NLA HA Dep. 76

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Hechtsche Sammlung, Halberstadt: Urkunden und Akten

Laufzeit 

1213-1833

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Urkunden und Manuskripte, darunter Bibliothekskataloge, Urkundenverzeichnisse, Chroniken und Register
Findmittel: EDV-Findbuch 2011
Umfang: 7,2 lfdm

Bestandsgeschichte 

I. Bestandsgeschichte

Im Jahr 1950 leitete Otto Heine, vor der Enteignung durch die Bodenreform Besitzer des 1810 säkularisierten Klostergutes St. Burchard in Halberstadt und inzwischen in Wiedelah wohnhaft, die ihm verbliebenen Teile der sog. Hechtschen Sammlung an das Staatsarchiv weiter. Hier wurde daraus ein "Depositum 76 Heine/ Halberstadt" gebildet, ein förmlicher Depositalvertrag jedoch erst am 25. Juni 1957 abgeschlossen. Es bestand zunächst aus im Wesentlichen drei Teilen: Urkunden, Handschriften und Büchern, sämtlich die Geschichte von Stadt und Stift Halberstadt betreffend. Im August 1977 verkauften die Erben die Bücher über das Braunschweiger Antiquariat Brandes, ein Jahr später, 1978, erwarb das Land Niedersachsen die Urkunden und Manuskripte.
Diese Archivalien stellen, wie sich erst bei den Verkaufsverhandlungen herausstellte, den restlichen, aber doch wohl wertvollsten Teil dar einer in der Halberstädter Lokalliteratur mehrfach erwähnten Hechtschen Sammlung. Ernst Georg Julius Hecht (1775-1840) hatte die Chance seinerzeit genutzt und ein Leben lang die als Folge der Säkularisationen verschleuderten Originalurkunden und Handschriften von Halberstädter Stiften und Klöstern, Siegel und Münzen aufgekauft, zugleich eine umfassende Bibliothek aufgebaut und durch Abschriften von Quellen vermehrt. Er vermachte die Sammlung einem Neffen, dem Gerichtsrat Heine, mit der Auflage, sie weder aufzuteilen noch zu veräußern, auch sollte bis dreißig Jahre nach seinem Tode niemand Zutritt haben. Die Familie nahm die letztere Bestimmung so ernst, dass sie, von seltenen Ausnahmen abgesehen, selbst namhafte Gelehrte wie den Herausgeber des Halberstädter Urkundenbuchs nicht heranließ.

1882 verkaufte die Familie die große Bibliothek bis auf Reste, welche die Stadt Halberstadt betrafen. Schließlich löste man die Sammlung auf. Im Jahr 1930 kam es zu einer Erbteilung

zwischen Otto Heine, dem späteren Depositar, und zwei Cousinen. Aus dem Erbteil der einen, Frau Schulz-Schaeffer, erwarb 1939 das Staatsarchiv Magdeburg 120 Urkunden vor allem des Klosters Hadmersleben, wertvolle Handschriften kauften in den 1950er Jahren das Stadtarchiv Goslar und das Staatsarchiv Wolfenbüttel (1959). Der weitaus größere Teil aber verblieb bei Otto Heine in guter Verwahrung. In den Wirren des Kriegsendes kam es zu mutwilligen Zerstörungen. Sie müssen sich aber in Grenzen gehalten haben; jedenfalls schreibt Otto Heine 1950, der gerettete Bestand sei zwar nur ein Bruchteil, enthielte jedoch das Wertvollste.

Die Urkunden wurden im Archiv 1955 neu verpackt und signiert, die Handschriften und Bücher wenigstens oberflächlich inventarisiert. Genauer erfasste den Bestand im Frühjahr 1957 ein Bibliothekar, Richard Ahlfeld. Er verkartete die Bücher und Manuskripte und verfertigte Regesten der ungedruckten Urkunden. Die verbleibenden Arbeiten erledigte Joseph König.

Nach dem Tode Otto Heines (1956) und seiner Witwe kam die Sammlung zum Verkauf. Leider konnte das Land Niedersachsen die Bibliothek oder wenigstens die als Teile derselben betrachteten Flugblätter und Leichenpredigten des 16. bis 18. Jahrhunderts (vgl. den Hinweis unten) nicht erwerben, wohl aber die Archivalien. Aus formalen Gründen trat die Landesbibliothek als Käufer für das Land Niedersachsen auf, überließ das Archivgut jedoch im Rahmen eines Dauerleihvertrages (vom 12./13. April 1978) dem Hauptstaatsarchiv. Lediglich um die alte, vielfach zitierte Signatur beibehalten zu können, wurde der Bestand, der nunmehr Eigentum des Landes Niedersachsen ist, in der Abteilung "Deposita" belassen.

Obwohl sich die Archivalien im Wesentlichen auf Stadt und Hochstift Halberstadt sowie das nördliche Harzvorland (Grafschaften Blankenburg, Regenstein und Wernigerode sowie die Abtei Quedlinburg)

beziehen, stellt der Bestand wegen der jahrhundertelangen engen geschichtlichen Verbindungen mit diesem Raum eine wertvolle Ergänzung der welfisch-niedersächsischen Überlieferung dar.


II. Literaturhinweise

P. Przybilla, in: K. Militzer, P. Przybilla, Stadtentstehung, Bürgertum und Rat. Halberstadt und Quedlinburg bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Göttingen 1980, S. 203-207
Cornelia Oefelein, Das Nonnenkloster St. Jacobi und seine Tochterklöster im Bistum Halberstadt, Berlin 2004 (= Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser; 20), auch Diss.phil. FU Berlin 2003


III. Deponierung und Erschließung des Bestandes

Die Urkunden, Manuskripte und Bücher des Depositums 76 (Heine-Halberstadt) sind aufgrund mündlicher Vereinbarungen zwischen Oberstaatsarchivrat Dr. Diestelkamp, Hannover, und Otto Heine, Wiedelah, Krs. Goslar (früher Halberstadt, St. Burchard), in den Jahren 1947/1952 in das Staatsarchiv nach Hannover gekommen. Weitere Teile der Heineschen (früher Hechtschen) Sammlung sind 1945 in Halberstadt verbrannt; kleinere Reste gelangten in das Landeshauptarchiv in Magdeburg.

Am 31. Mai 1955 wurden die Urkunden einem größeren Koffer, in dem sie sich bis dahin befanden, entnommen, aus ihrer bisherigen (am Schluss des Bestandes aufbewahrten) Verpackung gelöst, in Urkundentaschen gelegt und nach Beschriftung derselben mit (alter) Signatur und (aufgelöstem) Datum in der Urkundenabteilung des Staatsarchivs (Deposita) gelagert. Dabei ergab sich, dass der Bestand 194 Urkunden zählt, von denen sich 170 Stück auf das Kloster St. Jacobi-Burchardi in Halberstadt und 9 auf das Kloster Hadmersleben beziehen, während 15 Urkunden in keinem anderen Sinnzusammenhang stehen, als dass es sich durchweg um Originale handelt, die die Stadt bzw. das Hochstift Halberstadt betreffen, letztgenannte 15 Urkunden tragen keine Signatur.

Die Urkunden sind offenbar

wissenschaftlich noch nicht voll ausgewertet worden. Dem Bearbeiter des Urkundenbuchs der Stadt Halberstadt, I. und II. Teil (1878/79), des Hochstifts Halberstadt (1883-1889) und der Kollegiatstifter St. Bonifatii und St. Pauli in Halberstadt (1881), Dr. Gustav Schmidt, sind sie jedenfalls nicht zugänglich gewesen (vgl. S. X-XII des Vorworts zum Urkundenbuch der Stadt Halberstadt). Dr. Schmidt musste sich vielmehr mit Exzerpten aus den Urkunden des Klosters St. Jacobi-Burchardi begnügen, die von dem Halberstädter Geschichtsforscher Ludwig Ferdinand Niemann (gest. 1836) meist nach den Originalurkunden angefertigt waren. Der größte Teil der auf St. Jacobi-Burchardi bezogenen Urkunden ist also inhaltlich bekannt. Für eingehendere wissenschaftliche und vor allem diplomatische Auswertung ist jedoch die Heranziehung der jetzt vorliegenden Originale unerläßlich. Eine von dem Unterzeichnenden angefertigte vorläufige Übersicht, in der vor allem eine Konkordanz der gedruckten Urkunden mit den entsprechenden Nummern der Urkundenbücher der Stadt und des Hochstifts Halberstadt enthalten war, sollte der ersten Erschließung des Bestandes dienen. Eine eingehendere Verzeichnung musste zunächst unterbleiben, dasselbe galt für die zum Verwahrbestand gehörenden 48 Manuskripte (in 105 Bänden) und 223 Büchern (ca. 335 Bände).

Die Manuskripte und Bücher wurden in der Zeit vom 15. Februar bis zum 27. März 1957 von Dr. Richard Ahlfeld (jetzt komm. Leiter der Manuskriptenabteilung der Staats- und Universitätsbibliothek in Göttingen) verkartet. Der gleiche Bearbeiter regestierte die nicht in den Urkundenbüchern der Stadt und des Stiftes Halberstadt veröffentlichten Urkunden. Im Einzelnen handelt es sich um die Nummern C 1, 24, 26, 29, 33, 34, 36, 38, 47a, 55, 57, 58, 59, 61a, 62, 67, 68a, 73, 74, 95, 96, 100, 102, 108, 108a, 109, 110,113-116, 118-153, D 1-9 und E 1-15. Für die Regestierung

wurden die unter den Manuskripten befindlichen Kopiare und Diplomatarien mit herangezogen. Nach Abschluss dieser Arbeiten, für die Dr. Ahlfeld verantwortlich zeichnet, fügte J. König die gedruckten Stücke, vermehrt um knappe, an den Originalen gewonnene diplomatische Angaben, mit den von Dr. Ahlfeld verfertigten Regesten der ungedruckten Urkunden zu einem geschlossenen Urkundenfindbuch des Depositums zusammen, das 1960 geschrieben wurde. Soweit aus Gründen der Chronologie die Signaturen einzelner Urkunden geändert werden mussten, ist dies in der letzten Spalte des Findbuchs vermerkt worden.

In das Findbuch sind auch die Manuskripte des Depositums aufgenommen worden. Für die Bücher gilt die von Herrn Dr. Ahlfeld angefertigte Kartei als Benutzungshilfsmittel. Sie befindet sich im Magazin bei den Büchern dieses Verwahrbestandes.

Hannover, im Dezember 1960
J. König

Hinweis:
Filmkopien der Leichenpredigten (auf Halberstädter, 16.-18. Jh., und auf Quedlinburger, 17. Jh.) befinden sich unter Signatur Foto 3 Nr. 178b - jetzt (nur die Leichenpredigten auf Bürger Halberstadts) unter Foto 1/2 Nr. 334-335.


Der Bestand ist im Rahmen eines größeren Erschließungsprojektes in die archivische EDV-Datenbank unter der Fachsoftware izn-AIDA übertragen worden.

Hannover, im Mai 2011

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

teilweise verzeichnet