Kindergedichten (Liebe Erde, Das Maulwurf-Igelchen) über Laienspiele und erzählende Dichtung (Der Traum vom Gralsfelsen, Das Erdeneiland) bis zu Autobiographischem (Spanienfahrt). Lebenslange Forschungen über Sagen und ihren Ursprung führten zur Herausgabe der Sammlungen "Die schönsten Sagen Europas" (1959) und "Sagen der Völker" (1976).
Seine

Untersuchungen zum historischen Hintergrund der deutschen Heldensagen und zur römisch-deutschen Germania-Geschichtsschreibung erbrachten überraschende Erkenntnisse, die er vor allem in seinem Buch "Die Nibelungen zogen nordwärts" (1981) veröffentlichte. Die kühnen neuen Thesen dieser Forschungen brachten ihm große Anerkennung (Bundesverdienstkreuz 1987), aber auch viele Anfeindungen aus der "Fachwelt" ein, da er trotz seiner akribischen Arbeitsweise und immensen Kenntnisse als Laie angesehen wurde. Heinz Ritter hat immer unorthodox gearbeitet: Bisherige Arbeiten zu dem jeweiligen Thema wurden von ihm kritisch betrachtet, grundlegende Quellen-Werke hat er stets neu übersetzt, die philologische Arbeit durch Forschungen vor Ort ergänzt, aus unterschiedlichsten Fachgebieten Erkenntnisse verknüpft und dadurch neue Perspektiven gewonnen.
Seine Schaffenskraft war bis zu seinem Tode (22.6.1994) ungebrochen. Allein im Jahre 1990, als er 88 Jahre alt war,
wurden drei neue Titel von ihm veröffentlicht: "Die Didriks-Chronik oder die Svava", "Die Thidrekssaga oder Dietrich von Bern und die Niflungen" und "Sigfrid ohne Tarnkappe".

B. Zum Bestand
Die ersten Kontakte zum Niedersächsischen Staatsarchiv knüpfte Heinz Ritter schon 1983/84, als er im Archiv zur
Varusschlacht forschte. Langwierige Verhandlungen führten schließlich zum Depositalvertrag vom 14.11.89. Bereits zu seinen Lebzeiten konnten vom Archiv in mehreren Ablieferungen Unterlagen übernommen werden. Nach seinem Tod wurde im September und Dezember 1994 von seinem Sohn ein weiterer großer Teil des wissenschaftlichen Nachlasses übergeben.
1996 wurde der Bestand von nunmehr ca. 25 lfd. Metern unter Aufsicht von Archivoberrat Dr. Böhme im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme durch Herrn Peter Milz geordnet und das Findbuch erstellt. Kassiert wurde nur wenig, meist Doppelexemplare und Fotokopien. Die Korrespondenz

von Heinz Ritter ist nahezu lückenlos von 1937 bis 1994 vorhanden. Sie erstreckt sich über alle Bereiche, von Familie und Freunden über die Arbeit im Kinderheim bis hin zum Schriftwechsel mit Autoren und Verlegern. Die "Schaumburger Rundbriefe" wurden als Jahresbriefe an
einen großen Leserkreis regelmäßig verschickt. Sie dokumentieren in kompakter Form das Schaffen von Heinz Ritter, aber auch den Alltag im Kinderheim und das Familiengeschehen. Gesammelt wurden auch die zahlreichen Antworten auf diese Rundbriefe. Der größte Teil des Bestandes enthält die Forschungsarbeiten und literarischen Werke Ritters. Zu allen Arbeiten gibt es umfangreiche Unterlagen; bei vielen Werken ist jedes Stadium der Arbeit dokumentiert, von den ersten handschriftlichen Notizen bis zum Umbruch. Zusätzlich gibt es zu vielen Arbeiten große Materialsammlungen sowie Sekundärliteratur. Eine Sammlung von Zeitungsausschnitten mit Rezensionen, ergänzt durch viefältigen Schriftwechsel, dokumentiert die Reaktionen auf Heinz Ritters Publikationen.
Andere Teile seines Nachlasses befinden sich im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein.

Für die Benutzung gelten die allgemeinen Benutzungsbestimmungen für die niedersächsischen Staatsarchive.

Bückeburg, im Juli

1996

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Georeferenzierung

Bezeichnung

Schaumburg [Wohnplatz]

Zeit von

1

Zeit bis

1

Objekt_ID

5519

Ebenen_ID

1