NLA BU L 1

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Schaumburger Samtarchiv

Laufzeit 

1300-1767

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Abteilung: Akten staatlicher Provenienz, Alte Grafschaft Schaumburg (bis 1647) und Schaumburg-Lippe (ab 1647), Zentrale Behörden.
Inhalt: Älteste Aktenüberlieferung zum Herrschaftbereich der Grafen zu Holstein-Schaumburg, in dichterer Folge ab ca. 1500 bis zur Teilung der Grafschaft 1647. Ein Teil der einschlägigen Akten sind 1907 dem Hausarchiv zugeordnet worden (Bestand F 3).
Umfang: 67,39 m.
Erschließung: Findbuch, EDV.

Bestandsgeschichte 

Um das Jahr 1110 übertrug Herzog Lothar von Süpplingenburg dem auf der Schaumburg bei Rinteln im Wesertal sitzenden Geschlecht die Grafschaft Holstein. Seitdem nannte sich die Familie "Grafen zu Holstein-Schaumburg". Nachdem in der Mitte des 15. Jahrhunderts der Großteil der holsteinischen Besitzungen an Dänemark gefallen war, verblieb lediglich die Herrschaft Pinneberg in schaumburgischem Besitz. Ihr Stammterritorium an der Weser hatten die Grafen seit dem 13. Jahrhundert durch Rodungskolonisation und Städtegründungen (Stadthagen, Rinteln, Oldendorf) beträchtlich erweitert und nach innen ausgebaut. Kleinere Besitzungen in Westfalen (Herrschaft Gemen, Herrschaft Krudenburg/Schlangenholl) und Holland (Herrschaft Bergen) wurden hinzuerworben, die Pfandbesitzungen Grafschaft Sternberg und Vest Recklinghausen gingen dagegen wieder an die Edelherren zur Lippe bzw. den Kurfürsten von Köln verloren.
Nach einer politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Blüte unter Fürst Ernst (regierte 1601-1622) starb das Geschlecht 1640 mit Graf Otto V. in männlicher Linie aus. Sein Erbe wurde nach jahrelangen Auseinandersetzungen vielfach geteilt: Gemen fiel an die Grafen zu Limburg-Styrum, Pinneberg an Dänemark, Bergen wurde verkauft und die Stammgrafschaft teilten sich 1647 die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, die Landgrafen von Hessen-Kassel und eine Nebenlinie der Grafen zur Lippe, die sich seitdem Grafen zu Schaumburg-Lippe nannte. Das von diesen beherrschte gleichnamige Territorium mit der Haupt- und Residenzstadt Bückeburg - im wesentlichen der westliche Teil der alten Grafschaft Schaumburg - konnte seine staatliche Selbständigkeit bis zur Gründung des Landes Niedersachsen bewahren.
Der Bestand Schaumburger Samtarchiv (L 1) umfaßt die älteste Aktenüberlieferung zum Herrschaftsbereich der Grafen zu Holstein-Schaumburg. In nennenswertem Umfang setzt die Überlieferung etwa mit

dem Jahre 1500 ein, die Laufzeit des Bestandes endet im wesentlichen mit der Teilung der Grafschaft 1647. Das in Bückeburg untergebrachte Samtarchiv blieb gemeinsames Eigentum der Grafen zu Schaumburg-Lippe und der Landgrafen von Hessen-Kassel, die Verwaltung lag bis ins 19. Jahrhundert mehr schlecht als recht bei je einem schaumburg-lippischen und einem hessischen Archivar. Nach beträchtlichen Schäden und Verlusten durch mehrmalige Umzüge, Feuchtigkeit und Moder wurde das Archiv 1873 zwischen Schaumburg-Lippe und Preußen als Rechtsnachfolger Hessens aufgeteilt, wobei die die ehemals hessischen Gebiete betreffenden Archivalien ins preußische Staatsarchiv in Marburg überführt wurden, während die schaumburg-lippischen Betreffe in Bückeburg verblieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Bestand im Staatsarchiv Hannover wieder zusammengeführt und nach der Gründung des niedersächsischen Staatsarchivs in Bückeburg (1961) nach dort abgegeben. Die seit 1647 aus dem Samtarchiv in das fürstliche
Hausarchiv und damit 1907 in das Eigentum des Fürsten zu Schaumburg-Lippe gelangten Unterlagen sind im Bestand F 3 zusammengefaßt (vgl. das Vorwort des entsprechenden Findbuches). Zur allgemeinen Geschichte der Grafschaft Schaumburg sowie speziell zur schaumburgischen Behördengeschichte und zur Geschichte des Samtarchivs wird auf die unten angegebene Literatur verwiesen.
Für die Neuordnung des Samtarchivs waren zwei Vorgänge von grundlegender Bedeutung: zum einen die Ordnung des Bestandes durch Knochenhauer und Burchard in Bückeburg (abgeschlossen 1870) und darauf aufbauend die teilweise Verzeichnung durch Engel in Hannover seit Anfang der 50er Jahre. Die Arbeit von Knochenhauer stellte zum einen durch erste restauratorische Maßnahmen den Erhalt des Schriftgutes sicher und schuf zum anderen jene künstliche, nicht den historischen Registraturverhältnissen entsprechende Struktur, die

auch noch dem heutigen Aufbau des Bestandes zugrunde liegt. Engel fügte einerseits das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts neu aufgefundene Schriftgut in den Bestand ein und löste andererseits nahezu durchgehend die teilweise recht summarischen Verzeichnungseinheiten Knochenhauers zugunsten einer weitgehenden Einzelblattverzeichnung auf. So erwünscht eine derart tiefe Erschließung im Interesse der Benutzer sein mag, so problematisch ist es, wenn dadurch häufig eindeutig zu einem Vorgang gehörende Schriftstücke willkürlich auseinandergerissen und der Bestand beträchtlich aufgebläht wurde. Die Signaturvergabe Engels orientierte sich an der von Knochenhauer geschaffenen Struktur und bestand aus römischen Zahlen, Groß-, und Kleinbuchstaben sowie einer arabischen Zahl. Knapp die Hälfte des Bestandes, vor allem die Abteilungen "Auswärtige Lehnsverhältnisse und Aufteilung der Grafschaft", "Auswärtige Beziehungen", "Gräfliches Haus", "Militaria und Kriegssachen" und (teilweise) "Landstände" wurden von Engel nicht verzeichnet.
Bei der im Jahre 1989 vom Unterzeichneten begonnenen Neuverzeichnung wurde die vorhandene Struktur im wesentlichen beibehalten. Da eine eindeutige inhaltliche Abgrenzung nicht möglich war, wurde allerdings die alte Abteilung "Auswärtige Lehnsverhältnisse und Aufteilung der Grafschaft" in die Abteilung "Auswärtige Beziehungen" integriert und aus sachlogischen Gründen die Abteilung "Judensachen" in die Abteilung "Verschiedene Zweige der Landesverwaltung" eingeordnet bzw. die Abteilung "Ortschaften" hinter die Ämterabteilung gestellt. Sämtliche schon vorhandenen Aktentitel samt Laufzeit wurden überprüft und in erheblichem Maße umformuliert, korrigiert oder ergänzt. Soweit aufgrund von Aktentitel und Laufzeit erkennbar, wurde versucht, zu einem Vorgang gehörende Unterlagen wieder zusammenzuführen, in Zweifelsfällen blieb die Einzelblattverzeichnung jedoch

erhalten. Die umständlichen alten Signaturen wurden durch laufende Nummern ersetzt, ihre Benutzbarkeit wird durch eine Konkordanz sichergestellt. In den Indices werden die Mitglieder landesherrlicher Familien unter dem Namen ihres Territoriums ausgeworfen, Bischöfe und Äbte tauchen unter dem Namen ihres Bistums/Klosters im geographischen und im
Personenindex auf. In geringem Umfang wurden Akten, deren Laufzeit deutlich über 1650 hinausreichte, in die Bestände L 2 und L 3 eingeordnet, die als fürstliches Eigentum gekennzeichneten Unterlagen (Zusatz "F" zu den alten Signaturen) wurden in den Bestand F 3 überführt.
Wichtigste Parallelüberlieferungen im Staatsarchiv Bückeburg sind die Bestände Orig. 1 (Schaumburger Samtarchiv -
Urkunden) und F 3 (Fürstliches Hausarchiv); in letzterem finden sich unter anderem zahlreiche Unterlagen zu den auswärtigen Besitzungen. Seit den 50er Jahren waren außerdem Teile der die Klöster Fischbeck, Möllenbeck, Rinteln und Egestorf betreffenden Archivalien künstlich aus dem Samtarchiv herausgelöst und als selbständige Bestände aufgestellt worden (heutige Bestandssignaturen H 175a-e). Auf eine Wiedereingliederung wurde der Einfachheit halber verzichtet.

Literatur:
GÜNTHER SCHMIDT, Die alte Grafschaft Schaumburg. Grundlegung der historischen Geographie des Staates Schaumburg-Lippe und des Kreises Grafschaft Rinteln (sic!) (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hannover, Oldenburg, Braunschweig, Schaumburg-Lippe und Bremen, Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas für Niedersachsen 5), Göttingen 1920.
FRANZ ENGEL, Die Schaumburg-Lippischen Archive und zentralen Registraturen. Ihre Geschichte und ihr Inhalt
(Veröffentlichungen der niedersächsischen Archivverwaltung 4), Göttingen 1955.

Bückeburg, Januar 1997 Dr.

Böhme

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

abgeschlossen

Abgeschlossen: Ja