NLA OL K-ZE

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Zentraler Kartenbestand Oldenburg

Laufzeit

1596-2003

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Der zentrale Kartenbestand des Staatsarchivs ist der Hauptbestand der Kartenabteilung. Hier sind alle Karten überliefert, die nicht zu anderen Kartenregistraturbildnern gehörten. Umfang: 6608 Karten.

Bestandsgeschichte

K-ZE Zentraler Kartenbestand Oldenburg
Zeit: 1576-2011
Umfang: 193,9 lfd. m; 13722 Datensätze (Dezember 2013)
Erschließung: Archivdatenbank/Internet
Lagerungsbestände: Best. 298, Best. 298 C, Best. 298 St, Best. 298 VC, Best. 298 OL

Karten sind je nach dem technischen und mathematischen Stand verkleinerte, verallgemeinernde Abbildungen eines Teils der Erdoberfläche. Sie dienen der Orientierung im Zusammenhang von seemännischen und verwaltungstechnischen Aufgaben. In Archiven überlieferte sind zumeist Teil eines schriftlich entstandenen, überlieferten Gesamtorganismus, der aus Urkunden, Akten und Amtsbüchern organisch erwachsen ist. Ihr Entstehungszweck hängt von der Vielfältigkeit der Regierungs- und Verwaltungsaufgaben ab. Die ältesten Karten stehen im Zweckzusammenhang des Seehandelswesens. Es folgen Karten im Zusammenhang mit Prozessen und Streitigkeiten um Hoheitsgrenzen und Nutzungen, um die räumliche Umwelt anschaulich zu machen; dabei dokumentiert die Karte einen Rechtsinhalt und erlangt einen gewissen Urkundencharakter; ähnlich auch bei Straßen- und Wegekarten, Deichkarten, Flussregulierungen, Eisenbahntrassen, Industrieansiedlungen, jedenfalls stets im Zusammenhang mit einer Eigentums- oder Gemeinschaftsproblematik, die seitens der Verwaltung zu regeln ist.
Die Entwicklungsgeschichte der Kartografie beginnt mit den auf Tontafeln überlieferten Kartenbruchstücken der griechischen und römischen Antike und führt weiter in das europäischen Mittelalter mit Karten auf Pergament und schließlich ab ca. 1350/1400 auf Papier. Karten waren anfangs aus kartographischer Sicht sehr einfach gehalten. Erst seit dem späten 15. Jahrhundert schenkte man Karten im Zeitalter der geographischen Entdeckungen größere Aufmerksamkeit. Durch die Buchdrucker- und Holzschnittkunst erhielt die Kartographie einen ersten Aufschwung. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts blieb

jedoch ein Mangel an Genauigkeit bestehen. Mit den damals noch recht primitiven Hilfsmitteln großräumige Darstellungen maßstabgetreu darzustellen, war mit Messlatte, Messkette und Messrad praktisch unmöglich. Erst mit der Einführung der Triangulation, der Dreiecksmessung, begann in gewisser Weise die moderne Kartographie. Sie wurde von der weiteren technischen Entwicklung von Messinstrumenten und Berechnungssystemen und nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend auch von der elektronischen Datenverarbeitung beeinflusst.
Mit dem Entstehen der Territorialstaaten und mit dem verstärkten Einsatz der Diplomatie waren es politische, landesherrschaftliche und fiskalische Interessen, die die Herstellung von Karten forcierten. Eine genaue und vollständige Landesvermessung war nicht nur landesherrschaftliches Statussymbol, sondern auch Notwendigkeit für die innere Erschließung des Landes, für die Kolonisation, den Bau von Festungen und Straßen, die Erweiterung vorhandener Besiedlung und verbesserte Nutzung im Bereich der Landwirtschaft.
Unter den wenigen Landmessern in den Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst des 17. Jahrhunderts, die auf lokaler Ebene tätig wurden, ragt Johann Conrad Musculus aus Straßburg hervor. Er wirkte ab 1611 bis ca. 1651 als von Graf Anton Günther angestellter Wallmeister. Neben der schon etwas genaueren Vermessung der Groden und gräflichen Vorwerke fertigte er zahlreiche Zeichnungen zum Festungsbau und dann zum Deichbau an, schuf nach der verheerenden Sturmflut von 1625 sogar einen umfangreichen Deichatlas und entwarf 1621 eine Landkarte der Grafschaft Oldenburg im Maßstab 1:180.000, die 1650 gedruckt wurde und als Fundament zukünftiger Karten in Oldenburg gilt (HStA Hannover, 70 Ol 3 pg, Kopie im StA Oldenburg, Best. 298 Z Nr. 2643).
Nach dem Übergang der seit 1667 dänischen Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst an das Haus Holstein-Gottorf und der

Erhebung der Grafschaften zum Herzogtum 1773/74 wurde bald eine Landesvermessung für den wirtschaftlichen Aufbau und eine planvolle Erschließung in Betracht gezogen. Als geistiger Vater der 1781 ins Werk gesetzten Landesvermessung gilt der Stiftsamtmann und Landvogt Georg Christian von Oeder (1728-1791), der aus Kopenhagen nach Oldenburg gegangen war. Im Rahmen der Landesvermessung wurden eine Generalkarte im Maßstab 1:160.000, Spezialkarten im Maßstab 1:4.000 und für die 29 Vogteien je eine Vogteikarte im Maßstab 1:20.000 hergestellt, bis das ganze Herzogtum flächendeckend und sehr genau dargestellt war.
Durch ein Gutachten der Kammer wurden 1831 Vorschläge zur Neuordnung der Grundsteuer vorgelegt. Daraufhin wurde ab 1836 eine neue Landesvermessung verordnet. Sie erstreckte sich zunächst auf die Gebiete, die seit dem Ende des alten Reiches hinzugekommenen waren, die ehemals münsterischen Ämter und das Jeverland sowie das hannoversche Amt Wildeshausen. In ihren Grundzügen war diese eine Parzellarvermessung, die ämterweise durchgeführt und dann auf den gesamten Landesteil Oldenburg erweitert wurde, um eine Einheitlichkeit für die Grundsteuererhebung herzustellen. Als Ergebnis sollten nicht nur die Flurkarte und der Buchnachweis stehen, sondern auch Kirchspielskarten (1:20.000) und Amtskarten daraus abgeleitet werden.
Die Organisationsform der oldenburgischen Landesvermessung ist vielschichtig. Stand am Anfang die Landesvermessungskommission, so folgte 1803 das Vermessungscomptoir, um dann wieder nach 1814 als Landesvermessung als eine Abteilung der Kammer zu fungieren. Doch mit dem Staatsgrundgesetz vom 18.2.1849 und dessen Reformierung 22.11.1852 (Art. 65) wurde die gesamte Landesvermessung der neu geschaffenen Katasterdirektion mit ihren Katasterbeamten bzw. ab 1919/20 Katasterämtern zugeordnet.
Die Kartenüberlieferung des Staatsarchivs Oldenburg bildet einen

Sammelbestand, der seit 1930 erstmals systematisch verzeichnet wurde und bis in die Gegenwart immer wieder Zugang erhält, der eingearbeitet wird. Ganz überwiegend sind die Karten im originären Akten- und Urkundenzusammenhang entstanden, aber es sind auch Sammlerstücke, Schenkungen und Erwerbungen dabei. Die im Zusammenhang mit der ältesten Landesvermessung entstandenen Karten wurden bei einer früheren Einteilung dem Teilbestand 298 VC (=Vermessungscomptoir) zugelegt. Die beim Oldenburgischen Staatsministerium gesammelten und genutzten Karten erhielten die Bestandsbezeichnung 298 St, sie sind größtenteils in der Vermessungsdirektion entstanden. Für die in der Oldenburgischen Kammer (Kammer- bzw. Finanzverwaltung) entstandenen Karten wurde 1930 die Bestandssignatur 298 C festgelegt. Die staatlichen Karten, die sich auf die Stadt Oldenburg beziehen, wurden im Bestand 298 OL zusammengefasst. Dazu kamen auch noch andere Gruppen: Die Sammlung des Archivars Christoph von Asseln, der hauptsächlich Kopien von von ihm für wichtig erachteter Karten anfertigte, erhielt die Bestandsbezeichnung 298 A. Die Kartensammlung des Herzogs Friedrich August wird als 298 FA geführt. Eine spezielle Gruppe bildeten auch die Karten vom alten Amt Neuenburg, die Johann Conrad Musculus geschaffen hatte; sie haben die Lagerortbezeichnung Best. 298 M N. Ferner gibt es noch die Weltatlas-Kartensammlungen von zwei (unbekannten) Privatpersonen, die wegen ihrer Herkunft als Best. 298 J (=Jever) und Best. 298 Eu (Eutin) bezeichnet werden.
Bei den Karten ist zwar zumeist der jeweilige Maßstab vermerkt, doch es gibt auch sehr viele Karten, bei denen es nicht annähernd möglich war, diesen zu ermitteln. Die Serienkarten der Deutschen Grundkarten in den Maßstäben 1:25.000, 1: 50.000 und 1:100.000 sind nicht einzeln verzeichnet, sie lagern nach ihren Blattnummern und sind auch nicht bei der o.a. Gesamtzahl

mitgerechnet. Zu beachten ist ferner, dass die Zahl der Datensätze nicht gleichzusetzen ist mit der Anzahl der tatsächlich archivierten Karten, da sehr viele Karten aus mehreren Kartenblättern, Zusatz- oder Teilkarten bestehen. Zukünftig wird der Oldenburger Kartenbestand in eine für das gesamte Niedersächsische Landesarchiv vorgesehene Gesamtordnung (Klassifikation) eingefügt.

Inhalt (nähere Angaben in Vorbereitung):
Weltkarten, Europakarten, Deutschlandkarten, Übersichten, Teilübersichten, Norddeutschland und Niedersachsen, Grafschaft/Herzogtum und Großherzogtum Oldenburg mit den Landesteilen Eutin-Lübeck und Birkenfeld, Vogteikarten, Kirchspielskarten, Ämterkarten, Verwaltungskarten, Deichkarten, Seekarten, Gewässerkarten (mit Kanälen), Forstkarten, Straßen- und Wegekarten, Ur- und Reinkarten (= Fortschreibungskarten), Karten von Gemeinheitsteilungen und Flurbereinigungen, Zeichnungen von Feldmarken, Stadt- und Ortspläne, Flurstücke, Luftaufnahmen, Technische Zeichnungen und Bauwerke, Grenzkarten u.a.m.

Literatur:
Otto Harms, Die amtliche Topographie in Oldenburg und ihre kartographischen Ergebnisse, Teil 1, in: Oldenburger Jahrbuch 60 (1961), S. 1-38; Otto Harms, Aufgaben und Organisation des Vermessungswesens in Oldenburg, in: 200 Jahre Oldenburger Landesvermessung, hg. vom Deutschen Verein für Vermessungswesen, Bezirksgruppe Oldenburg-Bremen, Oldenburg 1981; Albrecht Eckhardt, Der Deichatlas des Johann Conrad Musculus von 1625/26, Oldenburg 1985; Heiko Leerhoff, Niedersachsen in alten Karten, eine Auswahl von Karten des 16. bis 18. Jahrhunderts aus den niedersächsischen Staatsarchiven, Neumünster 1985; Matthias Nistal, Die oldenburgische Vogteikarte 1790/1800. Erläuterungsheft zur Faksimile-Ausgabe, Hannover 2000, S. 9-17; Hans Harms, Oldenburgische Kartographie in fünf Jahrhunderten, hg. von der Oldenburgischen Landschaft, Oldenburg 2004; Maßarbeit.

Zur Entwicklung des Vermessungswesens und der Kartographie, Ausstellungskatalog mit Aufsatzteil, Redaktion Heiko Taubenrauch u.a., Lohne 2010.

Verwandte Bestände:
Best. 20-6 (Grafschaft Oldenburg, Künste und Wissenschaft, Abt. F, Kartographie); Best. 31 (Kabinettsregistratur Oldenburg); Best. 70 (Regierung Oldenburg); Best. 71 (Kammer Oldenburg); Best. 208 (Vermessungsdirektion); Best. 136 (Oldenburgisches Innenministerium); Rep 400 (Verwaltungsbezirk Oldenburg); Rep 410 (Bezirksregierung Weser-Ems); Rep 540 (Katasterämter bzw. Katastergroßbezirke - Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Niedersachsen); K-E (Oldenburgische Eisenbahnkarten); K-M (Oldenburgische

Militärkarten).

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

teilweise verzeichnet

Abgeschlossen: Nein