NLA HA Hann. 74 Neuhaus/Elbe

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Amt Neuhaus/Elbe

Laufzeit

1590-1899

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Enthält u.a. Generalia, Hoheitssachen, Steuern, Abgaben und Dienste, Domänensachen, Militärsachen, Polizeisachen und Höfesachen
Findmittel: EDV-Findbuch 2007
Umfang: 14,5 lfdm

Sowohl Findmittel als auch Archivgut können im Niedersächsischen Landesarchiv Hannover unter Berücksichtigung der Einhaltung von Schutz- und Sperrfristen nach §5 Niedersächisches Archivgesetz (NArchG) eingesehen werden.

Geschichte des Bestandsbildners

Das so genannte "Nye Hus" wurde von Herzog Erich von Sachsen-Lauenburg um 1355 nahe Karrenzien errichtet; eine bereits von Heinrich dem Löwen zur Absicherung seiner Eroberungen angelegte Burg bei Preten war um 1345 zerstört worden. Nach dem Sturz Heinrichs des Löwen 1180 war das Gebiet Gegenstand strittiger Auseinandersetzungen zwischen Welfen und Askaniern, in denen sich die Sachsen der askanischen Linie durchsetzten.

Die Lauenburger Herzöge vermehrten den Umfang des Amtsgebietes durch den Ankauf einer Vielzahl kleinerer, adliger Grundherrschaften. In der Folgezeit wurde es verpfändet oder diente nach der Wiedereinlösung u.a. als Witwensitz. Nach dem Tod des letzten Askanier-Herzogs Julius Franz von Sachsen-Lauenburg im Jahr 1689 fiel das Amt an das Haus Braunschweig-Lüneburg, zusammen mit dem gesamten Herzogtum Lauenburg. Das "Nye Hus" bzw. Schloss bei Karrenzien wurde nicht mehr bewohnt und verfiel; seine Steine dienten auch zum Bau des Jagdschlosses Göhrde. Der Ort Neuhaus entstand aus den Häusern "vor der Burg" - der Vorburg.

Das Amt Neuhaus/Elbe gehörte bis 1705 zur Celler Linie, danach zum Kurfürstentum Hannover. Als 1815 das Herzogtum Lauenburg an Preußen und anschließend an Dänemark abgetreten wurde, verblieb das Amt beim Königreich Hannover als Verwaltungsbezirk in der Landdrostei Lüneburg.

Später kamen noch Orte hinzu, über welche die Hoheit mit dem Amt Bleckede "geteilt" werden musste bzw. die unter der Hoheit der Ämter Bleckede und Hitzacker standen. Dies waren die Dörfer Sumte und Krusendorf (1820), Raffatz und Gosewerder (1852), das Gericht Preten (1839) und Wehningen (1846). Die Revision der Ämterordnung von 1859 brachte dem Amt sämtliche auf dem rechten Elbeufer liegende Teile des Amtes Hitzacker; es bestand seit diesem Jahr also aus folgenden Orten: altes Amt Neuhaus: Banratz, Bohnenburg, Kaarßen, Karrenzien (Schreibweise so oder Carrenzien, nicht zu verwechseln mit Karrenzin ca. 10 km südlich von Parchim), Darchau, Dellien, Gosewerder, Gülstorf, Gutitz, Haar, Konau, Krusendorf, Laake, Laave, Neuhaus, Pinnau, Pommau, Popelau, Preten, Privelack, Raffatz, Rassau, Rosien, Stapel, Stixe, Sückau, Sumte, Tripkau, Vockfey, Wehningen, Wilkenstorf, Zeetze, Domänen Groß Kühren und Gülze, aus dem rechtselbischen Teil des ehemaligen, zum Amt Dannenberg geschlagenen Amtes Hitzacker: Banke, Bitter, Kolepant, Pommau, Prilipp, Rassau, Strachau, die Domäne Herrenhof und Brandstade. In dieser Größe existierte es bis zur Kreisreform 1885, als es mit dem Amt Bleckede zusammen einen Kreis bildete und 1932 mit diesem an den Kreis Lüneburg fiel.

Bei der Teilung Deutschlands 1945 wurde von den Alliierten die Elbe als Grenze festgelegt. Die Folge war eine Spaltung des Kreises Lüneburg und die Abtrennung des Gebietes des alten Amtes Neuhaus, welches dadurch nicht zum 1946 neu gebildeten Land Niedersachsen gehörte, sondern zum Kreis Hagenow der sowjetischen Besatzungszone.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde die Gemeinde Amt Neuhaus/Elbe auf Wunsch der Einwohner im Jahre 1993 wieder in den Kreis Lüneburg und somit auch in das Land Niedersachsen aufgenommen.

Bestandsgeschichte

Die wechselvolle territoriale Zugehörigkeit des Amtes Neuhaus spiegelt sich in seiner Überlieferung wieder. Vor der Kreisreform kamen 167 Akten im Jahr 1884 in das Staatsarchiv Hannover. Für das selbe Jahr findet sich in einem Schreiben der Landdrostei Lüneburg folgender Vermerk: "Dem Königlichen Amte erwidern wir auf den Bericht, daß gegen die Ueberweisung der in der dortigen Registratur vorhandenen s.g. Höfeacten an das dortige Königliche Amtsgericht unsererseits nichts zu erinnern ist "; darunter das Begleitschreiben des Amtes an das Amtsgericht: "übersende ich dem königlichen Amtsgericht unter Anschluss der in dem anliegenden Verzeichnisse aufgeführten Acten" (Hann. 74 Neuhaus/Elbe Acc. 2005/029 Nr. 1). Diese Höfeakten (im vorliegenden Bestand unter der Klassifikation 02.04.02 verzeichnet) beinhalten in der Tat Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit wie Eheberedungen, (Altenteils-) Abfindungen, darüber entstandene Streitigkeiten, Testamente, Inventare von Nachlässen und Kontrakte, aber auch Ablösungsrezesse und Aufstellungen z.B. über vorhandenes Acker- und Wiesenland. Es ist nur zu vermuten, dass diese Vorgänge für den laufenden Geschäftsbetrieb noch benötigt wurden, so dass sie 1884 nicht auch an das Staatsarchiv Hannover, sondern an das Amtsgericht in Neuhaus/Elbe abgegeben wurden. Wie lange sie dort waren, lässt sich von hieraus nicht feststellen. Irgendwann müssen sie an das (nach 1945 ja auch zuständige) Staatsarchiv Schwerin gelangt sein. Nachdem Neuhaus wieder zu Niedersachsen gehörte (s.o.), wurden sie (6 laufende Meter) 1999 (Acc. 52/99) unverzeichnet zusammen mit anderen Akten von Schwerin an das Hauptstaatsarchiv Hannover abgegeben und in den Bestand Hann. 74 Amt Neuhaus/Elbe in die Gruppe Domanialia eingeordnet.

Inwieweit außer den o.a. 167 Akten vor dem Krieg noch andere vorhanden waren, lässt sich ohne weitere Nachforschungen wegen des Verlustes des Findbuches 1943 nicht feststellen; jedoch befindet sich im Bestand das Repertorium der Registratur des Amtes von 1852 (Hann. 74 Neuhaus/Elbe Nr. 21/7), welches möglicherweise näheren Aufschluss geben könnte. Im Jahre 1950 wurden vom Landratsamt Lüneburg Akten abgegeben (Acc. 26/50, StA Tagebuchnummer 928/50), von denen sich 4 Meter loser und völlig durcheinander geratener Akten für das Amt Neuhaus ergaben. Sie lagerten bis 2006 ungeordnet am Ende des Bestandes. Eine (größere?) Anzahl Akten befindet sich heute noch beim Landkreis Lüneburg, vgl. dazu das Findbuch F.A. 181 (fremde Archive). Hinzuweisen ist noch darauf, dass sich im vorliegenden Bestand keine Kirchenangelegenheiten befinden; diese sind wegen der Parochialzugehörigkeit im Bestand des Amtes Hann. 74 Bleckede zu suchen.

Das bisherige Findbuch zum Bestand wurde nach kriegsbedingtem Verlust des alten im Jahr 1961 angefertigt. Es beinhaltete u.a. die 167 Akten, welche 1884 in das Archiv gelangten. Bei der (Neu)Verzeichnung des Bestandes in der archivischen EDV-Datenbank unter der Fachsoftware izn-AIDA wurden zunächst die aus Schwerin abgegebenen Akten bearbeitet. Die Vorgänge über die einzelnen Höfe haben keinen großen Umfang, daher wurden mehrere von ihnen in einem Aktenstück bzw. Datensatz unter dem Ortsnamen zusammengelegt. Für die größeren Orte wie z.B. Karrenzien sind in den Enthält-Vermerken die (gewerblichen) Nebenberufe der Anbauer in diesem landwirtschaftlich geprägten Gebiet ausgewiesen. Ein Auseinanderteilen dieser Akten und etwaige Einordnung der justizrelevanten Vorgänge in den Amtsgerichtsbestand ist nicht durchführbar und erscheint auch nicht zweckmäßig.

Die 1950 in das Staatsarchiv gelangten Akten waren bisher nicht verzeichnet worden, weil sie 1. teilweise völlig durcheinander waren und die eigentlichen Akteneinheiten erst gebildet werden mussten und 2. als restaurierungsbedürftig angesehen wurden. Um aber die Verzeichnung aller Hann. 74er Amtsbestände endlich abschließen zu können, wurde ihre Bearbeitung in Angriff genommen. Es stellte sich heraus, dass etwa 1 laufender Meter dieser Akten wegen Pilzbefall, Wasser- und anderer Schäden unbedingt einer Restaurierung bedarf (im entsprechenden Feld der Eingabemaske und weiter unten vermerkt). Einige Vorgänge mussten provenienzhalber in andere Bestände eingeordnet werden. Auch die 239 Nummern des bisherigen Archivfindbuches wurden bei dieser Gelegenheit überprüft; in etlichen Fällen mussten Jahreszahlen ergänzt sowie Titel und Nummern berichtigt werden.

Die Akten des alten Bestandes Hann. 74 Neuhaus/Elbe Nr. 1 bis Nr. 239 sowie der 1950 in das Archiv gelangten Nr. 239 bis 415 liegen im Hauptgebäude des Hauptstaatsarchivs in Hannover; wegen der Restaurierungsbedürftigkeit sind folgende Nummern nicht benutzbar: 4, 13 bis 18/3, 45, 163/1, 163/2, 306 bis 310, 313, 314, 326, 329 bis 336, 339, 340, 346 bis 349, 351, 372, 389 bis 414. Von den Nummern 5 bis 13 sind Mikrofiche-Reproduktionen vorhanden. Die aus Schwerin abgegebenen Akten Hann. 74 Neuhaus/Elbe Acc. 2005/029 Nr. 1 bis Nr. 139 werden in der Akzessionsreihenfolge im Magazin in Pattensen verwahrt (wobei die ursprüngliche Acc.Nr. 52/99 lagerungsbedingt zu Acc.Nr. 2005/029 wurde) und sind durchgängig benutzbar.

Literatur

Dieter Greve, Das Amt Neuhaus und seine Nachbarn, Lüneburg, 1999
Signatur der Dienstbibliothek des Hauptstaatsarchivs Hannover: 2853

Urban Friedrich Christoph Manecke, Topographisch-historische Beschreibungen der Städte, Ämter und adeligen Gerichte im Fürstentum Lüneburg, Celle, 1858, 2 Bände
Signatur der Dienstbibliothek des Hauptstaatsarchivs Hannover: Sb 5

Urban Friedrich Christoph Manecke, Topographisch-historische Beschreibung der Städte, Ämter und adeligen Gerichte des Herzogtums Lauenburg, des Fürstentums Ratzeburg und des Landes Hadeln, Mölln, 1884
Signatur der Dienstbibliothek des Hauptstaatsarchivs Hannover: Gp 83;

Otto Puffahrt, 250 Jahre Deichvögte im Landkreis Lüneburg (mit Amt Neuhaus) 1748-1998, Lüneburg, 2005
Signatur der Dienstbibliothek des Hauptstaatsarchivs Hannover: 3538

Heinrich Ringklib, Statistische Übersicht der Einteilung des Königreichs Hannover nach Verwaltungs- und Gerichtsbezirken, Hannover, 1859
Signatur der Dienstbibliothek des Hauptstaatsarchivs Hannover: Ma 4

Ernst Ritter, Die Bauernschaft des Amtes Neuhaus i. L. im 16. und 17. Jahrhundert, Neuhaus, 1926
Signatur der Dienstbibliothek des Hauptstaatsarchivs Hannover: Sb 96

Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 21.03.2006 - Nr. 68, Seite 4, 22.07.2015 - Nr. 168, Seite 6 sowie 02.01.2017 - Nr. 1, Seite 8 (diese Hinweise wurden später hinzugefügt)

Weitere Angaben (Bestand)

Bearbeiter

A. Ostendorff
Hannover, im Februar 2007

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Wegen Pilzbefall, Verunreinigung und Beschädigungen kann es teilweise zu Benutzungsbeschränkungen kommen

Einige Archivalien werden nur noch als Mikrofiche zur Benutzung vorgelegt.

Georeferenzierung

Bezeichnung

Amt Neuhaus (Elbe) im Lauenburgischen

Zeit von

1859

Zeit bis

1885

Objekt_ID

47

Ebenen_ID

6320

Georeferenzierung

Bezeichnung

Amt Neuhaus (Elbe) im Lauenburgischen

Zeit von

1815

Zeit bis

1859

Objekt_ID

15

Ebenen_ID

6420

Georeferenzierung

Bezeichnung

Amt Hitzacker

Zeit von

1852

Zeit bis

1859

Objekt_ID

68

Ebenen_ID

6120