LkAH N 078

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Nachlass Adolf Wischmann

Laufzeit 

1787-1984

Bestandsdaten

Geschichte des Bestandsbildners 

D. theol. Adolf Wischmann wurde am 17. Oktober 1908 in Brockel (Kreis Rotenburg) als Sohn eines Pastors geboren. Nach Absolvierung der Volks- und Mittelschule besuchte er von 1922 bis 1928 das Evangelische Ratsgymnasium in Osnabrück. Von 1928 bis 1932 studierte er in Tübingen, Berlin, Zürich und Göttingen Theologie, war nach bestandenem ersten theologischem Staatsexamen als Vikar in Meinsen (Schaumburg-Lippe) und später fast zwei Jahre als Assistent am praktisch-theologischen Seminar an der Universität Tübingen tätig. 1936 wurde er im Henriettenstift in Hannover zum Pastor ordiniert, war eine Zeitlang als Hilfsgeistlicher in Hannover-Bothfeld tätig, um im November 1936 zunächst kommissarisch, später endgültig das Amt eines Studentenpfarrers in Göttingen zu übernehmen. Vorübergehend war er nebenamtlich auch im Gemeindepfarramt an St. Albani und als Standortpfarrer in Göttingen tätig. Nach dem Krieg, den er von 1939 bis 1945, zuletzt als Leutnant, mitmachte, war er auch Stadtjugendpfarrer. Auch während der Kriegszeit hielt er durch seine seelsorgerlichen Briefe Verbindung mit den Angehörigen seiner Göttinger Studentengemeinde. Diese Briefe wurden auszugsweise veröffentlicht (Die Wischmann-Briefe 1939-1945, hrsg. von Hans-Heinrich Harms, Stuttgart 1973).
Am 1. Oktober 1948 wurde Adolf Wischmann in die Leitung der Evangelischen Akademie Hermannsburg berufen, mit der er im Dezember 1952 nach Loccum übersiedelte. Von 1955 bis 1956 war er Landessuperintendent in Osnabrück. Bereits 16 Monate nach seiner Amtseinführung in Osnabrück erfolgte seine einstimmige Wahl durch den Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Leiter des Kirchlichen Außenamtes der Evangelischen Kirche Deutschlands in Frankfurt/M. Er wurde Nachfolger von Martin Niemöller, der im Jahr zuvor seine Mitarbeit wegen einer Kontroverse um seine Auffassungen von den Aufgaben des Außenamtes eingestellt hatte.

Diese Aufgaben, nämlich den Zusammenhalt der christlichen Kirchen untereinander weltweit zu stärken, u. a. durch die Delegierung von Geistlichen in Partnerkirchen und Einzelgemeinden im Ausland, waren für den neuen Präsidenten mit zahlreichen Reisen verbunden. Seine schriftlich fixierten Reiseeindrücke bilden einen Schwerpunkt seines Nachlasses. Adolf Wischmann leitete das Außenamt (heute Hauptabteilung III des Kirchenamtes der EKD) von 1956 bis zu seiner Pensionierung 1974.
Wischmann hat in vielen gesamtkirchlichen Aufgaben gewirkt, zunächst in der Bekennenden Kirche, später in der Christlichen Akademikerschaft, aber auch im Martin-Luther-Bund. Er war nicht nur in verschiedenen Ämtern der Hannoverschen Landeskirche tätig, er war auch Mitglied des Bruderrates der Evangelischen Kirche Deutschlands und er leitete viele Jahre die erste Arbeitsgruppe des Deutschen Evangelischen Kirchentages, außerdem war er Mitglied des Theologischen Ausschusses der Vereinigten Ev.-luth. Kirche Deutschlands. Darüber hinaus hat er sich besonders um den theologischen Nachwuchs gekümmert, hat die aus dem Krieg zurückgekehrte junge Theologengeneration im Rotenburger Brüderkreis gesammelt und ist mit seelsorgerlichen Schriften auch publizistisch hervorgetreten. 1958 wurde ihm der Ehrendoktor der Theologischen Fakultät der Universität Hamburg verliehen und 1965 erhielt er das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Besondere Verdienste hatte sich Wischmann um den Ausbau der Verbindung zu osteuropäischen Kirchen, vor allem zur russisch-orthodoxen Kirche, erworben.
Die einzelnen Stationen seines Lebensweges hat Wischmann in seinen Memoiren beschrieben, die postum unter dem Titel "Führung und Fügung. Erinnerungen aus meinem Leben", Hannover 1987, erschienen sind.
Adolf Wischmann verstarb am 27. Oktober 1983 im Alter von 75 Jahren in Rotenburg/ Wümme.

Bestandsgeschichte 

Handakten aus der Tätigkeit als Präsident des Kirchlichen Außenamtes übergab Wischmann bereits bei seinem Ausscheiden aus dieser Funktion 1974 dem Landeskirchlichen Archiv Hannover (vgl. N 78 Nr. 265). In der Folgezeit rissen die Kontakte zwischen ihm und dem Archiv nicht ab. Deren Inhalt bildeten weitere Vereinbarungen hinsichtlich seines Nachlasses und schließlich dessen Übergabe. Wischmann selbst ordnete unter Beteiligung einer Hilfsperson seinen Nachlass und gab ihn in den Jahren bis zu seinem Tod 1983 in mehreren Chargen nach Hannover ab. Ein geringer Teil gelangte nach seinem Ableben ins Landeskirchliche Archiv.
In den Jahren 1997 bis 1999 verzeichnete Pastor Dietrich Kunze aus Hildesheim den Nachlass im Auftrag des Landeskirchlichen Archivs Hannover. Dabei blieb die von Wischmann selbst erstellte Ordnung des Schriftgutes im Wesentlichen erhalten. Diese folgt in erster Linie seinen beruflichen Stationen, ist also weitgehend chronologisch aufgebaut; die zahlreichen, mehr oder weniger sachfremden Einsprengsel wurden belassen und über Intus"-Vermerke in diesem Findbuch gesondert ausgewiesen. Andererseits waren nicht wenige "Sammelakten" vorhanden, die Material zu mehreren seiner beruflichen Stationen enthalten. Diese wurde ebenfalls in weitgehend unveränderter Ordnung belassen und verzeichnet.
Die nach Kunzes Verzeichnung ins Landeskirchliche Archiv Hannover gelangten Teile des Nachlasses wurden in den Jahren 2006 und 2007 von Britta Perkams und Karl-Heinz Grotjahn geordnet und verzeichnet. Der Bestand ist überwiegend uneingeschränkt nutzbar, lediglich bei den wenigen jüngeren Akten wirkt zum Zeitpunkt der Verzeichnung noch die Schutzfrist.

Bei dem in Hannover verwahrten Nachlassteil handelt es sich um sowohl private als auch dienstliche Inhalte. Der eigentliche dienstliche Nachlass (ca. 25 laufende Meter Akten), der auf dem beruflichen Höhepunkt Wischmanns, nämlich während seiner Tätigkeit als Präsident des Kirchlichen Außenamtes entstanden ist, befindet sich im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin.

Weitere Informationen über Wischmann enthält die Presseausschnittssammlung des Landeskirchlichen Archivs Hannover (S 9 Rep. Nr. 201). Die im Nachlass des Adolf Wischmann enthaltenen Fotografien sind bei der Bearbeitung entnommen und in die Fotosammlung des Landeskirchlichen Archivs überführt worden.

Literatur 

(Auswahl):
Der Anfang. Berichte von Adolf Wischmann, Wuppertal-Elberfeld 1940;
Die Wischmann-Briefe 1939-1945. Mit einem Geleitwort von Landesbischof D. Hermann Dietzfelbinger eingeleitet und herausgegeben von Bischof Dr. Hans Heinrich Harms, Red. Wolfgang Erk, Stuttgart 1973;
Adolf Wischmann: Führung und Fügung. Erinnerungen aus meinem Leben, Hannover 1987;
Adolf Wischmann: Martin Niemöller als Leiter des Kirchlichen Außenamtes, in: Wilhelm Niemöller: Neuanfang 1945. Zur Biographie Martin Niemöllers nach seinen Tagebuchauf-zeichnungen aus dem Jahre 1945, Frankfurt a.M. 1967.

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: ja

vollständig verzeichnet