NLA WO 249 N

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Nachlass des Geheimen Archivrats Dr. Paul Zimmermann

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Umfang: 6,5 lfdm
Dr. Paul Zimmermann (1854-1933) war von 1876 bis 1924 am Landeshauptarchiv tätig, ab 1890 als Leiter. Inhalt: Familiäres u. Persönliches; amtliche, privatdienstliche Tätigkeit, Redaktionsgeschäfte; Tätigkeit in Vereinen u. Gremien; politische Tätigkeit; wissenschaftliche Tätigkeit; Materialslg zu "Welfengenealogie"; private u. wissenschaftliche Korrespondenz, u.a. R. Huch, Wilh. Raabe, K. Steinacker; Varia; Feldpostbriefe.

Bestandsgeschichte 

Der vorliegende Bestand (Umfang 12 lfm) enthält den Hauptnachlass des bedeutenden, über die Grenzen seines Heimatstaates Braunschweig hinaus bekannten Wolfenbütteler Archivdirektors und niedersächsischen Landeshistorikers. Der Bestand setzt sich aus dem persönlichen und wissenschaftlichen Nachlass zusammen. Vom rein dienstlichen Nachlass ist nur wenig, vom privat-geschäftlichen (persönl. Finanzen usw.) überhaupt nichts in das Staatsarchiv gelangt. Erhebliche Teile des wissenschaftlichen Nachlasses lagern nicht in diesem Bestand, sondern sind an verschiedensten anderen Stellen im Staatsarchiv untergebracht worden (siehe Aufstellung unten).

Der Nachlass wurde 1933 kurz nach dem Tode des Gelehrten von seinen Kindern dem Staatsarchiv geschenkt (Zg. 58). Zimmermann selbst hatte seinen Nachlass in systematischer Gliederung verzeichnet (Verzeichnis s. SR 249 N), das Schriftgut selbst selbst aber nur zum Teil in die entsprechende Ordnung bringen können. Im Jahre 1940 ordnete und verzeichnete Archivdirektor Dr. Hermann Kleinau den Nachlass im engen Anschluß an Zimmermanns Gliederung: es handelt sich hierbei jedoch nicht um eine Verzeichnung der einzelnen Faszikel, sondern hauptsächlich nur der Aktengruppen des Nachlasses. Die Kleinausche Ordnung war um 1975. da feste lfd. Signaturen fehlen, kaum mehr erkennbar. Die in den Jahren 1980 - 1982 durchgeführte völlige Neuverzeichnung des Bestandes orientierte sich nicht mehr an der Zimmermann-Kleinauschen Gliederung, sondern führte zu einem weitgehend neuen Gliederungsschema, da Zimmermanns Ordnungsprinzipien von bibliothekarischen Gesichtspunkten geprägt waren.

H. Kleinau hat behutsam folgende Betreffe kassiert: belanglose Zuschriften Fremder, Bücherangebote und Bücherrechnungen, Familienanzeigen Unbekannter, Drucksachen. Einige Schriftwechsel über Zimmermanns Tätigkeit in der Herzog August Bibliothek hat Kleinau an diese

abgegeben. Möglicherweise sind um 1944 Familienbriefe an den Sohn, Forstmeister R. Zimmermann, zurückgegeben worden (siehe SR 249 N 1941 - 1944). Der Unterzeichnete hat fast nichts kassiert. Schon Kleinau fielen Lücken in dem sonst geschlossenen Nachlass auf: es fehlen in den Korrespondenzserien die älteren Jahrgänge der Buchstaben K und M sowie die jüngeren Jahrgänge beim Buchstaben V. Insbesondere ist der fast durchgängige Mangel an Briefen aus dem 1. Weltkrieg auffällig. Ferner sind wohl nicht alle in Zimmermanns selbstverfassten Nachlassverzeichnis aufgeführten Sonderdrucke und Handexemplare der eigenen Veröffentlichungen im Nachlass vorhanden. Im Jahre 1940 fehlte schon die Ausarbeitung über "Pfarrchroniken" (Signatur B 52 des Zimmermann-KleinauschenVerzeichnisse). Innerhalb der "Genealogia Welforum" fehlen die Materialsammlung für die Fürsten mit dem Anfangsbuchstaben U bis Z (nach Nr. 314).

Der vorliegende ungewöhnlich umfangreiche Nachlass ist für die braunschweigisch-niedersächsische Geschichte aus mehren Gründen hochbedeutsam, die sich aus der Lebensgeschichte Paul Zimmermanns erklären. Kein Geringerer als der Historiker Karl Brandi charakterisierte Zimmermann in einem Nachruf als vollendeten Vertreter der Landesgeschichte, als vornehmen Gelehrten alten Stils und als "erbgesessenen Archivar". Einzelheiten seines Lebens und Wirkens kann man dem ausführlichen Lebensbild aus der Feder seines Amtsnachfolgers Hermann Voges entnehmen (s. Literaturverzeichnis unten!).

P. Zimmermann wurde 1854 in Vorsfelde geboren und starb am 13. Februar 1933 in Cunrau (Altmark). Er war mit bedeutenden und einflußreichen Familien des Braunschweiger Landes verwandt: sein Großvater war der weitbekannte Stadtdirektor Wilhelm Bode in Braunschweig; eine Großmutter stammt aus der bekannten Helmstedter Kirchenhistorikerfamilie Henke, die wiederum mit der dortigen Professorenfamilie

Carpzow verschwägert war. Zwei von Paul Zimmermanns Onkeln waren braunschweigische Minister: Der Kulturminister Gustav Langerfeldt (+ 1883) sowie Finanzminister Friedrich Zimmermann (+ 1878). Sein Vater war Oberlandesgerichtsrat, Pauls Bruder Friedrich Wilhelm Rudolf Kammerpräsident und von 1888 - 1890 persönlicher Kabinettssekretär des Prinzregenten Albrecht. (Der Restnachlass von F.W.R. Z. lagert im Bestand 248 N). Der berühmte Generaldirektor der Berliner Museen Wilhelm (von) Bode (+ 1929) war sein Vater. Von Paul Zimmermanns eigenen Söhnen wurde einer Direktor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg und später Generaldirektor der Berliner Staatlichen Museen. Verwandt war P. Zimmermann u.a. mit den Familien Seeliger (Wolfenbüttel), Rimpau, Heine (Halberstadt), Beseler (Altmark). Diese in Politik, Staatsdienst und die Geistes- u. Gelehrtengeschichte weisenden Familienverbindungen konnte er dienstlich und wissenschaftlich nutzen.

Zimmermann studierte nach dem Gymnasialbesuch in Wolfenbüttel von 1872 - 1875 in Leipzig, München und Heidelberg deutsche Philologie und klassische Philologie, Geschichtliche Hilfswissenschaften und Rechtsgeschichte und promovierte 1875 mit einer germanistischen Arbeit. Zu Ostern 1876 legte er in Karlsruhe das philologische Staatsexamen für das höhere Lehramt ab. Seine Neigung zog mit seit früher Jugend an die Herzogliche Bibliothek in Wolfenbüttel. Nach langem Schwanken erst schlug er die ihm dort offenstehende Bibliotheksekretärstelle aus und trat am 30.03.1876 beim Herzoglich Braunschweigischen Landesarchiv als Hilfsarbeiter ein (vgl. 249 N 302 ausführlich über die angestrebte Bibliothekarslaufbahn). Am 1. Januar 1879 wurde er Archivsekretät. Vom April bis August desselben Jahres hatte er Urlaub für rechtswissenschaftliche Studien und zum Kennenlernen der Einrichtungen des Staatsarchiv Marburg. Hier erhielt er von dem ihm später

lebenslang befreundeten Archivleiter Gustav Könnecke (1845 - 1920) nach eigenem Eingeständnis bleibende Anregungen für sein berufliches und wissenschaftliches Wirken (vgl. Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde, Jg. 1920/21, S. 3 - 13 [Könnecke-Nekrolog von Paul Zimmermann]. Zimmermann war Könnecke philologisch und historisch geistesverwandt. Von Könnecke empfing Zimmermann die Idee des "Sammelns in Archiven": umfassende Konzentration aller Behördenakten sowie alles sonstigen ergänzenden Quellengutes insbesondere aus Privathand war neben der Pflege der archivischen Handbibliothek Könneckes Bestreben. Diese Anregung sind insofern von Bedeutung, als Paul Zimmermann selbst in der Archivwelt bis heute als der eigentliche Pionier des archivischen Sammelns gilt und als solcher noch gegenwärtig bekannt ist /vgl. H. Richterling: Privatarchive und Archivalienschutz in Norddeutschland; in: Scrinium, Heft 22/23, 1980, S. 56 - 69).

Am 1.4.1885 wurde Zimmermann Archivar, am 15.3.1890 kommissarischer, am 28.11.1893 endgültiger Vorstand (Leiter) des Landeshauptarchivs. Nach Erlangung der weiteren Amtsbezeichnungen Archivrat (1898), Geheimer Archivrat (1908), Direktor des Landeshauptarchivs (1.4.1920) wurde er zum 1.1.1924 in den Ruhestand versetzt.

Zimmermann hat volle 47 Jahre im Landeshauptarchiv gewirkt, davon 34 Jahre als Direktor. Erst 1909 erhielt er mit Dr. Hermann Voges einen zweiten wissenschaftlichen Mitarbeiter. Sein rastloser Fleiß, seine große Schaffenskraft sowie die Richtung seiner Interessen haben dem Landeshauptarchiv in dieser jahrzehntelangen Ära für immer ein besonderes Gepräge gegeben. Der vorl. Nachlass spiegelt sowohl Zimmermanns weitgespannte Interessen wie seine Leistungen.

Neben der archivdienstlichen und wissenschaftlichen Tätigkeit findet sich im Nachlass noch der schriftliche Niederschlag seines Wirkens in z.T. führenden Positionen der folgenden Vereinigungen, Gremien, Institutionen, Anstalten usw.:

- von 1887 - 1924 Vorsitzender des Ortsvereins für Geschichte und Altertumskunde in Wolfenbüttel bzw. ab 1901 Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig.
- von 1895 bis 1931 Herausgeber der Geschichtzeitschrift "Braunschweigisches Magazin", (für das er in der Zeit von 1885 bis 1910 insgesamt 75 Beiträge beisteuerte). - Ferner von 1902 - 1930 Herausgeber des Jahresbuchs des Braunschweigischen Geschichtsvereins.
- Vorstand im Hansischen Geschichtsvereins sowie Vorstand (und Schatzmeister) im Gesamtverein deutscher Geschichts- und Altertumsvereine.
- Seit 1910 Stellvertretender Vorsitzender der historischen Kommission für Niedersachsen.
- Stadtverordneten-Mandat für Paul Zimmermann:
Zimmermann wurde am 23.3.1896 von den Angehörigen der ersten Wählerklasse als Nachfolger des freiwillig ausgeschiedenen Bankiers Meineke in die Stadtverordneten-Versammlung von Wolfenbüttel gewählt (vgl. Wolfenbütteler Kreisblatt Nr. 71 v. 24.3.1896). das Staatsministerium untersagte ihm jedoch die Annahme des Mandats (vgl. Wolfenbütteler Kreisblatt 104 v. 3.5.1896). Gewählt wurde schließlich der Kalkwerksbesitzer Eduard Pfeiffer (vgl. Wolfenbütteler Kreisblatt 124 v. 29.5.1896). - Nach § 24 der Städteordnung von 1892 mussten "Staatsdiener, städtische Hilfsbeamte und Gemeindediener, Geistliche und Schullehrer" die Erlaubnis ihrer vorgesetzten Behörde einholen, wollten sie ein unbesoldetes Gemeindeamt übernehmen. Die Erlaubnis sollte nur aus "Rücksichten auf das Beste des Dienstes" versagt werden können.
- Seit 1889 Mitbegründer und Vorstand im Vaterländischen Museum in Braunschweig.
- Vom 10.1.1920 bis 31.12.1920 sowei vom 1.4.1926 bis zum 30.9.1927 kommissarischer Leiter der Braunschweigischen Landesbibliothek in Wolfenbüttel.

- Seit 1927 ständig im Vorstend der Museums- und Bibliotheksstiftung von Haus und Land Braunschweig, dabei mehrfach den jährlich wechselden Vorsitz für das Herzogliche Haus führend (vgl. G. Ruppelt: Von der Herzoglichen Bibliothek zur Herzog August Bibliothek, 1980, S. 24 ff betr. diese Stiftung)
- Mitglied im Harzverein für Geschichte und Altertumskunde, der Gesellschaft für niedersächsische Kirchengeschichte, der Ostfälischen Familienkundlichen Kommission.
- Gründungsmitglied und Vorstand im Braunschweigischen Landesverein für Heimatschutz (seit 1908).
- Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen (seit 1914).
- Vorsitzender der braunschweigischen Sachverständigen-Kammer für Werke der Literatur (ab 1914).
Reserveoffizier (Leutnant) bei der 5. braunschweigischen Batterie des Niedersächsischen Feldartillerie-Regiments Nr. 10 (in Wolfenbüttel).
- Langjähriger Vorsitzender der Vereinigung alter Schüler der Großen Schule in Wolfenbüttel.
-Nach 1918 Mitglied der Landessynode.
- Mitglied des Kirchenvorstands der Hauptkirche B.M.V. in Wolfenbüttel.

Zahlreiche weitere Mitgliedschaften in Vereinen usw. ergeben sich aus dem vorl. Nachlass (insbes. Nr. 80 - 96).

Außerordentlich wichtig für die wissenschaftliche und dienstliche Tätigkeit Zimmermanns war seine Funktion als Vertrauensmann des welfischen Herzoghauses in allen geschichtlichen und musealen Angelegenheiten im weitesten Sinn. Seine Mitarbeit in der welfischen Bewegung schlägt sich ebenfalls im Nachlass nieder. Politisch hatte er sich für das Welfenhaus bereits verhement als junger Mann mit seiner aufsehenerregenden Schrift über den braunschweigischen Erbhuldigungsgeld 1886 eingesetzt.

Über die geplanten und ausgeführten wissenschaftlichen Arbeiten Zimmermanns unterricht eingehend der Lebensabriß von Hermann Voges in den "Niedersächsischen Lebensbildern". Karl Brandi nannte ihn in seinem

Nachruf (Niedersachs. Jahrbuch 10, 1933, S. 1) den "vollendeten Vertreter der Landesgeschichte nach Abstammung, gelehrter Bildung, Berufsstellung und innerer Stimmung". Besonders wertvoll im vorl. Bestand sind die Materialsammlungen und Ausarbeitungen zu nicht vollendeten Werken: denn seine Angaben und Quellennachweise sind nach H. Voges (s. Lebensabriß S. 440) "unbedingt zuverlässig" und schlüsseln riesige Stoffmengen auf.

Von den unvollendeten Arbeiten Zimmermanns ist im vorliegenden Bestand am wichtigsten sein grpßes Lebenswerk: die "Welfengenealogie" oder "Genealogia Welforum" (Nr. 308 - 368; Umfang 1,31 ldm), die Hermann Kleinau später vollenden wollte (Nr. 346). Kleinau schrieb 1941, dass eine Welfengenealogie seit langer Zeit auch unter seinen eigenen Plänen läge (SR 249 N). Es handelt sich bei Zimmermanns Welfengenealogie um ein Genealogisch-biographisches Handbuch über das Welfenhaus seit Heinrich dem Schwarzen in knappster Fassung mit umfassenden Belegen (s. Nr. 314), das die wichtigeren Lebensdaten seiner Mitglieder übersichtlich zusammenstellen sollte. Der Plan war aus praktischen Erfahrungen im Archiv hervorgegangen und entstand aus gelegentlichen Ergänzungen und Berichtigungen zum Welfen-Stammbaum von Pricelius (1830) und den europäischen Stammtafeln von L.A. Cohn (1871). Planmäßig durchforschte Zimmermann Kirchenbücher, Sarginschriften, Grabdenkmäler, Münzen und Medaillen, Notifikationen, Personalakten, Chroniken, Memorienregister, Leichenpredigten, Druckwerke usw., um absolut zuverlässige Daten zu gewinnen und bei sich widersprechenden das sicherste auszuwählen. Das geplante Werk, dessen Vorbild O. Posses Genealogie der Wettiner (1897)war, sollte Stammbäume (15 Tafeln mit Übersichtstafel) mit einem kurzgefaßtem Aufsatz über jede Persn enthalten; folgende Daten sollten darin aufgeführt werden:
- Geburt (Tag, Stunde, Ort)
- Taufe
- Heirat

(Ehepakten, Beilager, Morgengabe, Verzichtsurkunde, Heimführung)
- Tod (Tag, Stunde, Ort)
- Begräbnis (Tag, Ort, Veränderungen)
- Regierungszeit
- Geistliche Stellungen
- Militärische Stellungen (mit Angabe auch der nichtbraunschweigischen Dienststellung)
- Orden
- Universitäten
- Wahlsprüche
- Beinnamen
- Literaische, künstlerische, musikalische Arbeiten
- [Dichterische Behandlung der einzelnen Persönlichkeiten]
- (Siegel und Bildnisnachweise sollten entfallen!)

Besondere zusammenfassende Kapitel sollten enthalten: Bibliographie, Zusammenstellung der Stätten der Geburt, Vermählung, des Todes und der Begräbnisse, chronologisch-kalendarische Übersicht der Ereignisse des Hauses. Gute und ausführliche Register sollten das ganze Werk erschließen.

Der Plan wurde nach einem Vermerk Zimmermanns dem Herzog Ernst August von Cumberland im September 1905 vorgetragen, der dem Werk sein Interesse zuwandte. Im Druck vorgelegt hat Zimmermann von dem gewaltigen Vorhaben nur "Das Haus Braunschweig-Grubenhagen" (1911) sowie "Die Stammtafel des Hauses Braunschweig mit einigen kognatischen Beziehungen" als "Beilage zum Hof- und Staatshandbuch des Herzogtums Braunschweig" seit 1908 (Verl. Joh. Heinrich Meyer in Braunschweig). In den Umkreis der Welfengenealogie gehört wohl auch Zimmermanns große Abhandlung "Die Grabstätten der Welfen", die im Braunschw. Magazin 1899 - 1901 in dreizehn längeren Fortsetzungen erschienen ist; das gleiche gilt für seine zahlreichen biographischen Artikel über Angehörige des Welfenhauses in der "Allgemeinen Deutschen Biographie". Eine ausgearbeitete Probe aus der Genealogia Welforum liegt offenbar in Nr. 314 betr. den Herzog Ferdinand Albrecht I. vor; dasselbe gilt vielleicht für Nr. 354 (Herzog August d.J.), woran Zimmermann noch 1927 arbeitete. Er hat offenbar noch bis in die allerletzten Monate seines Lebens an seiner Welfengenalogie

gearbeitet, wie zahlreiche Notizen in zittriger Schrift ausweisen; denn bis April 1932 war seine feine, klare, gut lesbare Handschrift noch unverändert.

Bis zum Jahre 1905 hatte Zimmermann laut Vermerk (Nr. 314) hauptsächlich die Quellen des Landeshauptarchivs herangezogen, gelegentlich auch andere Archive. Über Drucklegung und Systematische Fortsetzung der Arbeit sprach er damals mit dem Herzog, der sich sehr für die Geschichte des Welfenhauses interessierte. Herzog Ernst August von Cumberland finanzierte die Drucklegung des Buches über das Haus Grubenhagen und besuchte 1917 auch das Landeshauptarchiv. Verzeichnisse von für die Welfengenealogie durchzusehenden bzw. durchgesehenen Quellen finden sich in 249 N 314, 320 und 36 B Slg (zu Anfang). Zimmermanns Materialsammlung zur Genealogia Welforum ist vom höchsten landesgeschichtlichen Wert. Die Essenz des ganzen Genealogia-Projektes liegt in den Karteien 36 B Slg vor. Das gleiche gilt wohl auch für das alphabetische "Namensverzeichnis der Mitglieder des ganzen Welfenhauses in Niedersachsen", das in den sogen. "Handmappen (Archivbehelfe)" der Referenten des Staatsarchivs vorliegt.

In folgendem genealogischen Werk wird Zimmermanns "Genealogia Welforum" höchstes Lob gezollt:

Michel Huberty, Alain Giraud, F. et B. Magdelaine:
L'Allemagne Dynastique. Les quinze Familles qui ont fait l'Empire, Tome III: Brunswick-Nassau-Schwarzburg (Le Perreux 1981): es handelt sich hierbei um eine kritische Genealogie der 15 führenden deutschen Fürstenhäuser aus dem Zeitraum von 1600 bis 1976, wobei Vollständigkeit und exakte Daten angestrebt wurden; genau dasselbe wollte Zimmermann mit seinem Lebenswerk erreichen. So ist es verständlich, dass die Autoren den obengenannten Band ausdrücklich dem Andenken Paul Zimmermanns mit vorgesetztem Porträtfoto widmeten und seine Leistung in der Einleitung S. 8 ff ausführlich würdigten:

Zogen sie doch seine Materialsammlung im vorl. Bestand und in 36 B Slg mit größtem Gewinn für ihr Buch heran; umfassende Archivalienbenutzung ist den drei Autoren und P. Zimmermann gemeinsam!

Das zweite ebenfalls unvollendete Lebenswerk Paul Zimmermanns ist die Biographie des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig (1771 - 1815) des sogen. Schwarzen Herzogs. Von 1886 bis in seine letzten Lebenstage arbeitete er an diesem Werk, für das er umfassende Quellenmaterial gesammelt hatte. Die fast vollendete Biographie wurde im Jahre 1936 stark verkürzt und unter fast völliger Weglassung der wertvollen Anmerkung posthum von der Historischen Kommission für Niedersachsen in sehr unbefriedigender Weise herausgegeben. Die ursprünglich im vorl. Bestand befindliche Materialsammlung für dieses Buch (Umfang: 1,2 lfdm) wurde aus praktischen Gründen herausgelöst und als eigener Bestand 249 AN geordnet und verzeichnet. Über Zimmermanns Pläne, Arbeitsmethoden usw. unterrichtet ausführlich das Vorwort zu 249 A N. Die Materialsammlung ist als Quellenfundus für diesen braunschweigischen Nationalhelden überaus wertvoll und durch den Druck der Zimmermannschen Biographie nicht überholt.

Wahrscheinlich im oder kurz nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Material für ein weiteres Zimmermannsches Werk aus dem vorl. Nachlass herausgelöst und in VII D Hs 57 a - 57 k (Umfang: rd. lfdm) eingeordnet: es handelt sich um das Manuskript und die sonstigen Vorarbeiten für ein "Urkundenbuch der Stadt Helmstedt sowie der in und bei Helmstedt gelegenden Klöster" (972 - 1500): neben den Beständen des Stadtarchivs Helmstedt sowie der Klosterurkundenbestände von St. Ludgeri und Marienberg in Wolfenbütteler Landesarchiv wurden auch einige nichtbraunschweigische Archive dafür ausgewertet. In den Jahren 1887 bis 1890 hatte Zimmermann schon Urkunden aus dem Stadtarchiv Helmstedt für sein Buch

entliehen. Im Jahre 1913 lagen die Manuskripte für das Urkundenbuch bereits in etwa in der heutigen Vollstäbdigkeit dafür vor (vgl. E. Mutke: Helmstedt im Mittelalter, Wolfenbüttel 1913, S XII).

Ebenfalls aus dem Nachlass Zimmermanns stammt die umfangreiche Materialsammlung zu den Fortsetzungsbänden (Bd. 2ff) der Helmstedter Universitätsmatrikel in 34 Slg (Umfang: 3 lfdm). Das sehr reichhaltige Material ist erst i.J. 1981 erschienen 2. Band der Matrikel von Dr. W. Hillebrand nur z. T. verwertet worden (s. dortiges Vorwort). Seit etwa 1912 hatte Zimmermann an der Matrikel gearbeitet, deren ersten Band er 1926 herausbrachte. Von Wert ist in 34 Slg insbesondere noch die Professorenkartei.

Ob die Personenkartei in 36 A Slg betr. braunschweigisch-niedersächsische Persönlichkeiten in einem Zusammenhang mit Zimmermanns maßgebender Mitarbeit an dem von der Historischen Kommission für Niedersachsen betriebenen Plan einer "Niedersächsischen Biographie" steht, ist unklar. Aufgrund seiner stark genealogisch-biographischen Forschungsinteressen inaugurierte Zimmermann im Jahre 1924 durch eine Denkschrift bei der Historischen Kommission den Plan einer Niedersächsischen Biographie seit 1800: neben einem zweibändigen biographischen Handbuch waren 12 Bände Lebensbilder geplant. Bis 1930 leitete Zimmermann das Unternehmen, das dann aber erst nach diesem Zeitpunkt in Schwung kam. Die Vorarbeiten aus der Feder von Bibliotheksdirektor Busch für das Biographische Handbuch lagern jetzt in Form von Fotokopien unter der Signatur VI Hs 10 Nr. 48 (Friedrich Busch: Personen und Geschlechter in Niedersachsen, 5 Bände 1942 - 1945). Die bis ins einzeln gehende Zimmermannsche Planung aus dem Jahre 1924 referierte Friedrich Busch in seinem Aufsatz: "Der Plan einer allgemeinen niedersächsischen Biographie" (In: Niedersächs. Jahrbuch Bd. 2, 1925, S. 208 - 216. Vgl. auch: Vorwort zu Bd. 1

der "Niedersächsischen Lebensbilder" Hildesh. 1939, sowie Karl Brandi in: Niedersächs. Jahrbuch Bd. 10, 1933, S.3). Das reiche biographische Material im vorl. Nachlassbestand 249 N, insbesondere die AdB-Artikel, rechnen im weiteren Sinne vielleicht als Vorarbeiten zur Niedersächsischen Biographie.

Über die Interessengebiete und Tätigkeitsfelder Zimmermanns gibt der Nachlassbestand eindrucksvoll Auskunft: Hervorgehoben sei hier kurz seine Tätigkeit in der Welfischen Bewegung, seine Verbindung mit dem welfischen Herzoghaus, für das er eine Art Vertrauensmann war, sein Wirken für die Historische Kommission und den Gesamtverein, Einsatz und Tätigkeit für das Vaterländische Museum und die Herzogliche Bibliothek, bei welch letzterer sein Einfluß seit 1920 entscheidend war (Georg Ruppelt: Von der Herzoglichen Bibliothek zur Herzog August Bibliothek (1920 - 1949), 1980, S. 133, 16). Bei der Gründung, Ausgestaltung und Leitung des Vaterländischen Museums hat er maßgeblich mitgewirkt: Die noch heute bestehende sinnvolle Gliederung der Sammelgebiete in Landesgeschichte, Kulturgeschichte und Volkskunde geht auf ihn persönlich zurück (vgl. R. Hagen in seiner Museumsgeschichte [s. lit.-Verz. S. 14]. Auch der Wiederaufbau der Burg Dankwarderode ist ihm mit zu verdanken. In die allgemeine deutsche Archivgeschichte ist Zimmermann eingegangen als der Pionier des Sammelns von nichtstaatlichen Schriftgut durch seinen richtungsweisenden Vortrag und Aufsatz von 1911 "Was sollen Archive sammeln?". Die Methoden und Ergebnisse seiner ungeheuer ausgedehnten Sammeltätigkeit für sein Landeshauptarchiv sind in den Bestandsvorworten zum Zeitungsfindbuch 2 Z und Sammelfindbuch 30 Slg für Einzelbereiche skizziert worden. Bemerkungen zu seiner intensiven Sammeltätigkeit im Bereich der Nachlässe sowie der Privatarchivalien finden sich in den Bestandsvorworten zum Hilfsfindbuch 39 A Slg, zum

Briefbestand 298 N sowie in der Beständeübersicht Bd. 1, S 38 ff, Bd. 2, S 161 ff. Insgesamt hinterließ der Sammler Zimmermann nach vierunddreißigjährigem Direktorat im Landeshauptarchiv rd. 115 (!) Sammelbestände mit einem Gesamtumfang von ca. 400 lfdm (ohne die Zeitungssammlung).

Mehr als ein Fünftel des vorl. Bestandes besteht aus Zimmermanns Korrespondenz, die sich aus mehreren tausend Briefen mit vielen hundert Briefpartnern zusammensetzt. In seiner Geschlossenheit ist dieser Korrespondenzbestand von 1868 bis 1932 ein bedeutsamer Quellenfundus zur Kultur-, Wissenschafts- und Gelehrtengeschichte dieser "spätbürgerlichen" Jahrzehnte, worin viele namhafte Briefpartner vertreten sind: Landeshistoriker, Germanisten, Museumsleute und Bibliothekare begegnen besonders häufig. Reizvoll und anschaulich sind Zimmermanns Briefe aus seiner Jugend und Studentenzeit. Nicht übersehen werden darf dieser Bestand auch in seiner Relevanz für die Geschichte der ehmaligen Residenzstadt Wolfenbüttel. Politisch war Zimmermann übrigens trotz seiner welfisch-national-konservativen Einstellung frei von konservativer, nationaler, regionaler und sozialer Einseitigkeit, was seiner Korrespondenz zugute kommt. Der Korrespondenzbestand weist eine auffällige Lücke etwa für die Zeit um den Ersten Weltkrieg auf (ca. 1910 - 1920). Briefe aus der Zeit des Ersten Weltkriegs hatte er seperat in 5 Z 14 untergebracht (seit 2001 in 249 N 510 - 514 umgelagert). Zimmermann selbst hatte seine Briefe ursprünglich wohl jahrgangsweise in Bündel zusammengebunden. Dann hat er offenbar alle Briefe aus der Zeit von 1869 bis 1892 alphabetisch nach Korrespondenzpartnern geordnet und auf den Umschlägen deren Namen verzeichnet. Die restlichen Briefe lagen seit 1941 alphabetisch, aber unterteilt nach Jahrzehnten (1892 - 1916, 1916 -1931) in Bündeln vereinigt vor. Aus Arbeitsersparnisgründen schloß sich der

Unterzeichnete bei der Verzeichnung der Korrespondenz an diese vorgefundene Struktur an, so dass zwar die gesammte Korrespondenz alphabetisch geordnet ist, aber jeweils unterteilt in drei chronologische Gruppen (ca. 1872 - 1892, 1892 - 1916, 1916 - 1932). Diese chronologische Unterteilung geht wohl auf Zimmermann selbst zurück. Sie umzustellen wäre auch insofern bedenklich gewesen, als Zimmermann Identifizierungen der Briefschreiber auf den Faszikelumschlägen viele schwer leserliche Absender erst erkennbar machte. Eine alphabetisch getreue Einreihung der Briefpartner innerhalb der 26 einzelnen Buchstaben des Alphabets unterblieb aus denselben Gründen.

Inhaltlich ist die Korrespondenz ungeheuer vielfältig: Freunde, Verwandte, Bekannte, Kollegen, Gelehrte der geisteswissenschaftlichen Fächer, Handschriftenforscher, Autographensammler, sonstige Privatsammler von Archiv-, Museums- oder Bibliotheksgut, Regionalhistoriker, Adlige, Landespolitiker und Landesbeamte, Archibnutzer usw. usw. sind vertreten. Briefkonzepte von P. Zimmermann selbst sind leider nur äußerst selten vorhanden. Es ist zu beachten, daß ein Teil der Korrespondenz "privatdienstlich" ist und mit dem Landeshauptarchiv (bzw. auch der Bibliothek in Wolfenbüttel) in Verbindung steht: darunter rechnen Anfragen nach Quellen, Korrespondenz betr. Erwerb, Nachforschung, Begutachtung von Archivalien etc., ferner auch ortsgeschichtliche Anfragen, Korrespondenz über archäologische Funde und Museumsgut, Auskünfte über Bestände oder Einzelstücke der Wolfenbütteler Bibliothek usw. In gewisser Weise ergänzen die Korrespondenzen somit den Bestand 36 Alt (Dienstregistratur des Staatsarchivs). Mit vielen gelehrten Korrespondenzpartnern war Zimmermann sehr freundschaftlich verbunden: beispielsweise waren der Marburger Archivdirektor Könnecke, der Wolfenbütteler Bibliotheksleiter Milchsack, der Landschaftssyndikus Albert

Rhamm sowie der Oberschulrat, Balladendichter und Raabe-Vertraute Wilhelm Brandes seine Duzfreunde.

Im Bestand befinden sich noch einige Fremdprovenienzen, die Zimmermann auf irgendeine Art zugegangen sind: insbesondere Nr. 497 - 509, 267, 226 - 227, 246, 346, 188, 194, 294, 141 [52). Erwähnenswert sind hierunter die Nachlassbruchstücke des Archivdirektors Gustav Könnecke (1845 - 1920) aus Marburg sowie der Gattin des aus Braunschweig gebürtigen Zeichners Rudolf Wilke (1873 - 1908), eines beim "Simplizissimus" tätigen Klassikers der modernen Karrikatur. Keine ganz echte "Fremdprovenienz" sind die Handakten des berühmten Mathematikers Prof. Dr. Richard Dedekind (Nr. 52). Die Faszikel Nr. 71 - 74, 76 und 79 (Handakten Paul Zimmermanns betr. die Historische Kommission für Niedersachsen) sind ca. 1980 aus 36 Alt hierher überführt worden.

Ansonsten befanden sich im vorl. Bestand vor der Neuverzeichnung eine große Menge weiterer Fremdprovenienzen, die inzwischen in andere Bestände überführt worden sind. Es handelt sich hauptsächlich um folgendes Schriftgut:
- 14 Slg: viele hundert Plakate stammen aus dem Nachlass Zimmermann (Herkunft aus 249 N jeweils in der Findkartei vermerkt)
- 250 N 207 - 209, 226 -229, 233 (Nachlassrest Milchsack)
- 204 N 443
- 276 N 81
- 254 N 63
- 250 N 46
- 298 N 865 - 874 (verschiedene Briefe); 875 - 876 (Briefe an den Großvater Stadtdirektor Wilhelm Bode).
- 299 N 392, 399 - 401, 404 - 405
- VI Hs 2 Nr. 59
- Sehr viele Einzelstücke sind in 27 Slg und 30 Slg untergebracht.
- Dienstbibliothek: Zeitschriften Z1 12
- 6 größere Mappen mit Archivalien des 16. - 18. Jahrh., mit Fürstenautographen sowie mit Autographen von Schriftstellern und Privatleuten sind z.Zt. (1983) noch nichtverzeichnet.

In vielen Beständen des Staatsarchivs finden sich Zimmermanniana, die Nachlasscharakter haben und zu verschiedenen Zeiten getrennt

aufgestellt wurden. Nachfolgend einige Hauptfundstellen:
- 249 A N
- 34 Slg
- 36 Slg A - C
- VI Hs 2 Nr. 15a - b
- VII D Hs 57 a - 57 k
- VI Hs 15 Nr. 141 a
- Vi Hs 6 Nr. 16
- Handschriften-Abteilung:Personenindex Karten-Nr. 2466 - 2470: Paul Zimmermann (weist auf Zimmermanniana hin !)
- 298 N (Briefe an und von P. Zimmermann)
- 18 Slg Gr. 4
- 27 Slg (enthält zahlreiche an Zimmermann geschickte familiäre Drucksahen, ferner Vermerke usw. von ihm)
- 30 Slg (enthält zahlreiche an Zimmermann gesendete Drucksachen von Vereinen, Verbänden usw., ferner Ausarbeitungen von ihm)

Leider ist ein großer Teil von Zimmermanns wertvollen Notizen, Ausarbeitungen, Exzerpten usw. im vorl. Nachlassbestand 249 N auf wenig dauerhaftem Papier geschrieben: alte Briefumschläge, Vordrucke, die Rückseiten von eigenen und fremden Manuskripten hat er für seine eigenen Niederschriften bevorzugt.

Der Sohn Rudolf Zimmermann (1884-1962) war Forstmann: zuletzt bis 1945 Oberforstmeister des Amtes Heimburg im Ostharz (im Dienst des Herzogs Ernst August von Braunschweig), nach dem Zusammenbruch bis 1949 Leiter der Forstverwaltung im Jägerhof Riddagshausen. Von 1950 bis zum Tode wohnte er im elterlichen Haus am Stadtmarkt in Wolfenbüttel, wo er sich insbesondere als Vorsitzender der Wolfenbütteler Ortsvereinigung der Raabe-Gesellschaft betätigte (Vita und Nachruf siehe: Mitteilungen der Raabe-Gesellschaft, 49. Jg., 1962, H. 2, S. 11 f.).

Nach Auskunft (vom 12.8.1983) der Enkelin Eleonore Zimmermann in Wolfenbüttel (Lange Herzogstraße 49), einer Tochter des Forstmeisters Rudolf Zimmermann (+ 1962 in Wolfenbüttel), sind die wertvolle Gemäldesammlung und die große Bibliothek ihres Großvaters heute ganz zerstreut: Porträts von Herzögen und braunschweigischen Persönlichkeiten gelangten in das Braunschweigische Landesmuseum, die übrigen Bilder wurden unter die Kinder aufgeteilt (vgl. Nr.

94: Zimmermanns Sammlung von über 1000 Bildnissen von braunschweig-lüneburgischen Privatpersonen; vgl. auch Nr. 103). Die Bibliothek ist verkauft worden: die letzten Reste der schönen Literatur wurden in den Jahren zwischen 1970 bis 1980 beim Antiquariat Brandes versteigert. Der zweite Zimmermannsohn Heinrich (geb. 22.9.1886), Direktor des Germanischen Nationalmuseums, ist um 1960 in München verstorben. Er war seit 1953 Generaldirektor der Staatlichen Museen in Berlin. In Wolfenbüttel leben z.Zt. unter dem Namen Zimmermann noch drei Enkelinnen von Paul Zimmermann, wovon eine Domina des Klosters zur Ehre Gottes ist. Eine Enkelin (Beseler) lebt in Brome (Krs. Gifhorn).

Die Ordnung und Verzeichnung des Bestandes wurde vom Unterzeichneten durchgeführt.

Das Findbuch schrieb Frau Marie-Luise Schröder, die auch die drei Indices erstellt hat.

Wolfenbüttel, im August 1983 Dr. Dieter Lent

Literatur
zum Leben und Wirken Paul Zimmermanns

- Hermann Voges: Paul Zimmerann (In: Niedersächsische Lebensbilder, hrg. von Otto Heinrich May, Bd. 1, Hildesheim und Leipzig 1939, S. 439 - 454) [mit Hinweisen zur Bibliographie der Veröffentlichungen von P. Z.]
- Ders.: Paul Zimmermann [Nekrolog] (in: Archivalische Zeitschrift 1934, S. 408 - 411)
- Ders.: Nachruf für Archivdirektor Dr. Paul Zimmermann (In: Jahrbuch des Braunschw. Geschichtsvereins 2. Folge, Bd. 5, 1933, S. 5
- Karl Brandi: ( Nachruf auf) Paul Zimmermann (In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte Bd. 10, 1933, S. 1 - 4)
- W. Schrader: Geh. Archivrat Dr. Paul Zimmermann (In: Braunschweigische Heimat 24 Jg. 1933, Nr. 2, S. 39 - 42)
- Fr. W. Rudolph Zimmermann: Stammtafel für den Stadtdirektor Wilhelm Bode und dessen Ehefrau Caroline, geb. Henke, zu Braunschweig und deren Nachkommen. (München 1886: R. Oldenbourg) [liegt in 26 Slg 70 H]
- Theodor Müller: Stadtdirektor

Wilhelm Bode (Braunschweig 1963)
- Personalakte Paul Zimmermann in: 36 Alt V 7 a
- 27 Slg (Paul Zimmermann)
- Ernst Meineke: Familiengeschichte der Familie Meineke (1962), Tafel VI: Nachkommen von Paul und Matha Zimmermann; S. 167 (Namen-Index: Familie Zimmermann)
- Paul Zimmermann: Was sollen Archive sammeln? (In: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins Jg. 59, 1911, Sp. 465 - 476) [Selbstdarstellung seiner archischen Zielvorstellung und Tätigkeit]
- Vorworte zu den Archivbeständen 2 Z, 8 ff Z (Zeitungsfindbuch), 30 Slg, 39 A Slg [betr. Zimmermanns Sammeltätigkeit], 249 A N (Schwarzer Herzog)
- Hermann Kleinau: Geschichte des Niedersächsischen Staatsarchivs Wolfenbüttel (Göttingen 1953), insbes. S. 95 f, 80 ff)
- Beständeübersicht des Staatsarchivs Wolfenbüttel Bd. 1 (1963), S.38 ff sowie Bd. 2 (1962) S. 112, 134, 161 ff (betr. Sammeltätigkeit)
- Dieter Lent: Zeitungen in Archiven. Dargestellt aus der Sicht des Staatsarchivs Wolfenbüttel (In: Wolfenbütteler Notizen zur Buchgeschichte Jg. V, Heft 1, April 1980, S. 142 - 148) [betr. Sammeltätigkeit]
- Paul Zimmermann: Gustav Könnecke + (In : Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde Jg. 1920/21, S. 3 - 13 [u.a. betr. Zimmermanns Ausbildungssemester im Staatsarchiv Marburg 1879]
- H. Richtering: Privatarchiv und Archivalienschutz in Norddeutschland (in: Scrinium Heft 22723, 1980, S. 56 - 69) [S. 60: P. Zimmermanns Verdienste um Übernahme von Privatarchiven]
- Friedrich Busch: Der Plan einer allgemeinen niedersächsischen Biographie [In: Niedersächsisches Jahrbuch Bd. 2, 1925, S. 208 - 216) [betr. Zimmermanns Planungen]
- Wolfgang Milde: Die Herzogliche Bibliothek in Wilhelminismus (In: Die Herzog August Bibliothek in den letzten 100 Jahren, hrg. von Paul Raabe, Göttingen 1980, S. 8 - 40)
- Georg Ruppelt: Von der Herzoglichen Bibliothek zur Herzog

August Bibliothek. Geschichte der Wolfenbütteler Bibliothek von 1920 bis 1949 (Göttingen 1980) [insbes. S. 13 ff, 130 ff: Zimmermanns Tätigkeit als Stellvertretender Leiter: S. 24 ff: Museums- und Bibliotheksstiftung].
- (Rolf Hagen): Braunschweigisches Landesmuseum für Geschichte und Volkstum. Bd. 1: Von der Gründung bis zur Gegenwart (Braunschweig 1966) [S. 10: Porträt von P. Zimmermann; S. 8 ff, 14 und öfter: seine maßgebliche Mitwirkung].
- Paul Zimmermann: Das Vaterländische und die anderen Museen in der Stadt Braunschweig (In: Braunschweig. Magazin, 1929 Nr. 1, Sp. 1 - 4) [betr. museale Zielvorstellungen und Tätigkeiten].
- Joseph König: [...] Landesgeschichtsschreibung (In: Richard Moderhack: Braunschweigische Landesgeschichte im Überblick, Braunschweig 1976, S. 52 ff: braunschweigische Landesgeschichtsschreibung im 19. u. 20. Jahrh.).
- Manfred Hamann: Überlieferung, Erforschung und Darstellung der Landesgeschichte in Niedersachsen (In: Hans Patze Hrg.: Geschichte Niedersachsens, Bd. 1 Hildesheim 1977, S. 62 ff: Landesgeschichtsschreibung im 19. und 20. Jahr. )
- Diedrich Steilen: Werden und Wachsen des Heimatgedankens in Niedersachsen, 2 Aufl. (Hannover 1958) [s. 82 - 92: Heimatbewegung etc. mit Heimatgeschichtsforschung im Land Braunschweig].
- Günter Scheel: Die Anfänge des Braunschweigischen Landesvereins für Heimatschutz nach neu erschlossenen Quellen (In: Braunschweigische Heimat, 70 Jg., 1984, S. 8 - 28)
- Beiträge zur Braunschweigischen Heimatpflege und Heimatforschung. Festschrift zum 50-jährigen Bestehen des Braunschweigischen Landesvereins für Heimatschutz E.V., Heft 3 der Sonderschriftenreihe (Braunschweig 1958) [Aufsätze zur Geschichte des Heimatschutzes, Naturschutzes, der archäologischen Bodendenkmalpflege, der Heimatgeschichtsforschung sowie der Volkstumsforschung usw. im Lande Braunschweig].
- Paul

Zimmermann: Ernst August, Herzog von Cumberland, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg (Hannover 1929). [Biographie von Zimmermanns "Landesherrn" seit 1884, zu dem er in einem Vertrauensverhältnis stand].
- Hans Georg Aschoff: Die welfische Bewegung und die Deutsch-Hannoversche Partei zwischen 1866 und 1914 (In: Niedersächs. Jahrbuch f. Landesgeschichte Bd. 53, 1981, S. 41 - 65).
- Hans Philippi: Preußen und die Braunschweigische Thronfolgefrage 1884 - 1913 (Hildesheim 1966) [mit Personenregister, das die braunschweigische Welfenanhänger nachweist!].
- Wolfgang Leesch: Die deutschen Archivare 1500 - 1945, Bd. 1: Verzeichnis nach ihren Wirkungsstätten (1985); Bd. 2 : Lexikon der deutschen Archivare 1500 - 1945 [mit Kurzbiographien] (Erscheinen angekündigt).
- Anton Bettelheim: Leben und Wirken des Freiherrn Rochus von Liliencron (1917) [passim über die gesamte Geschichte der "Allgemeinen Deutschen Biographie". S. 168: Mitarbeiter für Hannover: Hänselmann, Grotefend, Janicke (1871)]
- Anneke Reiß-Maaoui: Familie Zimmermann - Ein Stück Wolfenbütteler Geschichte, Begleitblatt zur Ausstellung im Museum Schloß Wolfenbüttel 2011 (DiBi 2° Zg. 255/2011)

Bibliographie der Veröffentlichungen von
Paul Zimmermann

Eine Bibliographie seiner äußerst zahlreichen, z. T. seher zerstreut (in Zeitschriften, Zeitungen, Sammelwerken usw.) veröffentlichten Arbeiten existiert nicht. Viele Titel sind im vorl. Bestand Nr. 24 a aufgeführt. Im alphabetischen Verfasserkatalog der Dienstbücherei des Staatsarchivs ist ein Großteil seiner Arbeiten (auch Sonderdrucke, Aufsätze usw.) verzeichnet. Hierbei sind die Titel der Publikationen im alten Zettelkatalog chronologisch, im neuen Zettelkatalog (ab 1952) jedoch alphabetisch geordnet. weitere Titel sind in dem Verfasserkatalog der Herzog August Bibliothek zu finden. in folgenden Bibliographien sind seine Veröffentlichungen

zum weitaus größten Teil aufgeführt:

Karl Kunze, Systematisches Inhaltsverzeichnis zu den Jahrgängen 1819 - 1910 des Vaterländischen Archivs sowie des Archivs und der Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen. Hannover 1911. - Walter Möllenberg, Inhaltsverzeichnis zu Jg. 1 - 50 der Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde. Wernigerode 1918. - Susanne Hoffmann, Personen und Ortsverzeichnis für das Braunschweigische Magazin Jg. 1895 - 1910 nebst einem Verzeichnis der in diesen Jahrgängen erschienenen Aufsätze nach den Verfassern geordnet. Braunschweig 1925. - Dahlmann-Waitz, Quellenkunde zur deutschen Geschichte. 9. Aufl. Leipzig 1931. - Friedrich Busch, Bibliographie der niedersächsischen Geschichte für die Jahre 1908 - 1932. Hildesheim und Leipzig 1938. - Hermann Voges, Inhaltsverzeichnis zu den Veröffentlichungen des Geschichtsvereins für das Herzogtum Braunschweig und des Braunschweigischen Geschichtsvereins. Wolfenbüttel 1938.

Weitere Titel lassen sich möglicherweise mit Hilfe der im vorl. Nachlass lagernden Materialsammlungen ermitteln.

Fotos von Paul Zimmermann:

- 5 N 430
- 50 Slg 26 Nr. 15 a - b
- 50 Slg 1009 Nr. 5 (mit dem Herzog [nach 1912])
- gerahmtes Foto im Findbuchzimmer (am 23.6.1933 vom Sohn, Forstmeister Rudolf Zimmermann, dem Staatsarchiv geschenkt)
- Ölgemälde von A. Misalis im Braunschweig. Landesmuseum (Foto davon im Staatsarchiv unter 50 Slg 218 Nr. 5)
- Foto (um 1875) im Braunschweigischen Landesmuseum

Das bereits maschinenschriftlich vorliegende Findbuch zu 249 N wurde im Mai 2014 von Frau Brigitte Junghardt in die EDV eingegeben

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Land Braunschweig Teil Braunschweig, Wolfenbüttel, Helmstedt

Zeit von 

1814

Zeit bis 

1941

Objekt_ID 

3232448

Ebenen_ID 

10