NLA ST Dep. 3

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Gutsarchiv von Bremer zu Cadenberge - Urkunden

Laufzeit 

1556-1837

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Lehenbriefe welfischer Landesherren für die Familie von Bremer zu Cadenberge. Das Aktenarchiv der Familie von Bremer zu Cadenberge wird als Expositum des Staatsarchivs im Kreisarchiv in Otterndorf verwahrt
Findmittel: EDV-Findbuch
Umfang: 45 Nr.

Bestandsgeschichte 

1. Zur Geschichte des Gutes Cadenberge

Das Gut Cadenberge im Amt Neuhaus wird erstmals urkundlich im Jahr 1523 als Besitz des Adolf von Bremer erwähnt. Das anscheinend ursprünglich in der Nähe der Stadt Bremen ansässige Adelsgeschlecht hat sich vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts im Elbmarschgebiet westlich der Oste niedergelassen. Ein im Jahr 1340 hier erwähnter Nikolaus von Bremer könnte identisch mit dem 1346 als "dominus de Keddenberghe" bezeichneten Nikolaus sein.

Die Familie von Bremer zählte zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern im Erzstift bzw. Herzogtum Bremen. Vertreter der Familie finden sich sowohl in der erzbischöflichen als auch in der schwedischen Verwaltung; vor allem bei den hannoverschen Mittelbehörden in Stade wie auch bei den Zentralbehörden in Hannover selbst gelangten Familienangehörige in einflußreiche Positionen. Unter den zahlreichen landesherrlichen Beamten aus der Familie von Bremer war die herausragenste Persönlichkeit der Staats- und Kabinettsminister Friedrich Franz Dietrich von Bremer, der während der zwischen 1803 und 1813 häufig wechselnden Landesherrschaft und der Wiederherstellung Hannovers als Königreich 1813/14 zunächst als Hofrichter und seit Ende 1805 als leitender Minister an maßgeblicher Stelle in der Staatsverwaltung stand. Am 6. August 1830 wurde Friedrich Franz Dietrich von Bremer von König Wilhelm IV. von Hannover in den erblichen Grafenstand erhoben.

Die Familie von Bremer erwarb im Lauf der Zeit umfangreiche Besitzungen vor allem im Amt Neuhaus. So hinterließ der im Jahr 1597 gestorbene Benedix von Bremer seinen vier Söhnen die vier Adelsgüter Cadenberge, Dobrock, Mannhausen und Bentwisch. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde zusätzlich das Gut Seeburg aus drei Meierhöfen gebildet, während das Gut Cadewisch etwa gleichzeitig durch Kauf in den Besitz der Familie gelangte. Hauptsitz der Familie

aber war das Gut Cadenberge nördlich des gleichnamigen Dorfes. Die ursprüngliche Bezeichnung des Gutes lautete "Eichhof", wie sich etwa noch auf dem entsprechenden Blatt der kurhannoverschen Landesaufnahme von 1768 findet.

Das heute noch stehende Gutsgebäude zu Cadenberge wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts von dem Landrat Dietrich von Bremer errichtet. Während das Hauptgebäude im Jahr 1724 aufgeführt war, wurden das große Vorwerk und das Taubenhaus im Jahr 1747 von Dietrichs Sohn Benedix Georg von Bremer errichtet. Das heute nicht mehr erhaltene, seinerzeit von Gräften umgebene alte Gutshaus stand nördlich der neuen Schloßanlage.

Die zu Bentwisch sitzende Nebenlinie der Familie endete mit der Zwangsversteigerung der Besitzungen des Detlev von Bremer im Jahr 1918. Die Hauptlinie der Familie von Bremer zu Cadenberge war im Mannesstamm bereits im Jahr 1892 mit dem Grafen George Friedrich August von Bremer erloschen, dessen einzige Tochter Charlotte Sophie Stuart von Bremer im Jahr 1931 verstarb. Sämtliche von ihr hinterlassene Güter wurden von den Erben am 21. Dezember 1933 an die Hannoversche Siedlungsgesellschaft verkauft. Während die landwirtschaftlich genutzten Flächen nun zu Siedlungszwecken verwendet wurden, fielen die Forsten im Jahr 1936 an Ernst August von der Wense als Ausgleich für sein an die Heeresverwaltung abgetretenes Gut Wense im Landkreis Fallingbostel.

Heute ist der Landkreis Cuxhaven Eigentümer des Schlosses und der Rentei, die als Internat für die Berufsbildenden Schulen des Kreises genutzt werden. Das Vorwerk von 1747 und andere Wirtschaftsgebäude befinden sich heute im Besitz der Familie Söhle. Nachdem der Landkreis Cuxhaven als Eigentümer den Schloßpark 1981 bebauen lassen wollte, ist es dem Einsatz des Heimatvereins Cadenberge zu verdanken, daß die Anlage zum Landschaftsschutzgebiet erhoben wurde und damit erhalten blieb.


2. Zur

Geschichte des Bestandes

Es läßt sich nicht mehr nachvollziehen, von wem und zu welchem Zeitpunkt der Urkundenbestand des Gutes Cadenberge im Staatsarchiv Hannover hinterlegt worden ist. In der Liste der Deposita des Staatsarchivs Hannover trug der Bestand die Bezeichnung "Dep. 54". Das Depositum 53 war im September 1932, das Depositum 55 im September 1935 im hannoverschen Staatsarchiv hinterlegt worden, so daß die Urkunden der Familie von Bremer zu einem nicht näher zu bestimmenden Zeitpunkt zwischen diesen beiden Terminen deponiert worden sind.

Im November 1963 ließ sich in der Dienstregistratur des Staatsarchivs Hannover lediglich noch ermitteln, daß im Februar 1934 der Apotheker Sebald Schulte aus Eystrup/Weser dem Staatsarchiv Hannover eine Ernennungsurkunde des Grafen Bremer aus dem Jahr 1860 übergeben hatte, die dem Bestand Dep. 54 hinzugefügt worden sei. Diese Urkunde fehlt übrigens heute. Nachforschungen nach dem Depositar im Dezember 1963 in Stade verliefen ebenfalls ergebnislos, so daß der Niedersächsische Innenminister am 16. Januar 1964 die Übertragung des Depositums vom Staatsarchiv Hannover auf das Staatsarchiv Stade ohne Zustimmung des unbekannten Depositars verfügte.

Als der Bestand 1964 von Hannover nach Stade überführt wurde, umfaßte er 41 Urkunden. Wann einzelne weitere Urkunden hinzugefügt worden sind, läßt sich nicht mehr feststellen; jedenfalls sind heute insgesamt 45 Urkunden aus den Jahren 1556 bis 1837 vorhanden. Während der Verzeichnungsarbeiten im Spätsommer 2001 wurde eine die Jahre 1694/1700 bis 1904 umfassende Akte zur Geschichte der Familie von Schulte, die aus einer späteren Abgabe des Hauptstaatsarchivs Hannover (Kleine Erwerbungen A 2) stammte und fälschlich dem Stader Bestand Dep. 3 hinzugefügt worden war, wieder zu den anderen Urkunden der Familie von Schulte aus der gleichen Abgabe des Hauptstaatsarchivs im Bestand Rep.

3 FP (hier Nr. 300) gelegt. Der Bestand Dep. 3 umfaßt in seiner jetzigen Gestalt in seinem älteren Teil v. a. Schuldverschreibungen, während es sich bei den jüngeren Urkunden überwiegend um Lehenbriefe welfischer Landesherren für die Familie von Bremer zu Cadenberge handelt.

Das Aktenarchiv der Familie von Bremer zu Cadenberge, welches ca. 39 lfdm Schriftgut aus den Jahren 1531 bis 1933 umfaßt, gelangte als Schenkung der Hannoverschen Siedlungsgesellschaft im Jahr 1933 an das Staatsarchiv Hannover (zunächst Kleine Erwerbungen A 9, dann Hann. Des. 301 Abt. 5) und wurde formal mit der Neugründung des Staatsarchivs in Stade 1959 diesem überwiesen (Rep. 301/6). Seit 1955 allerdings befindet sich das Aktenarchiv unter Wahrung des Eigentumsrechts des Staatsarchivs als Expositum im Kreisarchiv in Otterndorf (Bestand 45). Der im Kreisarchiv hinterlegte Bestand des Staatsarchivs betrifft die Güter Cadenberge, Cadewisch, Dobrock, Hermannsthal, Elmlohe, Seeburg, Bentwisch und Basbeck.

Ursprünglich befanden sich im von Bremer'schen Gutsarchiv auch Urkunden und Akten der Güter Wunstorf und Eimbeckhausen. Diese beiden Güter waren nach dem Aussterben der Familie von Haus im Jahr 1769 im Erbgang an die Familie von Bremer gefallen. Beim Verkauf dieser Güter 1870 waren die Urkunden und Akten offensichtlich im Cadenberger Archiv verblieben. Der Otterndorfer Kreisarchivar Wilhelm Lenz, auf dessen Initiative die Exponierung des von Bremer'schen Gutsarchivs in Otterndorf zurückgeht, schied die ca. 9,3 lfdm Akten aus den Jahren 1388-1887, welche diese beiden nicht im ehemaligen Kreis Land Hadeln gelegenen Güter betrafen, aus und schickte sie 1957 an das Staatsarchiv Hannover zurück.

In Hannover bilden die Akten der Güter Wunstorf und Eimbeckhausen seitdem den Bestand "Hann. 301,5". Die 160 Urkunden der Familie von Haus aus den Jahren 1348-1767 sind im Staatsarchiv Hannover bereits

in den 1930er Jahren zum Bestand "Cal. Or. 88) zusammengefaßt worden. Weiteres Schriftgut des Gutes Eimbeckhausen wurde im Jahr 1972 vom damaligen Eigentümer des Gutes als "Dep. 104" im Staatsarchiv Hannover deponiert.

Im Kreisarchiv in Otterndorf werden zudem die Kirchspielsverhandlungen aus dem Cadenberger Gutsarchiv (Bestand 11) verwahrt. Dabei handelt es sich um jenen Teil des alten Gutsarchivs, der 1933 von der Hannoverschen Siedlungsgesellschaft der Landgemeinde Cadenberge überlassen worden sind. Die Landgemeinde hinterlegte den Bestand im Jahr 1948 im Kreisarchiv.


3. Die Besitzerfolge von Gut Cadenberge

Adolf von Bremer 1523-(1588)
Benedix von Bremer (1588)-1597
Georg von Bremer 1597-1626/28
Benedix von Bremer 1626/28-1675/76
Dietrich von Bremer 1675/76-1725
Benedix Jürgen von Bremer 1725-1733
Dietrich von Bremer 1733-1755
Benedix von Bremer 1755-1779
Friedrich Franz Dietrich von Bremer 1779-1836
Karl Christian von Bremer 1836-1853
Georg Friedrich August von Bremer 1853-1892
Charlotte Sophie Stuart von Bremer 1892-1931


4. Literaturhinweise

850 Jahre Cadenberge 1148 - 1998. Aus der Geschichte Cadenberges mit Beiträgen von L. Badenius, A. E. Hofmeister u. a., hrsg. v. d. Gemeinde Cadenberge, Otterndorf 1998; hier v. a. S. 145-166.

Elisabeth von Ahn-Schlichting, Der Burgwall zu Cadenberge, Cuxhaven 1984.

Arthur von Düring, Ehemalige und jetzige Adelssitze im Kreise Hadeln, in: Stader Archiv NF 28 (1938), S. 260-320;
hier S. 272-278.

Die Güter der Ritterschaft im Herzogtum Bremen. Hrsg. v. der Ritterschaft der Herzogtümer Bremen und Verden, Stade

2001.

Ulrike Hindersmann, Der ritterschaftliche Adel im Königreich Hannover 1814-1866(= Veröffentlichungen der Histori-
schen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 203), Hannover 2001.

Wilhelm Lenz, Graf Friedrich Bremer. In: Niedersächsische Lebensbilder 3 (1957), S. 36-46.

Otto Merker, Die Ritterschaft des Erzstifts Bremen im Spätmittelalter. Herrschaft und politische Stellung als Landstand (= Einzelschriften des Stader Geschichts- und Heimatvereins, 16), Stade 1962.

Luneberg Mushard, Monumenta Nobilitatis antiquae Familiarum illustrium, inprimis Ordinis Equestris in Ducatibus Bremensi & Verdensi, Bremen 1708, S. 138-148.

Johann Hinrich Pratje, Nachricht von dem Amte und der Probstey Neuhaus Herzogthums Bremen; insonderheit von den Kirchen daselbst, und von den Predigern, die seit der Reformation an denselben gestanden, Teil 2. In: Ders., Die Herzogthümer Bremen und Verden, Bd. 5, Bremen 1761, S. 119- 256; hier v. a. S. 202-236.

Heinrich Schlichting/Ulrich Jansen/Elfriede von Ahn-Schlichting, Cadenberge, wie es einmal war, Stade 1981.

Heinrich Schlichting/Elfriede von Ahn-Schlichting/W. Jantzen, Ein Dorf in der Landschaft, Otterndorf 1996; v. a.
S. 112-125.

Hans G. Trüper, Ritter und Knappen zwischen Elbe und Weser. Die Ministerialität des Erzstifts Bremen (= Schriftenreihe des Landschaftsverbandes der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden, 12), Stade 2000.

Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Staatsarchivs in Hannover, Bd. 1, bearb. v. Carl Haase und Walter Deeters (Veröffentlichungen der Niedersächsischen Archivverwaltung, 19), Göttingen 1965, S. 30.

Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs in Hannover, Bd. 3, bearb. v. Manfred Hamann, Teil 2 (Veröffentlichungen der Niedersächsischen Archivverwaltung, 42/2), Göttingen 1983, S.807-809.

Übersicht über die Bestände des

Niedersächsischen Hauptstaatsarchivs in Hannover, Bd. 4, bearb. v. Manfred Hamann, Christine van den Heuvel und Peter Bardehle (Veröffentlichungen der Niedersächsischen Archivverwaltung, 47), Göttingen 1992, S. 200-202.



Stade, den 12. Februar 2002 Dr. Christian

Hoffmann

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet