NLA AU Dep. 125

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Laufzeit

1942-2007

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Unterlagen der ehemaligen Landbauaußenstelle Leer der früheren Landwirtschaftskammer Weser-Ems sowie der Außenstelle Wittmund der heutigen Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Bestandsgeschichte

VORWORT


1. Geschichte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Die Landwirtschaftskammern als Körperschaften des öffentlichen Rechts wurden auf der Grundlage des preußischen Gesetzes über die Landwirtschaftskammern vom 30. Juni 1894 eingerichtet. Während in den meisten preußischen Gebieten sofort danach Landwirtschaftskammern ins Leben gerufen wurden, stieß die Kammergründung im Gebiet des heutigen Niedersachsens zunächst auf Widerstand, der erst allmählich abnahm. Am 15. Juni 1899 wurde die Landwirtschaftskammer Hannover, am 25. Januar 1900 die Landwirtschaftskammer Oldenburg gegründet. Im Herzogtum Braunschweig kam es 1907 zur Gründung einer eigenen Landwirtschaftskammer, die bis 1933 bestand und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder auflebte.

Die Wurzeln der Landwirtschaftskammer Hannover, zu dem das ostfriesische Gebiet bis 1933 dazu gehörte, lagen in den landwirtschaftlichen Provinzial- oder Hauptvereinen des 19. Jahrhunderts sowie in der von König Georg III. 1764 in Celle gegründeten Königlichen Landwirtschaftsgesellschaft, die 1877 nach Hannover umsiedelte und nach der Kammergründung als Traditionsgesellschaft bis 1933 weiter bestand. Nach der Gründung übernahmen die Kammern nicht nur die bislang den Hauptvereinen und der Landwirtschaftsgesellschaft obliegenden Aufgaben, sondern auch die von diesen eingerichteten Institute und Bildungseinrichtungen.

Die preußischen Landwirtschaftskammern waren Gesamtinteressenvertretungen, die nicht nur die berufsständischen Interessen aller landwirtschaftlichen Bereiche, sondern insgesamt die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Interessen der Land- und Forstwirtschaft wahrnahmen und ein weites Aufgabenspektrum hatten. Zur Aufgabenerfüllung wurden spezielle Fachausschüsse und Fachabteilungen eingerichtet, die im Lauf der Zeit eine ständige Ergänzung und Erweiterung erfuhren und alle Bereiche der

land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeit umfassten. Da den Kammern der lokale organisatorische Unterbau auf öffentlich-rechtlicher Ebene zunächst fehlte, sie aber darauf angewiesen waren, in die Fläche zu wirken, arbeiteten sie eng mit den landwirtschaftlichen Vereinen vor Ort zusammen. Die Haupttätigkeit der Landwirtschaftskammern konzentrierte sich auf die Beratung der landwirtschaftlichen Betriebe sowie auf die Förderung des landwirtschaftlichen Bildungswesens. In diesem Zusammenhang ist die Landwirtschaftskammer maßgeblich als Schulträger in Erscheinung getreten. Eine vielzahl landwirtschaftlicher Schulen der verschiedenen Schultypen (Ackerbauschulen, höhere Landwirtschaftsschulen und Hauswirtschaftsschulen zur Förderung der landwirtschaftlichen Mädchenbildung) wurden von der Kammer eingerichtet.

Nach dem Regierungsantritt der Nationalsozialisten wurden alle Landwirtschaftskammern zum 21. Juni 1933 aufgelöst. Die landwirtschaftlichen Vereine, die als Unterbau der Kammern fungierten, wurden im Oktober / November 1933 ebenfalls aufgelöst. Offizieller Rechtsnachfolger der Kammern wurde der Reichsnährstand. Dessen regionale Untergliederung waren die Landesbauernschaften, welche sowohl die Aufgaben als auch die Verwaltungs- und Dienststellen der Kammer übernahmen. So entstanden auf niedersächsischem Gebiet in Anlehnung an die vorige Kammergebietseinteilung die Landesbauernschaften Hannover, Braunschweig und Oldenburg. 1937 wurden die Gebiete der Landesbauernschaften neu gegliedert. In Anlehnung an die politische Gaueinteilung wurde die Landesbauernschaft Oldenburg um die bislang zur Landwirtschaftskammer bzw. Landesbauernschaft Hannover gehörigen Regierungsbezirke Aurich und Osnabrück erweitert und in Landesbauernschaft Weser-Ems umbenannt. Die Landesbauernschaft Braunschweig wurde aufgelöst und mit der Landesbauernschaft Hannover zur Landesbauernschaft

Niedersachsen zusammengeschlossen. Außerdem richtete der Reichsnährstand 1937 die sog. Landbauaußenstellen als landeskulturelle und wasserbauliche Fachdienststellen ein. Die Landbauaußenstellen unterstützten die Wasserwirtschaftsverwaltung bei der Realisierung von Meliorationsprojekten. Darüber hinaus oblag den landbauaußenstellen die Planung, Durchführung und Betreuung der sich an die wasserbautechnischen Entwässerungsmaßnahmen anschließenden Maßnahmen zur Bodenverbesserung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestanden die Landesbauernschaften zunächst bis zur Auflösung des Reichsnährstandes im Jahr 1948 weiter. Mit der Verordnung vom 1. November 1948 wurde für Niedersachsen - zunächst vorläufig - die Wiedererrichtung von Landwirtschaftskammern beschlossen, die nun jedoch nicht mehr als landwirtschaftliche Gesamtinteressenvertretung, sondern als rein berufsständische Interessenvertretungen fungierten und sich als solche auf die fachliche Fördering und Betreuung der Landwirtschaft konzentrierten. Dabei wurden in Niedersachsen mit den beiden Kammern Weser-Ems und Hannover zwei Landwirtschaftskammern ins Leben gerufen, deren Sprengel mit denen der Landesbauernschaften Weser-Ems und Niedersachsen identisch waren. Die vorläufigen Landwirtschaftskammern blieben bis zum Erlass des Landwirtschaftskammergesetzes im Jahr 1954, welches die Landwirtschaftskammern in in Niedersachsen endgültig auf eine solide und dauerhafte gesetzliche Grundlage stellte, bestehen. Die Organisation der Landwirtschaftskammern knüpfte an die Strukturen aus der Zeit vor 1933 an. Die wirtschaftliche Beratung vor Ort war bis in die 1960er Jahre eine der wesentlichen Aufgaben der Landwirtschaftsschulen, die in jedem Landkreis bestanden. Daneben war die Landwirtschaftskammer - wie bereits vor dem Zweiten Weltkrieg - Trägerin von wissenschaftlichen Instituten sowie Lehr- und Versuchsanstalten, die weieder

aufgebaut und erweitert wurden. So bestand in Aurich- Haxtum zwischen 1942 und 1975 die Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau.

Der in den 1960er Jahren einsetzende Struktur- und Bedeutungswandel der deutschen Landwirtschaft wirkte sich maßgeblich auf die Organisationsstruktur der Landwirtschaftskammern und der ihnen angeschlossenen Stellen aus. Mitte der 1960er Jahre erfolgte erstmals eine Entkoppelung der Wirtschaftsberatung von den Landwirtschaftsschulen. In vielen Landkreisen wurden eigene Wirtschaftsberatungsstellen eingerichtet. 1974 kam es zur entscheidenden Neuregelung des landwirtschaftlichen Bildungswesens. Mit dem Niedersächsischen Schulgesetz vom 30. Mai 1974 verloren die Landwirtschaftskammern ihre Schulträgerschaft. Die Trägerschaft der landwirtschaftlichen Fachschulen ging an die jeweiligen Landkreise über. Von nun an konzentrierte sich der Schwerpunkt der Kammerarbeit im Bereich landwirtschaftliche Bildung auf die berufliche Fort- und Weiterbildung sowie auf die praktische Berufsausbildung in den Bereichen Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und Hauswirtschaft.

Die kommunale Gebietsreform, welche die Zahl der Landkreise in Niedersachsen von 60 auf 38 reduzierte, veranlasste die Landwirtschaftskammern zur Umorganisation ihres örtlichen Beratungssystems. In jedem Landkreis wurde 1979 eine Kreisstelle eingerichtet, die die Wirtschaftsberatung und die berufliche Bildung vor Ort als Aufgabenschwerpunkt hatten. Die zunehmend angespannte Lage der öffentlichen Haushalte und der Zwang zur Kosteneinsparung führte Anfang der 1990er Jahre zu weiteren Reformen, die sich maßgeblich auf die dezentrale Organisation der Landwirtschaftskammern auswirkten. Zur Verbesserung der Arbeitseffizient und Rationalisierung wurden bis 1992 Bezirksstellen als regionale Dienstleistungszentren eingerichtet, die mit den bisherigen Landbauaußenstellen, den

Saatbauinspektionen, den Tierzuchtämtern und den Stellen des Pflanzenschutzamtes, mehrere Dienststellen zusammenfassten und kreisübergreifende Aufgaben der Spezialberatung übernahmen.

Die jüngste, grundlegende Strukturreform der Landwirtschaftskammer erfolgte zum 1. Januar 2007 mit der Fusion der beiden selbständigen Landwirtschaftskammern Weser-Ems und Hannover zur Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Diese Reform wirkt sich nicht nur auf die Struktur der beiden Hauptverwaltungen in Hannover und Oldenburg, sondern auch auf die dezentrale Organisation der vereinigten Landwirtschaftskammer aus. Insbesondere sind Einsparungen im Bereich der nun als Außenstellen bezeichneten ehemaligen Kreisstellen geplant, so dass einzelne Außenstellen aufgelöst werden.


2. Der Bestand im Staatsarchiv Aurich

Am 7. November 2007 wurde zwischen der Niedersächsischen Archivverwaltung und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen ein Depositalvertrag geschlossen, der die Übernahme von archivwürdigen Akten in das jeweilige niedersächsische Staatsarchiv regelt. Im Archivsprengel des Staatsarchivs Aurich existierten zu diesem Zeitpunkt die Bezirksstelle in Aurich, die Außenstellen in Leer und in Wittmund sowie die Bewilligungsstelle in Aurich.

Bei ersten Besuchen der Dienststellen der Landwirtschaftskammer in Ostfriesland musste festgestellt werden, dass große Überlieferungsverluste zu beklagen sind, da das Aktenmaterial in der Regel nur bis in die späten 80er oder frühen 90er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreichte. Diese Überlieferungsverluste sind umso schmerzlicher, da die Geschichte der Landwirtschaftsschulen oder des Reichsnährstandes in Ostfriesland bisher nur unzureichend dokumentiert werden. Allein in der ehemaligen Landbauaußenstelle Leer fanden sich zumindest in Einzelfällen Unterlagen, die bis in die 40er und 50er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückreichten.

Dementsprechend wurde auf diese Dienststelle auch der Überlieferungsschwerpunkt gelegt.

Im Rahmen mehrerer Besuche zwischen Oktober 2007 und April 2008 wurden zunächst bei der Außenstelle Leer 1,5 lfd m und bei der Außenstelle Wittmund 0,3 lfd m Akten als archivwürdig gekennzeichnet. Grundlage der Bewertungsentscheidungen stellten dabei erste Beratungen innerhalb des Niedersächsischen Landesarchivs zur Ausarbeitung eines landesweiten Archivierungsmodells dar, das auch bei den kommenden Bewertungen herangezogen werden wird. Nach der Übernahme der Unterlagen im September 2008 erfolgte noch im gleichen Monat die Verzeichnung der Akten.

Über die Außenstelle Leer ergab sich ein Kontakt zu Frau Hannelies Schreiber in Halbemond, die als ehemalige Leiterin der Mädchenabteilung der Landwirtschaftsschule Emden noch Fotoalben und einzelne Schriftstücke aus der unmittelbaren Nachkriegszeit in ihrem Besitz hatte, die sie freundlicherweise dem Staatsarchiv Aurich schenkte. Diese Akten wurden dem Bestand Rep. 236 (Kleine Erwerbungen) zugeordnet, die entsprechenden Datensätze aber auch in den vorliegenden Bestand der Landwirtschaftskammer Niedersachsen eingebunden.


3. Literaturhinweise:

Angelika Hohenstein, Bauernverbände und Landwirtschaftskammern in Niedersachsen 1945-1954, Hildesheim 1990.

Artur Kapels, Chornik der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau der Landwirtschaftskammer Eser-Ems in Aurich-Haxtum von 1942-1975 (maschinenschriftliches Manuskript), 1975.

Landwirtschaftskammer Hannover (Hrsg.), Den Fortschritt der Landwirtschaft fördern. 100 Jahre Landwirtschaftskammer Hannover. Ein Ausflug durch die Geschichte der Landwirtschaftskammer Hannover, Hannover 1999.

Landwirtschaftskammer Weser-Ems (Hrsg), 25 Jahre Landbauaußenstellen in Weser-Ems, Oldenburg 1962.
Landwirtschaftskammer Weser-Ems (Hrsg.), 75 Jahre Landwirtschaftskammer Weser-Ems,

Oldenburg 1970.
Landwirtschaftskammer Weser-Ems (Hrsg.), 100 Jahre Landwirtschaftskammer Weser-Ems. Die Geschichte, Oldenburg 2000.


Aurich im September 2008
Dr. Michael

Hermann



Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

teilweise verzeichnet