NLA HA Nds. 412 Ilfeld

  • Zugeordnete Objekte zeigen
  • Drucken
  • Mit Strg+C oder Rechtsklick kopieren.
    Verlinken
  • Versenden
  • Verbessern

Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Stiftsrentamt Ilfeld

Laufzeit 

1875-2004

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Verwaltung des Stiftsfonds des ehemaligen Klosters Ilfeld für die Klosterkammer Hannover

Geschichte des Bestandsbildners 

1. Geschichte des Klosters, des Stiftsfonds und des Stiftsrentamts

Der bisher vom Stiftsrentamt in Ilfeld (Landkreis Nordhausen, Thüringen) verwaltete Stiftsfonds geht auf den Besitz des ehemaligen Klosters Ilfeld zurück, das 1189 von den Grafen zu Ilfeld-Hohnstein gegründet und 1246 in eine Prämonstratenserabtei umgewandelt worden war. Diese blieb nach Plünderungen im Bauernkrieg (1525) bis 1546 bestehen, als der letzte Abt Thomas Stange den Konvent auflöste und das Kloster zusammen mit dem Grafen Albrecht Georg von Stolberg in eine humanistische Schule umwandelte. Diese finanzierte sich aus dem Grundbesitz des einstigen Klosters, der bis 1635 durch die Rektoren der evangelischen Schule und anschließend durch braunschweigische Beamte als Administratoren vor Ort verwaltet wurde. 1747 ging die Zuständigkeit an den Geheimen Rat in Hannover über, der seit 1767 Stiftsamtmänner in Ilfeld einsetzte.

1823 gelangten das Stift Ilfeld samt der Klosterschule als Sondervermögen an die 1818 gegründete Klosterkammer Hannover, die den Besitz bis 1912 weiterhin durch die Stiftsamtmänner verwalten ließ, wohingegen die Stiftsforsten seit 1850 unter Beibehaltung der Eigentumsrechte der Klosterkammer durch staatliche Domanialforstbeamte betreut wurden. Nach der Auflösung des Königreichs Hannover und dessen Angliederung an Preußen 1866 blieben sowohl die Schule als auch der Stiftsfonds erhalten, den sich weiterhin die Klosterkammer Hannover annahm. Die Klosterschule wurde 1934 in eine Nationalpolitische Erziehungsanstalt (NPEA oder Napola) umgewandelt, die ab 1943/44 nach Ballenstedt verlagert wurde, um die Gebäude in Ilfeld für die Rüstungsindustrie nutzen zu können, in der Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden.

Gegen Kriegsende verlegte man das durch Bombardierung zerstörte Stadtkrankenhaus der Kreisstadt Nordhausen als Provisorium in einige der Ilfelder Stifts- und Schulgebäude. 1948 wurde in den ehemaligen Schulgebäuden das Kreiskrankenhaus Nordhausen eingerichtet, das 1982 nach Nordhausen umzog. In Ilfeld blieb ein auf Innere Medizin spezialisiertes Fachkrankenhaus bestehen, das 1993 privatisiert wurde. Die "Neanderklinik Harzwald GmbH" besteht in Ilfeld noch heute.

Infolge der Teilung Deutschlands hatte die Klosterkammer Hannover im November 1946 die treuhänderische Verwaltung des Ilfelder Stiftsfonds an die staatliche Klosterkammer Weimar in der Sowjetischen Besatzungszone übertragen, wobei der rechtliche Charakter des Stiftsfonds gewahrt wurde. Im März 1947 wechselte die Verwaltung zur neugegründeten Vereinigten Kloster- und Kirchenkammer in Erfurt (Stiftung öffentlichen Rechts), deren Obhut auch 15 weitere Einzelstiftungen und Fonds übergeben wurden. Für die Betreuung der Liegenschaften des Stiftsfonds Ilfeld und als unmittelbare Ansprechpartner vor Ort waren das Ilfelder Rentamt sowie (seit 1951) die Oberförsterei Ilfeld zuständig: Letztere trug die Verantwortung für den aus zwei Waldrevieren bestehenden Stiftsforst, erstere für alle anderen Grundstücke und Gebäude. Beide Einrichtungen waren gegenüber dem Präses der Vereinigten Kloster- und Kirchenkammer Erfurt, der in zentrale Entscheidungen eingebunden war, rechenschaftspflichtig. Mit Wirkung zum 1. Januar 1991 ging der Stiftsfonds wieder an die Klosterkammer Hannover zurück. Das Stiftsrentamt in Ilfeld blieb bis Anfang 2012 bestehen. Seitdem werden die Ländereien des Stiftsfonds durch das Klosterrentamt Northeim verwaltet.

Hauptbestandteil des Stiftsfonds bilden das Stiftsgut Ilfeld, welches die Grundstücke und Gebäude der ehemaligen Klosterschule sowie weitere Liegenschaften im Gebiet Ilfelds (heute Ortsteil der Gemeinde Harztor) umfasst, sowie die Forstreviere Birkenmoor und Ilfeld. Zu den weiteren größeren Besitzungen zählen die im thüringischen Kyffhäuserkreis gelegenen Stiftsgüter Kirchengel (Ortsteil von Großenehrich) und Hohenebra (Ortsteil von Sondershausen), die bereits im Mittelalter von den Ilfelder Äbten erworben worden waren. Hinzu kommen bzw. kamen kleinere Liegenschaften, u.a. in Nohra-Kinderode (Landkreis Nordhausen), Westerengel und Otterstedt (Ortsteile von Großenehrich) sowie Oberspier und Thalebra (Ortsteile von Sondershausen). Ein Großteil des Besitzes wurde verpachtet oder vermietet, andere Grundstücke verkauft oder in Erbbaurecht überführt. Die aus der Eigenbewirtschaftung insbesondere der Forstreviere sowie aus den Pacht- und Mietzahlungen erzielten Erträge dienten, abzüglich der Ausgaben unter anderem für Personal, Werterhaltung und Modernisierung, auch in der sozialistischen DDR den Stiftungsinhalten entsprechend karitativen und diakonischen Zwecken sowie konfessionsübergreifend dem Erhalt kirchlicher Bauten, seit der Rückübertragung der Zuständigkeit auf die Klosterkammer Hannover aber auch vermehrt wieder der Förderung pädagogischer Projekte.

2. Zuständigkeit der Klosterkammer Hannover für das Stiftsgut Ilfeld

Die Zuständigkeit der Klosterkammer ist Resultat der territorialen Entwicklung der Grafschaft Hohnstein (auch: Honstein oder Hohenstein), zu deren Kerngebiet das Kloster und der 1385 gegründete Flecken Ilfeld gehörten. Die in mehrere Linien verzweigten Grafen von Hohnstein hatten im Laufe des Spätmittelalters weitere Herrschaften im südlichen Harzraum erworben, die sie von unterschiedlichen Lehensherren (Kursachsen, Kurmainz, Braunschweig-Wolfenbüttel, Hessen, Hochstift Halberstadt) zu Lehen nahmen.

Ihre eigene Stammgrafschaft um Ilfeld und Neustadt (Amt Hohnstein) mussten sie aber bereits 1412/17 an die Grafen von Stolberg veräußern. Mit ihnen und den Grafen von Schwarzburg schlossen sie 1433 eine Erbverbrüderung zur Regelung der Nachfolge bei Erlöschen eines der Geschlechter. Als dieser Fall 1593 mit dem Aussterben der Hohnsteiner Hauptlinie Hohnstein-Lohra-Klettenberg eintrat, zog Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel in seiner Eigenschaft als Administrator des Bistums Halberstadt entgegen der Erbverbrüderung die Grafschaft mitsamt dem Amt Hohnstein (1598/1602) als erledigtes Lehen ein und belehnte sich damit selbst als Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Mit dem Aussterben der Wolfenbütteler Linie 1634 wurde die Grafschaft Hohnstein erneut geteilt: Die Herrschaften Lohra und Klettenberg kamen als heimgefallenes Lehen wieder an Halberstadt und somit nach 1648 an Kurbrandenburg, das Amt Hohnstein mit Ilfeld gelangte an Braunschweig-Calenberg, wurde aber unter Wahrung der Lehenshoheit an die Grafen von Stolberg weiterverpfändet, wobei die zum Stift Ilfeld gehörigen Güter davon ausgenommen waren und welfisch blieben. Das Amt Hohnstein wurde 1814 eine Exklave des Königreichs Hannover bzw. seit 1866 der preußischen Provinz Hannover, zu der Ilfeld auch nach der Zusammenlegung der Ämter Hohnstein und Elbingerode zum Kreis Ilfeld 1884/85 gehörte. Erst mit der Auflösung des Kreises Ilfeld 1932 wechselte Ilfeld gemeinsam mit dem ehemaligen Amt Hohnstein in den neuen Landkreis Grafschaft Hohenstein (später Kreis Nordhausen), der dem Regierungsbezirk Erfurt innerhalb der Provinz Sachsen zugeordnet war.

Nach der Teilung Deutschlands 1945 wurde Ilfeld Teil des neuen Landes Thüringen in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. ab 1952 des Bezirks Erfurt in der DDR. Seit der Wiedervereinigung gehört Ilfeld zum neugegründeten Freistaat Thüringen. Mit Ausnahme der Zeit zwischen 1946/47 und 1990/91 hatten die Gebietsreformen des 20. Jahrhunderts keine Auswirkungen auf die Verwaltung des Stiftsfonds durch die Klosterkammer Hannover.

Stand: Juli 2013

Bestandsgeschichte 

Infolge der Schließung des Stiftsrentamts in Ilfeld wurden die dort noch befindlichen Akten (zumeist aus der Zeit zwischen 1945 und 1990, insgesamt 14 Kartons, 5 lfdm) 2011/12 an die Klosterkammer Hannover überstellt. Diese wurden Ende 2012 nahezu komplett dem Niedersächsischen Landesarchiv - Standort Hannover zur Übernahme angeboten und abgeliefert. Der überwiegende Teil der Akten beschäftigt sich mit der Liegenschaftsverwaltung sowie der internen Verwaltung des Stiftsrentamts.

Der Bestand wurde im Juni/Juli 2013 EDV-technisch verzeichnet. Entgegen des Vorschlags seitens der Klosterkammer wurden Teile des Schriftguts als nicht archivwürdig nachkassiert. Einige zum Bestand gehörige Karten, Risse und Baupläne wurden in der Kartenabteilung im Bestand Karten - Mappen unter der Signatur Mappe 2086 verzeichnet.

Stand: Juli 2013

Enthält 

Liegenschaftsverwaltung (v.a. Grundstücks- und Gebäudeverwaltung, Kreiskrankenhaus, Forstwirtschaft), interne Verwaltung des Stiftsrentamts (u.a. Organisation, Haushalts- und Finanzplanung, Personalführung).

Literatur 

Frank Boblenz, Stände in der Grafschaft Honstein während der Zugehörigkeit zu Braunschweig-Wolfenbüttel 1593-1628/1636, in: Thüringer Landtag (Hg.), Landstände in Thüringen. Vorparlamentarische Strukturen und politische Kultur im Alten Reich, Weimar 2008, S. 315-351, hier bes. S. 320-328.

Manfred Bornemann, Ilfeld. Eine Chronik, Nordhausen 1999.

Axel Freiherr v. Campenhausen (Hg.), Der Allgemeine Hannoversche Klosterfonds und die Klosterkammer Hannover, Hannover 1999.

Klosterkammer Hannover (Hg.), Jahresbericht 2000, Hannover 2001.

Klosterkammer Hannover (Hg.), Die Klosterkammer Hannover - Ein welfisches Erbe -. Kurze Darstellung einer langen Geschichte, 5. Aufl. Hannover 2012, S. 28f. (letzter Zugriff: November 2015)

Ludwig Lüder, Ilfeld. Ein Blick in die Geschichte des Fleckens, Ilfeld 2002 (2. Aufl. 2005).

Uwe Mosebach, Hohnstein. Zur Geschichte der Burgruine Hohnstein und der Grafschaft (bei Neustadt am Südharz), Erfurt und Nordhausen 2008.

Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Grafschaft Hohenstein, Halle 1889, S. 1-22.

Vereinigte Kirchen- und Klosterkammer Erfurt (Hg.), 800 Jahre Stift Ilfeld 1189-1989, Erfurt 1989.

Vereinigte Kirchen- und Klosterkammer Erfurt - Stiftung öffentlichen Rechts. Broschüre Erfurt 1987.

Homepage der Klosterkammer Hannover

Siehe

Korrespondierende Archivalien 

Weitere Akten das Stift Ilfeld betreffend, insbesondere hinsichtlich der Verwaltung seines Grundbesitzes, befinden sich in folgenden Beständen:
- Cal. Br. 7 (Calenbergische Stifter und Klöster),
- Hann. 10 (Hannoversche Staatsverträge),
- Hann. 81b (Klosterbausachen),
- Hann. 81a (Oberförstereien der Klosterkammer),
- Hann. 94/ Nds. 410 (Klosterkammer Hannover).

Unterlagen über die Schule zu Ilfeld enthalten die Bestände:
- Hann. 113 (Kultusministerium),
- Hann. 130 (Oberschulkollegium),
- Dep. 90 (Klosterschule Ilfeld).

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M. 

3,0

Bearbeiter 

Dr. Christian Helbich (2013)

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

teilweise verzeichnet