NLA HA V.V.P. 3

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Nachlass Günther Gereke

Laufzeit

1946-1952

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Private und dienstliche Korrespondenz, Presseartikel, Protokolle des Entnazifizierungsverfahrens, parteibezogenes Schriftgut (v.a. DSP: Rundschreiben, Korrespondenz, Wahlvorschläge)
Findmittel: EDV-Findbuch
Umfang: 2,7 lfdm

Bestandsgeschichte

Die Privat- und Dienstpapiere des Dr. Dr. Günter Gereke sind dem Niedersächsischen Hauptstaatsarchiv von der Abteilung IV des Niedersächsischen Innenministeriums (Nds. Amt für Verfassungsschutz) unter der St. A. 2680/61 als Akzession Nr. 60/61 übergeben worden. Die ungewöhnliche Herkunft der Papiere erklärt sich aus der weiter unten erläuterten Flucht Gerekes im Juli 1952 in die damalige Sowjetzone.

Gereke war gebürtiger Sachsen-Anhaltiner und begann seine politische Laufbahn 1919 im Kreistag von Torgau. Ende der 20er Jahre stieg er als Mitbegründer und Präsident des Verbandes der Preußischen Landgemeinden bzw. des Deutschen Landgemeindetages auf. In dieser Funktion setzte er sich bereits für Arbeitsbeschaffungspläne aktiv ein. Als Mitglied der DNVP bzw. später der Bauern- und Landvolkpartei saß er von 1924-28 und 1930-32 im Reichstag und gehörte dem Kabinett Brüning, nicht aber dem folgenden Kabinett v. Papen an. 1932 saß er den Vereinigten Hindenburg-Ausschüssen vor und leitete die beiden Reichspräsidentenwahlkämpfe im Frühjahr 1934. Er wurde im Kabinett Schleicher zum Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung ernannt. Mit dem Beginn des Nazi-Regims und dem Erlaß des Ermächtigungsgesetzes enthob man ihm jedoch seines Amtes und verurteilte ihn in einem Schauprozess wegen angeblicher Unterschlagung von Wahlkampfgeldern zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Auch in den weiteren Jahren wurde er trotz Rückzuges nach Torgau noch zweimal verhaftet.

1946 übersiedelte er in die britische Zone, wo er im neugegründeten Land Niedersachsen als CDU-Mitglied zunächst im ernannten Landtag für wenige Monate Innenminister (1946-47) wurde. Bald aber mußte er aufgrund der gegen ihn im Zuge der obengenannten Strafprozesse der Jahre 1933/34 gerichteten Ermittlungen seine Beurlaubung einreichen. Nach seiner Entlastung wurde er dann für zwei Jahre Minister für Ernährung, Landwirtschaft und

Forsten sowie stellvertretender Ministerpräsident. In dieser Zeit suchte er trotz seiner Funktion im CDU-Vorstand immer wieder Kontakte auch zu Regierungsstellen in der Sowjetzone, die innerhalb der Partei mit großem Mißtrauen gesehen wurden und ihm - nach einem spektakulären Treffen mit Ulbricht im Juni 1950 - auch den Ausschluss aus der CDU und den Verlust seiner politischen Ämter erbrachte (vgl. auch VVP 6 Nr. 95). Gereke wie auch sein persönlicher Referent Schauss hatten sich - entgegen dem Kurs der Bundespartei unter Adenauer - immer vehement für die Wiedervereinigung und eine Neutralität Deutschlands eingesetzt und dafür vor allem unter den Flüchtlingen in
Niedersachsen Unterstützung gefunden. Der Geschäftsführer Fricke und andere Aktivisten führten gleichzeitig enge Kontakte zu Otto Strasser, der eine Wiedergewinnung der verlorenen Ostprovinzen propagierte. Nach kurzem Flirt mit dem BHE und der Fraktion der Unabhängigen (FDU) gründete er selbst eineneue Partei mit dem Namen Deutsche Soziale Partei (DSP), die jedoch nur kurz erfolglos bei der Landtagswahl 1951 in Erscheinung trat. Im Juli 1952 schließlich flüchtete Gereke - angeblich um einer Verhaftung in der Bundesrepublik zu entgehen - in die DDR, wo er
zwar in die Ost-CDU eintrat, sich aber nicht weiter politisch betätigte, sondern einer alten Neigung, der Pferdezucht und dem Pferdesport, als Präsident der Zentralstelle für Zucht- und Leistungsprüfungen der Vollblut- und Traberpferde in der DDR nachging.

Die Papiere befassen sich ausschließlich mit seiner Tätigkeit der Jahre 1946-1952. Der umfangreichste Teil besteht aus Korrespondenzen mit - zeitweise nicht scharf getrennten - privatem, amtlichem und parteibezogenem Inhalt. In den Fällen, wo eine Ordnung noch zu erkennen war, ist die Korrespondenz nach Betreffen geordnet, wobei neben dem Namen des Korrespondenzpartners auch die Ausstellungsorte der

Eingänge (bei Parteienschriftgut oftmals die Orte der Kreisverbände), die Namen erwähnter Personen oder auch sachthematische Oberbegriffe (wie Flüchtlings..., Siedlungs..., Landwirtschaft..., Pferde...) als Betreffe stehen können. Daneben ist vor allem noch das Schriftgut zur DSP zu nennen, das vor allem Aussagen zur Mitgliederrekrutierung, Parteienorganisation sowie zur Landtagswahl von1951 enthält.

Der Bestand war lange Zeit nur summarisch und listenartig erschlossen. Er ist jedoch vom Innenminister bereits 1984 für Forschungszwecke freigegeben worden (Tgb. 175/84) und daher im Frühjahr 1998 vom U. neu geordnet und verzeichnet worden.

Literatur: Helga Grebing: Flüchtlinge und Parteien in Niedersachsen. Eine Untersuchung der politischen Mei-
nungs- und Willensbildungsprozesse während der ersten Nachkriegszeit 1945-1952/53, Hannover 1990, S. 77ff.
und 133ff.

Hannover, im März 1998
Thomas

Bardelle

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Georeferenzierung

Bezeichnung

Niedersachsen

Zeit von

1946

Zeit bis

1993

Objekt_ID

1

Ebenen_ID

200