
Identifikation (kurz)
Titel
Nachlass Lucie Rakers (*19.08.1905 - †04.04.1993)
Laufzeit
1926 - 1985
Bestandsdaten
Kurzbeschreibung
Lucie Rakers, geborene Ribbink (1905-1993), war eine regionale Schriftstellerin und Heimatforscherin der Grafschaft Bentheim. Bekannt ist sie einem größeren Publikum hauptsächlich durch ihre seit 1953 in Zeitungen und Regionalliteratur auf Hoch- und Plattdeutsch veröffentlichten Gedichte und Erzählungen.
Sie trat jedoch auch als Historikerin und Übersetzerin niederländischer und plattdeutscher Texte in Erscheinung, wobei hier die Übersetzung des Buches „Predikant te Wilsum in het voornoemige Graffschap“, einer 1820 auf Niederländisch veröffentlichten Geschichte der Grafschaft Bentheim des Pastors Wessel F. Visch, als ihre wichtigste Arbeit gilt.
Daneben war sie eine aktive Unterstützerin der „Heimatbewegung“ rund um Erika Lichte, Ludwig Sager und Karl Sauvagerd, Mitglied des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim und später des „Schriewerkrings an Ems en Vechte“ (siehe hierzu den Bestand CEEB 25).
Eines ihrer Hauptanliegen war die Bewahrung und Förderung der Plattdeutschen Sprache in der Grafschaft Bentheim.
Der Bestand enthält neben dem dichterischen und wissenschaftlichen Nachlass von Lucie Rakers, zahlreiche private und familienbezogene Schriftstücke, Drucke, Veröffentlichungen zu ebenfalls dichterisch tätigen Freunden, Hefte und Zeitschriften zu regionalgeschichtlichen Themen und Familienfotografien.
Beschreibung
Bestandsbeschreibung:
Der vorliegende Bestand wurde durch bislang zwei Übernahmen (Stand März 2021) gebildet. Der bereits im Archiv vorhandene Nachlass wurde zuletzt 2021 (Zugangsnummer P 02/21) durch einen erneuten Zugang ergänzt. In beiden Fällen wurden die Unterlagen von Nachfahren von Lucie Rakers dem Archiv angeboten.
Der Bestand ist folgendermaßen gegliedert:
- Manuskripte / Typoskripte (Lyrik, Epik, Übersetzungen, Reime und Sprichwörter, Notizen und Vorschriften)
- Korrespondenzen (Lucie und Johann Rakers)
- Ehrungen
- Veröffentlichungen (Drucke, Veröffentlichungen anderer Dichter)
- Sonstiges (Zeitungsausschnitte zu Lucie Rakers, Schriftstücke zur Geschichte der Familie Rakers (18. Jahrhundert); Gedichtbände; Notizen zu Sprichwörtern und Abzählreimen)
- Fotografien (Familienfotos, Fotografien von Ausflügen, Fotoalbum mit Famlienmotiven, Wohnhaus in Hardingen und Nordhorn, Urlaube, Familienmitglieder)
Besonders erwähnt werden sollen zwei Schriftstücke aus dem 18. Jahrhundert (CEEB4-88) zu Vorfahren der Familie Rakers, welche wohl im Zuge genealogischer Forschungen zu der Familie ihres Mannes in den Besitz von Lucie Rakers gekommen sind, sowie zwei Fotografien im Fotoalbum CEEB4-89, welche den Abbau und Abtransport des 1929 errichteten Gefallenendenkmals von Hermann Scheuerstuhl auf den damaligen Langemarkplatz (heute Gedenkstätte Schwarzer Garten Nordhorn) im Jahre 1933 zeigen.
Marcel Abels, Nordhorn im März 2021
Geschichte des Bestandsbildners
Biografische Daten zu Lucie Rakers
Lucie Mainhardina Johanna Rakers, geb. Ribbink wurde am 19.08.1905 (NOH 206/1905) als älteste Tochter des Buchhalters Derk Ribbink und dessen Frau Gerda Ribbink, geb. Bonke, in Nordhorn geboren. Ihre Kindheit verbrachte sie zusammen mit ihren Geschwistern im gutbürgerlichen Haus der Eltern in Nordhorn (Bahnhofstraße 5, Fotografie des Hauses in CEEB4-91) und besuchte dort die Volks- und Mittelschule (Rektorschule). Bereits seit ihrer Jugend lyrisch und musikalisch interessiert - sie war aktives Mitglied der Wandervogelbewegung und eine Jugendfreundin der ebenfalls dichterisch tätigen Erika Lichte aus Frenswegen - verließ sie nach Abschluss ihrer Schulbildung die Grafschaft mit dem Ziel Musiklehrerin zu werden in Richtung Osnabrück um sich dort am Konservatorium im Gesang, Klavier- und Lautenspiel ausbilden zu lassen; ebenso besuchte sie dort eine Kochschule in der Klosterkaserne (siehe Gruppenfoto der Hauswirtschaftsklasse in CEEB4-91). Nach etwa einem Jahr kehrte sie jedoch in ihr Elternhaus zurück und lebte zeitweise als Haustochter in Bodenfelde an der Weser und in Schildesche bei Bielefeld.
Am 28.05.1929 (NOH 74/1929, nicht 1928, wie fälschlicherweise in diversen Lebensbeschreibungen kolportiert) heiratete sie den ebenfalls aus Nordhorn stammenden Lehrer Johann Rakers, mit dem sie 19 Jahre lang in Hardingen als Lehrersfrau lebte; die bäuerliche Lebenswelt des Ortes und die plattdeutsche Sprache sollten maßgeblichen Einfluss auf ihr weiteres Werk haben. 1948 kehrten sie und ihr Mann mit ihren Kindern nach Nordhorn zurück, wo die Familie 1950 ein Haus am Nordhorner Stadtrand (Wacholderweg 15) bezog. Ab 1953 veröffentlichte sie in regionalen Zeitungen, sowie im „Grafschafter“ und im Jahrbuch des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim ihre Gedichte und regionale Prosa sowohl auf Hoch- als auch auf Plattdeutsch. Im Laufe der Jahre erweiterte sie ihre Schaffensgebiete um regionalgeschichtliche Arbeiten und Übersetzungen aus dem Niederländischen und Plattdeutschen. Außerdem machte sie sich einen Namen als Sammlerin und Bewahrerin von Volksliedern, Sprichwörtern, Bräuchen, Sagen und Legenden aus der Grafschaft, die häufig Grundlagen ihrer eigenen Arbeiten waren. Ein 1990 erstelltes Werkverzeichnis ihrer seit 1953 veröffentlichen Arbeiten ist in diesem Bestand unter der Signatur CEEB 4-073 zu finden.
Lucie Rakers starb am 04.04.1993 in Neuenhaus (NE 14/1993).
Quellen:
Lebenslauf zu Lucie Rakers in „Heimatdichtung der Grafschaft Bentheim“ S. 135
Nachruf im Bentheimer Jahrbuch 1994, S. 5-6
„Erinnerung an Lucie Rakers“ von Gerolf Küpers im Bentheimer Jahrbuch 2006, S. 335-336
Zeitungsartikel zum 75. Geburtstag von Lucie Rakers von Karl Sauvagerd in GN August 1980. (CEEB4-074)
Register der Veröffentlichungen von Lucie Rakers im Grafschafter 1953-1990 [ergänzt um weitere Fundstellen] (CEEB4-073)
Geburtsurkunde Lucie Ribbink (NOH 206/1905)
Heiratsurkunde Lucie Rakers (NOH 74/1929)
Bestandsgeschichte
Der bereits vorhandene Bestand wurde im März 2021 um weitere Zugänge vom Bearbeiter ergänzt und um ein Vorwort erweitert.
Siehe
Korrespondierende Archivalien
CEEB 25 Schrieverkring an Ems und Vechte
Informationen / Notizen
Zusatzinformationen
Magazin 1