NLA HA Hann. 301/15

  • Zugeordnete Objekte zeigen
  • Drucken
  • Verlinken
  • Versenden
  • Verbessern

Beschreibung: Bestand

Identifikation (kurz)

Titel 

Familien- und Gutsarchiv von Bennigsen

Bestandsdaten

Geschichte des Bestandsbildners 

Familie und Gut Bennigsen
Das Gut Bennigsen ist der Stammsitz der gleichnamigen Familie, deren zweite bedeutende Linie in Banteln und Gronau begütert war. Die erste Erwähnung des Dorfes Bennigsen erfolgte unter der Bezeichnung "Bennecheshusen" im Jahr 969. Die erste urkundliche Erwähnung einer Familie von Bennigsen wird auf 1311 datiert. Vermutlich wurden die beiden Brüder Helmich (oder Helmut) und Burchard jedoch schon Ende des 13. Jahrhunderts von den Schaumburger Grafen mit dem nun namensgebenden Rittergut "Bennekessen" belehnt. Starke Indizien deuten daraufhin, dass die beiden Stammväter ursprünglich aus der Familie von Jeinsen stammten, so vor allem der in beiden Wappen abgebildete silberne Armbrustschaft.

Obwohl die Anlage einer ersten Burg auf das 10. Jahrhundert geschätzt wird, datiert die urkundliche Ersterwähnung auch hier auf das Jahr 1311. Die mit einem Wassergraben umgebene Anlage musste vor allem nach der Zerstörung während der Hildesheimer Stiftsfehde (1519-1523) umfassend wieder errichtet werden. Im Laufe der Jahre wurde erfolgten zwar weitere Veränderungen. Letztlich hat sich das Gut Bennigsen I - so die Bezeichnung in der Calenberg-Grubenhagenschen Ritterschaftsmatrikel - seinen Charakter als geschlossene Gutsanlage bis heute bewahrt, wozu nicht zuletzt das unter Denkmalschutz stehende Torhaus beiträgt. Diesem entgegen steht im Wesentlichen nur die Errichtung des "Neuen Schlosses" im Park im Jahre 1863 durch den Hannoverschen Hofarchitekten Georg Friedrich Laves.

Einer landsässigen adligen Familie entsprechend wirkten diverse Mitglieder der Familie von Bennigsen in Hofämtern und beim Militär, vorläufig jedoch ohne in absolute Spitzenämter vorzustoßen. Dies änderte sich erst um 1800. Zunächst ist hier zu nennen der allerdings aus der Linie Banteln stammende Levin August von Bennigsen (1845-1826). Als erfolgreichen General der russischen Armee in den Befreiungskriegen gegen Napoleon erhob ihn Zar Alexander I. in den Grafenstand. Sein Sohn Alexander Levin (1809-1893) wurde 1848 von König Ernst August zum leitenden Minister der hannoverschen Regierung benannt und saß später - ohne freilich ein allzu eifriger Welfe zu sein - für die Deutsch-Hannoversche Partei im Reichstag. Eine umfangreiche Überlieferung zu beiden findet sich im Gräflich von Bennigsenschen Archiv I in Banteln/Gronau.

Der bekannteste Vertreter der Linie Bennigsen war zweifelsohne Rudolf von Bennigsen (1824-1902). Nach ersten politischen Erfahrungen in der hannoverschen Ständeversammlung war der Jurist ab 1867 zunächst Mitglied des Parlamentes des Norddeutschen Bundes und ab 1871 im Reichstag Führer der Nationalliberalen Partei, mit deren Hilfe Otto von Bismarck den Aufbau des einheitlichen deutschen Staates vorantrieb. Von 1888 bis 1897 fungierte der bedeutendste liberale Politiker aus der Gründungsphase des Kaiserreiches und Mitbegründer des Deutschen Nationalvereins schließlich als Oberpräsident der preußischen Provinz Hannover. Sein gleichnamiger Sohn Rudolf (1859-1912) war als Spitzenbeamter an der Durchsetzung des Deutschen Strebens nach kolonialer Weltgeltung führend beteiligt, zunächst als Finanzdirektor von Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia), später als Gouverneur von Deutsch-Neuguinea im Südpazifik. Sein Bruder Adolf (1860-1902), der das Gut Bennigsen geerbt hatte, war als Springer Landrat politisch gesehen zwar keineswegs so bedeutend wie Rudolf, erlangte jedoch traurige Berühmtheit, da er bei einem spektakulären Duell den Tod fand. Die Überlieferung zu den drei Genannten ist im Familie- und Gutsarchiv Bennigsen eher gering. Zumal ein umfangreicher politischer Nachlass Rudolf von Bennigsen sen. im Bundesarchiv Berlin verwahrt wird.

Bestandsgeschichte 

Urkunden
Die Urkunden wurden als Zugang 2021/521 vereinnahmt und im Herbst 2022 verzeichnet, wobei für die Signaturbildung auf die Bestandsbezeichnung direkt die laufende Nummer der Urkunde folgt (z.B. Hann. 301/15, Nr. 15). Die 40 Stücke umfassen die Jahre 1603 bis 1844. Inhaltlich sind es in erster Linie Passivlehen der Familie von Bennigsen, aber auch einige Urkunden, die von Mitgliedern der Familie selbst ausgestellt wurden, sind darunter (Nr. 31, 33, 39). Die älteste Urkunde (Nr. 1) steht nicht in direktem Zusammenhang mit der Familie von Bennigsen: Sie betrifft eine Besitzverleihung im Halberstädtischen (Haus Neindorf).

Einige Urkunden tragen auf der Rückseite eine alte Nummerierung - wo sie vorhanden ist, wurde sie aufgenommen (Organisations- und Aktenzeichen), allerdings lässt sich keine Regelmäßigkeit erkennen. Auf die Wiedergabe von Rückvermerken wurde weitgehend verzichtet.

Vier lose Siegel konnten den Urkunden, von denen sie abgefallen waren, wieder zusortiert werden (Nr. 12, 13, 20, 26) und liegen dort bis zur Restaurierung lose bei - ein weiteres lag falsch lose in einer Blechkapsel und konnte ebenfalls wieder zum richtigen Stück (Nr. 29) genommen werden, wo es genau in das noch vorhandene Unterteil einer Holzkapsel passt.

Stand: 2022

Akten
Die Dokumente wurden dem Niedersächsischen Landesarchiv im Herbst 2021 als Schenkung übereignet, als Zugang 2021/99 vereinnahmt und im ersten Halbjahr 2023 verzeichnet. Ein analoges Alt-Findbuch oder eine Übersicht über die Aktenregistratur hat zu Beginn der Verzeichnung nicht vorgelegen, da der Bestand bislang in seiner Gesamtheit noch nicht erschlossen war. Gleichwohl wurde er von zwei Findmitteln geprägt. Erstens von einer Übersicht über die Registratur, dem Repertorium von 1819, das die vorhandenen Akten ordnete und verzeichnete. Es wurde von dem langjährigen Vermögensverwalter und Anwalt der Familie von Bennigsen zu Bennigsen, Kommissar Haccius (gest. 1848), erstellt, siehe Nr. 785. Zweitens ist das Repertorium des Archivs der Familie von Bennigsen in Bennigsen zu nennen, siehe Nr. 786. Hierbei handelt es sich um einen Entwurf des Carl Ernst Gebhard von Bennigsen (1789-1869) von 1843. Der Senior des Familienverbandes nahm das Unterfangen in Angriff, die Registratur von Haccius zu überarbeiten und zu erweitern, führte das Unternehmen jedoch nicht zu Ende, bzw. wurde seine Gliederung bei den Akten aus der zweiten Hälfte des 19. Jh. nicht durchgängig weiterverwendet. Ein überkommenes Alt-Repertorium aus der Zeit vor Haccius ist nicht überliefert, muss jedoch vorhanden gewesen sein, wie der Beleg für die Existenz von drei Repertorien beweist, siehe Nr. 512.

Die Gliederung der mithilfe von Arcinsys verzeichneten Akten beruht auf dem Entwurf des Carl Ernst Gebhard von Bennigsen. In seinem Repertorium erweiterte er die Gliederung von Haccius deutlich; die Neuordnung wurde jedoch nicht abgeschlossen. So blieben die eingeräumten Positionen 2. Aktiv- und Passivlehn; 3. Die Güter im Allgemeinen; 11. Zinsmeier weitgehend unbesetzt, liefern jedoch einen guten Überblick über die Struktur der vorhandenen Güter und Lehnsverhältnisse.

Die Gliederung von 1843 wurde während der zweiten Hälfte des 19. Jh. nicht durchgängig weiterverwendet, stattdessen gerieten viele Akten in Unordnung bzw. wurde die Registratur nicht mehr betreut. Dies lag vermutlich auch daran, dass viele Prozessunterlagen von Anwälten bzw. viele Akten von dem gerade amtierenden Gutsverwalter und Senior des Geschlechterverbandes bearbeitet und bei sich verwahrt wurden. Von den insgesamt 891 Akteneinheiten weisen 469 eine von Bennigsen vergebene Signatur auf, notiert in Arcinsys unter „Alte Archivsignatur“; bei 323 Akteneinheiten fehlt jede Zuschreibung durch von Bennigsen oder einen Nachfolger. Fehlende Aktenumschläge mit Titel und Signatur sowie ein Durcheinandergeraten eines Teils des Bestandes hatten zur Folge, dass die betroffenen Akten 2023 erst gebildet und der Gliederung zugeordnet werden mussten. Da eine Bewertung der Akten zu keinem Zeitpunkt stattgefunden hat (hierauf weist schon Haccius in seinem Vorwort hin), bedeutet dies, dass ein Teil dieser Akten vermutlich weniger aussagekräftig sein dürfte.

Bei einem guten Drittel der Akten fehlt das Aktenumschlagblatt (mit oder auch ohne Signatur des Repertoriums, Nr. 785), entweder weil die Blätter mit Signatur verloren gingen oder weil sie während der zweiten Hälfte des 19. Jh. entstanden und die Gliederung nicht mehr verwendet wurde. Teilweise war das Fehlen unproblematisch, da die zusammengehörigen Unterlagen auch beieinander lagen. Teilweise waren die Akten in Unordnung geraten, ließen sich aber noch einigermaßen rekonstruieren, unabhängig von der Frage der inhaltlichen Wertigkeit. Am schwierigsten gestaltete sich die Aktenbildung bei den völlig durcheinandergeratenen Unterlagen. Hier war zu entscheiden, ob es sich lohnt, aus dem Material Akten zu bilden bzw. Stücke bereits verzeichneten Akten zuzuordnen oder diese Unterlagen als disparat für die Kassation vorzuschlagen. Die schließlich als kassabel erachteten Unterlagen belaufen sich auf 6 Kartons (die verzeichneten Akten füllen 98 Kartons).
Eine Liste der neugebildeten Akten wurde nicht geführt, insbesondere keine der Akten der problematischen Kategorie. Der Zusatz „verstreut“ im Aktentitel ist nur als Hinweis für den konkreten Fall zu verstehen, eine durchgängige Zuordnung der Akten zur Gruppe der Akten, die gerade noch als zu verzeichnen machbar angesehen wurden, wurde nicht vorgenommen, da diese Fragen in den Bereich der Bewertung einschlagen und eine grundlegende Bewertung des Bestandes nicht vorzunehmen war.

Entnommene Medien
Dem Archivbestand wurde eine Karte entnommen, die der Kartensammlung der Abteilung Hannover des NLA unter der Signatur NLA HA Kartensammlung Nr. 12 c Reden 4 pg einverleibt wurde. Außerdem enthielt der Archivbestand Fotos und Bilder, die der Bildgutsammlung der Abteilung Hannover des NLA beigefügt wurden (vgl. NLA BigS Nr. 30583-30599).

Stand: 2023

Literatur 

Victor Jürgen von der Osten, Die Rittergüter der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft, Hannover 1996 (zu Bennigsen: S. 23-26)

Gustav Stölting-Eimbeckhausen/Börries Freiherr von Münchhausen-Moringen, Die rittergüter der Fürstentümer Calenberg, Göttingen und Grubenhagen. Beschreibung Geschichte, Rechtsverhältnisse und 121 Abbildungen, Hannover 1912 (zu Bennigsen: S. 9-12)

Jürgen Huck, Die von Bennigsen und ihr ehemaliges Gut zu Völksen. Hannoversche Geschichtsblätter, Bd. 40, 1986, S. 1–23.

Findmittel 

EDV-Findbuch 2023

Siehe

Korrespondierende Archivalien 

Gräflich von Bennigsenschen Archiv I in Banteln/Gronau

Bundesarchiv Berlin N 2350 Nachlass Rudolf von Bennigsen

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M. 

11,4

Referent 

Dr. Nicolas Rügge

Bearbeiter 

Hildegard Krösche (Urkunden, 2022)
Klaudia Woede (Akten, 2023)
Christiane Drewes (Karte, 2023)
Petra Diestelmann (Bildmedien, 2023)
Dr. Arne Hoffrichter (Redaktion und Vorwort, 2023)

Benutzung 

Das Archivgut kann im Niedersächsischen Landesarchiv Hannover nach §5 Niedersächsisches Archivgesetz (NArchG) eingesehen werden.