KreisA Bent CEEB 30

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Beschreibung: Bestand

Identifikation (kurz)

Titel 

Nachlass Heinrich Kloppers

Laufzeit 

1915 - 2013

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Der Bestand enthält Briefe und Unterlagen des Textilarbeiters Heinrich Stephanus Kloppers (1891-1944) aus Gildehaus sowie Unterlagen von bzw. zur dessen Familie. Heinrich Kloppers starb 1944 als Opfer des NS-Regimes im KZ Neuengamme.

Außerdem einen Schriftwechsel zwischen Geraldine Kloppers (Tochter von Heinrich Kloppers) mit der Entschädigungsstelle der Landesregierung bzgl. Zahlung eines Haftentschädigungsgeldes, Schriften und Zeitungsberichte zu Heinrich Kloppers und seiner Gefangenschaft, Erinnerungskultur in Gildehaus, sowie Fotografien, Zeitzeugenberichte und Transkriptionen.

Beschreibung 

Der Bestand gliedert sich auf in die Teile:

I. Originärer Nachlass
II. Unterlagen zur Familie von Heinrich Kloppers
III. Ergänzende Unterlagen zum Nachlass
IV. Verschiedenes
V. Fotografien

Er enthält sowohl originale Dokumente als auch Kopien sowie handschriftliche und maschinenschriftliche Ergänzungen.

Geschichte des Bestandsbildners 

Heinrich Stephanus Kloppers wurde am 02.08.1891 als Sohn des niederländischen Einwanderers und Böttchers Hendrik Kloppers und dessen Frau Gerhardine Margarethe Lögters in Gildehaus geboren. Reformiert getauft und erzogen, trat er als 16 Jähriger dem Evangelischen Jünglingsverein bei und arbeitete als Weber in Gildehaus. Er war bereits mit jungen Jahren stark in das Vereinswesen seines Heimatortes eingebunden, zu dem er auch während seiner Zeit als Geradeschütze während des ersten Weltkrieges kontakt hielt. Nach dem ersten Weltkrieg, Kloppers hatte den Rang eines Unteroffiziers und litt an einer nicht näher beschriebene starken Verwundung, die im Laufe der Jahre seine köperliche Arbeitskraft immer wieder einschränken sollte, arbeitete er erst wieder als Weber, kurzzeitig als Straßenwärter und fand schließlich ab 1931 eine Anstellung bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) in Bentheim. Am 26. März 1920 heiratete er Mina Gerlings aus Bardel und bezog mit ihr eine Wohnung im 1. Stockwerk des Vereinshauses des Christlichen Vereins Junger Männer (CVJM) in der heutigen Heinrich-Kloppers-Straße in Gildehaus. Als tiefgläubiger Mensch wusster er sich diesem Verein sehr verbunden, auch gehörte er dessen Vorstand an.
Aus der Ehe ging eine Tochter, Gerhardine Josine Kloppers, geboren am 25.02.1925 hervor.
Während der Weimarer Republik wurde Kloppers Mitglied der SPD, auch trat er dem parteinahen Wehrverband "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" bei. Dennoch war er weiterhin im CVJM tätig und stand im engen Kontakt mit dem Pastor der Gemeinde Kuno Hamer.
Zusammen mit anderen SPD-Mitgliedern gründete Kloppers im Jahre 1928 den Arbeiter- und Turnverein "Jahn", dessen Vorsitzender er war. Diese vielfältigen Aktivitäten machten ihn zu einer bekannten Person im Gildehausener Dorfleben. Auch pflegte Kloppers enge Kontakte über die einzelnen politischen Mileugrenzen hinweg, so stand sein Engargement im (bürgerlich-konservativen) CVJM für ihn in keinem Gegensatz zu seinen Tätigkeiten in der SPD (Kloppers wurde 1929 zum Bürgervorsteher des Gildehauser Magistrats gewählt, sein politischer Gegner war Dr. Josef Ständer von der NSDAP), Gewerkschaft und im Reichsbanner.

Als entschiedener Gegner der Nationalsozialisten weigerte sich Kloppers im Zuge der Machtübernahme 1933 der NSDAP beizutreten was schließlich noch im selben Jahr zu seiner fristlosen Kündigung seiner Stelle bei der AOK führte. Es folgten Anstellungen als Straßenwärter und erneut als Weber in den Fabriken Hammer & Hohn sowie ab 1937 bei Ludwig Povel in Nordhorn.
Wenn er auch politisch nicht mehr aktiv sein konnte, so engagierte sich Kloppers in dieser Zeit umso mehr in seinen verschiedenen Positionen in den Vereinen, vor allem intensivierte er seine Tätigkeiten im CVJM, und verbarg auch seine ablehnende Haltung zum Nationalsozialismus nicht. Er pflegte weiterhin Kontakte mit seinen Freunden aus Politik, Gewerkschaft und Vereinswesen und bildete einen Freundeskreis mit dem späteren Exilanten Hermann Zilversmidt, Hermann de Leve und Hermann Kaldevey.
Kloppers Art seine Meinungen offen und stark zu vertreten (er wurde von Zeitzeugen als schnell erregbar und diskussionsfreudig beschrieben) führten zu gezielten Provokationen von Seiten der NS-Sympathisanten.

Im Zuge einer Verhaftungswelle während der SS- und Gestapoaktion "Gewitter" (als Folge des Staffenberg-Attentats vom 20.07.1944) wurde auch Heinrich Kloppers am 24.08. 1944 von der Gestapo verhaftet und in das Bentheimer Gerichtsgefängnis eingewiesen. Am Tage darauf besuchte Mina Kloppers zusammen mit ihrer Tochter ihren Mann und intervenierte erfolglos beim NSDAP-Kreisleiter Dr. Ständer. Ein weiter Kontakt zu seiner Familie und dem Pastor der Gemeinde, Ringena, war Heinrich Kloppers fortan nur noch durch Briefe möglich, welche sich in diesem Bestand befinden. Kloppers starker Glaube kommt in diesen Briefen durch die häufige Verwendung von Bibelzitaten zu ausdruck mit denen er einerseits seiner Familie trost spenden wollte, andererseits an der Zensur vorbei Hinweise über die Haft und seinem Zustand übermitteln konnte. Während der Haftzeit folgten von Seiten des Textilfabrikanten Povel, Kloppers Arbeitgeber und Gesine Rubart, Heinrich Kloppers Schwester weitere Interventionsversuche, die jedoch allesamt an der Bürokratie des NS-Verwaltungsapparates scheiterten. Am 20.09.1944 wurde Kloppers an das Polizeigefängnis Osnabrück übermittelt und befand sich damit in den Händen der Gestapo. Aus diesem Gefängnis schrieb Kloppers noch einen weiteren Brief an seine Familie und betonte darin "sich keiner schuldhaften Handlung bewusst" zu sein. Ein entsprechender Antwortbrief erreichte ihn nicht mehr, Heinrich Kloppers wurde am 29.09.1944 mit weiteren Gefangenen in das KZ Neuengamme bei Osnabrück verlegt. Durch die Haft und körperliche Arbeit im KZ stark geschwächt, starb Heinrich Kloppers dort am 24.11.1944. In den folgenden Tagen wurde der Leichnam verbrannt.
Es ist nicht bekannt, wann die Todesnachricht ihres Mannes Mina Kloppers und ihre Tochter erreichte, beide bemühten sich jedoch um die Übermittlung der sterblichen Überreste, welche die Famlie im Januar 1945 als Paket erhielten. Die Beerdigung der Urne wurde in Gildehaus unter großer Anteilnahme der Bevölkerung vollzogen.

Mina Kloppers überlebte ihren Mann nur kurze Zeit, sie starb im Juli 1946. Ihre Tochter Geraldine Kloppers, nunmehr verweist und ohne eigenes Einkommen, bemühte sich in den folgenden Jahren um Zahlung einer Haftentschädigungssumme beim Sonderhilfeausschuss für den Regierungsbezirk Osnabrück. In diesem längjährigen und bürokratischen Prozess unterstütze sie die SPD-Politikerin Alwine Wellmann in deren Position als "Vertrauensmann für die ehemaligen politisch, religiös und rassisch Verfolgten". Die Zahlung der Haftentschädigung an Geraldine Kloppers (nunmehr verheiratete de Leve) erfolgte am 04.05.1954, eine weitere Zahlung im Mai 1955.

Bestandsgeschichte 

Der vorliegende Bestand wurde als bearbeites Konvolut dem Archiv in einem Ordner vom Schwiegersohn Heinrich Kloppers, Johann de Leve, der Stadtverwaltung Bad Bentheim übergeben, von dort aus gelangte er 2019 in das Kreis- und Kommunalarchiv.

Die originalen Unterlagen von Heinrich Kloppers und dessen Familie wurden hier durch biografische Texte zu Heinrich Kloppers, Zeitungsausschnitte (u.a. zur Einweihung einer Heinrich-Kloppers-Straße und Verlegung eines Stolpersteins in Gildehaus), Fotografien und genealogische Unterlagen sowie um Transkriptionen der Briefe ergänzt.

Im Zuge der Erschließung wurde der Bestand grundlegend neu geordnet und in sinnvolle Zusammenhänge gebracht. Mehrere Zeitungsartikel, Dubletten, sowie Texte, die nicht direkt auf Heinrich Kloppers bezug nahmen sondern eher allgemeine Informationen zum Nationalsozialismus enthielten, wurden kassiert.

Marcel Abels, Februar 2020

Enthält 

Der Bestand stetzt sich wie folgt zusammen:
I. Originärer Nachlass von Heinrich Kloppers
II. Unterlagen zur Familie von Heinrich Kloppers (Mina und Geraldine Kloppers sowie Gesine Rubart geb. Kloppers)
III. Ergänzende Unterlagen zum Nachlass Kloppers
IV. Verschiedenes
V. Fotografien

Literatur 

- "Die Gestapo war nicht allein... - Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch-niederländischen Grenzgebiet 1929-1945" von Herbert Wagner (ISBN 3-8258-7448-6); ab S. 442
- Biografische Texte zu Heinrich Kloppers von Johann de Leve (siehe Bestand CEEB 30 - Nachlass Kloppers)

Informationen / Notizen

Zusatzinformationen 

Magazin 1