NLA ST Rep. 102 Verden

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Description

Identification (short)

Title 

Straßenbauamt Verden

Life span 

1821-1973

Fonds data

Short description 

Das Schriftgut behandelt u.a. den frühen Wege- und Chausseebau, den Brückenbau in der ersten Hälfte des 19. Jh. sowie die Planung der Autobahnen Hamburg-Bremen und Hamburg-Hannover.
Findmittel: EDV-Findbuch 2013
Umfang: 9,3 lfdm

Custodial history 

I. Behördengeschichte
Der Grundstein für den ingenieurmäßig betriebenen Straßenbau in Niedersachsen wurde 1764 gelegt, als im Kurfürstentum Hannover die "General-Wegbauintendance" als zentrale Fachbehörde eingerichtet wurde. Leiter der Straßenbaubehörde war der allein zeichnungsberechtigte Wegbauintendant; neben ihn trat ein Ingenieuroffizier, der die Leitung des technischen Teils der Straßenbauverwaltung innehatte. Als erster Wegbauoffizier leitete der Chef des Ingenieurkorps Oberstleutnant Georg Josua du Plat von 1764-1791 die Chausseebauarbeiten im Kurfürstentum. Erst dreißig Jahre nach Gründung der Wegbauintendance wurden zur Organisation der lokalen Chausseebauverwaltung sieben Inspektionen in Hannover, Dorste, Dransfeld, Nienburg, Celle, Kirchweye und Tötensen eingerichtet, die je einem Chausseeinspektor unterstanden.

Während der napoleonischen Kriege bis zum Jahre 1814 ruhte die Tätigkeit der Wegbauintendance. Die an ihrer Stelle 1817 eingerichtete General-Wegbau-Kommission war bis zu ihrer Auflösung 1843 vor allem darum bemüht, Vorhandenes wieder instand zu setzen und das Fernstraßennetz weiter auszubauen. Zunächst war die General-Wegbau-Kommission dem Departement der Wegbausachen beim Minister des Inneren unterstellt; nach der Kabinettsreform von 1831 unterstand sie direkt dem Minister des Innern. Die unterste Verwaltungsebene bildeten 14 Wegbauinspektionen, mit je einem Wegbauinspektor an der Spitze. Diesem waren die Chausseeaufseher, Chausseewärter und Weggeldeinnehmer nachgeordnet. Zwischen der Zentralbehörde und der lokalen Ebene standen fünf Distrikte, denen jeweils ein Wegbaumeister vorstand. Deren Aufgabe bestand darin, die Wegbauinspektoren zu beaufsichtigen, die Kostenvoranschläge und Rechnungen zu prüfen sowie technische Anweisungen zu erteilen.

Im Jahre 1843 gingen die Geschäfte der Chaussee-Bauverwaltung auf eine beim Ministerium des

Innern gebildete Abteilung für Wegbausachen über, während die Vorbereitung und Durchführung der Baupläne samt der Aufsicht über die Beamten und Angestellten der Chausseeverwaltung hinfort den Landdrosteien oblag. Auch nach der Eingliederung Hannovers in den preußischen Staatsverband 1866 wurde die Unterhaltung der Chausseen zunächst weiterhin als Staatsaufgabe angesehen und von den Landdrosteien ausgeübt. Mit dem 1. April 1873 gingen die bis dahin von den Staatsbehörden wahrgenommenen Befugnisse auf die Organe des provinzialständischen Verbandes der Provinz Hannover über.

Vom 1. Januar 1876 an lag die Verwaltung aller drei Straßengattungen, also der Chausseen, Landstraßen und Gemeindewege, beim Provinzialverband Hannover, dem in der unteren Instanz 14 Wegbauinspektionen unterstanden. Ab 1885 wurden diese als "Landesbauinspektionen", ab 1911 als "Landesbauämter" bezeichnet. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die Straßenbauverwaltung durch das Straßenneuregelungsgesetz vom 26.3.1934 (RGBl. I, S. 243) neu strukturiert. In Berlin wurde eine oberste Reichsbehörde errichtet, deren Leiter die Bezeichnung "Der Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen" erhielt und direkt dem Reichskanzler unterstand. In seinen Kompetenzbereich gehörten alle öffentlichen Wege. Auf Provinzebene ging die Verwaltung der Straßen vom Landesdirektorium auf den Oberpräsidenten über. Träger der Straßenbaulast für "Reichsautobahnen" und "Reichsstraßen" war das Reich. Für Unterhalt und Ausbau der "Landstraßen 1. Ordnung" waren die Länder bzw. preußischen Provinzen zuständig. Die Straßenbaulast der "Landstraßen 2. Ordnung" lag bei den Kreisen.

Im Landdrosteibezirk Stade änderte sich der Zuschnitt der Wegbauinspektionen bis 1876 mehrere Male. Nach der Auflösung des Inspektionsbezirks Marßel zum 1. Juli 1849 bestanden die Wegbauinspektionen Stade, Lehe, Otterndorf, Rotenburg

und Bremervörde, während 1867 Wegbauinspektionen in Bremervörde, Stade, Geestemünde, Verden und Neuhaus/Oste genannt werden. Mit dem Gesetz vom 19. März 1873 betreffend Abänderungen der Weggesetzgebung der Provinz Hannover wurde die Zahl der Wegbauinspektionen im Provinzialbezirk auf 12 verringert, so dass im Landdrosteibezirk Stade nur die unteren Straßenbaubehörden in Stade und Verden bestehen blieben. Doch bereits 1876 wurde die Wegbauinspektion in Geestemünde wiederbegründet. Die drei Wegbauinspektionen in Stade, Verden und Geestemünde wurden 1885 in Landesbauinspektionen umbenannt. Die Umbenennung der Landesbauinspektionen in Landesbauämter im Jahre 1911 änderte nichts an den Bezirken der bestehenden Ämter. Erst 1932 wurde das Landesbauamt Wesermünde aufgehoben und mit dem Landesbauamt Stade vereinigt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst die Straßenbaudirektion in Hannover als Sonderbehörde der Mittelinstanz für die Straßenbauämter im neu gebildeten Land Niedersachsen eingesetzt. Sie war für Bau und Unterhaltung der Bundes- und Landstraßen sowie für die Betreuung der Autobahnen auf Landesgebiet zuständig. Bereits seit 1934 galt für die Kreisstraßen eine Art Auftragsverwaltung durch die Straßenbauämter. Aufgrund des "Nds. Straßengesetztes vom 14.12.1962" und des "Achten Gesetzes zur Verwaltungs- und Gebietsreform vom 28.6.1977" verwalten nun die meisten Landkreise ihre Kreisstraßen selbst.

1959 wurde die Straßenbaudirektion dem Nds. Landesverwaltungsamt, Abteilung Straßenbau, eingegliedert. 1973 fasste das Innenministerium den Beschluss, bestimmte Aufgaben der Fachaufsicht und der Planfeststellung für Straßenbauvorhaben den Straßenbaudezernaten der Bezirksregierungen zu übertragen. Das seit 1985 an Stelle der Straßenbauabteilung als selbständige Mittelbehörde bestehende Nds. Landesamt für Straßenbau untersteht dem Nds. Minister für Wirtschaft,

Technologie und Verkehr.

Die Zuständigkeit des Geschäftsbereichs Verden auf Bundes- und Landesstraßen erstreckt sich auf den Landkreis Celle, den Heidekreis (bis 31.07.2011 Landkreis Soltau-Fallingbostel), den Landkreis Verden sowie teilweise auf die Landkreise Lüneburg, Osterholz und Rotenburg.
Die Zuständigkeit des Geschäftsbereichs Verden auf Bundesautobahnen bezieht sich auf die Autobahn 26 (als Verkehrsbehörde; Straßenbaubehörde ist der Geschäftsbereich Stade) sowie teilweise auf die Autobahnen 1, 7, 27, 39 und 261 (Betriebsdienst A 1 geschieht größtenteils durch den privaten Konzessionsnehmer A1 mobil, Straßenbaubehörde für A 1 und A 27 ist teilweise das Amt für Straßen und Verkehr Bremen, Verkehrsbehörde für die A 27 teilweise die Stadt Bremerhaven).

II. Bestandsgeschichte
Das Schriftgut behandelt u.a. den frühen Wege- und Chausseebau sowie den Brückenbau in der ersten Hälfte des 19. Jh. sowie die Planung der Autobahnen Hamburg-Bremen und Hamburg-Hannover. Ein Teil der Akten kam 1989 ins Haus (acc. 12/1989).
Die Verzeichnung der Nummern 1-405 sowie der Akzession 2005/020 erfolgte durch die Angestellte Frau Schmeelk, die Verzeichnung der Akzession 2013/044 durch Untenstehende.
Das Vorwort wurde teilweise dem Bestand Rep. 102 Stade (= Straßenbauamt Stade) entnommen.

III. Ergänzende Bestände
Rep. 74 + Ortsname (= Ämter bis 1885)
Rep. 80 (= Landdrostei Stade 1813/23-1885)
Rep. 102 Stade (= Straßenbauamt Stade)
Rep. 174 + Ortsname (= Landratsämter 1885 bis 1932)
Rep. 180 STR (= Regierungspräsident Stade 1885-1978, Straßenbau)
Rep. 280 STR (= Bezirksregierung Lüneburg 1978-2004, Straßenbau)
Rep. 1006 (= Bilder- und Portraitsammlung)
Kartensammlung (Mappen)

IV. Literatur:
Baldermann, Udo: Die Entwicklung des Straßennetzes in Niedersachsen von 1768 - 1960. Hildesheim 1968
(= Veröffentlichungen des Niedersächsischen Instituts für Landeskunde

und Landesentwicklung an der Universität Göttingen: Reihe A, Forschungen zur Landes- und Volkskunde: 1, Natur, Wirtschaft, Siedlung und Planung ; 87 = Schriften der wirtschaftswissenschaftlichen Gesellschaft zum Studium Niedersachsens: Neue Folge ; 87).

Die Straßen im Lande Niedersachsen. Hrsg. von K. August Damm. Hannover 1964.

Ernst Pitz, Übersicht über die Bestände des Niedersächsischen Staatsarchivs in Hannover (Veröffentlichungen der niedersächsischen Archivverwaltung 25), Göttingen 1968, S. 198-203.

Sabine Hindelang/Peter Walther, Von der Wegbauintendance zum Landesamt für Straßenbau (1764-1989), in: Es begann mit 12000 Talern. Geschichte des Straßenbaus in Niedersachsen, hg. von der Vereinigung der Straßenbau- und Verkehrsingenieure in Niedersachsen, Hildesheim 1989, S. 9-51.

Walther, Peter: Straßenbau in Niedersachsen 1945-2000. Ergebnisse - Ereignisse - Erlebnisse. Köln 2011.

http://www.strassenbau.niedersachsen.de (Stand: 27.02.2013)


Stade, im August 2013
Antje

Schröpfer

Information / Notes

Additional information 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet