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NLA BU D 21

Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Reifensteiner Verband f. haus-/landwirtschaftliche Frauenbildung

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Abteilung: Akten nichtstaatlicher Provenienz, übereignete Nachlässe u. Privatarchive.
Inhalt: Verwaltungsschriftgut (einschließlich Fotos) des Verbandes und einer Reihe von Schulen des Verbandes.
Umfang: 32 m.
Erschließung: Findbuch, EDV.

Bestandsgeschichte

1. Zur Geschichte des Reifensteiner Verbandes
Der REIFENSTEINER VERBAND für haus- und landwirtschaftliche Frauenbildung e. V. war einer der ältesten Träger privater Schulen in Deutschland. Bereits 1897 wurde die erste Schule in Nieder-Ofleiden gegründet.
Im Laufe der Verbandsgeschichte wurden 45 Schulen aufgebaut, von denen ein großer Teil als dem Verband angeschlossene Schulen geführt wurden. Seinen Namen erhielt der Verband nach der Schule in Reifenstein, Kreis Worbis/Thüringen. Im Jahre 1900 wurde er beim Amtsgericht Hannover in das Vereinsregister eingetragen.
Für die Gründerin des Verbandes Ida von Kortzfleisch waren zwei Motive maßgebend: einerseits sollten den Landfrauen und Bäuerinnen fachlich gut ausgebildete Kräfte zur Seite gestellt, andererseits den sogenannten "höheren Töchtern" neue Ausbildungswege erschlossen werden. Demgemäß lag der Schwerpunkt der Ausbildung an den Schulen immer im land- und hauswirtschaftlichen Bereich. In der Satzung des Vereins aus dem Jahre 1908 werden dessen Ziele folgendermaßen beschrieben:
"Zweck des Vereins:
- Die Erschließung praktischer Arbeitsgebiete für unsere auf christlichem Grunde stehende gebildete
deutsche Frauenwelt,
- erziehliche Einwirkung auf die ärmere insbesondere ländliche Bevölkerung durch arbeitsfähige, für
diese Aufgabe vorgebildete Frauen,
- Belebung des allgemeinen Interesses für Wirtschaftsbetrieb und Wohlfahrtspflege auf dem Lande
durch Lehranstalten auf dem Lande, die in Lehre und Ausübung auf den BERUF der Hausfrau oder
deren Stellvertreterin, der Betriebsleiterin in Anstalten für Wohlfahrtspflege oder der Lehrerin an
Haushaltsschulen vorbereiten."

Im zweiten Weltkrieg verlor der Verband 13 Schulen im deutschen Osten, so daß er nach 1945 in der Bundesrepublik völlig neu aufgebaut und umstrukturiert werden mußte. 1947 konstituierte sich der Verband neu. Die Schulen wurden in

der BRD jetzt als "Staatlich anerkannte Fachschulen und Berufsfachschulen mit Internat" geführt. Es wurde eine Grundausbildung in Ernährung und Hauswirtschaft angeboten, die mit der Fachoberschulreife abschloß, sowie eine Fachschulausbildung (Fachhoch schulreife) in Berufen wie: staatlich gepr. Oecotrophologin, ländliche Hauswirtschafterin, ländliche Wirtschafterin, Erzieherin (Sozialpädagogik). In freiwilligen Arbeitsgemeinschaften konnten Kurse in Stenographie, Maschinenschreiben, Deutsch und Englisch belegt werden. Regelmäßig wurden auch Klassenfahrten unternommen.
In den Jahren bis 1990 bemühte sich der Verband ständig, die Ausbildungsangebote an den Schulen zu modernisieren und der veränderten Nachfrage anzupassen. So wurden in den achtziger Jahren z.B. Sprachkurse für Aussiedler eingerichtet. Trotzdem mußten die Schulen nach und nach wegen Unwirtschaftlichkeit geschlossen werden. Im Jahr 1990 wurden die beiden letzten Schulen in Wöltingerode und Wittgenstein an das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland e.V. abgegeben.
Zwei Besonderheiten machen die Bedeutung des Reifensteiner Verbandes aus. Zum einen regte er die Entwicklung des ländlich-hauswirtschaftlichen Bildungswesen am Beginn des 20. Jahrhunderts mit seinem Modell der wirtschaftlichen Frauenschule wesentlich an. Schon bald übernahm er auf diesem Gebiet eine Führungsrolle und beeinflußte über seine Absolventinnen das Beratungswesen auf dem Lande. Die in den zwanziger Jahren einsetzende Herausbildung eines eigenen Faches "Hauswissenschaft" geht entscheidend auf die Reifensteiner Absolventin Käthe Delius (1893-1977) zurück. Zum anderen leistete der Verband einen großen Beitrag zur modernen Frauen- und Mädchenbildung. Schon Ida von Kortzfleisch hatte beabsichtigt, mit ihrer Gründung zur Lösung der "Frauenfrage" beizutragen, und der Verband verstand sich stets als Teil der Frauenbewegung. Die Überlieferung

des Reifensteiner Verbandes bildet eine reichhaltige und vielfältige Quelle zur Bearbeitung dieser wichtigen Aspekte der deutschen Sozial- und Bildungsgeschichte.

2. Zum Bestand
Nach Abgabe der letzten Schulen bemühte sich der Reifensteiner Verband - Verein ehemaliger Reifensteiner e.V. um die Sicherung seiner schriftlichen Überlieferung. Weil der Verband mittlerweile beim Amtsgericht Bückeburg als Verein registriert war und zudem in Obernkirchen eine Landfrauenschule existiert hatte (1901 - 1970), wurde zu diesem Zweck 1993 ein Depositalvertrag mit dem Niedersächsischen Staatsarchiv in Bückeburg geschlossen.
Im Jahr 2000 ist der gesamte Bestand in das Eigentum des Staatsarchivs übergegangen. Die Bestandssignatur wurde daher von Dep. 47 in D 21 geändert.
Das abgegebene Archivgut (ca. 40 lfd. Meter) enthält hauptsächlich die Unterlagen der Geschäftsstelle sowie umfangreiches Material aus den Schulen Wittgenstein und Wöltingerode. Von vielen anderen Schulen sind nur fragmentarische Reste erhalten. Neben dem allgemeinen Schriftgut gibt es eine Fotosammlung sowie zahlreiche Tagebücher, Festschriften usw. Von großem Quellenwert für die Verbandsgeschichte ist die Sammlung der Verbandszeitungen. Von den Anfängen bis in die heutige Zeit wird dort die Entwicklung der Schulen und des Vereins dokumentiert. Die Sammlung wird durch die heute noch erscheinenden "Mitteilungen" laufend ergänzt. Die in den Schulen benutzten Fachbücher wurden in der Dienstbibliothek des Staatsarchivs unter der Signatur Rv aufgestellt.

Weitere Unterlagen zum Reifensteiner Verband finden sich insbesondere in der Überlieferung der zuständigen
Behörden (Reichsnährstand, Landratsämter/Kreise und Stadtverwaltungen).
Unterlagen der LFS Malchow sind im Stadtarchiv 17213 Malchow, Amtsgericht; Unterlagen der LFS Arvedshof in der Gemeindeverwaltung Eulatal, 04651 Eulatal, OT Prießnitz, Badstr.

21.


3. Zum Findbuch
Von den vier Indices des Findbuches (Orte, Personen, Institutionen und Sachen) ist der die Institutionen betreffende der umfangreichste. Hier wurden alle Landfrauenschulen aufgenommen und zwar jeweils unter der Abkürzung "LFS" und dem Namen der Schule, so daß alle Schulen in alphabetischer Reihenfolge zusammenstehen.

Die erste Version des vorliegenden Findbuchs wurde unter der Aufsicht von Archivoberrat Dr. Böhme im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme von Herrn Peter Milz erstellt (Fertigstellung März 1996). In den Jahren 2000 und 2001 sind diverse Sendungen von ehemaligen Maiden eingegangen, die nicht alle eine gesonderte Acc. Nr. erhielten. Sie wurden von Dr. Silke Wagener-Fimpel im Findbuch nachgetragen.

Abkürzungen im Findbuch:
LFS Landfrauenschule
RV Reifensteiner Verband
GV Geschäftsführender Vorstand
CJD Christliches Jugenddorfwerk Deutschland e.V.

Im Frühjahr 2008 wurden die Zugänge
Acc. 1995/008: (0,01)
Acc. 1996/037: (0,01)
Acc. 1996/042: (0,02)
Acc. 1996/044: (0,10)
Acc. 1996/079: (0,01)
Acc. 1996/085: (0,25)
Acc. 1997/003: (0,10)
Acc. 1997/012: Nachlass v. Massow (0,01 m)
Acc. 1997/014: Unterlagen zu Personen und Schulen des Verbandes (0,20 m)
Acc. 1997/017: Geschäftsführung (1,00 m)
Acc. 1998/024: Verschiedenes (0,10 m)
Acc. 1999/020: Maidenverzeichnis und Stammlisten (2,08 m)
Acc. 2000/040: Fotoalben, Privatnachlässe zu div. Schulen (0,23 m)
Acc. 2001/009: Geschäftsakten RV, Maidennadeln (1,21 m)
Acc. 2003/032: Diverse Unterlagen (1 m)
Acc. 2003/037: Diverses u. eine Kachel (0,1 m)

unter laufender Nummer von Frau Larissa Sakirow im Rahmen eines Werkvertrages verzeichnet. Außerdem erschloß Frau Sakirow mehrere hundert bereits früher erfasste Akten tiefer und passte die Gliederung an.

Unverzeichnete Accession:
Acc. 2008/007 (0,2)
Acc. 2009/005

gez. Dr. Böhme/Dr.

Höing/Dr. Brüdermann, zuletzt aktualisiert

11.7.2008

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet