NLA ST Rep. 91/10

  • Show associated objects
  • Print
  • Create link
  • Send
  • Improve

Description

Identification (short)

Title 

Nachlaß Archivdirektor Erich Weise, Stade/Hannover

Life span 

1912-1971

Fonds data

Short description 

Manuskripte und Materialsammlungen zu archivarischen Aufgaben und wissenschaftlichen Arbeiten
Findmittel: EDV-Findbuch 2016
Umfang: 2,5 m (Zugang 1973/1977)

History of creator 

Erich Weise ist am 4. September 1895 in Krefeld geboren, zog aber schon 1903 wegen der Versetzung seines Vaters, des Gymnasiallehrers Dr. Julius Weise, nach Königsberg/Preußen. Dort hatte er sich hin versetzen lassen und der Familie seiner aus dem Baltikum stammenden Frau näher zu sein. Er ging im Altstädtischen Gymnasium in Königsberg zur Schule und begann doch auch ab April 1914 an der Albertina sein Studium. Bei einem Besuch seiner Großeltern in Mitau wurde er vom Ausbruch des 1. Weltkriegs überrascht und durch die russische Polizei als 'feindlicher Ausländer' für drei Jahre interniert. Wegen einer dort erlittenen Scharlacherkrankung sollte er aus der Gefangenschaft ein schweres Hörleiden zurückbehalten. Nach seiner Flucht aus Rußland Ende 1917 nahm er sogleich sein Studium wieder auf und beendete es 1921 mit dem Staatsexamen für das Lehramt an Höheren Schulen und im gleichen Jahr bereits mit der Ablegung einer von Albert Brackmann betreuten Promotion über das Urkundenwesen der Bischöfe von Samland. Der Germanist Walter Ziesemer brachte ihm den Archivberuf nahe und nach einem Volontariat konnte er auf Vermittlung von Paul Fridolin Kehr bereits Ende 1922 eine Anstellung am Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem erlangen. Dort blieb er bis zu seiner Versetzung an das Staatsarchiv in Düsseldorf im Jahr 1927. Hier beschäftigte er sich mit der Urkundenüberlieferung zu St. Pantaleon in Köln und zum Kloster Siegburg, wovon auch Spuren im Nachlass zu erkennen sind. In Folge der Besetzung der Generaldirektorenstellen der preußischen Staatsarchive durch seinen akademischen Lehrer Brackmann wirkte dieser auf eine Versetzung des ihm vertrauten Schülers an das Staatsarchiv in Königsberg hin, wo er weitere fünf Jahre verblieb. In dieser Zeit begann seine intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Deutschen Ordens und seines Landes, aus der mehrere umfangreiche Werke entstanden sind, die in ihrer Entstehung im Nachlass gut dokumentiert sind. Dieses Thema sollte für seine wissenschaftliche Beschäftigung auch bis zu seinem Lebensende bestimmend bleiben. Mit seinem Wechsel zurück an das Geheime Staatsarchiv in Berlin-Dahlem 1935 wurde er zum Staatsarchivrat ernannt und später zum Abteilungsleiter berufen. Während seiner dortigen Tätigkeit wurde ihm u .a. auch die Aufgabe übertragen, die Archivpflege bei der Reichsleitung des Reichsarbeitsdienstes und seiner Arbeitsgaue einzuführen. Wichtig für seine dienstliche wie auch wissenschaftliche Karriere wurde schließlich seine Tätigkeit während der Jahre des 2. Weltkriegs. Kurz nach der Besetzung Polens wurde er nach Warschau abkommandiert, wo er im Rahmen des sogenannten Archivschutzes die Archivmaterialien aus dem Generalgouvernement für das neu geschaffene Archivamt in Warschau beschlagnahmte und sichtete. Über diese Tätigkeit geben Berichte im Nachlass Auskunft. In gleichem Sinne wurde er auch in Begleitung der Heeresgruppe Nord in Rußland 1941/42 aktiv. Danach wurde ihm bis zum Kriegsende die Leitung des neu geschaffenen Reichsarchivs in Posen übertragen. Auch hier sichtete Weise in erster Linie das Archivmaterial und bereitete es gegen Kriegsende zur Verlagerung vor. Mit dem Vorrücken der Ostfront wich er zunächst an das Reichsarchiv in Potsdam aus, um dann weiter gen Westen bis nach Stade zu ziehen, wo er im April 1945 seine Familie wiedertraf.

An diesem Ort, an dem früher schon ein eigenständiges Archiv existiert hatte, nahm er Kontakt zu neu errichteten niedersächsichen Archivverwaltung auf und ordnete in dessem Auftrag zunächst die Akten der Stader Regierung. Schließlich konnte er in Hannover zum 1. April 1948 eine Anstellung als Archivrat erhalten und führte von dort aus mit Hilfe von Abordnungen seine Arbeit in Stade fort. Im Hinblick auf die beabsichtigte Wiederrichtung eines Staatsarchivs für den Regierungsbezirk Stade ordnete er auch in Hannover die nach dorthin abzugebenden Bestände. Dafür wurde er u. a. 1956 zum Ehrenmitglied des Stader Geschichts- und Heimatvereins ernannt. Mit der Eröffnung des Staatsarchivs Stade am 30. September 1959 wurde er schließlich zu dessen Direktor ernannt, ging aber bereits ein Jahr später in Pension. Er hinterließ dem Archiv allerdings noch 1964 eine umfangreiche Archivgeschichte und erste Beständeübersicht. Von Hannover aus, wo er mit seiner Familie wohnen geblieben war, widmete er sich weiterhin seinen nicht unumstrittenen Forschung zur Geschichte des Deutschen Ordens sowie auch zur Geschichte des Deutschtums in Polen. Seine Korrespondenzen und seine Veröffentlichungen zeugen von diesem steten Bemühen.

Custodial history 

Erich Weise verstarb am 10. April 1972 verstarb und wurde - obwohl längst pensioniert - mitten aus der Arbeit gerissen. Zur Formierung eines Nachlasses ist er daher nicht mehr gekommen. Der damalige Leiter des Hauptstaatsarchiv Hannover, Manfred Hammann, sichtete am 10. Mai 1973 zusammen mit dessen Witwe den umfangreichen Nachlass und formierte den hier vorliegenden Bestand. Bücher, Sonderdrucke, Druckfahnen, Exzerpte, Zeitungsausschnitte sowie Rechnungsbelege wurden aussortiert. Der Nachlass wurde zunächst nur sehr grob verzeichnet, Lücken wurden aufgrund der vorgefundenen Ordnung bald deutlich, vor allem in den Briefen. Eine weitere Auflistung der restlichen Nummern geschah erst im September 2008. Die eigentliche Verzeichnung erfolgte durch den U. im November 2016.

Stade, im November 2016

Dr. Thomas Bardelle

Literature 

Nachrufe von Rudolf Grieser im Niedersächsischen Jahrbuch für Landesgeschichte 44 (1972), S. 456-458, von Richard Drögereit im Archivar 27 (1974), Sp. 287-290
Stefan Lehr, Ein fast vergessener 'Osteinsatz'. Deutsche Archivare im Generalgouvernement und im Reichskommissariat Ukraine, Düsseldorf 2007 (Schriften des Bundesarchivs 68)