NLA OL Erw 84

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Nachlass Helmut Hoffmann - Oldenburger Pazifisten

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte

Erw 84 Nachlass Helmut Hoffmann - Oldenburger Pazifisten
Zeit: 1856-2009
Umfang: 23 lfd. m; 666 Verzeichnungseinheiten + 3 Schubladen Plakate
Erschließung: Archivdatenbank/Internet

Helmut Hoffmann wurde 1917 in Berndorf bei Wien als Sohn des Dr.-Ing. Fritz Hoffmann und der Lehrerin Friederike Hoffmann geboren und starb am 17. Juli 2010 in Oldenburg. An der sog. "Fürstenschule" in Grimma (Sachsen) legte er 1937 sein Abitur ab. Er erlebte den Zweiten Weltkrieg als Soldat der Luftnachrichtentruppe. Nach Kriegsende und Gefangenschaft studierte er ab Herbst 1947 in Oldenburg an der Pädagogischen Hochschule und arbeitete danach als Grundschullehrer und Leiter einer Volksschule in Oldenburg. Ab 1966 studierte er Sonderpädagogik und übte den Beruf des Sonderschullehrers für lernbehinderte Kinder in Oldenburg aus.
Schon als Kind interessierte ihn die Fotografie, er wurde Fotograf eines HJ-Banns und der Wehrmacht. Ab 1984 begann er aufgrund eines Besuchs in dem von Ernst Friedrichs begründeten Antikriegsmuseum in Berlin (Stresemannstraße) seine persönliche und insbesondere seine vom Nationalsozialismus geprägte Vergangenheit freimütig aufzuarbeiten. Er begann eine eigene, christlich geprägte Friedensarbeit in Oldenburg und fand sehr schnell aktive Gleichgesinnte, mit denen er die Oldenburger Pazifistengruppe und den Schweigekreis ins Leben rief. Seine Ehefrau Irmelin sowie seine Schwester Ilsetraut (Frankfurt) waren ihm dabei seine wichtigsten Arbeits- und Lebensbegleiter. Mit einem Team Gleichgesinnter erarbeitete er Ausstellungen gegen den Krieg und gegen atomare wie konventionelle Rüstung bzw. Nachrüstung; seine Neigung zur Fotografie kam ihm hierbei sehr zugute. Seine Ausstellungen wurden in vielen Städten und Gemeinden Westdeutschlands gezeigt.
Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands wurden seine Antikriegsbilder- und Plakat-Ausstellungen in

ganz Deutschland sowie in den westlichen wie östlichen Nachbarstaaten gezeigt. Sein sorgfältiger und ausgewogener Briefwechsel mit Mitgliedern der (einstigen) DDR-Bürgerrechtsbewegung zeigt die Situation in der DDR wenige Jahre vor deren politischem und wirtschaftlichen Ende und macht die sozialen Verständigungsprobleme zwischen Ost- und Westdeutschland nach der Wiedervereinigung deutlich.
Die Oldenburger Pazifistengruppe um Heinrich Hoffmann wurde bekannt und beachtet. Die Übernahme seiner Sammlungen, seiner privaten bzw. familienkundlichen Überlieferung, seiner Kriegsberichte an Schulkameraden, seiner fotografischen Arbeiten und selbst entworfenen bzw. hergestellten Plakate durch das Staatsarchiv Oldenburg ist aus dem regionalen Bezug wie aus seinem Bekanntheitsgrad in Deutschland und in Europa zu erklären. Die Arbeit von Pazifisten in Deutschland wird hier über viele Jahre hin anschaulich greifbar und ist somit eine zeitgeschichtliche Quelle, deren Bezug auf Oldenburg einen besonderen Reiz ausmacht, aber auch deutschlandweit von Bedeutung. Die weitgehend geschlossene Überlieferung bietet hervorragendes Material zur Erforschung der Friedensbewegung in Deutschland und der (eher seltenen) Selbstreflexion der Generation, die den Zweiten Weltkrieg aktiv erlebt hat.
Darüber hinaus hat Helmut Hoffmann Arbeitstagebücher über seine Ausbildung und seine Tätigkeit als Grund- und später als Sonderschullehrer geführt, die ebenso mit allerlei thematisch gebündeltem Sammelgut eine Zeitkolorit für seine Berufsgruppe, aber auch für die Grundschulen auf dem Lande und der stadtoldenburgischen Fröbelschule, einer Sonderschule für Lernbehinderte, darstellt.

Inhalt:
Plakatsammlung 1935-1997 (202); Familienangelegenheiten, persönliche Briefe und Sammlungen 1856-2005 (44); Persönliche Briefe an Freunde und Mitstreiter 1918- 2009 (31); Persönliches Sammelgut, Schriften, Produktionen

1874-2001 (27); Schriften und Briefwechsel im Themenbereich Friedens- und Anti- Atomkraftbewegung 1905-2005 (29); Tagebuch, überwiegend Sammelgut und Bewertungen zu Friedens- und Anti-Atomkraftbewegung 1941-2007 (306); Bilder und Bücher 1885-2004 (21); Lehrerzeit, Schulaktivitäten 1954-1979 (5).

Literatur:
Karl Holl, Pazifismus in Deutschland, Frankfurt am Main 1988; Theodor Michaltscheff, Die unverwüstliche Opposition. Geschichte der bundesdeutschen Friedensbewegung 1945-1960. Aus dem Nachlaß hg. und bearb. von Stefan Appelius, Oldenburg 1994; Helmut Hoffmann, nachbelichtet, 2., erg. Aufl. Dresden 1997.

Verwandte Bestände:
Best. 136 (Oldenburgisches Innenministerium); Rep 400 (Verwaltungsbezirk Oldenburg); Rep 410 (Bezirksregierung Weser-Ems); Erw 201 (Schulgeschichtliche Sammlung).