StadtA GOE Dep. 100

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Description

Identification (short)

Title 

Dep. 100 - Baugeschäft Rathkamp

Life span 

1854-1975

Fonds data

History of creator 

Der 1828 in Neubruchhausen geborene Maurergeselle Conrad Rathkamp arbeitete zunächst als Eisenbahn-Bauaufseher und Rechnungsführer beim Bau der Hannoverschen Südbahn, die über Göttingen nach Hann. Münden führte. 1854 heiratete er die Göttingerin Catrin Wolter. Nach seiner 1860 abgelegten Meisterprüfung machte er sich 1861 selbständig. Der Sitz des nach ihm benannten Baugeschäftes war zunächst in der Düsteren Straße 1, bevor die Firma 1872 in die Groner-Tor-Straße 1 umzog, wo Rathkamp den im ehemaligen Stadtgraben gelegenen Busseschen Garten erworben hatte. Im Zuge des durch die Industrialisierung Deutschlands ausgelösten Baubooms errichtete Rathkamp zahlreiche Villen und Wohnhäuser, aber auch Fabriken, Geschäftshäuser und Nebengebäude aller Art. Als Beispiele seien genannt: Landeskrankenhaus (1861), Gebhards Hotel in der Goetheallee (1862), die Villa Wolf in der Herzberger Landstraße 11 und die später abgerissene Dampfbierbrauerei Giesinger in der Langen-Geismar-Straße 68 (1869).

Seine Söhne, Maurermeister und Architekt Robert und Architekt Wilhelm Rathkamp, führten das Geschäft nach dem Tode ihres Vaters gemeinsam bis 1925 weiter und gründeten dann jeweils eigene Betriebe. Besonders Wilhelm Rathkamp, der bei dem berühmten Baumeister Conrad Wilhelm Hase in Hannover studiert hatte, schuf das Göttinger Stadtbild prägende Bauten wie z. B. die Verbindungshäuser des Corps Brunsviga in der Bürgerstraße 21 (1899) und des Corps Hercynia im Nikolausberger Weg 40 (1902), errichtete auf zum Teil firmeneigenen Grundstücken etliche Villen, Wohn- und Geschäftshäuser und übernahm Bauaufträge wie die Ausführung des neuen Stadthauses in der Paulinerstraße 6 (1901), der Dresdner Bank (heute Capitol-Kino) in der Prinzenstraße 13 (1912) und der Pauluskirche in der Wilhelm-Weber-Straße 13/15 (1927-28).

Schon in den zwanziger Jahren konzentrierte sich die Tätigkeit immer mehr auf die Übernahme von Erd-, Maurer- und Putzarbeiten z. B. für die zahlreichen Bauten des Spar- und Bauvereins oder auch des Göttinger Militärflugplatzes. Nach Friedrich Eschmann, Schwiegersohn Wilhelm Rathkamps, übernahm wiederum dessen Schwiegersohn, der Architekt Wulff Johannsen, die Leitung der Firma und verlegte den Sitz in die Marienstraße 15. Seit 1986 wird das mit 136 Jahren älteste Baugeschäft Göttingens von der Familie Schinkel geleitet.

Custodial history 

Die schriftliche Überlieferung der Firma Rathkamp ist eine hervorragende Quelle zur wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und räumlichen Entwicklung Göttingens in den letzten Jahrzehnten des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Aktenführung scheint über viele Jahrzehnte sehr sorgfältig und gewissenhaft gewesen zu sein. Trotz des beträchtlichen Umfangs der Überlieferung (ca. 10 lfd. Meter) lässt das Aktenverzeichnis (Dep. 100 Nr. 599) darauf schließen, daß etwa die Hälfte der älteren Akten als verloren gelten muss.

Aufgrund eines Depositalvertrages vom 23. September 1997 konnten das im Keller des Hauses Groner-Tor-Straße 1 aufbewahrte Schriftgut ins Stadtarchiv übernommen werden. Kassierte wurden dabei in geringem Umfang Rechnungsbelege, Konto- und Lohnunterlagen u. ä. In einer zweiten Ablieferung (acc. 1436/1999) wurde zu Beginn des Jahres 1999 auch das noch im Haus Marienstraße 15 lagernde Schriftgut ins Archiv überführt.

Bei der Verzeichnung wurden weitgehend standardisierte Aktentitel gebildet, wobei zunächst der Ort (meist Straße mit Hausnummer), dann der Bauherr bzw. Auftraggeber und an letzter Stelle Art und Umfang der Arbeiten angegeben werden. Die in den Bauakten enthaltenen zeichnerischen Unterlagen wurden nicht extra ausgeworfen. Die außerhalb der Akten vorhandenen Karten und Pläne wurden in die Kartenabteilung des Stadtarchivs eingearbeitet.

Göttingen, September 1998
Dr. Böhme

See

Corresponding archival items 

- Alte Hauptregistratur I C
- Polizeidirektion XX Baupolizei
- Bauamt
- Kleine Erwerbung 19
- Kleine Erwerbung 162

Information / Notes

Additional information 

Der Bestand wurde mit Hilfe des EDV-Archivprogramms "AIDA" erschlossen. Die Datensätze dieses Bestandes wurden im Mai 2015 von AIDA in die nunmehr verwendete Archivsoftware "Arcinsys" übertragen.