NLA OL Rep 947 VEC

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Strafanstalt Vechta

Laufzeit

1804-2004

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Die Justizvollzugsanstalt Vechta, einst Zwangsarbeitsanstalt, gliedert sich heute in die JVA für Männer in Vechta mit der Teilanstalt Verden und die JVA für Frauen mit eigener Abteilung für weibliche Jugendliche in Vechta.

Bestandsgeschichte

Rep 947 VEC Strafanstalt Vechta
Zeit: 1804-2004
Umfang: 42,4 lfd. m; 3001 Verzeichnungseinheiten (Stand Januar 2015)
Erschließung: Archivdatenbank/
Lagerungsbestand: auch Best. 145-2

Neben Celle ist Vechta der älteste und bedeutendste Standort für den Strafvollzug auf dem Gebiet des heutigen Landes Niedersachsen. 1816 wurde im Zuge der Säkularisation das 1640 errichtete Franziskanerkloster in ein Gefängnis für das Herzogtum Oldenburg umfunktioniert. 1854/1856 erfolgten erste Anbauten. Durch die Einstellung evangelischer Bediensteter und Betreuung evangelischer Gefangener kam durch das Gefängnis in das ausschließlich katholische Milieu Vechtas ein protestantisches Element. Verbunden war das Gefängnis mit einem Zwangsarbeitshaus (z.T. Einsatz in der Torfindustrie). 1863 kam an der Bahnhofstraße das so genannte "Weibergefängnis" mit rund 50 Haftplätzen hinzu, aber schon zuvor war die Anstalt für Männer und Frauen eingerichtet. 1882 wurde die Männeranstalt durch einen Flügel vergrößert, ein erster Zweckbau für 90 Haftplätze in einem hellen, nach den damals modernsten Vollzugsvorstellungen konzipierten Komplex realisiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1904) wurde der Standort Vechta durch einen großangelegten Neubau auf der Kälbermarsch in Strahlenbauweise nach Vorbild eines amerikanischen Gefängnisses aufgewertet. Um diese Zeit bestand die für das gesamte Herzogtum zuständige Anstalt aus vier Gefängnissen: aus dem neuen Männergefängnis, dem zum Männerzuchthaus umgewandelten Komplex am Kloster mit Hinrichtungsstätte (bis 1937), aus dem Frauengefängnis und aus einem weiteren Männerarbeitshaus am Bahnhof. Der wirtschaftliche Faktor der Anstalt war auch durch die Arbeit der Gefangenen beachtlich.

1931 wurde das Frauengefängnis vorübergehend aufgelöst (Vollzugsgemeinschaft in Lübeck-Lauerhof), 1937 aber wieder eingerichtet. In der NS-Zeit diente das Zuchthaus in Vechta kurzzeitig als Konzentrationslager. Insgesamt gingen die Kompetenzen auf das Reichsjustizministerium über. 1941 wurde das Zuchthaus am Kloster aufgehoben und hier ein Gefängnis für weibliche Jugendliche eingerichtet, die aus anderen Teilen des Reiches - auch aus dem Protektorat Böhmen und Mähren - nach Vechta kamen. Das Frauenjugendgefängnis wurde nach 1945 für das Land Niedersachsen (aber auch für die Stadtstaaten Bremen und Hamburg sowie für das Land Schleswig-Holstein) weiter betrieben, dann aber mit der Frauenabteilung zusammengelegt als Frauenstrafanstalt mit Jugendabteilung. Eine Jugendabteilung erhielt - schon 1938 erstmals in Planung - das Männergefängnis im Jahre 1948, zudem wurde im alten Arbeitshaus am Bahnhof ein Jugendlager eingerichtet. Das erweiterte Jugendlager "Falkenrott" wurde 1953 feierlich eingeweiht. Die große Anzahl der in Vechta aufgenommenen jugendlichen Straftäter führte schließlich zur Einrichtung einer "Kriminologischen Aufnahmeabteilung" im Jahr 1956. Auch wenn sich der männliche Jugendstrafvollzug in Niedersachsen durch einen Neubau in Hameln nach dort verlagerte, blieb das Jugendlager bis 1996 bestehen.
Im Zuge einer Verwaltungsreform wurden 1998/1999 die Jugendarrestanstalten Vechta und Nienburg sowie die Teilanstalt Verden mit der Untersuchungshaft für Männer und ihrer Abteilung Achim - offener Vollzug - der JVA Vechta angegliedert. Im Zuge der Umgestaltung der Vollzugslandschaft wurde die Jugendarrestanstalt Vechta mit dem offenen Vollzug in Vechta im Jahre 2010 an die JVA für Frauen abgegeben. Gleichzeitig wurden die Jugendarrestanstalten Neustadt am Rübenberge und Emden sowie der offene Vollzug in Delmenhorst an die JVA Vechta angegliedert. Im Juli 2011 wurde dann die Abteilung Verden zu einer Jugendarrestanstalt umgewidmet. Die JVA für Frauen ist die zentrale Einrichtung für straffällig gewordene Frauen des Landes Niedersachsen.

Aufgrund einer Ländervereinbarung werden auch junge Frauen aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen aufgenommen. Hier werden alle Haftarten vollstreckt. Die Strafanstalt in Vechta umfasst also den Strafvollzug für Männer (geschlossener Vollzug und U-Haft) an der Willohstraße und den Strafvollzug für Frauen (geschlossener Vollzug, U-Haft, offener Vollzug im alten Komplex an der Propstei).

Inhalt:
Allgemeine Verwaltung 1815-2004 (153); Gefangenenbücher, Verzeichnisse und Karteien 1804-1994 (209); Kassen- und Rechnungswesen 1855-1954 (34); Jugendlager Falkenrott 1953-2002 (9); Personalakten des Personals der Strafanstalten 1842-1968 (216); Personalakten der Gefangenen 1835-1991 (2344); Personalakten der Jugendarrestanstalt 1941-1963 (36).

Literatur:
C. Dölkenhaus, Lebensschicksale des ehemaligen hannoverschen Husaren C. D., von ihm selbst in der Strafanstalt zu Vechta niedergeschrieben. Ein Buch für das Volk, hg. von Niels Hoye, Oldenburg 1846; C. Dölkenhaus, Leben Don Ferando's, Anführer einer spanischen Guerillasbande, von einem ehemaligen hannoverschen Husaren C. D., in der Strafanstalt zu Vechta niedergeschrieben und zum Besten des Verfassers, hg. von C. D. Siedenburg, Vechta 1848; Hausordnung für die Gefangenen in der Strafanstalt zu Vechta, Vechta [1913]; Trude Hauser, Geschichte der Strafvollzugsanstalten in Vechta, in: Wilhelm Hanisch (Hg. u.a.), Beiträge zur Geschichte der Stadt Vechta Bd. 3,1, Vechta 1978, S. 367-408; Heike Talkengerger (Hg.), Die Biographie des Luer Meyer 1833-1855, Hannover 2010.

Verwandte Bestände:
Best. 31 (Kabinettsregistratur Oldenburg); Best. 77 (Justizkanzlei Oldenburg); Best. 133 (Oldenburgisches Justizministerium); Rep 940 (Oberlandesgericht Oldenburg).

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

Georeferenzierung

Bezeichnung

Vechta [Wohnplatz]

Zeit von

1

Zeit bis

1

Objekt_ID

15081

Ebenen_ID

1