NLA HA Dep. 20

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Guts- und Familienarchiv der Familie Knigge in Bredenbeck, Leveste und Pattensen: Urkunden und Akten

Laufzeit 

1361-1967

Bestandsdaten

Geschichte des Bestandsbildners 

Zur Geschichte der Familie Knigge und des Gutes Bredenbeck

Der Ort Bredenbeck wurde erstmals 1255 erwähnt, als Bischof Wedekind von Minden den dortigen Zehnten dem Kloster Wennigsen schenkte. 1311 werden die Herren von Goltern, 1320 die von Sudersen als Lehnsmannen des Bischofs von Hildesheim zu Bredenbeck genannt. 1338 erhielten Ritter Hermann Knigge und sein Sohn Heinrich das Schloss Bredenbeck von den Herzögen Otto und Wilhelm zu Braunschweig-Lüneburg zu Lehen. Seitdem befindet es sich in der Hand dieser Familie.
Im Jahr 1370 verpfändete Herzog Magnus II. Torquatus zu Braunschweig-Lüneburg u. a. auch die Oberlehnsherrschaft über Schloss Bredenbeck an den Bischof von Hildesheim, wobei die Pfandschaft bis 1523 andauerte. Nach der Hildesheimer Stiftsfehde, die mit einer Niederlage des Bischofs Johann IV. von Hildesheim endete, konnten die Welfen die Lehns- und Landeshoheit zurückgewinnen. Bredenbeck gehörte seitdem zum Fürstentum Calenberg. So belehnte 1555 Herzog Erich II. Henning und Heineke Knigge mit Dorf und Schloss Bredenbeck. Letzteres war bei einem Brand im Jahr 1550 zerstört worden, bei dem die Schlossherrin, Magdalene Knigge geb. von Freytag, umgekommen sein soll. Bald darauf begann Henni Knigge mit dem Bau von zwei festen Häusern für seine Söhne Christoph Johann und Hans Henning, die mit einem Wassergraben umgeben waren. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1560 teilten die Brüder das Gut unter sich auf. Seitdem gibt es in Bredenbeck das sog. Schlossgut (heute Bredenbeck I) und das sog. Burggut (heute Bredenbeck II).

In Bredenbeck besaßen die Knigge seit alters das Patrimonialgericht in Form eines geschlossenen Obergerichts, d. h. sie übten hier auch die Blutsgerichtsbarkeit (Halsgericht) aus und waren berechtigt, Verbrechen u. a. mit der Todesstrafe zu ahnden. Deutliche Zeichen dieses Hoheitsrechts waren ein Gefängnisturm und der Galgen. 1823 ging die Kriminalgerichtsbarkeit zu Bredenbeck an den Landesherrn über, 1849 wurde das Gericht schließlich ganz aufgelöst.
1623 ging das Schlossgut zu Bredenbeck durch Kauf an Jobst III. Knigge zu Leveste über, der bereits 1626 an der Pest starb. Das Gut wurde von dessen Witwe Hypolitta geb. von Oberg verwaltet, deren Söhne Jobst Hilmar und Friedrich Ulrich 1665 von Kaiser Leopold I. in den Freiherrenstand erhoben wurden. 1722 starb mit dem Schatzrat Henning Johann Knigge, Besitzer des Schlossguts Bredenbeck, der letzte Spross der Bredenbecker Linie. Das Gut fiel an Adam Christoph, den Enkel Jobst III., der nun Burg- und Schlossgut wieder in einer Hand vereinte. Adam Christophs Enkel, der Schriftsteller Adolf Knigge, der 1752 auf Bredenbeck geboren wurde und das hoch verschuldete und unter Zwangsverwaltung stehende Gut 1766 übernahm, ist bis heute der berühmteste Vertreter des Geschlechts. Nach einer schweren Kindheit und Jugend studierte er Jura in Göttingen und trat - u.a. in Kassel, Hanau und Frankfurt - in hessische Dienste ein. Nach seiner Rückkehr nach Hannover erhielt er 1791 eine Stelle als hannoverscher Beamter in Bremen, wo er bereits 1796 im Alter von 43 Jahren starb und im Dom beigesetzt wurde. Bereits im Alter von 12 Jahren unternahm Adolf Knigge die ersten literarischen Versuche. Sein bedeutendstes Werk "Über den Umgang mit Menschen", das lange Zeit als Regelwerk für Anstand und Sitte betrachtet wurde, ließ er 1788 in Hannover drucken.

Mit Adolfs Tod erlosch dessen Linie 1796 im Mannesstamm. Die Lehnsfolge in Bredenbeck trat Georg Wilhelm Knigge (1731-1801) zu Leveste an. Als dessen Sohn Wilhelm Carl Ernst Knigge (1771-1839) alle kniggeschen Güter in Deutschland erbte, hatte er mit einer hohen Verschuldung zu kämpfen. Wilhelm Carl Ernst Knigge bemühte sich, seine Einnahmen durch frühindustrielle Unternehmungen zu steigern. So betrieb er eigene Steinkohlegruben im Deister, Kalkbrennereien und Steinbrüche und gründete 1838 eine Glashütte am Steinkrug. Wilhelm Carl Ernst Knigge hatte sieben Söhne, von denen der älteste, Ernst (1806-1880), die Verwaltung der Besitzungen übernahm. Als 1855 die Lehngüter der Familie in Allodialbesitz umgewandelt wurden, teilten die Brüder Knigge sie 1859 durch Los unter sich auf. Bredenbeck blieb allerdings im gemeinschaftlichen Besitz der Familie. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand daraus die "Waldgutstiftung", nach dem Zweiten Weltkrieg die "Freiherr Kniggesche Miteigentümergemeinschaft".
Heute umfasst Gut Bredenbeck eine Ackerfläche von 235 Hektar, die seit 1993 im Rahmen der mit dem kniggeschen Gut in Pattensen bestehenden Betriebsgemeinschaft bewirtschaftet werden. Außerdem gehören zum Rittergut Bredenbeck 1259 Hektar Wald.
An Stelle der "Burg", die wegen Baufälligkeit abgerissen worden war, entstand um 1800 das heutige Gutshaus. Sein jetziges Aussehen erhielt es durch den hannoverschen Baumeister Georg Ludwig Friedrich Laves, der den gesamten Gutshof zwischen 1846 und 1860 neu gestaltete. Auf ihn sind auch die beiden großen Stallgebäude aus Sandstein zurückzuführen.

Bestandsgeschichte 

Im April 1900 bot August Freiherr Knigge zu Leveste dem Staatsarchiv Hannover die Deponierung der in Leveste und Bredenbeck aufbewahrten Originalurkunden sowie sonstiger geschichtlich wertvoller Archivalien an. Darüber wurde am 9./12. Juli 1900 ein Depositalvertrag geschlossen. Im gleichen Monat trafen aus beiden Schlössern Urkunden und Akten ein, im Wesentlichen Lehns-, Familien- und Gutsverwaltungssachen betreffend; ein Verzeichnis der aus Bredenbeck abgegebenen Akten befindet sich in der Dienstregistratur (Vgl. Hann. 1/3 Nr. 329, Bl. 106ff). Später sind Einzelstücke nachgeliefert worden. Im Mai 1921 übersandte der Freiherr Knigge-Endorf (bei Ermsleben, Provinz Sachsen) 35 kleine und 22 große Bücher der Kniggeschen Familiengeschichte, die als Dep. 20 A aufgestellt wurden. Um das Jahr 1938 herum deponierte ein Baron Knigge-Hannover weitere Archivalien, die - vermutlich auf dessen persönlichen Wunsch - als gesondertes Dep. 64 abgelegt wurden. Über dessen Inhalt ist im Staatsarchiv nichts mehr zu ermitteln; gleichwohl dürften auch diese Stücke erhalten sein.
Nach einer mündlichen Tradition - die zugehörigen Aktenunterlagen fehlen - holten die Knigge im Zweiten Weltkrieg, kurz vor der Brandkatastrophe vom 8./9. Oktober 1943, ihre sämtlichen Archivalien nach Bredenbeck zurück. Der Bestand überdauerte dort Krieg und Nachkriegswirren.

Zu Bemühungen bezüglich einer Deponierung des Gutsarchivs im Jahre 1981 vgl. Nds. 71 Acc. 110/98 Nr. 14.
Im Mai 2010 entschloss sich die Familie erneut zur Deponierung des in Schloss Bredenbeck befindlichen Archivs. Das ehemalige Depositum 20 konnte so wieder reaktiviert werden. Es enthält Urkunden, Akten und Karten des 14. bis zum frühen 19. Jahrhundert, die sich v.a. auf die beiden Güter zu Bredenbeck beziehen. Leveste betreffende Unterlagen sind nur im Einzelfall in den Bestand gelangt. Nach Aussagen der Familie ist das Archiv nicht mehr ganz vollständig, sondern soll durchaus einige Verluste erlitten haben. Insbesondere ist der Nachlass des Adolph Knigge heute nicht mehr vorhanden.

Enthält 

Urkunden, Akten, Druckschriften, Karten

Literatur 

Stölting-Eimbeckhausen,
Gustav, Börries Freiherr von Münchhausen-Moringen (Hg.), Die Rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen. Beschreibung, Geschichte und Rechtsverhältnisse, Hannover 1912, S. 23-30.

Gewecke, Gustav, Reise in Kniggen Land: Bredenbecker Chronik 1255-1970, Bredenbeck 1970.

Ob Baron Knigge auch wirklich todt ist?: Eine Ausstellung zum 225. Geburtstag des Adolph Freiherr von Knigge; Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 08.10.-08.11.1977, Wolfenbüttel, 1977.

Bethmann, Anke, Gerhard Dongowski, Adolph Freiherr Knigge an der Schwelle zur Moderne: ein Beitrag zur politischen Ideengeschichte der deutschen Spätaufklärung, Hannover 1994.

Die Rittergüter der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft. Herausgegeben von der Calenberg-Göttingen-Grubenhagenschen Ritterschaft. Unter Mitwirkung der Eigentümer bearbeitet von Victor Jürgen von der Osten, Hannover 1996, S. 36-41.

Findmittel 

EDV-Findbuch 2016

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M. 

30,0

Bearbeiter 

Hildegard Krösche (Urkunden); Dr. Söhnke Thalmann, Christiane Drewes (Akten)

Benutzung 

Laut Depositalvertrag erfolgt die Benutzung des Depositums nur mit Genehmigung des Depositars.

Durch unsachgemäße Lagerung sowie aufgrund eines Wasserschadens vor Ort in Bredenbeck ist ein erheblicher Teil der Urkunden, Karten und Akten des Bestandes durch Pilzbefall beschädigt. Bis zum Abschluss der Restaurierungsmaßnahmen ist die Benutzung dieser Bestandsteile aus konservatorischen Gründen gänzlich zu versagen. Die Restaurierung der Urkunden ist inzwischen (2014) abgeschlossen.

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Leveste [Wohnplatz]

Zeit von 

1

Zeit bis 

1

Objekt_ID 

2525

Ebenen_ID 

1

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Bredenbeck am Deister [Wohnplatz]

Zeit von 

1

Zeit bis 

1

Objekt_ID 

2961

Ebenen_ID 

1