
Identifikation (kurz)
Titel
Nachlass Wilhelm Heintz
Laufzeit
1888-1966
Bestandsdaten
Kurzbeschreibung
Nachlass Wilhelm Heintz (1888–1966)
Geschichte des Bestandsbildners
Der Nachlass des Garten- und Landschaftsplaners Wilhelm Heintz befand sich in Familienbesitz und gelangte im November 2018 in das Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation (IZS) in Wolfsburg. Einen Teil der Dokumente verwahrte zwischenzeitlich der Offenbacher Soziologe und Studienrat Arne Keilmann. Beide Bestände wurden im IZS zusammengeführt und im November 2020 verzeichnet. Der gesamte Nachlass von Wilhelm Heintz umfasst ca. 4lfm Aktenmaterial sowie eine Vielzahl an Plänen und Fotografien, die einen Einblick in die vielseitigen Aufgabenbereiche von Heintz in der Zeit von 1930 bis 1960 geben.
Der Großteil des Bestandes erschöpft sich in Aktenmaterial, das Aufschluss über Heintz Beteiligung am Aufbau der „Stadt der Hermann-Göring-Werke“ bzw. Salzgitter gibt. Der Gartengestalter Heintz war für das mit der Planung der neuen Stadt beauftragten Architekturbüros von Herbert Rimpl tätig. Zusammen mit der Gartengestalterin Grete Berg hatte Heintz bereits bei der Errichtung der Heinkel-Werke in Oranienburg mit Rimpl und seinen Mitarbeitern zusammengearbeitet. Auch nach dem Zusammenbruch des NS-Staates wirkte Heintz in Fragen der Garten- und Landschaftsgestaltung als Berater der Stadt Salzgitter.
Seit 1934 war Heintz Leiter der Gartenbauabteilung im Reichsheimstättenamt, einer Unterorganisation der Deutschen Arbeitsfront, die sich mit der Errichtung von Wohn- und Siedlungsbauten beschäftigte. Dort lernte er den Architekten Peter Koller kennen, auf dessen Empfehlung Heintz am 10. Dezember 1937 von der „Gesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH“ mit der Abgabe eines Gutachtens „über die Siedlungsmöglichkeiten im Raum süd-östlich von Fallersleben“ beauftragt wurde. Beim Aufbau der „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ war Heintz zunächst für das von Koller geleitete „Stadtbaubüro der DAF“ tätig und sodann für die Wohnungsbaugesellschaft „Neuland“. Zu seinen Aufgaben zählte unter anderem die Planung der öffentlichen Grünanlagen in der Siedlung „Steimker Berg“, die Gestaltung der städtischen Friedhofsanlagen und das öffentliche Großgrün im Nordviertel der neuen Stadt. Auch musste die „Neuland“ dem Gartengestalter die gärtnerischen Entwürfe für die Gestaltung der Wohnblocks zur Begutachtung vorlegen. Dies geschah, um eine einheitliche Grünplanung zu garantieren. In der Nachkriegszeit bearbeitete Heintz in Wolfsburg verschiedene Projekte, unter anderem war er für die Grünflächengestaltung des von dem Hildesheimer Architekten Otto Immendorff entworfenen VW-Bads verantwortlich. Im Auftrag von Peter Koller erarbeitete er die Grünplanungen für den Teilbebauungsplan am Laagberg.
Die Fallbeispiele Wolfsburg und Salzgitter belegen am Beispiel von Heintz Wirken eindrücklich die berufsbiographische Kontinuität deutscher Funktionseliten im 20. Jahrhundert. Der 1966 verstorebene Heintz kann nicht nur wegen seiner Mitwirkung an diesen beiden Projekten zum Kreis der wichtigsten Gartengestalter des NS-Staats gezählt werden. Der Bestand besteht ausschließlich aus beruflicher Korrespondenz und Unterlagen, so dass die Privatperson Heintz unscharf bleiben muss. Der Nachlass Heintz erweitert insbesondere das Wissen über den Aufbau der „Stadt der Hermann-Göring-Werke“ Salzgitter und vermag die Planungsgeschichte der „Stadt des KdF-Wagens bei Fallersleben“ punktuell zu ergänzen. Als Gegenüberlieferungen sind vor allem die Bestände des Stadtbaubüros (A.2.2) sowie die Unterlagen im Firmenarchiv der Salzgitter AG bedeutsam.
Der Bestand gliedert sich in fünf Kategorien. Soweit dies möglich war, wurde bei der Verzeichnung die Aktentitel beibehalten, unter denen die Dokumente noch von Heintz persönlich abgelegt worden waren.
Wolfsburg, November 2020
Marcel Glaser