NLA HA Hann. 153

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Königliche und Provinzial-Bibliothek Hannover

Laufzeit 

1660-1967

Bestandsdaten

Geschichte des Bestandsbildners 

Die Grundlage des Bibliotheksbestands der heutigen Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek - Niedersächsische Landesbibliothek in Hannover geht auf Buchsammlungen der Welfen zurück. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts entstand eine private Büchersammlung des Herzogs Johann Friedrich zu Braunschweig-Lüneburg (Calenberg), die dieser im Celler Schloss zusammentrug. 1665 zog der Herzog mit seiner Hofhaltung nach Hannover. Seine Büchersammlung wurde im Leineschloss zu Hannover untergebracht, wo aus der ursprünglichen Privatbibliothek eine offiziell genutzte Regierungs- und Hofbibliothek wurde. Ihr erster hauptamtlicher Bibliotheksleiter wurde im Jahr 1672 ernannt. Besondere Bedeutung erlangte die Bibliothek unter Leitung von Gottfried Wilhelm Leibniz in den Jahren 1676 bis 1716. Während seiner Amtszeit wurde das Amt des Bibliothekars mit dem des Hofhistoriographen der Welfendynastie zusammengelegt. Die Buchbinderei sowie die neu eingerichtete Kupferstecherei wurden der Bibliothek angeschlossen.

Durch Verleihung der 9. Kurwürde 1692 an Herzog Ernst August zu Braunschweig-Lüneburg (Calenberg) und die durch seine Ehefrau Sophie von der Pfalz bestehende Anwartschaft auf die englische Thronfolge, die schließlich 1714 durch ihren Sohn Kurfürst Georg Ludwig als Georg I., König von Großbritannien, zur Personalunion Hannovers mit Großbritannien führte, wurde die politische und wirtschaftliche Basis für den weiteren Ausbau der Bibliothek gelegt.

Der wachsende Buchbestand erforderte immer mehr Raumbedarf, der im Leineschloss nicht ausreichend vorhanden war. Der Neubau eines gemeinsamen Archiv- und Bibliotheksgebäudes auf einem Grundstück in der Calenberger Neustadt, nahe dem Leineschloss gelegen, sollte den Raummangel beheben und eine kontinuierliche Erweiterung des Buchbestandes ermöglichen. 1719 zog die Bibliothek in den Neubau um, 1720 wurde sie offiziell eröffnet. Sie erhielt den Namen "Königliche öffentliche Bibliothek". Die Bibliothek konnte nun - wenn auch eingeschränkt - öffentlich genutzt werden, ein kleiner Lesesaal stand den Benutzern zur Verfügung. Eine Ausleihe außer Haus war für Regierungsbeamte in dienstlichen Angelegenheiten möglich.

Insbesondere Kurfürst Georg August (Georg II., König von Großbritannien, 1727-1760) förderte die Bibliothek. Er verschaffte ihr mehrere wertvolle Nachlässe und private Büchersammlungen. In dieser Zeit wurde auch die Organisation der Bibliothek verbessert. Das Personalwesen wurde stärker institutionalisiert, für Anschaffungen ein fester finanzieller Etat eingerichtet. Vor allem auf dem Gebiet der Katalogisierung erwies sich die Bibliothek als progressiv. Sie erstellte weltweit den ersten bibliothekarischen Zettelkatalog. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts stagnierte die Entwicklung der Bibliothek.

Erst nach dem Ende der Freiheitskriege und der napoleonischen Zeit zeigten sich wieder vermehrt Bemühungen, vorhandene Lücken im Buchbestand zu füllen, u.a. durch Neuabonnierung und Fortsetzung von Periodika. Der Benutzungsbetrieb wurde neu belebt. Es folgten Jahrzehnte, die durch Erweiterung des Buchbestandes und wachsende wissenschaftliche Tätigkeiten geprägt waren. Im Jahr 1828 wurde die Belegexemplarzuweisung in ein Pflichtexemplarrecht umgewandelt. Der Historiker und spätere Bibliotheksleiter Georg Heinrich Pertz gab als Dokumentenwerk die "Monumenta Germaniae Historica" heraus.

Die Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen im Jahr 1866 hatte zur Folge, dass die Bibliothek ihre Funktion als zentrale Landesbibliothek verlor. Sie wurde Gegenstand des Eigentumsstreits um das Krongut des nun ehemaligen Königreichs Hannover zwischen dem preußischen Staat und der Welfendynastie.

Im Jahr 1897 wurde die Bibliothek im größeren Umfang erweitert. Der Buchbestand der Provinzialbibliothek - 1820 als Verwaltungsbibliothek der hannoverschen Landstände gegründet - wurde der "Königlichen öffentlichen Bibliothek" angeschlossen. Seitdem trug sie den Namen "Königliche und Provinzial-Bibliothek".

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieb die Eigentumsfrage der Bibliothek weiter ungeklärt. In der Zeit der Weimarer Republik verbesserten sich jedoch Finanzausstattung, Personalsituation und Arbeitseinrichtungen der nun "Vormals Königlichen und Provinzial-Bibliothek". Die stete Vermehrung des Buchbestandes erforderte mehr Raumbedarf für die Bibliothek, der im gemeinsamen Archiv- und Bibliotheksgebäudes nicht mehr vorhanden war, so dass über die Errichtung eines eigenen Bibliotheksneubaus verhandelt wurde. Nach einer längeren Planungsphase scheiterten diese Pläne mit Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Die nationalsozialistische Machtergreifung 1933 wirkte sich auch auf die Nutzung der Bibliothek aus. Die von den Nationalsozialisten als marxistisch oder jüdisch bewerteten Publikationen sowie Werke Oppositioneller und ausgebürgerter Schriftsteller wurden dem öffentlichen Leihverkehr entzogen. Sie waren nur noch nach Genehmigung der Direktion und unter Aufsicht einzusehen.

Stand: Oktober 2005

Zur weiteren Geschichte der Bibliothek siehe das Vorwort zum Bestand Nds. 453

Leiter der Bibliothek

Von 1665 bis 1672 gab es keine hauptamtliche Bibliotheksleitung. Die private Schlossbibliothek unterstand der persönlichen Aufsicht des Landesherrn. Ab 1672 waren nachfolgend genannte Bibliothekare als hauptamtliche Bibliotheksleiter tätig:
1672-1676: Tobias Fleischer
1676-1716: Gottfried Wilhelm Leibniz
1717-1720: Prof. Dr. Johann Georg Eckhart
1721-1724: vakant
1725-1729: Prof. Dr. Simon Friedrich Hahn
1729-1748: Prof. Dr. Johann Daniel Gruber
1748-1761: Prof. Dr. Christian Ludwig Scheidt
1762-1799: Dr. Johann Heinrich Jung
1799-1802: Dr. Ludwig Albrecht Gebhardi
1802-1821: Dr. Johann Georg Heinrich Feder
1822-1826: vakant
1827-1842: Dr. Georg Heinrich Pertz
1842-1851: Dr. Christoph Wilhelm Siemsen
1851-1867: Prof. Dr. Adolf Friedrich Heinrich Schaumann
1867-1906: Dr. Eduard Bodemann
1907-1927: Prof. Dr. Karl Kunze
1927-1952: Dr. Otto Heinrich May

Bestandsgeschichte 

Der Archivbestand Hann. 153 besteht aus zwei Ablieferungen. Die erste Ablieferung erfolgte im April 2003, als die Niedersächsische Landesbibliothek dem Hauptstaatsarchiv Hannover ihre Altakten mit Laufzeit von 1898 bis 1950 überließ (vgl. Acc. 2003/060). Die Inhalte betreffen Organisation (u.a. Übernahme der Königlichen Bibliothek, Überführung der Provinzial-Bibliothek in die Königliche öffentliche Bibliothek, Rechtsverhältnisse beider Bibliotheken, Personalsachen), Verwaltung (u.a. Jahresberichte, Katalogisierung, Bausachen), Erweiterung des Buchbestandes (u.a. Geschenke, Leihgaben, Tausch von Schriftgut), Benutzung (u.a. amtlicher und privater Leihverkehr), verschiedene Angelegenheiten (u.a. Anfragen, Tagungen, Ausstellungen).

Die zweite Ablieferung erfolgte im Oktober 2004 (vgl. Acc. 2004/107). Die Akten mit Laufzeit von 1660 bis 1875 beinhalten Personalangelegenheiten (u.a. Einstellungen, Besoldung, Aufgabenverteilung), Buchbeschaffung (u.a. Bucherwerb, Mitteilungen und Rechnungen der Buchhandlungen, Buchdruck), Zensurtätigkeit, Benutzung, Leihverkehr, Finanzen. Weitere Akten mit Laufzeit von 1660 bis 1711 betreffen Angelegenheiten der Herzog-August-Bibliothek zu Wolfenbüttel.

Stand: Oktober 2005

Eine ausführlichere, exzerpierende Verzeichnung der Acc. 2004/107 (Altakten A und V der Nds. Landesbibliothek) von Reinhard Oberschelp (MS Hannover 2001) befindet sich unter Fremde Archive Nr. 292.

Stand: Februar 2012

Enthält 

Innere Verwaltung, Personalia, Haushalt und Finanzen, Bausachen, Buchbestand, Anfragen und Leihverkehr, Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel

Literatur 

Michael Labach, Die Vorgeschichte der "Niedersächsischen Landesbibliothek" von 1907 bis 1939, Hannover 1993. (Kleine Historische Reihe Bd. 4)

Otto Heinrich May, Zur Geschichte der Vormals Königlichen und Provinzial-Bibliothek in Hannover, Hannover 1928.

Werner Ohnsorge, Zweihundert Jahre Geschichte der Königlichen Bibliothek zu Hannover (1665-1866), Göttingen 1962. (Veröffentlichungen der Niedersächsischen Archivverwaltung 14)

Karl-Heinz Weimann, Niedersächsische Landesbibliothek. Kleiner Führer durch ihre Geschichte, Bestände und Einrichtungen, Hannover 1965 (5. Aufl. 1987).

Eine ausführliche Darstellung der Geschichte der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek - Niedersächsische Landesbibliothek ist auch im Internet unter http://www.nlb-hannover.de/ueber_uns/Geschichte/index.htm zu finden.

Siehe

Korrespondierende Archivalien 

Weitere Akten über die Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek - Niedersächsische Landesbibliothek sind im Archivbestand Nds. 453 (Akten nach 1945) zu finden.

Vgl. auch Dep. 103 (35).

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M. 

3,9

Bearbeiter 

Dr. Sven Mahmens (2005/2012)

Benutzung 

Der Archivbestand ist im Rahmen der archivgesetzlichen Bestimmungen frei benutzbar.

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

teilweise verzeichnet

Abgeschlossen: Nein

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Hannover, Stadt [Wohnplatz]

Zeit von 

1

Zeit bis 

1

Objekt_ID 

2369

Ebenen_ID 

1

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Stadt Hannover

Zeit von 

1859

Zeit bis 

1885

Objekt_ID 

3

Ebenen_ID 

6320

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Stadt Hannover

Zeit von 

1824

Zeit bis 

1859

Objekt_ID 

2

Ebenen_ID 

6420

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Stadt Hannover (einschließlich Vorstädten und Linden)

Zeit von 

1815

Zeit bis 

1824

Objekt_ID 

3

Ebenen_ID 

7420

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Stadtkreis Hannover

Zeit von 

1928

Zeit bis 

1974

Objekt_ID 

3232027

Ebenen_ID 

20

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Stadtkreis Hannover

Zeit von 

1885

Zeit bis 

1907

Objekt_ID 

1

Ebenen_ID 

2920

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Stadtkreis Hannover

Zeit von 

1907

Zeit bis 

1920

Objekt_ID 

2

Ebenen_ID 

5820

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Stadtkreis Hannover

Zeit von 

1920

Zeit bis 

1928

Objekt_ID 

1

Ebenen_ID 

8520