NLA AU Rep. 220/80

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Nachlass Prof. Adolf Jensen

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Der Bestand enthält den Nachlass von Prof. Adolf Jensen, 1878-1965, einem bedeutenden Reformpädagogen. Er war von 1929 bis 1933 außerordentlicher Professor für Methodik und Didaktik an die Technische Hochschule Braunschweig, von 1947-1951 Mitglied des Niedesächsischen Landtages für die SPD, Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse

Geschichte des Bestandsbildners 

Prof. Adolf Jensen, geb. 23.01.1878 in Landwehr bei Kiel, gest. 06.02.1965 in Aurich, war ein bedeutender Reformpädagoge. Nachdem er zunächst von 1899 bis 1902 als Leher tätig war und nebenbei Ferienkurse an der Universität Kiel gegeben hatte, trat er 1904 in den Hamburgischen Volksschuldienst ein. 1920 ging Jensen als Lehrer an die Rütlischule in Berlin-Neukölln, der er später als Rektor vorstand. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Schule zu einer "Lebensgemeinschaftsschule". Im September 1929 wurde er ohne die übliche akademische Vorbildung und Habilitation zum außerordentlichen Professor für Methodik und Didaktik an die Technischen Hochschule Braunschweig berufen.
Als langjähriges Mitglied der Sozialdemokraten und als Reformpädagoge war er von Beginn seiner Tätigkeit in Braunschweig an umstritten und wurde1932 vom dortigen Volksbildungsminister Dietrich Klagges auf Grund des § 126 des Braunschweigischen Staatsbeamtengesetzes in den Ruhestand versetzt. Jensens endgültige Entlassung erfolgte zum 1. Okotber 1933. Da er weniger als 10 Jahre Beamter war, hatte er keinen Anspruch auf ein Ruhegehalt und erhielt aus Härtefallgründen ein kleines wiederrufliche Ruhegehalt.

Er ließ sich in Berlin nieder, fand dort jedoch keine Erwerbstätigkeit. Nach 1940 stellte Jensen sich der Wehrmacht für die Betreuung der Besatzungstruppen in den Niederlanden zur Verfügung. 1943 wurde er nach einer Denunziation wegen defätistischer Umtriebe entlassen und für 3 Wochen unter Hausarrest gestellt. Aus Angst vor einer Verhaftung durch die Gestapo versteckte er sich bis Kriegsende bei seiner Schwester in der Nähe von Aurich.
1946 wurde Jensen rehabilitiert und in die Rechte eines entpflichteten außerordentlichen Professors mit entsprechenden Bezügen eingesetzt. Doch er kehrte nicht nach Braunschweig zurück.
Stattdessen richtete er 1950 eine kleine Privatschule bei Aurich ein.
Von 1947 bis 1951 war er zudem Mitglied des Niedersächsischen Landtages für die SPD (Wahlkreis 93 - Emden). 1958 wurde er zum Stadtrat von Aurich gewählt.

Bestandsgeschichte 

Der Bestand wurde in zwei Akzessionen (2014/33 und 2015/13) von Albert Gröneveld, Aurich, dem Archiv übergeben. Es handelt sich bei diesem Bestand allem Anschein nach um einen Teilchnachlass. Der Hauptteil des Nachlasses wurde 1990 von Jensens Erbin Hedwig Orth an das Bezirksamt Neukölln von Berlin, Abteilung Volksbildung, Otto-Suhr-Volkshochschule abgegeben.

Literatur 

Wettern, Michael/ Weßelhöft, Daniel: Opfer nationalsozialistischer Verfolgung an der Technischen Hochschule Braunschweig 1930-1945, Hildesheim-Zürich-New York 2010
Simon, Barbara: Abgeordnete in Niedersachsen 1946–1994: Biographisches Handbuch, Hannover 1996, S. 183
Anikó Szabó: Vertreibung, Rückkehr, Wiedergutmachung: Göttinger Hochschullehrer im Schatten des Nationalsozialismus, mit einer biographischen Dokumentation der entlassenen und verfolgten Hochschullehrer: Universität Göttingen – TH Braunschweig – TH Hannover – Tierärztliche Hochschule Hannover, Göttingen, 2000, S. 586f
Jensen, Adolf: Der Weg zum eigenen Stil: ein Aufsatzpraktikum für Lehrer und Laien, Braunschweig 1923
Jensen, Adolf: Unster Schulaufsatz ein verkappter Schundliterat: ein Versuch zur Neugründung des deutschen Schulaufsatzes für Volksschule und Gymnasium, Braunschweig 1922

Siehe

Korrespondierende Archivalien 

Quellen im Nds. Landesarchiv - Standort Aurich: Rep. 252 Nr. 2237 (Wiedergutmachung), Rep. 17/2 Nr. 739 (Wiedergutmachung), Rep. 230 Nr. 283 (Vortrag "Der Weg zum Frieden"), Rep. 250 Nr. 40453, 44317 und 3378 (Entnazifizierungsakten)
Quellen im Nds. Landesarchiv - Standort Hannover: Nds. 53 Nr. 397 (Lizenzantrag für die Zeitschrift "Dienst an der Jugend"); V.V.P. 6 Nr. 61 (Korrespondenz u.a. zwischen Kopf und Jensen)
Quellen im Universitätsarchiv Braunschweig: B7 J: 4 (PA Jensen), AI:143