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Description

Identification (short)

Title 

Westphälische Zentralbehörden betreffend das Herzogtum Braunschweig

Life span 

1734-1817

Fonds data

History of creator 

Der am 30. Oktober 1806 in Berlin im 23. Bulletin verkündete Vollzug der Inbesitznahme des Herzogtums Braunschweig-Wolfenbüttel durch das Kaiserreich Frankreich begann bereits am 26. Oktober mit der militärischen Besetzung der Stadt Braunschweig und der am 28. Oktober landesweit angeordneten Abschaffung des Bestandteiles "Fürstlich" in den Behördenbezeichnungen. (Vgl. PUHLE, S. 24-25.) Das Königreich Westphalen entstand erst im darauffolgenden Jahr: praktisch mit der Einsetzung einer Zentralregierung für die besetzten Territo-
rien am 1. September 1807 in Kassel, juristisch dann mit der Veröffentlichung der Verfassung vom 15. November 1807 im Gesetz-Bulletin am 7. Dezember 1807. (Vgl. PUHLE, S. 28 und KOHL, S. 13.) Es existierte kaum sechs Jahre: Am 6. November 1813 kehrten braunschweigische Truppen in die Residenzstadt Braunschweig zurück, offiziell wiederhergestellt wurde das Herzogtum durch die Proklamation am 13. November 1813.

Die Verwaltungsstruktur dieses ersten, mit einer geschriebenen Verfassung ausgestatteten Staates auf deutschem Boden, die mit dem Dekret vom 11. Januar 1808 eingeführt wurde, löste sich bewußt von den Traditionen der im Königreich Westphalen aufgegangenen früheren Länder und zeichnete stattdessen die hierarchische Gliederung der Verwaltung im Kaiserreich Frankreich nach. Dabei nahm die Einteilung des Staatsgebietes in Departements keine Rücksicht auf frühere Landesgrenzen; die acht Departements waren untergliedert in Distrikte, diese in Kantone und diese in Munizipalitäten. Als Zentralbehörden bestanden in Kassel zunächst vier, ab Dezember 1808 dann fünf Ministerien:

1/2) für Justiz und Inneres (ab Dezember 1808 getrennt),
3) für den Krieg,
4) für die Finanzen, den Handel u. den öffentlichen Schatz
5) für das Staatssekretariat (ab Oktober 1808 zusätzlich für die auswärtigen Angelegenheiten).

Stand: August 1995

Custodial history 

Die am Sitz dieser Zentralbehörden in Kassel geführten Akten wurden nach der Auflösung des Königreichs Westphalen auf die Nachfolgestaaten aufgeteilt, soweit dies möglich war. Der recht große "unaufteilbare Rest" gelangte in das Preußische Geheime Staatsarchiv, wurde von dort während des Zweiten Weltkrieges ausgelagert und ab 1948 in das Deutsche Zentralarchiv, Historische Abteilung II, nach Merseburg überführt. (Vgl. MINERVA-HANDBUCH , Bd. 1, S. 642.) Von dort wurden die Akten 1994 nach Berlin-Dahlem in das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz zurückverbracht.

Das Herzogtum Braunschweig erhielt auf diese Weise Akten, insbesondere aus den Departementsverwaltungen und den ihnen nachgeordneten Unterbehörden, die deutlich über die Landesgrenzen hinausgreifen. Die im vorliegenden Bestand 1 W vereinigten Akten entstanden (soweit dies aus den Altrepertoien hervorgeht) bei den Zentralbehörden; eindeutig in der Direktion der Domänen im Okerdepartement geführte Akten (alte Archivsignaturen: 1 W Nr. 556 - Nr. 600) wurden im Zuge der archivischen Bearbeitung des Bestandes 15 W - Domänenverwaltung - provenienzgerecht in diesen eingeordnet.

Im Bestand 1 W sind Akten der obersten Verwaltungsebene des Königreichs Westphalen aus folgenden Registraturen enthalten:

Ministerium der Finanzen
- Generaldirektion der direkten Steuern
- Generaldirektion des öffentlichen Schatzes (1808 - 1811)
= Intendanz des Staatsschatzes (ab 21.November 1811)
- Generaldirektion der Forsten und Jagden bzw. Gewässer
(ab 29. März 1810 von der Domänendirektion getrennt)
- Generaldirektion der Domänen bzw. Intendantur des Königlichen Hauses (= der Krondomänen)
- Generalbevollmächtigte Kaiserlicher Donataire Ministerium des Innern
- Kultus

Appellationsgerichtshof


Zum vorliegenden Bestand:

Die Akten waren bisher benutzbar durch zwei Behördenrepertorien und zwei Findkarteien:

- 1 W Fb. 1 (jetzt: 36 Alt 606) enthielt Forstsachen (Archivsignaturen 1 W 616-792, 803-911), die bereits 1815 von der preußischen Regierung an die braunschweigische Verwalung übergeben worden waren;
- 1 W Fb. 2 (jetzt: 36 Alt 607) umfaßte die ganze Bandbreite der übrigen Verwaltungszweige (Archivsignaturen: 1 W 191- 555, 601-615, 793-802, 916, 947). Diese Akten gehörten wohl zu einer größeren Aktenablieferung, die bereits vor 1815 von Kassel an die braunschweigische Geheime Kanzlei übersandt worden war und aus der nur ein Teil im August 1815 an die Herzogliche Kammer (das "Cammer-Archiv") weitergeleitet wurde (= S. 1-141 im Altrepertorium 1 W Fb. 2 / 36 Alt 607). Aus diesem Bestand wurden dann "die mit 'A' bezeichneten Akten ... im Jahre 1865 von Herzogl. Cammer, Direction der Domainen, an das Herzogl. Landeshauptarchiv abgegeben" (36 Alt 607, Vermerk auf dem Einband) --- nur ein geringer Anteil des ursprünglichen Umfanges. Die seinerzeit nicht nach Wolfenbüttel verbrachten Akten wurden möglicherweise in der Kammer weitergeführt und gelangten später mit anderen Ablieferungen in die Staatsarchivabt. "Neu". Einzelne Akten, die im Verzeichnis von 1815 enthalten sind, konnten aus bislang unverzeichneten Beständen der Archivabteilung W ermittelt und hier eingeordnet werden (z.B. 1 W 917-920).

Das Altrepertorium 1 W Fb. 2 enthält noch Nachträge (S. 142- 148, 1 W 601-615, 921) in der Hand früherer Archivare des Landeshauptarchivs, d.h. es handelt sich um Abgaben aus der Zeit nach 1865. Die Akten der Direktion der Domänen im Okerdepartement (1 W 556-600) wurden, wie bereits bemerkt, in den Bestand 15 W überführt.

Eine ältere Findkartei von Dr. Pitz erschließt diejenigen Akten (jetzt 1 W 108-190), die bei der archivischen Bearbeitung des Bestandes 71 Alt (Finanzkollegium, 1808 aufgehoben) für den Bestand 1 W herausgezogen worden waren. Die neuere Findkartei (1 W 1-107, Personalfragebögen) erwuchs im Rahmen eines Studentenpraktikums im Jahr 1991. Rund 30 Akten (1 W 912-915, 922-947) schließlich wurden in verschiedenen anderen Archivbeständen ermittelt, hier zugewiesen und im Jahr 1995 verzeichnet.

Die in den beiden Altrepertorien für einige Aktengruppen angeführten westphälischen Registraturen, aus denen sie abgegeben wurden, wurden als Hinweise auf die Provenienz in die Titelaufnahmen (im Feld "Alte Registratursignatur") einbezogen und erscheinen in der Konkordanz: Wenn Akten einer bestimmten Behörde gesucht werden, können sie so ermittelt werden. Die aus Platzgründen dabei verwendeten Abkürzungen haben folgende Bedeutung:

- App.Ger. = Appellationsgerichtshof
- Gen.Kasse BS = Generalkasse in Braunschweig
- GBev.ksl.Don. = Generalbevollmächtigte Kaiserlicher Donataire (d.i. Verwalter von Domänen, deren Einkünfte an Günstlinge Napoleons verliehen waren, die aber von Frankreich aus die Verwaltung nicht selbst vornahmen, vgl. hierzu BERDING 1973)
- GD oeff.Schatz = Generaldirektion des öffentlichen Schatzes (1808 - 1811, s.o.)
- GD Dom. = Generaldirektion der Domänen (s.o.) bzw. Intendantur des Königlichen Hauses (d.i. der Krondomänen)
- GInsp.Krondom. = Generalinspektion der Krondomänen
- GInt.St.Schatz = Generalintendanz des Staatsschatzes
- Int.St.Schatz = Intendanz des Staatsschatzes (ab 1811)
- Min.Fin. = Ministerium der Finanzen (unspezifiziert)
- Min.Inn. = Ministerium des Innern
- Min.Inn.Pers. = Ministerium des Innern, Personalia
- Min.Inn/Jus. = Ministerium des Innern bzw. der Justiz (Sammelakte)
- Min.Krieg = Kriegsministerium

Die Akten der Generaldirektion der Forsten und Jagden sind geschlossen in der Klassifikationsgruppe 17 zu finden und wurden deshalb nicht noch einmal für die Konkordanz ausgeworfen. Desgleichen sind Akten einheitlicher Provenienz, die in der Bezeichnung einzelner Klassifikationsgruppen ausdrücklich genannt werden, nicht noch einmal in der Konkordanz zu suchen (z.B. Akten der Generalintendanz des Staatsschatzes in Gruppe 10.1.2. oder des Generaldirektors der Staatsschuldenkasse in Gruppe 10.1.3. und 10.2.1.2. etc.).

Die Akten 1 W 271-496 allerdings entstammen "den Registraturen des Ministeriums des Innern, der Finanzen und des Cultus sowie der Intendantur des Königl. Hauses (der Krondomänen) in bunter Reihenfolge", wie der diese Abblieferung übernehmende Archivar des 19. Jahrhunderts frustriert vermerkte (36 Alt 607, S. 49): Die fachlich wünschenswerte Ermittlung der Provenienzen wie auch für einen großen Teil der Akten der Laufzeiten ist derzeit aus Personalmangel leider nicht möglich.

Die im Jahr 1994 erstellte sachbezogene Gliederung des umfangreichen Bestandes erfuhr im Zuge der weiteren Bearbeitung nur einige geringfügige Veränderungen.

Stand: August 1995

Includes 

u.a. Departemental-, Municipal- u. Distriktualverwaltung; Personalsachen; Kirchen-, Schul- u. Domänensachen; Stifte u. Klöster, Rechnungs-, Kassen- u. Steuerwesen; Bausachen; Forst, Jagd, Fischerei; Stiftungen, Stipendien, Armenversorgung, Erbschaften

Literature 

ALMANACH Royal de Westphalie (auf die Jahre 1810-1813). (H 316)

AUGUSTIN, Christian Friedrich Bernhard: Statistische Uebersicht des Königreichs Westphalen, 1808. (Q 36)

BERDING, Helmut: Napoleonische Herrschafts- und Gesellschaftspolitik im Königreich Westfalen 1807-1813. (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, Bd. 7). Göttingen 1973. (Zg. 332/74; betr. v.a. die Dotationsdomänen)

BERDING, Helmut: Das Königreich Westfalen als Modellstaat, in: Lippische Mitteilungen, 54. Band 1985, S. 181-193. (Zf 48)

BRAUNSCHWEIGISCHES ADRESSBUCH (für die Jahre 1812-1813). (H 270)

(BRIEGLEB, Friedrich Ludwig:) Versuch einer geographischen Darstellung des neuen Königreiches Westphalen nach seiner speciellen Eintheilung für Freunde der Länderkunde, 1809. (Q 43)

Supplement du Nr. 4. du BULLETIN des lois du Royaume de Westphalie. Tableau des Departements, des Districts, Cantons et Communes du Royaume. (Q 29)

GOECKE, Rudolf und Theodor ILGEN: Das Königreich Westphalen. Sieben Jahre französischer Fremdherrschaft im Herzen Deutschlands 1807 - 1813. Düsseldorf 1888. (M 3654)

HAASE, Carl: Politische Säuberungen in Niedersachsen 1813-1815, 1983 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen Bd. XXXV; Quellen und Untersuchungen zur allgemeinen Geschichte Niedersachsens in der Neuzeit Bd. 5) (Zg. 385/75:5).

HANDBUCH über das Königreich Westphalen zur Belehrung über Land und Einwohner, Verfassung, Verwaltung und äußere Verhältnisse des Staates überhaupt und seine einzelne Theile insonderheit, nebst einem Verzeichnisse der vornehmsten Hof- und Staats-Beamten, 1808. (Q 41)

HASSEL, Georg: Geographisch-statistischer Abriß des Königreichs Westphalen, 1809. (Q 44)

HASSEL, Georg: Statistisches Repertorium über das Königreich Westphalen. Braunschweig 1813. (Q 48)

HOF- UND STAATSHANDBUCH d.Königr.Westphalen (1811) (H 318)

Königl.Westph. HOF- UND STAATSKALENDER (1812-1813). (H 319)

KLEINSCHMIDT, Arthur: Geschichte des Königreichs Westfalen. Gotha 1893. (M 3668)

KOHL, Willi: Die Verwaltung der östlichen Departements des Königreichs Westphalen 1807-1814, 1937 (= Historische Studien Heft 323) (M 3591).

PUHLE, Dorothea: Das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel im Königreich Westphalen, 1989 (= Beihefte zum Braunschweigischen Jahrbuch Bd. 5) (Lesesaal VIII 3).

SCHWARTING, C. Albert: Verwaltungsorganisation Norddeutschlands während der französischen Besatzungszeit 1811-1813, in: Wirtschaftswiss.Ges. zum Studium Nds. e.V. (M 3590).

THIMME, Friedrich: Die inneren Zustände des Kurfürstentums Hannover unter der Französisch-Westfälischen Herrschaft, 2 Bde, 1893/95 (N 651).

WEIDEMANN, Johannes: Neubau eines Staates. Staats- und verwaltungsrechtliche Untersuchung des Königreichs Westphalen. Leipzig 1936. (M 3694 a)

ZIMMERMANN, Paul, Braunschweig in den Jahren 1806 bis 1815. Erstes Heft mit umfangreicher Bibliographie (M 3140)

in Klammern: Signaturen der Dienstbibliothek des Standortes Wolfenbüttel

Further information (fonds)

Size in m 

14,2

Person in charge 

Dr. Ulrike Strauß (1995)

Information / Notes

Additional information 

teilweise verzeichnet

Abgeschlossen: Nein