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Description

Identification (short)

Title 

Doornkaat AG, Norden

Life span 

1838 - 1995

Fonds data

Contents 

Erhalten sind u.a. Protokolle von Sitzungen des Aufsichtsrats, Unterlagen der Geschäftsführung, Geschäftsbücher, Steuer- und Zollangelegenheiten, Grundstückssachen, Produktionsbücher, Revisionsbücher für Dampfkessel, Geschäftsberichte, Bilanzen und eine Fotosammlung. Der Bestand erlaubt einen tieferen Einblick in die Unternehmensgeschichte von Doornkaat von 1838 bis 1995. Weitere Objekte und Unterlagen zu Doornkaat befinden sich im Staatsarchiv Aurich und in der Dauerausstellung des Norder Teemuseums. Die Bestandsakten wurden vom Heimatverein Norderland e.V. in Norden dem Wirtschaftsarchiv Nord-West-Niedersachsen als Depositum übergeben.

History of creator 

Es war um 1804, als der aus Groningen stammende Mennonit Jan ten Doornkaat Koolmann nach Ostfriesland gezogen war, um zwei Jahre später in der Stadt Norden eine Kornbrennerei zu gründen. Mit Unterstützung des Norder Kaufmanns Doede Lübberts Cremer gelang es Doornkaat, sein Unternehmen zu etablieren und sich in den ersten Jahren gegenüber der großen Konkurrenz aus Ostfriesland und den Niederlanden zu behaupten. In den folgenden Jahrzehnten expandierte das Familienunternehmen deutschlandweit und die Marke Doornkaat wurde 1894 in das deutsche Markenregister aufgenommen. Bereits zwölf Jahre zuvor hatte man sich mit der Errichtung einer eigenen Bierbrauerei im Norder Stadtteil Westgaste ein zweites unternehmerisches Standbein geschaffen. Die ansteigende Nachfrage nach Produkten von Doornkaat erforderte in den 1880er Jahren umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen der technischen Einrichtungen und den Bau neuer Fabrikgebäude. Ende 1899 wurde die Firma "Jan ten Doornkaat Koolmann Söhne" in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. In der wirtschaftlich schwierigen Phase nach dem Ersten Weltkrieg konnte das Unternehmen die Belastungen der Hyperinflation 1923 nur mit rigiden Sparmaßnahmen überwinden. Die Brauerei in Westgaste wurde unter der Leitung von Fiepko ten Doornkaat aus dem Gesamtunternehmen ausgegliedert und stillegelegt. Im gleichen Jahr schuf der bekannte Graphiker und Künstler Prof. Ludwig Hohlwein, einer der bekanntesten Werbe-Experten seiner Zeit, das Plakat mit dem "Doornkaat-Kenner", der über 60 Jahre die Werbung des Norder Unternehmens bestimmte. Er gilt bis heute noch als typisches Synonym für die Marke Doornkaat.

In den nächsten Jahrzehnten folgten weitere Diversifikationen in neue Produkte und Tätigkeitsbereiche. Ein eigener Unternehmenszweig importierte und verarbeitete beispielsweise seit den 1930er Jahren Tee, der unter dem Namen "Doka-Tee" die Produktpalette des Unternehmens erweiterte. Dreißig Jahre später begann sich die Doornkaat AG gezielt im Rahmen von Schiffsbeteiligungen bei Partenreedereien einzukaufen. Mit dieser Ausweitung der unternehmerischen Tätigkeiten konnte man das Unternehmen auf eine breitere geschäftliche Basis stellen, was nach 1945 den wirtschaftlichen Erfolg von Doornkaat festigen sollte. Das Ende des Zweiten Weltkrieges markiert für die Doornkaat AG einen Neuanfang. Mit dem Wiederaufbau bahnte sich seit den 1950er Jahren eine rasante ökonomische Entwicklung an, was eine Modernisierung und Erweiterung der Produktionsstätten bei Doornkaat nach sich ziehen musste. Für die Spirituosenfabrik bedeutete diese Zeit einen großen wirtschaftlichen Aufschwung, der unter dem Werbeslogan "Doornkaat - heiß geliebt und kalt getrunken" bis in die 1970er Jahre anhielt. Hiervon konnte auch der nordwestliche Teil Ostfrieslands partizipieren. Doornkaat schuf hunderte Arbeitsplätze, was die Kaufkraft und das Steueraufkommen in und um Norden ansteigen ließ. Das Unternehmen entwickelte sich zu einer der größten Kornbrennereien in Europa.

Seit den späten 1970er Jahren begann langsam der Niedergang des Norder Traditionsunternehmens. Trotz weiterer Modernisierungen im Produktionssektor und einer verstärkten Ausweitung der unternehmerischen Ausrichtung in den Bereich der alkoholfreien Getränkeherstellung, konnte die Gesellschaft unter der Leitung von Gerhard ten Doornkaat den Abwärtstrend nicht stoppen. Doornkaat hatte keine zukunftsweisende Strategie entwickelt, die diesem Trend entgegengewirkt hätte. Es wurden Fehlinvestitionen zum Beispiel in eine Fruchtsaftfabrik durchgeführt. Daneben war ein verändertes Trinkverhalten innerhalb der bundesdeutschen Bevölkerung zu verzeichnen, das den Absatz von Doornkaat-Korngenever mehr und mehr herabsetzte. Die Erhöhung der Branntweinsteuer führte daneben zu einer Verteuerung der alkoholischen Doornkaat-Produkte. 1992 erwarb der Konkurrent Berentzen aus dem Emsland die Aktienmehrheit bei Doornkaat. Das Geschäft mit Spirituosen wurde ausgegliedert und durch den neuen Eigentümer an anderer Stelle weitergeführt. Das Jahr 1994 markierte mit der Liquidation schließlich das Ende der Doornkaat AG.

Custodial history 

Der Bestand wurde von September bis November 2012 von Herrn C. Röben und Herrn H. Czapski, beide Wirtschaftsarchiv Nord-West-Niedersachsen, erschlossen, bewertet, verzeichnet und in die Datenbank eingearbeitet. Ist ein Depositum des Heimatvereins Norderland e.V.

Emden im November 2012, Holger Czapski M.A.

Includes 

Aufsichtsrat, Vorstand/Direktion, Technische Leitung, Rechnungswesen, Löhne/Gehälter, Produktion/Technik, Brennerei, Brauerei, Teehandel und Verarbeitung, Ein- und Verkauf, Lagerhaltung, Verkehr, Produkte, Reklame, Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen, Rechts- und Vertragssachen, Vertretungen, Filialen, Finanzen, Grundstücks- und Gebäudeangelegenheiten, Steuer- und Zollsachen, Unternehmensgeschichte und Jubiläen, Fotosammlung, Produkte/Produktion und Gebäude, Personal

Information / Notes

Additional information 

Abgeschlossen: ja

vollständig verzeichnet