NLA HA Nds. 1241 Lohheide

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Gemeindefreier Bezirk Lohheide

Laufzeit

1935-1992

Bestandsdaten

Geschichte des Bestandsbildners

Die Geschichte des Gemeindefreien Bezirks Lohheide ist eng verbunden mit der Geschichte des Truppenübungsplatzes Bergen, der, von der Bundeswehr verwaltet, heute der größte Truppenübungsplatz Europas ist. Angelegt wurde der Truppenübungsplatz für die deutsche Wehrmacht in den Jahren 1935/36, wobei mit dem Erwerb der benötigten Flächen von rund 30.000 Hektar durch die Reichsumsiedlungsgesellschaft (RUGES) die Auflösung von 24 Gemeinden erfolgte. Im Landkreis Celle waren davon die Ortschaften Hörsten, Hoppenstedt, Hohne, Hasselhorst, Hohnerode, Manhorn, Lohe, Bredebeck und Gudehausen betroffen, deren Bewohner umgesiedelt wurden. Auch die Orte Becklingen, Wardböhmen, Bleckmar, Bergen, Belsen und Meißendorf mussten erhebliche Flächen an den Truppenübungsplatz abtreten. Die am Platzrand vorhandenen Bauernhöfe und andere Gebäude wurden zur Unterbringung von Platzbediensteten verwendet.

Am 1. August 1938 wurde der "Gutsbezirk Platz Bergen" gebildet und in den Landkreis Fallingbostel eingegliedert. Verfassung und Verwaltung des Gutsbezirks regelten sich fortan nach der "Verordnung über gemeindefreie Grundstücke und Gutsbezirke" vom 15. November 1938. Gutsvorsteher war bis 1945 ein Oberfeldzahlmeister von der Heeresstandortverwaltung.

Am 1. November 1945 wurde der Gutsbezirk Platz Bergen in die beiden selbstständigen Gutsbezirke Lohheide und Osterheide geteilt, wobei Osterheide beim Landkreis Fallingbostel verblieb, während Lohheide in den Landkreis Celle eingegliedert wurde.

Mit der Einrichtung des Truppenübungsplatzes war der Bau eines Kasernenkomplexes verbunden, der 1938 fertig gestellt wurde. Bereits 1936 war eine Barackensiedlung (Reichsarbeitsdienstlager) als Unterkunft für die beim Kasernenbau beschäftigten Arbeiter errichtet worden. Nach dem Abzug der Bauarbeiter 1938 dienten die Baracken zunächst als Lager für Waffen, Munition und Ausrüstungsgegenstände. 1940 wurde dort ein Kriegsgefangenlager (Stalag XI C/311) eingerichtet. Auf dessen Basis entstand im Frühjahr 1943 das Konzentrationslager Bergen-Belsen, das am 15. April 1945 durch englische Truppen befreit und im Mai 1945 wegen Seuchengefahr abgebrannt wurde.

Am 10. Oktober 1945 befahl die Britische Militärregierung die Errichtung einer Gedenkstätte auf dem ehemaligen KZ-Gelände. Sie wurde am 30. November 1952 eingeweiht. In unmittelbarer Nähe des ehemaligen KZs wurde in dem Kasernenkomplex des Truppenübungsplatzes ab 1946 das größte deutsche Camp für jüdische Displaced Persons eingerichtet (DP-Camp Bergen-Hohne). Die geräumten Ortschaften und Hofstellen des Truppenübungsplatzes wurden auf Veranlassung der britischen Militärregierung mit Flüchtlingen und Vertriebenen wieder besiedelt. Vorhandene Barackengebäude des ehemaligen SS-Lagers Neu-Hohne und des ehemaligen Munitionsdepots Neu-Hohne-Muna wurden ebenfalls zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt. Auch wurden zusätzlich neue Notunterkünfte eingerichtet.

Mit der seit 1951 zunehmenden militärischen Beanspruchung des Truppenübungsplatzes, der zunächst unter britischer Verwaltung stand und erst zum 1. April 1958 unter der Bezeichnung "Nato-Schießplatz Bergen-Hohne" von der Bundeswehr übernommen wurde, gerieten die wieder besiedelten Ortschaften und Barackenlager im Platzinneren in den Gefahrenbereich des Schießbetriebes und mussten nun endgültig geräumt werden, wobei die letzten Bewohner 1966 umgesiedelt wurden.

Am 1. August 1958 wurde der Gutsbezirk aufgrund einer Verordnung des niedersächsischen Innenministeriums über die Verwaltung gemeindefreier Gebiete vom 15. Juli 1958 zum "Gemeindefreien Bezirk Lohheide". Auf seinem Gebiet befinden sich heute am Rande des Truppenübungsplatzes mit Bergen-Belsen, Bergen-Hohne, Bredebeck, Gudehausen, Hartmannshausen, Hasselhorst, Hörsten, Hoppenstedt und Vor dem Holze neun Ortsteile mit insgesamt etwa 1.100 Einwohnern, die ihren Lebensunterhalt meist auf dem Truppenübungsplatz verdienen. Während sich Hasselhorst nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere durch den Zuzug von ehemaligen Bewohnern des Flüchtlingslagers, zum zivilen Mittelpunkt entwickelt hat, besitzt für den militärischen Bereich der Ortsteil Bergen-Hohne die größte Bedeutung. Hier befinden sich nicht nur Dienstellen und Anlagen der Bundeswehr, sondern auch eine britische Garnison von nahezu 3000 Soldaten mit ihren Familien ist hier stationiert.

Der Aufgabenbereich des Gemeindefreien Bezirks entspricht grundsätzlich dem einer Gemeinde mit einem von der Einwohnervertretung gewählten Bezirksvorsteher an der Spitze. Unter der Aufsicht des Landkreises ist er in seinem Gebiet Träger der gesamten öffentlichen Verwaltung, wobei die erforderlichen Kosten von der Bundesfinanzverwaltung, bis 1998 vertreten durch die Oberfinanzdirektion Hannover und seitdem vertreten durch die Oberfinanzdirektion Magdeburg, getragen werden.

Zum 1. Januar 2011 ist der gemeindefreie Bezirk Lohheide als eine von mehreren sogenannten Sondereinrichtungen des Bundes von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) übernommen worden. Im Gegensatz zu den anderen 230 gemeindefreien Gebieten in der Bundesrepublik Deutschland sind die gemeindefreien Bezirke Lohheide und Osterheide bewohnt. Die BImA stellt als Grundstückseigentümerin und öffentlich-rechtliche Verpflichtete den Einwohnern beider Bezirke die gemeindlichen Leistungen zur Verfügung, die normalerweise von den Kommunen bereitgestellt werden (Steuern und Abgaben, Meldewesen, Feuerwehr, Kindergärten). Dies umfasst auch das für die Wahrnehmung dieser Aufgaben benötigte Personal und die Gewährung von Zuschüssen für die Kosten, die die Bezirke nicht durch eigene Einnahmen begleichen können (Deckungsbeitrag).

Stand: Mai 2004 (aktualisiert Juli 2015)

Bestandsgeschichte

Der Bestand enthält in erster Linie Akten und Karten, die über die ersten beiden Jahrzehnte des Truppenübungsplatzes und des Gutsbezirks Auskunft geben. Er dokumentiert insbesondere die unmittelbare Nachkriegszeit. Neben Dokumenten zur Entstehung der Gedenkstätte Bergen-Belsen umfasst er vor allem Unterlagen zum Flüchtlingslager sowie Meldeunterlagen, die umfangreiche Nachweise über Flüchtlinge und Zwangsarbeiter enthalten. Akten des Konzentrationslagers Bergen-Belsen sind nicht überliefert. Sie sind 1945 zusammen mit den Lagergebäuden verbrannt.

Der kleine Bestand umfasst 4,5 laufende Meter Akten in insgesamt 3 Akzessionen. Die beiden ersten Akzessionen (Acc. 2003/189 und Acc. 2003/225) wurden im Oktober und Dezember 2003 von dem derzeitigen Bezirksvorsteher, Herrn Adam, an das Hauptstaatsarchiv abgegeben. Die dritte Akzession (Acc. 2004/28) wurde im März 2004 von der Gedenkstätte Bergen-Belsen, die die Abgabe der Akten an das Hauptstaatsarchiv vermittelte und einen kleineren Teil der Akten und Karten bereits in ihre Obhut genommen hatte, übergeben. Im Dezember 2003 und im April 2004 wurde der Bestand von Praktikanten EDV-technisch erfasst und verzeichnet. Seine Benutzung unterliegt den Bestimmungen des Niedersächsischen Archivgesetzes bzw. des Bundesarchivgesetzes.

Außerdem gehören zu dem Bestand noch 31 Karten, die in der Kartenabteilung unter der Signatur Mappe 1563, Bl. 1-31, aufbewahrt werden. Ein Verzeichnis der Karten befindet sich unter Punkt 08 der Gliederung.

Unterlagen, die über Reaktionen der ortsansässigen Bevölkerung auf das KZ Bergen Belsen bzw. über die Planungen der Gedenkstätte Auskunft geben, sind in den Beständen ZGS 1 (Erlebnisberichte nach 1945) und Kart. 268 (Nachlass des Gartenarchitekten Wilhelm Hübotter) zu finden. Auch befinden sich einige Akten, die Informationen zur Entwicklung des Gutsbezirks Lohheide in den 1950er Jahren enthalten, im Bestand Nds. 220 (Oberfinanzdirektion Hannover). Die Akten des Gemeindefreien Bezirks Osterheide sind in dem Bestand Nds. 1241 Osterheide zu finden.

Stand: Mai 2004

Enthält

Personalangelegenheiten, Sitzungen der Einwohnervertretungen, Meldeangelegenheiten, Unterbringung von Flüchtlingen, Bausachen, u.a. Räumung des Lagers Neu-Hohne, Gedenkstätte Bergen-Belsen

Literatur

Kolb, Eberhard: Bergen-Belsen 1943-1945, Göttingen 1996 (5. Auflage).

Hederich, Matthias: Zur Verfassungsmäßigkeit der Selbstverwaltung in den niedersächsischen gemeindefreien Bezirken, in: Niedersächsische Verwaltungsblätter 3/4 (1996), S. 73-81.

Konzentrationslager Bergen-Belsen. Berichte und Dokumente. Ausgewählt und kommentiert von Rolf Keller, Wolfgang Marienfeld, Herbert Obenaus, Thomas Rahe, Hans-Dieter Schmid, Wilhelm Sommer, Wilfried Wiedemann, Göttingen 2002 (2. Auflage).

Wenck, Alexandra-Eileen: Zwischen Menschenhandel und "Endlösung": Das Konzentrationslager Bergen-Belsen, Paderborn, München, Wien, Zürich 2000.

Bundesimmobilie Lohheide

Siehe

Korrespondierende Archivalien

NLA HA, Nds. 1241 Osterheide (Gemeindefreier Bezirk Osterheide)

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M.

2,8

Bearbeiter

Dr. Claudia Kauertz (2004)

Regina Schleuning (2015)

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Georeferenzierung

Bezeichnung

Lohheide, Gemeindefreier Bezirk [Wohnplatz]

Zeit von

1

Zeit bis

1

Objekt_ID

5627

Ebenen_ID

1