NLA WO 1 Alt 21

  • Show associated objects
  • Print
  • Create link
  • Send
  • Improve

Description

Identification (short)

Title 

Okkupation der Herzogtümer Bremen und Verden

Life span 

1675-1676

Fonds data

Short description 

Umfang: 4,9 lfdm - Zeit: 1672 - 1753
Verzeichnung: Fb. Wäterling 1785, Ehlers 1860

Inhalt: Okkupation der Hzgtmer Bremen u. Verden (darin u.a. Eroberung der Festung Stade, Kriegsoperationen im Stiftsgebiet Bremen, Liste der Wolfenbütteler Truppen, Kontributionen u. Kammergefälle im Hzgtm Bremen, Konferenzprotokolle, Stadesche Regierungs- u. Kammersachen, Nachrichten betr. Amt Thedinghausen) 1675-1753 (110); Okkupation des Hzgtms Sachsen-Lauenburg (darin u.a. Interims-Regierung in Ratzeburg, Ratzeburger Festungsbau, Zoll zu Lauenburg, einzelne Lauenburgische Kammersachen) 1672-1706 (78).

Custodial history 

Die in diesem Bestand im Umfang von 4,9 lfd Metern enthaltenen und durch den Unterzeichnenden nacherschlossenen Akten entstammen überwiegend dem letzten Quartal des 17. Jahrhunderts und zum geringen Teil der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die vielfach in Abschriften überlieferten Akten haben ihren Ursprung überwiegend in den fürstlichen Verwaltungen des Hauses Braunschweig-Lüneburg in Celle, Hannover und Wolfenbüttel. Alle drei genannten Regierungen waren wenn auch in unterschiedlichem Umfang an den Besetzungen der Herzogtümer Bremen und Verden und Sachsen-Lauenburg beteiligt.

Die unter schwedischer Herrschaft stehenden Herzogtümer Bremen und Verden wurden bis Anfang 1676 im Zuge des 1675 gegen Schweden als Verbündeten Frankreichs erklärten Reichskriegs durch braunschweig-lüneburgische, münstersche, dänische und brandenburgische Truppen besetzt. Die Festung Stade musste Schweden im August 1676 übergeben. Letztlich blieb Schweden jedoch auf massiven Druck Frankreichs weitgehend im Besitz der beiden Herzogtümer. Im Frieden von Celle vom 5. Februar 1679 (142 Urk Nr. 233) zwischen Frankreich, Schweden und den Welfenfürsten erhielten Letztere nur das Amt Thedinghausen und die Vogtei Dörverden sowie einige Dörfer zwischen Aller und Weser südlich der Stadt Verden, das Marschkirchspiel genannt. Weser und Aller bildeten fortan die Südgrenze der Herzogtümer Bremen und Verden (vgl. Müller, Thedinghausen, 1928, S. 104). Im Laufe des Jahres 1680 zog sich die braunschweig-lüneburgische Verwaltung aus den beiden Herzogtümern wieder zurück. Der zwischen den Welfenfürsten am 12. November 1681 in Celle vereinbarte Hauptteilungsrezess über die im Frieden von Celle zugesprochenen Gebietsteile befindet sich als Abschrift in 4 Hs Nr. 28 Bd. 7, Bl. 32-58 (vgl. Müller, Thedinghausen 1928, S. 106 ff). Der westliche Teil des Amtes Thedinghausen mit dem gleichnamigen Ort fiel an das

Fürstentum Wolfenbüttel und verblieb als 120 km entfernte Exklave beim Verwaltungsbezirk Braunschweig bis 1972.

Im Herbst 1689 starb ohne Lehnserben Herzog Julius Franz zu Sachsen-Lauenburg. Das Haus Braunschweig-Lüneburg unter Führung des Herzogs Georg Wilhelm in Celle besetzte umgehend das Herzogtum Sachsen-Lauenburg und konnte sich ungeachtet aller langwierigen diplomatischen und militärischen Verwicklungen (vgl. detaillierte Darstellung bei Schnath) in dessen Besitz (mit Ausnahme des Landes Hadeln) behaupten. Den Herzögen Rudolf August und Anton Ulrich zu Braunschweig-Lüneburg war das Miteigentum an Sachsen-Lauenburg von Celle und Hannover zwar offiziell nicht streitig gemacht worden, doch wurde Wolfenbüttel mehrfach nur unzureichend über die diplomatischen Vorgänge um Sachsen-Lauenburg informiert, was vor dem Hintergrund des für Wolfenbüttel strittigen Erwerbs der neunten Kurwürde durch Hannover zu weiteren Irritationen und Spannungen führte. Herzog Anton Ulrich hat erst 1706 auf seinen Anteil gegen territoriale Entschädigungen verzichtet (vgl. 1 Alt 21 Nr. 187)

Das bisherige Findbuch soll um 1785 durch den Archivar Friedrich Christoph Wäterling und um 1860 durch Archivregistrator Wilhelm Ehlers erstellt worden sein. Im Altfindbuch finden sich folgende Aktentitel, die heute im Bestand nicht mehr nachweisbar sind:

Zwischen 1 Alt 21 Nr. 163 und Nr. 164: "Des gewesenen Sachsen-L[auenburgischen] Cammerdieners Klugen processSache zu Ratzeburg und den von demselben gesuchten Salvum conductum betr. A[nno] 1690."
Zwischen 1 Alt 21 Nr. 167 und Nr. 168: "Der Stadt Lauenburg wider das Amt daselbst wegen des brauens geführte Beschwerde betr. A[nno] 1693."
Zwischen 1 Alt 21 Nr. 183 und Nr. 184: "Criminalia Saxo Lauenburgica A[nno] 1694-1705."

Die heutigen Aktensignaturen wurden durch Archivdirektor Dr. Hermann Kleinau vergeben und sind nach einem Vermerk

auf dem Umschlag des Altfindbuchs seit Anfang 1963 gültig. Die Titelaufnahmen für die Akten Nr. 110/1, 187-189 entstammen ursprünglich einem Zettelverzeichnis im Findbuchraum (Vermerke von Dr. Hans-Heinrich Ebeling, Dezember 1980, und Archivrätin Dr. Ulrike Strauß, Juni 1992).
Durch die nachträglich eingefügten Akten Nr. 188 und 189 wurde in der Gliederung ein neuer, dritter Hauptabschnitt (03.) eingerichtet: "Stift Corvey und das Fürstentum Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel".

Im Rahmen der Nacherschließung mussten verkürzte Aktentitel des Altfindbuchs aufgrund geringer Aussagekraft vielfach neu gebildet oder ergänzt werden. Die Eingabe der Titel in AIDA erfolgte durch den Unterzeichnenden in den Monaten September und Oktober 2013.

Ergänzende Archivbestände:

1 Alt 5, Kap. 08, Erzstift Bremen und Hochstift Verden
1 Alt 5, Nr. 693-696, Erbverbrüderung Braunschweig und Sachsen-Lauenburg
1 Alt 8, Acta publica Herzog Heinrichs d. J.
1 Alt 19, Verhandlungen und Beziehungen zwischen den einzelnen Linien des Hauses Braunschweig-Lüneburg

Literatur:

Theodor Müller, Das Amt Thedinghausen. Seine Geschichte und seine Entwicklung. Thedinghausen 1928 (DiBi Q 3598a)

Matthias Nistahl, Bearb., Findbuch zum Bestand 30 Stader Akten der braunschweig-lüneburgischen Besetzung (1675-1680) (= Veröffentlichungen der Niedersächsischen Archivverwaltung. Inventare und kleinere Schriften des Staatsarchivs in Stade Heft 4), Stade 1991 (DiBi Ad 161: Inv. 6,4); mit sehr ausführlichem Geschichtlichen Überblick zur Okkupation der Herzogtümer Bremen und Verden und ausführlichen Literaturhinweisen.

Matthias Nistahl, Bearb., Findbuch zum Bestand 5 Celler Akten der braunschweig-lüneburgischen Besetzung (1675-1680) (= Veröffentlichungen der Niedersächsischen Archivverwaltung. Inventare und kleinere Schriften des Staatsarchivs in Stade Heft 3), Stade 1987 (DiBi Ad 161: Inv.

6,3).

Gerd van den Heuvel, Niedersachsen im 17. Jahrhundert (1618-1714), in: Geschichte Niedersachsens. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen XXXVI) Bd. 3 Teil 1: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft von der Reformation bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, hrsg. von Christine van den Heuvel und Manfred von Boetticher, Hannover 1998, S. 117-218, S. 142-145 Hochstifte (Herzogtümer) Bremen und Verden (DiBi VII 10b)

Georg Schnath, Geschichte Hannovers im Zeitalter der neunten Kur und der englischen Sukzession 1674-1714. Band 1: 1674-1692, Hildesheim und Leipzig, 1938, S. 447-457; Band 2: 1693-1698, Hildesheim 1976, S. 35-65, S. 433-482 (DiBi L 207a)



Wolfenbüttel, Oktober 2013 (Dr. Norman-Mathias Pingel)

Information / Notes

Additional information 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet