NLA OL Best. 109

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Alexanderstift Wildeshausen

Laufzeit

1223-1807

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Das Alexanderstift geht auf eine Stiftung des Grafen Waldbrecht, einem Enkel des Sachsenherzogs Widukinds, zurück; Vogteirechte wurden später ausgeübt oder beansprucht von den Ottonen, Billungern, Welfen und Askaniern.

Bestandsgeschichte

Best. 109 Alexanderstift Wildeshausen
Zeit: 1180-1832
Umfang: 6,1 lfd. m; 770 Verzeichnungseinheiten (551 Akten und 219 Urkunden)
Erschließung: Archivdatenbank/Internet

Das Alexanderstift in Wildeshausen wurde bald nach 851 als Kanonikerstift durch den Grafen Waltbert, einen Enkel des Sachsenherzogs Widukind, gegründet, der in eigener Person die Gebeine des heiligen Alexander in Rom 850 abgeholt und überführt hatte. Hierüber berichtete die einige Jahrzehnte später abgefasste "Translatio sancti Alexandri", die sich heute in der Niedersächsischen Landesbibliothek in Hannover befindet. Dank einer königlichen Schutzurkunde von 855 und einer Schenkung des Gründers von 872 sowie späterer Zuwendungen der Welfen, anderer Fürsten und sonstiger Stifter entwickelte sich das Stift zur bedeutendsten geistlichen Niederlassung in diesem Raum, die sogar über eine eigene ritterliche Dienstmannschaft verfügte. Innerhalb der 1270 mit Bremer Stadtrecht versehenen Stadt Wildeshausen bildete das Stift mit seinen Gebäuden einen eigenen Bereich. Das zunächst bestimmungsgemäß unter dem Rektorat von Angehörigen der Stifterfamilie stehende Stift ging an Kaiser Otto II. über, der es 980 an das von ihm gegründete Kloster Memleben überließ, ohne dass dies weitere Folgen gehabt hätte. Später übten die Grafen von Oldenburg die Schutzvogtei aus. An der Spitze des ursprünglich aus 12 Kanonikern bestehenden Kapitels stand ein Propst, der seit dem 13. Jahrhundert aus dem Bremer Domkapitel genommen werden musste, da das Besetzungsrecht für dieses Amt an das Erzstift Bremen gelangt war. Neben ihm gab es seit 1135 den durch das Kapitel in Wildeshausen erwählten Dekan.
Nachdem 1543 durch das damalige geistliche und weltliche Oberhaupt, Bischof Franz von Münster und Osnabrück, die Reformation eingeführt worden war, haben die Kanoniker vier Jahre darauf wieder den katholischen Gottesdienst praktiziert

und sind seitdem bei der alten Kirche geblieben, während die Mehrzahl der Bewohner der Stadt Wildeshausen dem neuen Glauben anhing. Doch waren seitdem Verfallserscheinungen eingetreten, die unter dem 1612 erwählten Bischof Ferdinand von Münster im Zuge seiner gegenreformatorischen Bestrebungen bald energisch bekämpft wurden. 1624 waren, neben dem Propst, 10 residierende und 10 nicht residierende Kanoniker vorhanden. Später wurden diese Stellen auf fünf residierende und fünf nicht residierende Stiftsherren beschränkt, bis 1709 aus der letztgenannten Gruppe eine Stelle gestrichen wurde. Diese Anzahl blieb bis 1803 bestehen. Als Wildeshausen an den schwedischen Grafen von Wasaburg gefallen war, wurde das Kapitel 1651 ausgewiesen, blieb aber zunächst in der Mehrzahl in der Stadt. Nach einem Zwischenaufenthalt in Visbek siedelten die Kanoniker 1667 dann nach Vechta über, bis ihnen 1678 durch den Übergang der Stadt an den Bischof von Münster die Rückkehr ermöglicht wurde. Doch nach dem Ende der münsterischen Pfandherrschaft 1699 musste das Kapitel endgültig nach Vechta umziehen, wo zu Anfang des 18. Jahrhunderts ein kleines Kapitelhaus erbaut wurde, während der Chordienst in der Pfarrkirche stattfand. Freilich hielten sich dann in Vechta nur noch einige Kanoniker ständig auf, bis das Stift 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss säkularisiert wurde und an den Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg überging. Die endgültige Säkularisation erfolgte 1806. Aus dem Stiftsvermögen wurde der Alexanderfonds gebildet, der für fromme und milde Zwecke der katholischen Bevölkerung des Herzogtums Oldenburg bestimmt war.
Ein Teil des Kapitelsarchivs von St. Alexander, darunter fast alle Urkunden und Amtsbücher, wurde 1849 von der Großherzoglichen Kommission zur Wahrnehmung der landesherrlichen Rechte über die katholische Kirche an das Oldenburgische Haus- und Centralarchiv

abgegeben. Weitere Abgaben folgten, dennoch ist der Bestand stark gestört und lückenhaft. Zweifellos besitzt aber der erhaltene Urkundenbestand nach Anzahl und Inhalt eine erhebliche Bedeutung, insbesondere zur Geschichte der Herrschaft Wildeshausen und des Oldenburger Münsterlandes. Der größte Teil der Urkunden bis 1549 ist in dem von Gustav Rüthning bearbeiteten Oldenburgischen Urkundenbuch Bd. 5 durch Voll- oder Teildrucke oder durch meist ausführliche Regesten veröffentlicht worden. Für einen großen Teil der Urkunden gibt es zuverlässige Abschriften, die nachgewiesen sind. Von den erhaltenen Amtsbücher besitzt zweifellos das Kopiar aus dem 14. Jahrhundert (Ab Nr. 31) die größte Bedeutung, weil nur hierin die Texte zahlreicher Urkunden aus der Zeit vor 1223 erhalten sind, dem Jahr der ersten als Ausfertigung überlieferten Urkunde.

Inhalt:
Urkunden 1223-1807 (219): 13. Jh.: 4; 14. Jh.: 96; 15. Jh.: 56; 16. Jh.: 32; 17. Jh.: 20; 18. Jh.: 10; 19. Jh.: 1; Amtsbücher 1180-1806 (41); Kapitels- und Lehnssachen 1600-1770 (8); Alexanderkirche und die politischen Gewalten 1631-1734 (21); Verhältnis zu Münster und Osnabrück 1613-1784 (18); Statuten und Privilegien 1579-1742 (10); Visitationen 1613-1757 (3); Präbenden 1688-1781 (13); Propstei 1540-1797 (45); Dekanat 1500-1767 (20); Seniores 1622-1714 (3); Kanoniker 1565-1802 (72); Precisten 1705-1798 (4); Vikare 1565-1630 (2); Stiftsökonom 1640 (1); Scholaster 1653-1712 (3); Subdiakone 1592-1630 (3); Stiftssekretäre 1691-1790 (7); Küster 1693-1789 (2); Organisten 1705 (1); Kalkant 1693-1697 (1); Güterbesitz, Kapitelsländereien 1625-1692 (12); Meier und Eigenhörige 1500-1780 (23); Gemarkungs- und Wegesachen 1613-1800 (12); Finanzwirtschaft, Schulden und Forderungen 1617-1798 (31); Renten- und Zehntsachen 1614-1792 (41); Kontributionen und Schatzungen 1604-1805 (19); Rechnungs- und Hypothekensachen 1593-1801 (31); Post und

Portosachen 1730-1781 (2); Deservitengelder 1704-1740 (3); Statutengelder 1650-1794 (11); sonstige Abgaben 1678-1785 (7); Alexanderfonds 1807-1817 (6); Justizsachen 1585-1781 (16); Bau- und Baurechnungssachen 1690-1780 (6); Stiftsinventar, Kirchengerät 1592-1779 (4); Kapitelsarchiv und Bibliothek 1651-1741 (6); andere Archive und Registraturen 1600- 1832 (8); Armenwesen 1642-1694 (2); Militaria 1628-1680 (2); Pastorat und Schule in Wildeshausen 1612-1790 (8); Vikarie "Trium Regum" 1582-1641 (3); Vikarie "S. Felicitatis" 1596-1643 (2); Vikarie "S. Magdalenae" 1615-1617 (2); Vikarie des Chors 1620 (1); Vikarie "SS. Thomae et Georgii" 1627-1629 (1); Vikariat zum Hl. Kreuz 1726-1793 (9); Vikariat zu Visbek 1665 (1); Pastorat zu Vechta 1680-1727 (2); Pfarrei in Borgloh 1757 (1).

Literatur:
Karl Willoh, Geschichte der katholischen Pfarreien im Herzogtum Oldenburg, Bd. 3, Köln 1898; Johannes Göken, Die wirtschaftliche Entwicklung des Alexanderstifts Wildeshausen im Mittelalter, Friesoythe 1933; Carl Haase, Untersuchungen zur Geschichte des Bremer Stadtrechtes im Mittelalter, Bremen 1953, S. 100-127; Carl Haase, Mittelalterliche Rechtsquellen der Stadt Wildeshausen (Oldenburgische Geschichtsquellen Band 3. 1) Oldenburg 1953; Christa Schwens, Die Alexanderkirche in Wildeshausen und ihre Baugeschichte, Oldenburg 1969; Stefan Hartmann, Die Neuverzeichnung des Stiftsarchivs von St. Alexander zu Wildeshausen im Staatsarchiv Oldenburg, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1975, S. 17-25; Stefan Hartmann, Die Beziehungen Wildeshausens zu Südoldenburg im Spiegel des Wildeshauser Stadtarchivs, in: Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1976, S. 176-186; Stefan Hartmann, Großherzogtum (Freistaat) Oldenburg, in: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815-1945, Reihe B; hg. von Thomas Klein, Band 17: Hansestädte und Oldenburg, Marburg/Lahn 1978, S. 212-214; Findbuch

zum Bestand Stadtarchiv Wildeshausen (Best. 262-9), Teil 1: Urkunden, bearb. von Harald Schieckel, Teil 2: Amtsbücher und Akten, bearb. von Stefan Hartmann, Göttingen 1979; Albrecht Eckhardt, Wildeshausen. Geschichte der Stadt von den Anfängen bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert, mit Beiträgen von Günter Wegner, Heinz-K. Junk, Peter Heinken und Walter Schultze, hg. von der Stadt Wildeshausen, Oldenburg 1999; Josef Dolle (Hg.), Niedersächsisches Klosterbuch, Teil 3, Bielefeld 2012, S. 1535-1546.

Verwandte Bestände:
Best. 20 (Grafschaft Oldenburg); Best. 70 (Regierung Oldenburg); Best. 74-26 (Amt Wildeshausen); Best. 105 (Altes Amt Wildeshausen); Best. 106 (Hannoversches Amt Wildeshausen); Dep 25 WILL (Stadt

Wildeshausen).

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Georeferenzierung

Bezeichnung

Wildeshausen [Wohnplatz]

Zeit von

1

Zeit bis

1

Objekt_ID

14068

Ebenen_ID

1