NLA HA Celle Or. 100 Ramelsloh

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Urkunden des Stifts Ramelsloh

Laufzeit 

(842) 1001-1699

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Das Stift Ramelsloh wurde wohl Mitte des 9. Jahrhunderts oder etwas später gegründet. Die frühen Urkunden (842/864) sind Fälschungen aus dem frühen 11. Jahrhundert. Das Stift ist 1529/1540 reformiert und 1863 endgültig aufgehoben worden.

Beschreibung 

Aus dem gedruckten Urkundenbuch von 1981 wurde im Rahmen eines DFG-geförderten Projekts im Jahr 2014 die Edition retrokonvertiert und 2015 mit den bereits vorhandenen Verzeichnungen zusammengeführt. Sofern der Text zu lang für das Titelfeld ist, wird er im Enthält-Feld fortgesetzt. Daruntergesetzt wurden zur Identifizierung der Orts- und Personennamen die Indexbegriffe aus dem Urkundenbuch. Da es zu kleinen Veränderungen bei der Darstellung gekommen ist, ersetzt diese Präsentation nicht die Benutzung des gedruckten Urkundenbuchs, doch sie gibt einen schnellen Überblick über den gesamten Inhalt einer Urkunde und eröffnet umfangreiche neue Recherchemöglichkeiten.

Stand: August 2015

Geschichte des Bestandsbildners 

Die beiden ältesten Urkunden zur Gründung des Stifts Ramelsloh (842/846), die sie Erzbischof Ansgar von Hamburg-Bremen auf Besitz der Adligen (matrona) Ikia zuschreiben, sind Fälschungen aus dem frühen 11. Jahrhundert. Eine Gründung vor 900 ist nicht unwahrscheinlich, der erste urkundliche Beleg stammt jedoch erst von 937. Einer engen Verbindung zu den Bremer Erzbischöfen (als Exklave im Sprengel der Verdener Bischöfe) stand die seit dem 13. Jahrhundert zunehmende Einflussnahme durch die welfischen Landesherrn gegenüber. Die Vogteirechte lagen im 13. Jahrhundert bei den Grafen von Wölpe.

Die Propstei wurde bereits seit 1230 ausschließlich an Bremer Domherren vergeben; der Propst residierte in der Folgezeit in Bremen, sodass die faktische Leitung des Stifts Ramelsloh dem vom Kapitel frei gewählten, vom Erzbischof zu bestätigenden Dekan zukam. Nur ein Teil der insgesamt 13 Kapitelsmitglieder wohnte in Ramelsloh - nur diese erhielten Anteil an den täglich verteilten Renten und Memoriengeldern, die übrigen bezogen lediglich eine Salzrente. Das Stift unterhielt keinen eigenen Wirtschaftshof, sondern Kanoniker und Vikare hatten Kurien um die Stiftsfreiheit und versorgten sich selbst.

Das Kapitel protestierte nach Einführung der Reformation im Jahr 1529 durch Herzog Ernst den Bekenner gegen die Besoldung eines lutherischen Predigers und ließ seine Stiftsurkunden nach Lüneburg bringen. Erst 1540 schloss es einen Vergleich mit dem Landesherrn. Fortan dienten die Stiftspräbenden vor allem zur zusätzlichen Besoldung von landesherrlichen Bediensteten. Die 1612 wieder eingerichtete Stiftsschule erlangte nur lokale Bedeutung. Ein Restitutionsversuch 1629 gelang nicht. Seit 1684 war die Stiftskirche die für den Ort zuständige Pfarrkirche, nachdem bereits seit 1664 der jeweilige Pfarrer dem Kapitel angehörte. Die bereits 1848 angekündigte Auflösung wurde in Ramelsloh zum 1. Mai 1863 vollzogen, als das Stiftsvermögen in den Hannoverschen Klosterfonds einging.

Stand: August 2015

Bestandsgeschichte 

Der Urkundenbestand des Stifts Ramelsloh hat offenbar schon früh erhebliche Verluste erlitten. Zum Zeitpunkt der Einführung der Reformation 1529 waren nur noch rund 140 Urkunden im Stift vorhanden. Landesherr und Stift einigten sich 1540 darauf, dass sie nicht außer Landes gebracht werden durften und Herzog Ernst Abschriften erhalten sollte. Diese sind ebensowenig erhalten wie ein zweites Kopiar für den Stiftsgebrauch. Die Urkunden wurden in einer durch drei Schlösser gesicherten Lade in Lüneburg aufbewahrt, zuletzt in der dortigen Lambertikirche. Nach einer Revision 1584 wurde 1592 ein Urkundenverzeichnis erstellt (NLA HA, Celle Br. 49 Nr. 269); bei einer weiteren Öffnung der Lade 1630 wieß die zu diesem Zeitpunkt gefertigte Liste wegen des weiter verschlechterten Zustands der Urkunden noch größere Lücken auf (NLA HA, Celle Br. 49 Nr. 415). Als sich der Historiker und Handschriftensammler Justus Johann Kelp, der 1712-1720 in Ramelsloh residierte, für die Urkundenlade interessierte, konnte nur noch festgestellt werden, dass die Urkunden bereits Mitte des 17. Jahrhunderts nicht mehr vorhanden waren.

Der kleine erhaltene Bestand ist nach 1863 im Staatsarchiv in Hannover gebildet worden, als man die wenigen vorhandenen Stücke des Stifts aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit den aus anderen Fonds (v.a. dem Bestand Bremen-Verden: Celle Or. 100 Ramelsloh Nr. 1-6, 8-10) herausgezogenen, Ramelsloh betreffenden Urkunden vereinigt hat. Der Bestand trug ursprünglich die Bezeichnung Celle Or. Des. 25. Im Jahr 1956 ist er durch Heinrich Schmidt neu verzeichnet worden, nachdem das ältere Repertorium 1943 ebenso verbrannt ist wie die drei bis dahin erhaltenen Kopiare aus dem 16./17. Jahrhundert (Cop. IX 245-247); von einem ist die Abschrift für Wilhelm von Hodenberg und sein Lüneburger Urkundenbuch erhalten (Dep. 37 S Nr. 205).

Die Urkunden haben verhältnismäßig stark unter der Hochwasserkatastrophe von 1946 gelitten. Die Stücke Celle Or. 100 Ramelsloh Nr. 11 und 12 waren nur mit Hilfe des Repertoriums der Stader Originalurkunden von J.H.D. Möhlmann zu identifizieren. Die fast völlig unlesbare Urkunde Celle Or. 100 Ramelsloh Nr. 15 ist nach Abschriften zu rekonstruieren. Zwei Urkunden konnten nur andeutungsweise erschlossen werden (Celle Or. 100 Ramelsloh Nr. 17 und 18), eine (Celle Or. 100 Ramelsloh Nr. 20) blieb völlig unlesbar.

Die von J.H. Büttner im 18. Jahrhundert hergestellten Abschriften einiger Urkunden, die das Stift Ramelsoh betreffen (Nds. Landesbibliothek GWLB, Msc. XXIII 978), beruhen auf Originalen, die nicht dem Bestand des NLA HA angehören. Die Urkunden Celle Or. 100 Ramelsloh Nr. 7 und 13 fehlen; Nr. 3 ist im Juni 2011 unter unbearbeiteten Urkundenresten wieder aufgefunden worden. Die Urkunden Celle Or. 100 Ramelsloh Nr. 19 und 22 sind am 12. Januar 1955 vom Stadtarchiv Lüneburg an das Hauptstaatsarchiv nach Hannover abgegeben worden (vgl. Tgb.Nr. 116/55) und weitere Urkunden am 9. Dezember 1959 (vgl. StA. 2899/59, Acc. 87/59): Celle Or. 100 Ramelsloh Nr. 21/1, 21/2 und 21/3; die ursprünglich als Nr. 16a vereinnahmte Urkunde betrifft nicht Rohstorf im Landkreis Lüneburg, sondern Rosdorf im Landkreis Göttingen und trägt jetzt die Signatur Cal. Or. 24 Nr. 38/1.

Der Bestand ist im Rahmen eines größeren Erschließungsprojektes in die archivische EDV-Datenbank unter der Fachsoftware izn-AIDA übertragen worden. Dabei konnte auf eine erste Erfassung der Urkunden bis zum Jahr 1500 aufgebaut und diese um die von Dieter Brosius bearbeiteten Regesten des 1981 erschienenen Urkundenbuchs bzw. des maschinenschriftlichen Findmittels von Heinrich Schmidt erweitert werden. Anschließend (2010) wurde diese Fassung leicht überarbeitet und die Besiegelung in knapper Form beschrieben, sodass sich die Anzahl der ursprünglich vorhandenen bzw. noch an der Urkunde befindlichen Siegel und ihre Befestigung ergibt (nicht ausdrücklich genannt ist der Pergamentstreifen bei anhängenden Siegeln als Normalfall) sowie deren Erhaltungszustand (leicht beschädigt, beschädigt oder stark beschädigt). Seit der Retrokonversion des Urkundenbuchs durch das DFG-geförderte Projekt im Jahr 2014 stehen hier nun auch die Urkundentexte zur Verfügung.

Stand: August 2015

Enthält 

Fondsedition:
Urkundenbuch des Stifts Ramelsloh, bearb. von D. Brosius, (Lüneburger Urkundenbuch 12) Hildesheim 1981. (Signatur der Dienstbibliothek des NLA HA: BS VI 58 bzw. Sb 6,12). - Nachgewiesen als: UB Ramelsloh Nr.

Drucke und Regesten aus folgenden Werken sind bei den jeweiligen Urkunden nachgewiesen:

Brem. UB
Bremisches Urkundenbuch, hrsg. von D. R. Ehmck, W. von Bippen, H. Entholt, 6 Bde, Bremen 1873-1940. (Signatur der Dienstbibliothek des NLA HA: T Bremen 1,1 bis T Bremen 1,6).

Curschmann
F. Curschmann, Die älteren Papsturkunden des Erzbistums Hamburg, Hamburg/Leipzig 1909. (Signatur der Dienstbibliothek des NLA HA: Rb 18)

Hamburg. UB
Hamburgisches Urkundenbuch, hrsg. von J. M. Lappenberg u. a., 4 Bde, Hamburg 1842-1967. (Signatur der Dienstbibliothek des NLA HA: Fe 1)

Heimbürger, Ernst der Bekenner
H. Chr. Heimbürger, Ernst der Bekenner, Herzog von Braunschweig und Lüneburg; biographischer Versuch, Celle 1839 (Signatur der Dienstbibliothek des NLA HA: Lc 130)

Jaffé
Ph. Jaffé, Regesta pontificum Romanorum ab condita ecclesia ad annum 1198, 2 Bde, 2. Aufl. von S. Loewenfeld, F. Kaltenbrunner und P. Ewald, Leipzig 1885-1888, Nachdruck Graz 1956. (Signatur der Dienstbibliothek des NLA HA: Am 8,1 und Am 8,2)

May
Regesten der Erzbischöfe von Bremen, Band 1: 787-1306, bearb. von O. H. May, (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hannover, Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Bremen, Bd. 11,1) Hannover 1937. (Signatur der Dienstbibliothek des NLA HA: Rb 28)

Mecklenburg. UB
Mecklenburgisches Urkundenbuch, hrsg. vom Verein für Mecklenburg. Geschichte und Altertumskunde, 25 Bde, Schwerin 1863-1936. (Signatur der Bibliothek des Historischen Vereins im NLA HA: HV 05743)

MGH DD LD
Monumenta Germaniae Historica (MGH), Die Urkunden Ludwigs des Deutschen, bearb. von P. Kehr, Berlin 1932.

Möhlmann, Regesten
Regesten der Erzbischöfe von Bremen, Band 2, Teil 1: 1306-1327, bearb. v. G. Möhlmann, (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen, Bd. 11, 2/1) Hannover 1953. (Signatur der Dienstbibliothek des NLA HA: Rb 28)

Literatur 

D. Brosius, Artikel Ramelsloh, in: Niedersächsiches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäsuer in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810, hrsg. von Josef Dolle, Teil 3 (Veröffentlichungen des Instituts für Historische Landesforschung der Universität Göttingen 56,3). Bielefeld 2012, S. 1271-1278.

D. Brosius, Zur Geschichte des Stifts Ramelsloh im Mittelalter, in: Lüneburger Blätter 25/26 (1982), S. 27-70 mit Tafeln 1-4.

Findmittel 

EDV-Findbuch 2015

Siehe

Korrespondierende Archivalien 

Aktenüberlieferung: im Stadtarchiv Lüneburg beim Archiv des Michaelisklosters in Lüneburg, im NLA HA Celle Br. 49 Nr. 250-330, Hann. 94 Nr. 7733-7790 und Hann. 113 Nr. 13657-13733

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M. 

23 Stücke, Wasserschäden

Bearbeiter 

Dr. Heinrich Schmidt (1956)
Dr. Dieter Brosius (1981)
Hildegard Krösche (2015)

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Ja