NLA OS Rep 430 Dez 207

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Regierung Osnabrück - Hoheitsangelegenheiten

Laufzeit 

1887-1980

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Enthält vorwiegend Staatsangehörigkeits- und Enteignungsangelegenheiten sowie verschiedene Aspekte der Auslandsbeziehungen einschl. Kriegsgräberfürsorge.

Bestandsgeschichte 

Regierung Osnabrück - Dezernat 207

Hoheitsangelegenheiten


Der Teilbestand Dezernat 207 der Regierung Osnabrück (Rep 430) umfaßt die Staatshoheitsangelegenheiten. Er kam in den Jahren 1943 bis 1988 mit den Zugängen 14/43, 7/54, 7/59, 8/59, 9/59, 10/59, 11/59, 3/60, 12/60, 13/60, 15/60, 11/64, 12/64, 13/64, 14/64, 23/64, 8/65, 2/66, 3/67, 26/68, 42/70, 16/72, 67/72, 12/74, 15/75, 14/88 und 41/88 in das Staatsarchiv. Die Zugänge 8/59 bis 15/60 und 14/64 wurden hier aus praktischen Gründen in den Zugang 7/59 eingearbeitet. Die Zugänge 11/64 bis 13/64 und 26/68 enthielten nichtarchivwürdige Unterlagen über Enteignungen. Der Zugang 8/65 war ohne Ablieferungsliste in das Staatsarchiv gelangt und daher ganz unbenutzbar.

Der jetzige Umfang des vorliegenden Teilbestandes beträgt 10,25 Regalmeter, während er vor einer im Jahre 1978 ausgeführten Kassation unwichtiger Akten 30,5 Regalmeter betragen hatte. Nach der Kassation erfuhr der Teilbestand einen geringfügigen Zuwachs von 0,25 Regalmetern durch den Zugang 14/88.

Das inhaltliche Schwergewicht dieses Teilbestandes bilden die Enteignungs- und Staatsangehörigkeitsangelegenheiten. Zeitlich überwiegt die Periode des "3. Reiches".

Bei den Enteignungen sind der Zweck, und zwar vor allem Siedlungs- und Militärvorhaben, die Begründung und die Vorgehensweise stark durch das im "3. Reich" vorherrschende Denken geprägt.

Mit dessen Auswirkungen hatte sich dieses Dezernat bei den Staatsangehörigkeitsangelegenheiten in einer besonderen Ausprägung zu befassen, nämlich mit den durch Wiedereinbürgerung aufzuhebenden sogenannten Ausbürgerungen. Durch diese war solchen Personen, die aus ideologischen oder rassischen Gründen in Deutschland unerwünscht waren, die Staatsangehörigkeit genommen worden.

Allgemein ist zur Aussagekraft und Benutzbarkeit bzw. Bewertung der Akten über Einbürgerungen und Entlassungen aus der Staatsangehörigkeit folgendes zu bemerken: Diese Akten waren in den Zugängen 2/66, 42/70, 16/72 und 12/74 vom Jahre 1920 an vollständig in Listen erfaßt. Die Vollständigkeit ist - gerade auch für die Kriegs- und Nachkriegsjahre - durch eine Bemerkung in der Akte Rep 430 Dez. 207 Akz. 67/72 Nr. 30 (Schreiben vom 6.2.1952 - I P 4 a Sta A 1 b) belegt. Auf der Basis der Vollständigkeit konnte als Querschnittdokumentation eine repräsentative Zufallstichprobe von 10 Prozent (= jede zehnte Akte) und zusätzlich eine Auswahldokumentation, d.h. eine Auswahl der besonderen Fälle, ermittelt werden. Sie bilden zwei Aktengruppen, die in der Gliederung unter den Klassifikationskennzahlen 32.05.10.01. und 32.05.10.05. verzeichnet sind.

Daneben gab es ohne Ablieferungsliste als Zugang 8/65 in das Staatsarchiv gelangte Akten des gleichen Sachgebietes. Diese war keine Basis für eine berechenbare Querschnittdokumentation gegeben. Unter den beschriebenen Umständen können diese Akten als Auswahldokumentation betrachtet werden. Sie bilden die Sachgruppe 32.05.05.05.

Die Auswahl des Besonderen bei allen Staatsangehörigkeitsakten (32.05.) wird gewöhnlich durch Enthält-Vermerke erläutert. Wenn dies nicht geschieht, war das Auswahlkriterium ein ganz ungewöhnliches Lebensschicksal, bei dem aber keine Station besonders hervorgehoben werden kann.

Daneben waren Auswahlkriterien für die Zeit des "3. Reiches" Einflußnahmen der NSDAP auf das Ein- und Ausbürgerungsverfahren, Ableisten von Wehrdienst durch Ausländer in der deutschen Wehrmacht und Eintragung in die deutsche Volksliste. Nach 1945 begegnen besonders zahlreich die Wiedereinbürgerungen (vgl. oben). Sie sind im Aktentitel an der Bemerkung "früher Deutsches Reich" als Hinweis auf die frühere

Staatsangehörigkeit zu erkennen.

Die Aktentitel in der Sachgruppe 32.05.10.01. sind einheitlich nach folgendem Schema aufgebaut:
Name, Wohnort, frühere Staatsangehörigkeit ("bisher..."), " Einbürgerung" bzw. "Entlassung".

In der Sachgruppe 32.05.10.05. ist folgendes Schema zugrundegelegt:
Name, gegenwärtiger Wohnort, früherer Wohnort bei Wiedereinbürgerung ("früher zu..."), gegenwärtige Staatsangehörigkeit ("bisher,,,") bei Wiedereinbürgerung wie auch bei Aufgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit bzw. "staatenlos", "früher Deutsches Reich" nur bei Wiedereinbürgerungen.

Das Enteignungswesen stellte ein weiteres bedeutendes Aufgabengebiet des Hoheitsdezernats dar. Besonders fallen in dem vorliegenden Teilbestand die Enteignungen für Siedlungszwecke und den Kanalbau ins Auge. Enteignungsakten sind recht formalistisch angelegt. Sie dokumentieren vor allem den verwaltungstechnischen Vorgang der Bereitstellung von Grund und Boden für bestimmte Vorhaben. Dagegen sind hier die wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Grundzüge und Beweggründe lediglich indirekt zu erkennen. Besser sind sie im Kommunaldezernat, in den Baudezernaten, im Wirtschafts- und im Verkehrsdezernat zu finden.

Die Enteignungsakten für Kanalbauvorhaben setzen ältere Überlieferungen fort. Diese sind enthalten in den Beständen der Landdrostei (Rep 335 Abt. VI: Öffentliche Arbeiten) und des Landesbauamtes Osnabrück (Rep 658). Diese ältere Überlieferung beschränkte sich jedoch nicht auf die verwaltungstechnische Seite, sondern dokumentierte auch die wirtschafts- und sozialgeschichtlichen Zusammenhänge und den Kanalbau im eigentlichen Sinne.

Auch in diesem Teilbestand darf, wie oben erwähnt, die Zeit des "3. Reiches" aus Gründen der Ideologieverwirklichung das größte Interesse beanspruchen. Dies liegt z.B. beim Kleinwohnungsbau auf der Hand. Für diesen Sachbereich war auf zentraler Ebene

das Reichswirtschaftsministerium zuständig. Die Akten dieses Ministeriums sind weitgehend im Kriege vernichtet worden, unter den vorhandenen Resten sind keine Enteignungen vorhanden (vgl. Facius, Bundesarchiv S. 88 f.; Übersicht DZA Potsdam S. 88 f.; Branig-Bliß II S. 146 f.). Die hiesigen Enteignungsakten stellen somit den Ersatz für eine zentrale Überlieferung dar. Sie besitzen aus diesem Grunde eine gesteigerte Bedeutung.

Die Titeleingabe erfolgte durch Herrn Willmann.

Osnabrück, Oktober 1989 Dr. Delbanco

Der Bestand wurde durch die Akzessionen 15/90, 48/90 und 2000/48 ergänzt.

Osnabrück, Mai 1997 Dr. Steinwascher

Im Jahr 2004 wurden Teile der Akzessionen 2003/024 und 2004/56 eingefügt.



Literatur:


Kreyßig, Erwin: Statistische Methoden und ihre Anwendungen. 7. Auflage, Göttingen 1988

Facius, Friedrich - Booms, Hans - Boberach, Heinz: Das Bundesarchiv und seine Bestände. 3. Auflage bearbeitet von Gerhard Granier, Josef Henke, Klaus Oldenhage (Schriften des Bundesarchivs 10. 3. Auflage), Boppard am Rhein 1977.

Übersicht über die Bestände des Deutschen Zentralarchivs Potsdam (Schriftenreihe des Deutschen Zentralarchivs Nr. 1), Berlin 1957.

Übersicht über die Bestände des Geheimen Staatsarchivs in Berlin-Dahlem, bearbeitet von Hans Branig, Ruth Bliß, Winfried Bliß, Werner Petermann. 2 Teile, Köln-Berlin 1966, 1967.

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Regierungsbezirk Osnabrück

Zeit von 

1885

Zeit bis 

1974

Objekt_ID 

217408

Ebenen_ID 

10

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Regierungsbezirk Osnabrück

Zeit von 

1974

Zeit bis 

1977

Objekt_ID 

10

Ebenen_ID 

810