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NLA ST Rep. 171 Stade

Description

Identification (short)

Title

Landgericht Stade

Life span

1842-1978

Fonds data

Short description

Gerichtsgefängnisse, Schiedsmannwesen, Rechtsanwaltschaft und Notariat, Amtsgerichte, Vormundschaftssachen, Erbgesundheitssachen, Sondergerichtsbarkeit, Straf- und Zivilprozesse, Scheidungen, Schiffsregister
Findmittel: Kartei 1970/74; Zugangslisten für die späteren Akzessionen, EDV-Findbuch in Arbeit
Umfang: 27,5 lfdm

Custodial history

Behördengeschichte

Eine der dauerhaften Folgen der März-Revolution 1848 war die Trennung von Justiz und Verwaltung, die bereits durch das Gesetz vom 5. September 1848 festgelegt worden war. Die Grundlage für die Durchführung schuf das Gerichtsverfassungsgesetz vom 8. November 1850. Die Justizkanzlei wurde in ein Obergericht verwandelt. Durch das Gesetz vom 7. August 1852 traten die Amtsgerichte ins Leben, das Stadtgericht Stade beispielsweise mit seinen jahrhundertelang sehr weitreichenden Kompetenzen wurde aufgelöst. Vollständig neu war die Einrichtung einer Staatsanwaltschaft als Vorermittlungs- und Anklagebehörde. Am 1. Oktober 1852 wurde das neue Obergericht Stade eröffnet, und auf dem Gebiet der heutigen Stadt Stade traten zwei neue Amtsgerichte ins Leben, das Amtsgericht Stade, das das Stadtgericht ablöste, und das Amtsgericht Bützfleth, das für das Gebiet des Amtes Stade-Agathenburg zuständig war. Das neue Obergericht Stade war aber kein direkter Nachfolger der Justizkanzlei. Das Gebiet der Landdrostei Stade wurde vielmehr unter drei Obergerichten aufgeteilt, Stade, Verden und Lehe. Das Obergericht Lehe wurde allerdings bereits 1859 aufgehoben.

Die 1852 gebildeten Obergerichte bestanden allerdings nur gut 25 Jahre. Auf der Grundlage des neuen Gerichtsverfassungsgesetzes von 1877 wurden nun Landgerichte und Oberlandesgerichte gebildet. Dabei stand der Erhalt des Landgerichts Stade durchaus auf Messers Schneide. Nach den Plänen der Regierung sollte Stade keinen Landgerichtssitz erhalten, der Obergerichtsbezirk sollte vielmehr im wesentlichen dem Landgericht Verden angegliedert werden. Dieser im Herbst 1877 vorliegende Regierungsentwurf löste sofort nach seinem Bekanntwerden einen Sturm der Empörung in Stade aus. Dem vereinten Widerstand der Region gelang es jedoch, in den Kommissionsberatungen das Gesetz hier entscheidend zu verändern. Durch Gesetz vom 4.

März 1878 wurde auch in Stade ein Landgericht errichtet, zu dem neben dem Kreis Stade auch die späteren Kreise Bremervörde, Otterndorf, Neuhaus/Oste und Zeven sowie außerhalb des Landdrosteibezirks das Amt Tostedt sowie Amt und Stadt Harburg gehörten. Wie bei dem ehemaligen Obergericht handelt sich auch bei dem Landgericht um eine Appellationsinstanz gegen Urteile der Amtsgerichte bzw. um ein erstinstanzliches Gericht bei Angelegenheiten von größerer Bedeutung. Das Obergericht war in der alten Justizkanzlei an der Archivstraße eingerichtet worden, und weil das Gebäude nicht ausreichte, hatte man ein Gebäude an der Ritterstraße hinzugekauft und in den Hof an der Ritterstraße durch einen Neubau erweitert. Nach 1900 setzten die Planungen für einen Neubau ein. Bereits im Jahr 1901 wurde das ältere Gebäude des Obergerichts abgerissen, und das Landgericht siedelte vorübergehend in das alte Gymnasium am Pferdemarkt, das spätere Peter-Harms-Stift um. Nach dem Abbruch stellte man allerdings fest, daß der geplante Neubau zu klein sein würde, und das ganze Vorhaben geriet ins Stocken. In dieser Zeit versuchte Harburg noch einmal, den Sitz des Landgerichts an sich zu ziehen. Durch den Zukauf eines Gebäudes am Wilhadikirchhof zu dem die Stadt Stade einen Zuschuß von 10.000 Mark gab, war es möglich, nun einen großzügigeren Neubau an der Ecke Ritterstraße/Wilhadikirchhof im historisierenden Stil der Spätrenaissance im Übergang zum Barock zu planen, dessen Front jetzt zur Kirche gerichtet war. Am 1. Mai 1903 wurde der Grundstein gelegt, und am 1. Oktober 1905 konnte das neue Gerichtsgebäude am Wilhadikirchhof feierlich eröffnet werden. Im Hauptgebäude bezogen das Amtsgericht das Erdgeschoß, das Landgericht das Obergeschoß und die Staatsanwaltschaft das zweite Stockwerk. Im Osten an das Hauptgebäude angeschlossen war das alte, durch einen Neubau erweiterte Hilfsgefängnis mit

insgesamt 29 Zellen für Einzelhaft. Der örtliche Zuständigkeitsbereich des Landgerichts erstreckt sich über die Amtsgerichtsbezirke Bremervörde, Buxtehude, Cuxhaven, Langen, Otterndorf, Stade, Tostedt und Zeven.

Präsidenten des Landgerichts Stade:

Andreas Friedrich Leon Carl von Müller (geb. 5. Mai 1814, gest. 14. September 1885) , 1859-1885
Buchholtz, 1885-1887
Bernhard Nolte (geb. 1. Februar 1829 zu Lüneburg, gest. 1. August 1893), 1887-1893
Justus von Schmidt-Phiseldeck (geb. 29. April 1843 zu Celle, gest. 13. Oktober 1914), 1896-1914
Franz Wieacker
Hans Roth (geb. 12. Januar 1886 in Alsleben/Saale)
Dr. Alois Klein (geb. 08. Juni 1899 in Altenwall, Kreis Cosel)
Dr. Wilhelm Ackemann (geb. 20. März 1890 in Obernkirchen, Grafschaft Schaumburg)
Dr. Conrad Parey (geb. 6. April 1899 in Schwerin)
Herbert Schraps (geb. 13. Januar 1913 in Ölsnitz/Erzgebirge, gest. 06. Juli 1973)
Dr. Wolf-Gerhard März (geb. 28. Februar 1929, gest. 04. Oktober 1992 in Stade)

Bestandsgeschichte

Die Akten des Landgerichts Stade sind in mehreren Akzessionen seit 1966 an das Staatsarchiv abgegeben worden. Der Bestand umfaßt Schriftgut der Behördenorganisation und Prozeßakten. Fotos von Landgerichtspräsidenten sowie von Gefallenen des Landgerichts finden sich unter Rep. 1006 (acc. 2011/051). Aufgrund des Zeitschnitts um 1978 ist für jüngere Verfahren immer auch der Bestand Rep. 271 Stade zusätzlich zu konsultieren.


Literatur:

Figge, Robert, Zur Geschichte von Recht- und Gerichtsverfassung im Landgerichtsbezirk Stade o. O., o. J. - 12 Bl

Gronemann, Friedrich, Festrede des Landesgerichtsdirektors Dr. Gronemann im Rathaussaal der Stadt Stade am 15. Oktober 1952 in der Feierstunde anläßlich der 300-Jahrfeier des Landgerichts, der 100-Jahrfeier der Staatsanwaltschaft und der 100-Jahrfeier des Amtsgerichts in Stade [Stade], [1952] - 21 Bl.

Festschrift zur Feier

des 325-jährigen Jubiläums des Landgerichts Stade und des 125-jährigen Bestehens der staatlichen Gerichtsbarkeit im Königreich Hannover / Land Niedersachsen / [Hrsg.: Stadt Stade]
[Stade]: [Stelzer], 1978 - 39 S. : Kt. - (Reden aus dem Rathaus zu Stade ; 1978, 1)

Justiz im Nationalsozialismus im Landgerichtsbezirk Stade : Vorträge und Materialien / Hrsg. von Volker Friedrich Drecktrah und Jürgen Bohmbach, Stade: Stadt Stade, 2004 - 184 S. : Ill. - (Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade / [Hrsg.: Stadt Stade] ; 24)


Stade, im Mai 2011

Dr. Thomas

Bardelle

Information / Notes

Additional information

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet