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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Berichte der Alliierten über deutsche Industrieanlagen

Laufzeit

1944-1954

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Berichte der britischen und der amerikanischen Militärregierung über niedersächsische bzw. deutsche Industrieanlagen sowie Anlagen in ehemals von den Deutschen besetzten Ländern: Berichte des Combined Intelligence Objectives Sub-Comittee (CIOS), des British Intelligence Sub-Committee (BIOS), der Field Information Agency, Technical (FIAT), der Joint Intelligence Objectives Agency (JIOA), des United States Strategic Bombing Survey (USSBS), der Foreign Documents Unit (FD), des Halstead Exploiting Center (HEC) sowie der US Naval Technical Mission in Europe (NAVTEC); Karten
Findmittel: EDV-Findbuch
Umfang: 11 lfdm

Geschichte des Bestandsbildners

Bereits vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs dachten die Alliierten über Reparationen Deutschlands in Form von Geldzahlungen, Sachlieferungen und Transfer von geistigem Eigentum nach. Nach dem Krieg forderten alle Siegermächte Reparationsleistungen, doch waren ihre reparationspolitischen Interessen keineswegs einheitlich. Die Sowjetunion, die v.a. am Wiederaufbau der eigenen, vom Krieg am stärksten in Mitleidenschaft gezogenen Wirtschaft interessiert war, stellte massive Reparationsforderungen, die durch die Demontage von Industrieanlagen, Lieferungen von Gütern aus der laufenden Produktion sowie auch durch deutsche Arbeitskräfte befriedigt werden sollten. Frankreich stellte ähnlich harte Forderungen, übte aber bis zum Herbst 1945 keinen direkten Einfluss auf die alliierte Reparationspolitik aus. Die USA hingegen verfolgten einen gemäßigten reparationspolitischen Kurs, der in erster Linie auf einen Wiederaufbau Deutschlands und auf die möglichst reibungslose Umstellung der deutschen Wirtschaft von Kriegs- auf Friedensproduktion gerichtet war. Großbritannien war in erster Linie an einer Zerstörung der deutschen Kriegsindustrie interessiert und wünschte eine möglichst rasche Rückkehr zu normalen Handelsbeziehungen, die es Deutschland ermöglichen sollten, wirtschaftlich bald wieder auf eigenen Füßen zu stehen.

Die Konferenz von Potsdam im Sommer 1945 brachte die gewünschte Einigung zwischen den Siegermächten über die Frage der Reparationserhebung. Jede Besatzungsmacht sollte ihre Reparationsansprüche aus der eigenen Zone befriedigen, wobei die Sowjetunion darüber hinaus zusätzlich noch 25 % der in den Westzonen demontierten Industrieanlagen erhalten sollte, 60 % davon im Austausch gegen Nahrungsmittel und Rohstoffe. Der Industrieniveauplan vom März 1946 erhob gemäß dem Potsdamer Protokoll den deutschen Lebensstandard von 1932 zur Bemessungsgrundlage für die Ermittlung der als "überflüssig" deklarierten und damit für Reparationszwecke zu demontierenden Industrieanlagen. Im Dezember 1945 wurde die Interalliierte Reparationsagentur (Interallied Reparations Agency) gegründet, die die Verteilung der Reparationsgüter auf die übrigen reparationsberechtigten Staaten regelte und bis 1959 bestand. Die entsprechenden Lieferungen an die einzelnen Staaten setzten allerdings erst im September 1946 ein.

Gemäß den unterschiedlichen Interessen der Siegermächte, war die Erhebung der Reparationen in den einzelnen Besatzungszonen unterschiedlich. Den größten Eifer legte die Sowjetunion an den Tag, die bereits im Verlauf der Besetzung deutscher Gebiete mit gezielten Beutezügen begonnen hatte und in Vorgriff auf beabsichtigte Demontagen Maschinen und Teile von Industrieanlagen abgebaut hatte. Die gezielte Demontage von Industriebetrieben wurde in der SBZ erst 1948 eingestellt. Im August 1953 vereinbarte die Sowjetunion mit der DDR schließlich den endgültigen Verzicht auf weitere Reparationsleistungen.

Frankreich wickelte den größten Teil seines Entnahmeprogramms bereits vor Beginn der "regulären" Demontagen ab. Die britische Besatzungspolitik war in der Frage der Reparationen unentschlossen und widersprüchlich. Einerseits entnahmen auch die Briten Reparationsgüter ohne Genehmigung der Interalliierten Reparationsagentur, anderseits legten sie wenig Eifer bei der Erfassung der in der eigenen Zone hauptsächlich konzentrierten Demontageobjekte an den Tag. Die Amerikaner, die v. a. an deutschen Auslandsguthaben sowie am Erwerb von geistigem Eigentum interessiert waren und großen Einfluss auf die beiden anderen westlichen Besatzungsmächte ausübten, erkannten bald die Unvereinbarkeit von Demontage und Wiederaufbau, so dass sie ihr Demontageprogramm schrittweise reduzierten. Im Jahr 1951 war die Entnahme von Reparationen aus den drei westlichen Besatzungszonen endgültig beendet.

Grundlage für die Erhebung von Reparationen waren die alliierten Berichte über die deutsche Wirtschaft, die größtenteils in den unmittelbaren Nachkriegsjahren erstellt wurden. Der vorliegende Bestand enthält Berichte verschiedener Organisationen und Behörden der britischen und der amerikanischen Militärregierung über deutsche Industrieanlagen aus den Jahren 1943 bis 1954, wobei der größte Teil aus dem Zeitraum zwischen 1945 und 1948 stammt. Die Berichte beziehen sich nicht nur auf Industrieanlagen in Niedersachsen bzw. im gesamten Deutschen Reich, sondern teilweise auch auf Industriebetriebe in den ehemals von den Deutschen besetzten Benelux-Ländern, Frankreich und Italien.

Bestandsgeschichte

Im Einzelnen besteht der Bestand aus den Berichten des Combined Intelligence Objectives Sub-Comittee (CIOS), des British Intelligence Sub-Committee (BIOS), der Field Information Agency, Technical (FIAT), der Joint Intelligence Objectives Agency (JIOA), des United States Strategic Bombing Survey (USSBS), der Foreign Documents Unit (FD), des Halstead Exploiting Center (HEC) sowie der US Naval Technical Mission in Europe (NAVTEC).

Der Bestand wurde als Acc. 58/93 am 14.05.1993 vom Niedersächsischen Umweltministerium an das Hauptstaatsarchiv abgegeben.

Erschließung:
Der Bestand wurde von der Archivangestellten Ortrud Marose verzeichnet. Bei der Erschließung war die korrekte Identifikation von Ortsnamen nicht immer eindeutig möglich, da diese von den Besatzern oft nur phonetisch aufgenommen worden waren. Zwar ließ sich das Gros der genannten Namen sicher nachweisen, doch waren manche Namen derart verstümmelt, dass sie nicht identifiziert werden konnten. In solchen Fällen wurde die von den Alliierten gewählte Schreibweise beibehalten.
Auch sind die genannten Firmennamen oft uneinheitlich. Es wurde die in demjeweiligen Heft genannte Schreibweise aufgenommen. Falls in den Heften nicht zufällig technische Zeichnungen o.ä. vorhanden sind, die Aufschluss über die korrekte Firmenbezeichnung geben, ist eine sichere Identifikation des Firmennamens unmöglich.

Literatur

Benz, Wolfgang (Hg.), Deutschland unter alliierter Besatzung 1945-1949/55, Berlin 1999, S. 161-167

Farquharson, John, Großbritannien und die deutschen Reparationen nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Vierteljahresheft für Zeitgeschichte 46 (1998), S. 43-67

Fisch, Jörg, Reparationen nach dem Zweiten Weltkrieg, München 1992

Weitere Angaben (Bestand)

Bearbeiter

Hannover, im Dezember 2003
gez. Claudia Kauertz

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet