NLA HA V.V.P. 113

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Beschreibung: Bestand

Identifikation (kurz)

Titel 

Sammlung Dietrich Kreikemeier zur Erwachsenenbildung

Laufzeit 

1946-1982

Bestandsdaten

Beschreibung 

Dietrich Kreikemeier (1920-1974) war von 1959 bis 1974 Referent für Erwachsenenbildung im Niedersächsischen Kultusministerium. Sein Nachlass umfasst eine umfangreiche Materialsammlung zur Erwachsenenbildung und dokumentiert die niedersächsische Förderpolitik sowie die Kontakte zu Einrichtungen und Verbänden der niedersächsischen Erwachsenenbildung seit der Zeit seines Amtsvorgängers Heiner Lotze (1900-1958) ab ca. 1946.

Geschichte des Bestandsbildners 

Nach seiner Ausbildung zum Lehrer an Volkshochschulen war Dietrich Kreikemeier zunächst ab 1947 im Schuldienst tätig: Zwischen 1947 und 1952 arbeitete er als Lehrer in Rünthe und Kamen und bekleidete gleichzeitig das Amt des Leiters der Volkshochschule in Kamen (1949-1952). Anschließend war er bis 1959 als Leiter des Dezernats für Erwachsenenbildung und allgemeine Kulturpflege bei der Bezirksregierung in Arnsberg/Westfalen beschäftigt, bevor er von 1959 bis 1974 das Referat für Erwachsenenbildung und öffentliches Büchereiwesen im Niedersächsischen Kultusministerium in Hannover übernahm. Während seiner dortigen Dienstzeit wurde Kreikemeier 1961 als Leiter der Heimvolkshochschule Göhrde abgeordnet, um die dortige Wirtschaftslage zu evaluieren und eine Reorganisation durchzuführen.

Der Hauptteil der Materialsammlung entstammt Kreikemeiers Tätigkeit als Referent für Erwachsenenbildung im Niedersächsischen Kultusministerium. Ein weiterer, jedoch deutlich kleinerer Anteil der Unterlagen in Kreikemeiers Nachlass stammt von Heiner Lotze (1900-1958), Kreikemeiers Amtsvorgänger im Niedersächsischen Kultusministerium. Seine Materialien dokumentieren seinen Einfluss auf die Entwicklung der Erwachsenenbildung seit 1946, insbesondere durch den Aufbau von Volkshochschulen in der Nachkriegszeit: Im Jahr 1946 wurde Lotze vom Oberpräsidenten der Provinz Hannover - Abteilung Wissenschaft, Kunst und Volksbildung der Heimvolkshochschule Göhrde als Lehrer zugewiesen, um den Aufbau der Schule zu unterstützen. Zwei Jahre später beendete Lotze seine Tätigkeit in Göhrde und wechselte an die Heimvolkshochschule Jägerei Hustedt, um dort an deren Einrichtung zu arbeiten (vgl. NLA HA, V.V.P. 113, Acc. 2018/130 Nr. 3).

In einer Vielzahl von Fällen befanden sich Lotzes Unterlagen gemeinsam mit denen von Kreikemeier in einer Akte. Eine Trennung der Materialien fand während der Erschließung nicht statt, jedoch wird in der Verzeichnungseinheit in Arcinsys vermerkt, sofern sich neben Kreikemeiers auch Lotzes Unterlagen darin befinden.

Als Referenten für Erwachsenenbildung im Niedersächsischen Kultusministerium waren sowohl Lotze als auch Kreikemeier in die vielfältigen organisatorischen Strukturen des Erwachsenenbildungssystems im Land Niedersachsen involviert, die sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs rasch herausbildeten. So kam es zur Gründung verschiedener niedersächsischer Landesorganisationen, wie zum Beispiel:
- dem Landesverband der Volkshochschulen Niedersachsens (1947),
- der Landesarbeitsgemeinschaft „Arbeit und Leben“ Niedersachsen (1948),
- der Arbeitsgemeinschaft Niedersächsischer Heimvolkshochschulen (1949) und
- der Landesarbeitsgemeinschaft für ländliche Erwachsenenbildung (1951).
Diese schlossen sich gemeinsam mit den Arbeitsgemeinschaften für katholische sowie evangelische Erwachsenenbildung 1954 zum Niedersächsischen Bund für freie Erwachsenenbildung zusammen, der den Dachverband der niedersächsischen Erwachsenenbildung repräsentiert.
Auch in der gesamten Bundesrepublik stabilisierten sich die Strukturen schnell, sodass sich seit den 1950er Jahren Initiativen zu einer bildungspolitischen Verständigung über die Erwachsenenbildung und deren Förderung bildeten. Vom 1953 einberufenen Deutschen Ausschuss für das Erziehungs- und Bildungswesen wurde 1960 ein als Meilenstein beurteiltes Gutachten „Zur Situation und Aufgabe der deutschen Erwachsenenbildung“ veröffentlicht (Auszug s. NLA HA, V.V.P. 113, Acc. 2018/130 Nr. 71). Dieses verdeutlichte, dass Grundlagen, Auftrag und Arbeitsform der Einrichtungen der Erwachsenenbildung erneut durchdacht werden müssten, woraufhin Kreikemeier die Forderung nach einem niedersächsischen Ausschuss für Erwachsenenbildung stellte. Im August 1961 berief der damalige Niedersächsische Kultusminister Voigt eine Studienkommission für Fragen der Erwachsenenbildung, in der Kreikemeier als Mitglied vertreten war. Die Aufgabe der Kommission bestand einerseits in der Erarbeitung von Empfehlungen für geeignete Maßnahmen zur Weiterentwicklung der niedersächsischen Erwachsenenbildung und andererseits in der Erarbeitung eines Gesetzes zur Förderung der Erwachsenenbildung durch das Land Niedersachsen. Ende 1964 konnte die Kommission ein Gutachten „Zur Entwicklung der Erwachsenenbildung in Niedersachen“ (s. NLA HA, V.V.P. 113, Acc. 2018/130 Nr. 71, Nr. 92) herausgeben, woraufhin die rechtlichen Grundlagen konkretisiert wurden, bis am 13. Januar 1970 das Gesetz zur Förderung der Erwachsenenbildung (s. NLA HA, V.V.P. 113, Acc. 2018/130 Nr. 40) durch den Niedersächsischen Landtag verabschiedet werden konnte. Da Kreikemeier einen signifikanten Beitrag zur Erarbeitung der Gesetzgebung leistete, stellen sowohl die Materialien der Studienkommission für Fragen der Erwachsenenbildung als auch die Unterlagen zur Entwicklung des Gesetzes zur Förderung der Erwachsenenbildung einen zentralen Schwerpunkt seines Nachlasses dar.

Zusätzlich zu den Materialien zur Erwachsenenbildung in Niedersachsen umfasst der Bestand zudem Dokumente zur bundesweiten Entwicklung sowie zu Institutionen, in denen Kreikemeier in seiner Funktion als Referent für Erwachsenenbildung im Niedersächsischen Kultusministerium auf nationaler Ebene tätig war. Ein weiterer Teil des Nachlasses besteht zudem aus gedruckter Literatur, die sich auf niedersächsische Institutionen und Verbände der Erwachsenenbildung bezieht.

Bestandsgeschichte 

Der Nachlass wurde zunächst im "Wolfgang Schulenberg-Institut für Bildungsforschung und Erwachsenenbildung – Archiv für Erwachsenenbildung in Niedersachsen" in Oldenburg eingelagert, bevor er an das "Deutsche Institut für Erwachsenenbildung" in Bonn weitergereicht und wegen der Eigentumsansprüche des Landes Niedersachsen auf die Originalakten des Kultusministeriums auf Nachfrage schließlich an das Niedersächsische Landesarchiv übergeben werden konnte. Eine Rekonstruktion, welche Akten des Nachlasses aus dem Kultusministerium stammen und welche private Unterlagen betreffen, ist nicht mehr möglich.

Literatur 

Diestelmann, Petra: "Lebenslanges Lernen". Erwachsenenbildung in Niedersachsen, in: Graf, Sabine, Fiedler, Gudrun u. Hermann, Michael (Hrsg.): 75 Jahre Niedersachsen. Einblicke in seine Geschichte anhand von 75 Dokumenten, Göttingen 2021, S. 356-359

Hasenpusch, Armin: Der Aufbau des Volkshochschulwesens 1945-1947 im niedersächsischen Raum, Hannover u. a. 1977

Kebschull, Heino (Hrsg.): Erwachsenenbildung in Niedersachsen 1955-1970, Wennigsen 2014

Knoll, Joachim, Pöggeler, Franz u. Schulenberg, Wolfgang: Erwachsenenbildung und Gesetzgebung. Entstehung, Praxis und Auswirkung des Niedersächsischen Gesetzes zur Förderung der Erwachsenenbildung (1970-1981), Köln 1983

Bezüglich einzelner Landesverbände und Einrichtungen der Erwachsenenbildung siehe auch Festschriften zu Jubiläen

Findmittel 

EDV-Findbuch (2025)

Siehe

Korrespondierende Archivalien 

Ergänzende Archivbestände:
- NLA HA, Nds. 401
- NLA HA, Nds. 400

Archivbestände zu einzelnen Institutionen und Verbänden der Erwachsenenbildung z.B.:
- NLA HA, Nds. 120 Lüneburg
- NLA HA, V.V.P. 108

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M. 

2,6

Benutzung 

Das Archivgut kann im Niedersächsischen Landesarchiv Hannover unter Berücksichtigung der Einhaltung von Schutz- und Sperrfristen nach §5 Niedersächsisches Archivgesetz (NArchG) eingesehen werden.