NLA WO 303 N

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Beschreibung: Bestand

Identifikation (kurz)

Titel 

Nachlass des Schriftstellers Dr. Heinrich Bauer

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Umfang: 6,3 lfdm
Der Schriftsteller Dr. Heinrich Bauer (1896-1975) war 1923 bis 1930 Generalsekretär von norddt. Landesverbänden der Dt. Volkspartei. Inhalt: u.a. I. Personalpapiere, Fotos; Privatkorrespondenz, dabei Winifred Wagner, Dr. Hjalmar Schacht. - II. Literarische Tätigkeit: polit. Artikel; Material zu seiner Stresemannbiographie; berufliche Korrespondenz; Materialslgen, Vorarbeiten zu Texten.

Der Nachlass wurde von Uta Gotter, Tochter von Heinrich Bauer, im April 2019 als Schenkung in das Eigentum des Niedersächsischen Landesarchivs übertragen.

Der Nachlaß (Umfang 4,2 lfdm) wurde im Oktober 1980 von der Witwe des Nachlassers, Frau Lieselotte Bauer, Berlin, im Staatsarchiv deponiert (Zg 65/80). Zunächst als Depositum, seit 2019 als Schenkung.

In Heinrich Bauers schriftstellerischem Schaffen dominiert eine geschichtliche, insbesondere nationalgeschichtliche, und kulturgeschichtliche Thematik. Das spiegelt sich auch in seinem Nachlaß, der zudem Einblicke in den wirtschaftlichen Existenzkampf eines zeitweise erfolgreichen Autors gewährt.

Heinrich Bauer wurde am 29. März 1896 in Helmstedt als Sohn eines Oberpostsekretärs geboren. Nach dem Besuch verschiedener Schulen (Gymnasium zu Helmstedt 1906-1909, Domgymnasium zu Magdeburg 1909-1912, Missionsschule in Friedensau bei Dresden 1912-1914) bestand er 1915 am herzoglichen Gymnasium in Wolfenbüttel die Abiturprüfung und rückte als Kriegsfreiwilliger ein. 1916 wurde er bei Verdun verwundet. 1917-1920 studierte er in Göttingen und München Philosophie, Geschichte und Theaterwissenschaften. Er promovierte 1920 in München über „Anzengruber und das Wiener Volksstück“ zum Doktor der Philosophie. Im gleichen Jahr heiratete er Irene von Castenchiold aus Hamburg, von der er sich aber schon 1921 zum erstenmal trennte. In den Jahren 1921/22 lebte H. Bauer bei seiner Mutter in Wolfenbüttel, von 1923-1927 wieder mit seiner Frau zusammen in Lübeck, wo er als Generalsekretär der Deutschen Volkspartei tätig war. Die Tochter Eva wurde 1926 geboren. Ein Jahr später trennte er sich endgültig von seiner Frau, lebte als freier Schriftsteller und Graphologe in Stuttgart und war 1928/29 Generalsekretär der Deutschen Volkspartei in Stettin. Seit 1930 lebte H. Bauer als freier Schriftsteller in Berlin. Dieser Aufenthalt wurde durch zahlreiche Reisen unterbrochen. Im Jahre 1938 heiratete er die Opernsängerin Lieselotte Wollenweber (von ihm Imogen genannt). 1940 zog das Ehepaar Bauer nach Breslau, wo Frau Lieselotte B. ein Engagement als Erste lyrische Sängerin am Opernhaus hatte. Seit 1943 wohnte die Familie Bauer in Baden-Baden, wo 1944 die Tochter Uta-Verena geboren wurde. Nach Kriegsende mußten sie die bisherige Wohnung verlassen, lebten ein Jahr im Weindorf Varnhalt bei Baden-Baden in einem Dachzimmer und wohnten bis 1951 im Schwarzwald (an der Hochstraße Plättig). Dann war die Familie wieder ohne eigene Wohnung und lebte vorübergehend in Baden-Baden, Eisental, Wolfenbüttel, Norderney, Düsseldorf und Unckel am Rhein. 1954 siedelte die Familie Bauer nach Westberlin über, wo Heinrich Bauer am 24.12.1975 im Auguste-Viktoria-Krankenhaus starb.

1913 schrieb Heinrich Bauer sein erstes Theaterstück. Gedichte folgten, von denen einige in den Bänden III und VII des „Deutschen Dichterreigens“ (Chemnitz und Leipzig 1914) veröffentlicht wurden. Offenbar angeregt durch sein Dissertationsthema schrieb Heinrich Bauer 1921/22 einige Komödien und Lustspiele, die jedoch keinen Bühnenerfolg erlebten. Während seines Lübecker Aufenthaltes (1923-1926) war er Mitherausgeber der Halbmonatszeitschrift „Der Aufbau“. Nach Büchern über Stresemann (1928/29) und Cromwell (1932), Geburt des Ostens (Ordensgeschichte (1933)) erschienen von ihm eine Reihe populärwissenschaftlicher Werke zur deutschen Geschichte, in denen das nationale und germanische Element stark betont wurden. Das wurde auch in seinem zeitgenössischen Siebenbürgenroman „Der Föhn braust durch das Land“ (1939/40) sichtbar. Diese nationalgeschichtliche Richtung seines schriftstellerischen Schaffens bis zum Kriegsende wurde nur unterbrochen durch einen Cortez-Roman (1937) und einen Michelangelo-Roman (1944). Nach 1945 versuchte Heinrich Bauer seine teilweise absatzstarken Bücher durch Umarbeitung neu zu veröffentlichen. Dies gelang jedoch nur mühsam: im Düsseldorfer Hoch-Verlag erschienen „Florian Geyer“ und „Cortez“ als Jugendbücher, denen sich drei neue Publikationen („Willkommen Thomas“, „Prinz Eugen“, „Kaiser Friedrich Barbarossa“) anschlossen, der Haller-Verlag in Berlin druckte 1954 sein schon 1936 begonnenes Manuskript über die „Mark Brandenburg“. Im Jahr 1961 erschien im Goldstadt-Verlag in Pforzheim eine Neuausgabe von Bauers Michelangola-Roman unter dem Titel „Meißel in Gottes Hand“, dem sich 1962 im gleichen Verlag ein Buch über Paris anschloß. Ab Mitte der fünfziger Jahre lag der Schwerpunkt des literarischen Schaffens von Heinrich Bauer im Bereich des Bühnenstückes und Fernsehspiels. Im Jahre 1958 druckte der Verlag Blochs Erben ein Textbuch mit H. Bauers Übersetzung und Bearbeitung von Lope de Vegas Komödie „El major imposible“ unter dem Titel „Eine Frau kann man nicht hüten“. Zu einer Aufführung gelangte jedoch weder dieses noch eines der zahlreichen anderen Stücke des Autors.

Neben den erwähnten Arbeiten versuchte Heinrich Bauer, vor allem nach 1945, durch Beiträge für Presse, Funk und Fernsehen sein Einkommen aufzubessern, was nur geringen Erfolg hatte. Erfolglos war auch sein Bemühen seit Ende der zwanziger Jahre, Drehbücher für den Film zu verfassen.

Heinrich Bauer verwendete folgende Pseudonyme: „Sylvester Arnold“, „Arnold Buck“, „Henry Gabain“, „Roland Gabain“, „Ferdinand Gral“, „Roland Prévot“.

Zur Überlieferung der Korrespondenzen Heinrich Bauers teilte Frau Lieselotte Bauer am 23.1.1980 folgendes mit: „Die Korrespondenz ist leider nicht vollständig vorhanden, da wir im Jahre 1945 aus dem Weingut bei Baden-Baden durch die Franzosen innerhalb einer Stunde vertrieben wurden und nur das nötigste mitnehmen konnten. So ist es reiner Zufall, was unter der Korrespondenz aus dem Dritten Reich noch unter den Papieren sich vorfand, als wir nach sieben Jahren (1952) die Möbel meist ohne Inhalt wieder zurückerhielten.“ Diese Aussage trifft auch auf Manuskripte und andere Unterlagen aus der Zeit vor 1945 zu. So teilte Frau Bauer am 22.11.1985 noch ergänzend mit: „Ich weiß bestimmt, daß mein Mann nach dem „Cromwell“ eine Geschichte der Französischen Revolution schreiben wollte (übrigens auf Anregung Oswald Spenglers) und daß es dazu viele Vorarbeiten und ein großes Exposé gab. Das hat sicher die Franzosen außer den Korrespondenzen ganz besonders interessiert.“

Über die allgemeine Richtung seines schriftstellerischen Schaffens sowie seine zeitweise prekäre Stellung während des Dritten Reiches äußerte sich seine Witwe in einem Brief vom 22.11.1985 wie folgt:

„Mein Mann war sehr vielseitig interessiert; vor allem kämpften stets der wissenschaftlich arbeitende Historiker und der dichterische Geist in ihm. Zeitweise schrieb er ganz bewußt biographische Romane, um neben dem sauber vorgearbeiteten geschichtlichen Ablauf (z. B. Zeittafel und Register im „Cromwell“) die seelischen Bereiche der handelnden Personen zu durchleuchten.

Heinrich Bauer war von seiner Erziehung her äußerst national, dachte aber auch – schon durch die Begegnung mit Stresemann – sehr europäisch und liebte besonders die romanischen Länder wie Frankreich und Italien. Auf der Rückreise von Paris machte er in Straßburg Station (1934) und empfing hier die Anregung zu seinem Buch über Erwin von Steinbach, den Erbauer der Westfassade des Münsters. Seine tiefreligiöse Einstellung brachte er ohnehin für die Welt des Mittelalters mit.

Zunächst wurde Heinrich Bauer sehr von den neuen Machthabern gesucht und seine Bücher „benutzt“. Er aber versuchte auf seine Weise dem Radikalismus entgegenzutreten, was ihm natürlich starkes Mißtrauen auf der anderen Seite eintrug. Dann galt er plötzlich als politisch „unzuverlässig“ (Stresemann, Freimaurer, „monarchistische Denkweise“, Kirchenzugehörigkeit) und wurde auf die Liste „der nicht zu fördernden Bücher“ gesetzt, nicht nach Weimar eingeladen und von den Funktionären „geschnitten“. Ab 1937 mußte er sehr vorsichtig paktieren, um in der Schrifttumskammer zu bleiben, sonst hätte er garnicht mehr veröffentlichen können. Der letzte Beitrag in den „Schicksalsstunden“ (1934) wurde vom Verlag erzwungen, ebenso die „nationalen“ Einschübe im Siebenbürgen-Buch (1939/40). Monatelang wehrte sich mein Mann gegen zeitbezogene Tendenz, aber ohne diese wollte man das Buch nicht herausbringen. Der „Florian Geyer“ (1935) wurde ohne Wissen von Heinrich Bauer vom Eher-Verlag nachgedruckt – übrigens auch ohne Honorar! Als er dann mit Klage drohte, wurde ihm beschieden, es sei eine „Ehre, in Hitlers Verlag zu erscheinen“.

Noch vieles mehr wäre aus der Korrespondenz mit den offiziellen Stellen zu ersehen gewesen.

Der „Michelangelo“, (1944) war als Protest gegen die Macht des Staates und seine diktatorischen Machenschaften gedacht und geschrieben. Da dieses Buch (von 1940-43 niedergeschrieben) als „Nicht kriegswichtig“ eingestuft wurde, ließ man es ein Jahr lang im Propaganda-Ministerium liegen und genehmigte nur 5000 Stück (während für mehr als 10 000 Exemplare gutes Papier und Einbandmaterial beim Verlag vorhanden waren), nahm dem Verleger das weiße Papier fort für den Eher-Verlag und das Buch Heinrich Bauers erschien broschiert mit gelbem Papier. Dieses sind nur ein paar Beispiele zum Verständnis.

Das Absurde ist, daß mein Mann nach dem Krieg als „Nazi“ galt, da er ja nicht ausgewandert war, sondern in Deutschland veröffentlicht hatte.“

Die Ordnung des Nachlasses, insbesondere seines Hauptteils, der literarischen Papiere, erwies sich als nicht einfach. Für die Strukturierung der schriftlichen Hinterlassenschaften aus der literarischen Tätigkeit wurde ein Gliederungssystem gewählt, das eine größtmögliche Übersichtlichkeit anstrebt. Eine Aufteilung des Gesamtmaterials je nur nach Chronologie, (Entstehungs- bzw. Abfassungszeit), Gattungen oder Inhalten als jeweils einzigem Hauptprinzip erwies sich angesichts der Struktur des Nachlasses als unmöglich; in Frage kam nur eine Mischung dieser drei Gliederungselemente. Die in der Abteilung „Literarische Tätigkeit“ vorgenommene gemischte Untergliederung nach inhalts- und gattungsspezifischen Gesichtspunkten ist insofern gerechtfertigt, als sich H. Bauer häufig nach Erarbeitung eines Sachgebietes mehrerer literarischer Formen bediente.

Am Anfang von Abteilung II steht die vorwiegend journalistische Tätigkeit H. Bauers und als Überleitung in die literarische Arbeit wurden die Kurzformen gewählt, da es seine Gedichte waren, die zuerst (1914) veröffentlicht wurden. Es folgen die Arbeiten mit historischem Bezug, zweifellos diejenige Gruppe, mit der er in den dreißiger Jahren seine größten Erfolge (von der Anzahl der Veröffentlichungen und der Auflagenzahl her gesehen) hatte. Der Aspekt der Zeitgeschichte schließt sich an. Da hier die dramatische Gestaltung der Stoffe überwiegt, folgen weitere Bühnenstücke unter gattungsspezifischem Gesichtspunkt. Dieses Ordnungssystem wird fortgesetzt durch die Romane und Jugendbücher. Es folgt wieder ein inhaltlicher Aspekt (Geographie). Den Abschluß des literarischen Schaffens bilden die unvollendet gebliebenen Arbeiten. Hier sei noch erwähnt, daß autobiographische Arbeiten unter Abteilung I eingeordnet wurden, da sie mehr über die Persönlichkeit als über den literarischen Stil aussagen. Am Ende von Abteilung II sind die Tätigkeitsbereiche des freien Schriftstellers eingeordnet, die außerhalb der Textproduktion liegen. Zu den Korrespondenzen ist zu bemerken, daß diejenigen Teile, die sich überwiegend auf ein Werk H. Bauers beziehen, diesem Werk zugeordnet wurden. Die Teile jedoch, die allgemein gehalten sind oder sich auf mehrere Werke beziehen, sind in Abteilung II 11 eingeordnet worden. Die im Nachlaß vorhandenen Buchexemplare sind als Reihe gesondert im Bestand aufgestellt.

Unter „Verschiedenes“ befindet sich ein Karton mit beschrifteten Aktendeckeln und ein weiterer mit nicht einzuordnenden Manuskriptteilen: Etliche Mappen enthielten nicht das, was auf ihrem Deckel stand, auch waren einige Mappen übereinstimmenden Inhalts gleichlautend beschriftet, konnten aber vom Umfang her zusammengestellt werden. Weiter kam es recht häufig vor, daß sich zwischen Manuskripten ein oder zwei Seiten befanden, die nicht dorthin gehörten, deren Zuordnung aber nicht möglich war.

Die Verzeichnung und Ordnung des Nachlasses führte unter der Aufsicht von Dr. D. Lent der Angestellte Reinhard Försterling durch. Das Findbuch schrieb Frau Ingeborg Degering.

Wolfenbüttel, im Oktober 1985

D. Lent

Liste der Veröffentlichungen von Heinrich Bauer (1896-1975)

1914 Gedichtsammlung: Deutscher Dichterreigen (Bd. III u. VII)
Mitteldeutsche Verlagsanstalt Chemnitz/Leipzig

1923/26 Herausgeber einer Halbmonatszeitschrift: Der Aufbau, (in Lübeck)

1929/30 Stresemann. Ein deutscher Staatsmann (285 S.)

1932 Cromwell. Ein Kampf um Freiheit und Diktatur (388 S.),
Oldenbourg-Verlag/München

1932 Staatsschöpfung des deutschen Ritterordens (73 S.),
Stalling-Verlag/Oldenburg

1933 Geburt des Ostens (Ordensgeschichte) (320 S.),
Frundsberg-Verlag/Berlin

1934 Schicksalsstunden der deutschen Geschichte (243 S.),
Hanseatische Verlagsanstalt/Hamburg

1934 Christine von Schweden (120 S.) Nordische Gesellschaft

1935 Florian Geyer (Bauernkriegsroman) (310 S.),
Ährenlese-Verlag/Berlin

1935 Meister Erwin und Uta (Roman um das Straßburger Münster) (260 S.),
Oldenbourg-Verlag/München

1936 Götter kämpfen (Ordens-Roman) (331 S.), Gräfe u. Unzer-Verlag
Königsberg/Ostpreußen

1936 Gen Ostland woll´n wir reiten (Novelle um die Schlacht v. Tannenberg 1410)
(130 S.), Frundsberg-Verlag/Berlin

1937 Söhne der Sonne (Cortez-Roman) (372 S.),
Hesse u. Becker-Verlag/Leipzig

1939/40 Der Föhn braust durch das Land (Siebenbürgen-Roman) (302 S.),
Buchmeister-Verlag/Berlin

1941 Männer und Siege (30 Monographien von Theoderich bis Lagarde) (331 S.),
Steirische Verlagsanstalt/Graz

1941 Der ewige Soldat (Opfermut deutscher Männer) (80 S.),
Mittler u. Sohn/Berlin

1944 Michelangelo (Roman) (567 S.), Stubenrauch-Verlag/Wien/Berlin

1949 Freude, schöner Götterfunken (Beethoven-Novelle) (141 S.),
Kairos-Verlag/Baden-Baden

1954 Willkommen, Thomas (Flüchtlingsnovelle) (128 S.),
Hoch-Verlag/Düsseldorf

1954/58 Prinz Eugen (Roman) (245 S.), Hoch-Verlag/Düsseldorf

1954/58 Kaiser Friedrich Barbarossa (Roman) (224 S.),
Hoch-Verlag/Düsseldorf

1954 Die Mark Brandenburg (Geschichte) (158 S.), Haller-Verlag/Berlin

1962 Paris – Schönheit u. Schicksal einer Weltstadt (311 S.),
Goldstadt-Verla

Beschreibung 

Das masch. Altfindbuch wurde im Sommer 2020 von Frau Heike Ostwald in Arcinsys erfasst.

Wolfenbüttel, im August 2020

Dr. Martin Fimpel

Informationen / Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Nein

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