NLA ST Rep. 72/172 Dorum

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Description

Identification (short)

Title 

Amtsgericht Dorum (bis 1973)

Life span 

1633-1987

Fonds data

Short description 

Verwaltungakten, Strafprozesse, Erb- und Nachlaßsachen, Testamente, Bürgschaften, Schiedsmannangelegenheiten, Privatklagen, Zivilprozesse, Registerangelegenheiten, Vormundschaft, Hypotheken- und Grundbuchsachen, Konkursverfahren, freiwillige Gerichtsbarkeit, Schiffsangelegenheiten
Findmittel: EDV-Findbuch 2000
Umfang: 32 lfdm

Custodial history 

1. Das Amtsgericht Dorum

Im Land Wursten, das mit dem späteren Amtsgerichtsbezirk Dorum fast identisch ist, wurde die Gerichtsbarkeit seit der erzbischöflichen Zeit (1525) von Kirchspielsvögten im Namen des Landesherrn verwaltet. Ihre Zahl hatte sich nach und nach vermindert und wurde 1755 auf drei festgesetzt. Zur Obervogtei gehörten die Kirchspiele Dorum, Cappel, Misselwarden und Padingbüttel, zur zweiten Vogtei die Kirchspiele Spieka und Midlum und zur dritten Vogtei die Kirchspiele Imsum, Wremen und Mulsum. Von den Urteilen dieser drei gleichberechtigten Richter konnte an das Gesamte-Vogt-Gericht in Dorum appelliert werden. Der Obervogt hatte darin, sofern er nicht iudex gravans war, den Vorsitz, die beiden anderen Vögte fungierten als Beisitzer. Durch Verordnung vom 9. Juni 1819 (Hann. GS 1819 I. Abt., S. 49) wurde das kleine Amt Nordholz aufgehoben, welches im Norden an das Amt Dorum (Land Wursten) grenzte. Dabei wurden die Dorfschaft Franzenburg nebst dem herrschaftlichen Vorwerk mit dem Amt Otterndorf (Land Hadeln) und der verbliebene Rest mit dem Amt Dorum vereinigt.

Im Königreich Hannover kam es erst durch die seit 1848/50 vorbereitete große Verfassungs- und Verwaltungsreform mit Wirkung vom 1. Oktober 1852 zur Trennung von Justiz und Verwaltung. Die begrifflich bereits existierenden Amtsgerichte wurden aus den Ämtern ausgegliedert und traten als selbständige und unabhängige Institutionen neben diese. Der Sprengel des Amtsgerichts Dorum war mit dem des gleichnamigen Amtes identisch. Er umfaßte das vormalige Vogteigericht Land Wursten und vom Amt Bederkesa die Gemeinde Holßel (Hann. GSS 1852, S. 220). Das Amtsgericht unterstand anfangs dem Obergericht Lehe, wurde 1859 aber zum Obergericht Verden gelegt, das mit der Justizreform von 1879 zum Landgericht umbenannt und umstrukturiert wurde (Preuß. GSS 1878, S. 109 ff.).

Zum 1.12.1912 wurde die

Zuständigkeit für den vor Bremerhaven gelegenen Teil des Weserstroms zwischen Bremerhaven und Imsum vom Amtsgericht Dorum an das Amtsgericht Geestemünde abgegeben (Preuß. GSS 1912, S. 56). Vom Amtsgericht Wesermünde-Lehe an das Amtsgericht Dorum verlegt wurden zuerst 1926 Grundstücke der ehemaligen Gemeinde Wanhöden, die mit Teilen anderer Gemeinden zu der neuen Landgemeinde Wursterheide vereinigt worden sind (Preuß. GSS 1926, S. 4), dann 1932 die gesamte Landgemeinde Wanhöden (Preuß. GSS 1932, S. 355). Im Jahr darauf wurde die Landgemeinde Altenwalde von Dorum abgetrennt und dem Amtsgericht Otterndorf zugeschlagen (Preuß. GSS 1933, S. 349). Spätestens zum 1.1.1944 stellte das Amtsgericht Dorum seinen Geschäftsbetrieb wegen Personalmangel ein, seine Aufgabe wurde vorübergehend von dem Amtsgericht Wesermünde, das zum Landgerichtssprengel Verden gehörte, wahr genommen (Deutsche Justiz, 11. Jg., 1943, Nr. 32, S. 443). 1949 gingen die Gemeinden Krempel und Neuenwalde von dem Bezirk des Amtsgerichts Langen in den des Amtsgerichts Dorum über (Nds. GVBl. 1949, S. 93). Nach dem Gesetz über die Organisation der ordentlichen Gerichte von 1962 gehörte zum Sprengel des Amtsgerichts Dorum der Landkreis Wesermünde mit den Gemeinden Cappel, Cappel-Neufeld, Deichsende, Dorum, Holßel, Imsum, Krempel, Midlum, Misselwarden, Mulsum, Neuenwalde, Nordholz, Padingbüttel, Spieka, Spieka-Neufeld, Wanhöden, Wremen und Wursterheide (Nds. GVBl. 1962, S. 97). Mit dem Zweiten Gesetz zur Aufhebung kleiner Amtsgerichte vom 7. März 1973 (Nds. GVBl. 1973, S. 61) wurde das Amtsgericht Dorum aufgehoben und sein Bezirk dem Amtsgericht Langen zugewiesen.

An den Aufgaben des Amtsgerichts änderte sich zwischen 1852 und 1973 grundsätzlich wenig. Die Zuständigkeit erstreckte sich auf streitige und nicht-streitige Zivilsachen, namentlich Grundbuch-, Vormundschafts- und Stiftungssachen, die Führung der

Handels-, Genossenschafts-, Muster-, Schiffs-, Vereins- und Güterrechtsregister. (Vgl. RGBl. 1898, S. 771). In streitigen Vermögenssachen gehörte die Sache von einem bestimmten Streitwert an vor die Ober- bzw. Landgerichte. Die Untersuchung und Aburteilung der früheren Polizeistrafsachen übertrug die hannoversche Strafprozeßordnung einem Kollegium aus zwei Schöffen unter Vorsitz des Amtsrichters. In preußischer Zeit beschäftigen sich die Schöffengerichte mit einfachen Beleidigungen, leichten Fällen des Diebstahls, Betrugs, der Unterschlagung, Hehlerei und Sachbeschädigung; darüber hinaus mit Fällen, die ein festgesetztes Strafmaß nicht überschritten. Die Zuständigkeit für die Schiffsregisterführung in den Amtsgerichtsbezirken Blumenthal, Dorum, Geestemünde, Lehe, Lesum und Lilienthal ging im Juli 1883 vom Amtsgericht Harburg auf das Amtsgericht Geestemünde über (Preuß. GS 1883, S. 186). Dieses war ab dem 1.1.1900 in denselben Bezirken für die Seeschiffsregisterführung zuständig (Preuß. JMBl. 1899, S. 755). Ab dem 1.4.1937 wurde die Seeschiffsregisterführung für den Amtsgerichtsbezirk Dorum durch das Amtsgericht Cuxhaven wahrgenommen (Dt. Justiz 1937, S. 528).



2. Zur Aktenüberlieferung und Erschließung

Nach der Trennung von Justiz und Verwaltung 1852 wurden die Gerichtsakten aus der Gesamtregistratur der Ämter herausgezogen und als neue Amtsgerichtsregistraturen verselbständigt. Ein Teil der älteren Überlieferung des Amtsgerichts Dorum (7 Fach) war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg an das damals zuständige (preußische) Staatsarchiv Hannover abgegeben worden, wo er den vom großen Bombenangriff im Oktober 1943 ausgelösten Brand des Staatsarchivs unbeschadet überstanden hat. Bei der Verzeichnung 1959 wurden diese 7 Fach nach ihrer Herkunft in drei Gruppen geteilt (siehe Rep. 72/172 Dorum Nr. 3296). Demnach stammen die mit der ersten Abgabe ins Archiv gelangten

Akten, Kontrakte, Hypothekenbücher und Protestationen vom Vogteigericht des Landes Wursten in Dorum, von dem Vogteigericht in Wremen und vom Amt Nordholz. Diese Aktenabgaben kamen nach der Fertigstellung des Gebäudes für das 1959 neugegründete Staatsarchiv Stade im Jahre 1965 von Hannover nach Stade und bildeten hier den Grundstock des vorliegenden Bestandes. Der bei weitem größere Teil dieser Repositur wurde ab den 1950er bis in die 1990er Jahre hinein in mehreren Akzessionen vom Amtsgericht Dorum anfangs durch das Staatsarchiv in Hannover, seit 1961 durch das in Stade übernommen. Die Laufzeit der Akten und Amtsbücher erstreckt sich über den Zeitraum von 1660-1974.

Die Hypothekenbücher gemäß dem "Gesetz, das Pfandrecht und die Befriedigung der Gläubiger im Concurse betreffend" vom 14.12.1864 (Hann. GS I. Abt. S. 555-578) und die ab 1885 geführten Grundbücher aus diesem und aus allen übrigen im Staatsarchiv Stade verwahrten Amtsgerichtsbeständen wurden aus praktischen Erwägungen dem Sammelbestand Rep. 73 zugewiesen.

Die Erschließung führten die Archivangestellten Gisela Gähl und Maria Heinsohn unter Anleitung von Archivrat Dr. Bei der Wieden (bis April 1999) und der Unterzeichneten (seit Mai 1999) durch.

Stade, im Juli 2000 Dr. Sabine

Graf

Information / Notes

Additional information 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Geotagging

Name 

Amtsgericht Dorum Teil Altenwalde

Time from 

1852

Time to 

1933

Region_ID 

9

Level_ID 

2050

Geotagging

Name 

Amtsgericht Dorum

Time from 

1852

Time to 

1905

Region_ID 

3

Level_ID 

6050

Geotagging

Name 

Amtsgericht Dorum

Time from 

1905

Time to 

1927

Region_ID 

3

Level_ID 

6150

Geotagging

Name 

Amtsgericht Dorum

Time from 

1927

Time to 

1933

Region_ID 

1

Level_ID 

6850

Geotagging

Name 

Amtsgericht Dorum

Time from 

1933

Time to 

1949

Region_ID 

7

Level_ID 

1450

Geotagging

Name 

Amtsgericht Dorum

Time from 

1949

Time to 

1973

Region_ID 

6

Level_ID 

4050