NLA AU Rep. 220/35

  • Zugeordnete Objekte zeigen
  • Drucken
  • Mit Strg+C oder Rechtsklick kopieren.
    Verlinken
  • Versenden
  • Verbessern

Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Karl Bartels

Laufzeit 

1896-2002

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Unterlagen von Karl Bartels aus der Zeit seiner Inhaftierung in der DDR wegen Spionagetätigkeit für den BND in den Jahren 1977 bis 1979.

Bestandsgeschichte 

Im August 2004 fragte Herr Karl Bartels (geb. 29.1.1910) aus Leer an, ob das Staatsarchiv in Aurich Interesse an Unterlagen aus der Zeit seiner Inhaftierung in der DDR wegen Spionagetätigkeit für den BND in den Jahren 1977 bis 1979 habe. Da es sich um ein exemplarisches Schicksal vor dem Hintergrund der besonderen deutsch-deutschen Geschichte bis 1989 handelt, nahm das Staatsarchiv die Unterlagen sehr gerne und dankbar als "Geschenk für die Nachwelt" und wertvolle Ergänzung seiner Bestände (acc. 2004/41) an. Als "Nachlass Karl Bartels" erhielten sie die Bestandssignatur Rep. 220/35. In der Vergangenheit hat Herr Bartels bereits die Archive der Mennonitengemeinden in Leer und Norden geordnet und ihre Unterbringung im Staatsarchiv (Dep. 89 und 55) in die Wege geleitet.

Karl Bartels, der aus Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern stammt und Realschulkonrektor in Leer war, wurde Anfang der 1970er Jahre vom BND dafür gewonnen, bei seinen Besuchen in der Gegend von Ludwigslust Angaben über Veränderungen im militärischen Bereich zu sammeln. Er erklärte sich zusammen mit seiner Frau dazu bereit, um die militärische Entspannung zu fördern. Seit 1973 stand das Ehepaar Bartels jedoch unter Beobachtung des MfS, das auch durch einen IM in Leer über die dortigen Lebensumstände detailliert unterrichtet wurde. Im Juli 1977 erfolgte die Verhaftung in der DDR und im Januar 1978 die Verurteilung zu 12 bzw. 7 Jahren Haft. Ihre Verurteilung sahen sie vor dem Hintergrund der Gesetze der DDR grundsätzlich als begründet an. Aufgrund ihres Alters und gesundheitlicher Probleme sowie der Tatsache, dass insbesondere Herr Bartels als Mennonit und Freimaurer nur idealistische Ziele verfolgte, wurde dem Ehepaar während seiner Haftzeit in der DDR eine durchaus bevorzugte Behandlung zuteil. In seiner "Stellungnahme nach der Durcharbeit dieser Akte" (Rep. 220/35, Nr. 6, Bl. 82) hat Herr Bartels

selber die Abläufe und den Hintergrund der Verhaftung kurz dargestellt.

Die dem Staatsarchiv übergebenen Unterlagen im Umfang von zwei Aktenordnern waren von Herrn Bartels bereits mustergültig vorgeordnet und mit einem Inhaltsverzeichnis versehen. Da sie sich einzeln in Kunststoffhüllen befanden, wurden diese aus konservatorischen Gründen entfernt. Bei dieser Gelegenheit wurden die Unterlagen von mir in kleinere Einheiten geteilt und archivisch verzeichnet. Jenseits der reinen Dokumentation des Falls, der damals in der Öffentlichkeit Aufsehen erregt hat, dürften vor allem die Briefe von Karl und Anna Bartels aus ihrer Haft an ihre Tochter Wilma besonders wertvolle Zeugnisse sein.

Da seine Inhaftierung u.a. in Zusammenhang mit seinen regelmäßigen Besuchen bei seinen Verwandten in Ludwigslust stand, übergab Herr Bartels außerdem freundlicherweise die von ihm transkribierten Lebenserinnerungen seines Vaters (Rep. 220/35, Nr. 9). Sie enthalten auch eigene Kindheitserinnerungen aus Ludwigslust.

Angesichts der Besonderheit des Falls und als Voraussetzung für diese Schenkung wurde vereinbart, dass die Benutzung des Bestandes gemäß den Bestimmungen des Nds. Archivgesetzes erst 10 Jahre nach dem Tod von Herrn Bartels für die Allgemeinheit möglich ist. Eine Verkürzung der Fristen wurde - bis auf Nr. 9 - grundsätzlich ausgeschlossen.

Es ist davon auszugehen, dass auch eine Stasi-Akte über das Ehepaar Bartels bei der Birthler-Behörde (Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik) in Berlin vorhanden ist. Herr Bartels hat jedoch in der Vergangenheit bewusst darauf verzichtet, Einsicht in diese Akten zu nehmen.


Aurich, den 5. August 2004

Dr. Wolfgang

Henninger

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet