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NLA WO 330 N

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Title

Nachlass des Direktors der Neuerkeröder Anstalten Dr. Joachim Klieme

Fonds data

Custodial history

Pastor Joachim Klieme (geb. 17.4.1926 in Mittelsaida / Erzgebirge) wurde am 9.2.1972 als Direktor der Neuerkeröder Anstalten eingeführt und hatte dieses Amt bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand am 1.1.1990 inne. Diese Zeit empfand er als besonders prägend: "Neuerkerode hat meinem theologischen Nachdenken eine veränderte Blick- und Fragerichtung vermittelt: Geschichte des Menschen von unten zu sehen und zu interpretieren aus der Perspektive der Abhängigen. [...] Dazu gehörte auch die häufige Begegnung mit nicht verarbeiteten Kränkungen aus der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft." (Klieme 1997, S. 11). So erschien es ihm als lohnende Aufgabe für den Ruhestand ab 1990, "eine umfassendere Untersuchung über Neuerkerode in der NS-Zeit vorzunehmen. Auch der Verwaltungsrat bekundete sein Interesse an einer genaueren Aufklärung des Schicksales der Heimbewohner im "Dritten Reich"" (Klieme 1997, S. 11).

1993 verfasste er eine Chronik zur Geschichte Neuerkerodes, in der auch die NS-Zeit zur Sprache kam. Seine an der Universität Heidelberg 1996 eingereichte Dissertation erschien ein Jahr später in der vom Braunschweigischen Geschichtsverein herausgegebenen Reihe der Quellen und Forschungen zur braunschweigischen Geschichte.

Dr. Joachim Klieme starb am 30.1.2000 in Wolfenbüttel.

Der vorliegende Bestand wurde im Mai 2013 von seiner Witwe Christa Klieme und seinem Sohn Prof. Dr. Eckhard Klieme dem Staatsarchiv Wolfenbüttel als Depositum übergeben. Er enthält die Forschungsunterlagen, aus denen die Dissertation erwachsen ist. Diese bestehen überwiegend aus Kopien aus verschiedenen Archiven und einschlägiger Fachliteratur sowie Quellenexzerpten und eigenen Ausarbeitungen Kliemes.

Zwischen 1940 und 1945 wurden zahlreiche Patienten aus Neuerkerode zwangsweise in andere Medizinaleinrichtungen "verlegt", wo sie vermeintlich an Krankheiten starben,

tatsächlich aber im Rahmen von NS-"Euthanasie"-Maßnahmen ermordet wurden. Den Schicksalen der Neuerkeröder Patienten ist Joachim Klieme in 19 Archiven und Behördendienststellen im Zuge jahrelanger Recherchen nachgegangen. Längst nicht alles Material wurde in der Dissertation verwendet.

Aus diesem Grunde wurden auch Archivalienkopien in den vorliegenden Bestand übernommen, da die Informationen auf diesem Wege leicht greifbar sind und ansonsten aus den zugrundeliegenden Originalakten mühsam neu zusammengetragen werden müssten, zumal nicht alles aus öffentlich zugänglichen Archiven stammt. Das Archiv der Stiftung Neuerkerode beispielsweise war zum Zeitpunkt von Kliemes Recherchen dort nicht systematisch geordnet; ähnlich verhält es sich mit der Krankenhausregistratur in Uchtspringe. Bei der Benutzung der Kopien sind daher die Rechte der die Originalakten verwahrenden Archive zu berücksichtigen, ggf. auch Datenschutzbelange. Näheres ist den Korrespondenzen Kliemes mit den einzelnen Archiven zu entnehmen.

Der vorliegende Bestand wurde von der Unterzeichnenden geordnet, verzeichnet sowie mit Gliederung und Vorwort versehen.

Literatur:
- Joachim Klieme, Neuerkerode 1868-1993: Chronik. Daten und Dokumente zur Geschichte, Wolfenbüttel 1993.
- Joachim Klieme, Ausgrenzung aus der NS-"Volksgemeinschaft": die Neuerkeröder Anstalten in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945, eine diakoniewissenschaftliche Studie, Heidelberg 1996.
- Joachim Klieme, Ausgrenzung aus der NS-"Volksgemeinschaft": die Neuerkeröder Anstalten in der Zeit des Nationalsozialismus 1933-1945 (Quellen und Forschungen zur Braunschweigischen Geschichte 31), Braunschweig 1997.
- Harald Jenner / Joachim Klieme (Hrsg.), Nationalsozialistische Euthanasieverbrechen und Einrichtungen der Inneren Mission: eine Übersicht, Stuttgart 1997.
- Joachim Klieme / Stephan Querfurth, Neuerkerode 1868-2008:

Chronik, Daten und Dokumente zur Geschichte, 1. Aufl., Neuerkerode 2008.


Wolfenbüttel, im Juni 2013 Dr. Silke Wagener-Fimpel

(Archivoberrätin)

Information / Notes

Additional information

teilweise verzeichnet