NLA OL Best. 56

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Oldenburgisches Militärkommando

Laufzeit 

1813-1867

Bestandsdaten

Bestandsgeschichte 

Best. 56 Oldenburgisches Militärkommando

Zeit: 1808-1869
Umfang: 15,6 lfd. m, 310 Verzeichnungseinheiten
Erschließung: Archivdatenbank/Internet

Nachdem sich bereits im November 1813 Freiwillige gemeldet hatten, befahl der aus dem russischen Exil heimgekehrte Herzog Peter Friedrich Ludwig am 24.12.1813 die Aufstellung eines aus zwei Bataillonen bestehenden Infanterieregiments, welches an den bevorstehenden Kämpfen gegen Napoleon teilnehmen sollte. Im Feldzug von 1814 kam das Regiment jedoch nicht mehr zum Einsatz, blieb aber als Besatzungseinheit im heutigen Belgien. 1815 kämpfte es u.a. vor Mezières und kehrte dann im Dezember 1815 mit einigen erbeuteten französischen Kanonen zurück, die den Grundstock des späteren Artilleriekorps bildeten. Da nach der Bundesakte des Deutschen Bundes alle Mitgliedstaaten verpflichtet waren, im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl zur Verteidigung des Bundesgebiets beizutragen, blieb das Regiment als Kontingentstreitkraft bestehen; eine Verwendung als Instrument eigenständiger oldenburgischer Politik kam angesichts der Machtverhältnisse in Deutschland nach 1815 nie in Frage.

Kommandeur des Regiments und oberster oldenburgischer Militär war seit August 1814 der zuvor in österreichischen und russischen Diensten gewesene, erfahrene Berufsoffizier Oberst von Wardenburg (1781-1838). Er widmete sich mit großer Energie und unangefochtener Autorität der Ausbildung von Truppe und Offizierskorps sowie dem Aufbau einer militärischen Infrastruktur; die Gründung der Militärschule 1815 und der Bau der ersten Infanteriekaserne am Pferdemarkt 1820 in Oldenburg gehen auf ihn zurück. Enge Grenzen wurden ihm jedoch gesetzt durch die Sparsamkeit und das geringe militärische Interesse Peter Friedrich Ludwigs. Hinzu kam, dass nur das erste Bataillon und die Artillerie in Oldenburg stationiert waren, das zweite Bataillon aber kompanieweise auf das übrige Staatsgebiet verteilt war, was eine einheitliche Ausbildung erschwerte und Inkorrektheiten von Subalternoffizieren Vorschub leistete.

Eine grundlegende Änderung dieser Zustände trat ab 1829 nach dem Regierungsantritt des militärbegeisterten Großherzogs Paul Friedrich August ein, verstärkt noch durch den im außenpolitisch unruhigen Jahr 1830 gefassten Beschluss des Deutschen Bundes, die Präsenzstärke der Bundesarmee deutlich zu erhöhen. So wurde 1831 ein zweites Infanterieregiment aufgestellt, die Artillerie modernisiert und verstärkt. Die Truppen wurden bis auf je eine Kompanie in Eutin und Birkenfeld in Oldenburg konzentriert. In der Folge wurden dort militärische Bauten errichtet, die das Stadtbild bis in die Gegenwart prägen (Kasernenbauten am Pferdemarkt und in Donnerschwee, Schlosswache, Artilleriekaserne und Zeughaus vor dem Haarentor). Nach langen Verhandlungen schloss das Großherzogtum mit den Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübeck 1834 eine Militärkonvention ab. Gemeinsam stellte man nun unter oldenburgischem Kommando - Wardenburg war bereits 1830 zum Generalmajor befördert worden - eine Brigade im X. Bundesarmeekorps. Obwohl dieses Korps zur Hälfte aus hannoverschen Streitkräften bestand, nahm der Großherzog die preußische Armee in Ausbildung, Ausrüstung und Uniformierung zum Maßstab für das oldenburgische Truppenkorps. Es war seine erklärte Absicht, die Truppe "stets marsch- und schlagfertig" auf dem neuesten Stand des Militärwesens zu halten, ein vollwertiges Kontingent zu stellen. So besuchten geeignete junge Offiziere die Allgemeine Kriegsschule in Berlin, 1844 führte man nach preußischem Vorbild als zweiter deutscher Staat Pickelhaube und Waffenrock ein. Preußische Offiziere und Unteroffiziere übernahmen auch ab 1849 die Ausbildung des Reiterregiments, welches Oldenburg auf Beschluss der Frankfurter Nationalversammlung aufzustellen hatte.

Das oldenburgische Militär bestand von da an bis 1867 im Wesentlichen aus dem Brigadestab, einem Infanterieregiment, dem Reiterregiment und dem Artilleriekorps. Bis 1854 war außerdem in Birkenfeld ein leichtes Infanteriebataillon stationiert. Dienstrechtlich gehörten auch die Landdragoner, die Polizeitruppe für die ländlichen Gebiete, zum Militär; ihrer ganz anderen Aufgaben wegen unterstanden sie aber fachlich den Zivilbehörden.

Während des Feldzuges 1848/49 in Schleswig-Holstein bewährte sich die Ausrüstung im allgemeinen gut. Jedoch scheinen die Ausbildungsmethoden nicht der veränderten Waffentechnik angepasst worden zu sein, denn bei einer Bundesinspektion wurden 1853 deutliche Mängel in der Schießausbildung moniert. Dem suchte man dadurch zu begegnen, dass junge Offiziere zum Dienst in preußischen Einheiten abkommandiert wurden, um die dortigen Ausbildungsmethoden kennen zu lernen. Von 1860 bis 1864 befehligte der preußische Offizier Eduard Friedrich Karl von Fransecky die oldenburgischen Truppen; er führte das Zündnadelgewehr ein. Im Krieg von 1866 bewährte sich das Kontingent in der Mainarmee. Nach der Auflösung des Deutschen Bundes und der Gründung des Norddeutschen Bundes unter klarer preußischer Führung jedoch war die Zeit der kleinen Armeen vorbei. Im Juli 1867 schlossen Oldenburg und Preußen eine Militärkonvention, die dem Großherzog zwar einige militärische Ehrenrechte ließ, die Einheiten aber mit Wirkung vom 1. Oktober 1867 in die preußische Armee eingliederte. Das war das Ende der kurzen selbständigen Militärgeschichte Oldenburgs.

Reihenfolge der Kommandeure:
(1813-1814: Benoit, als Adjutant des Herzogs)
1814-1838: von Wardenburg
1839-1848: von Gayl
1848-1860: von Ranzow
1860-1864: von Fransecky
1864-1867: von Weltzien

Inhalt:

Allgemeines, Militärorganisation, Deutscher Bund 1814-1867 (22); Landdragonerkorps 1815-1867 (6); Verpflegung, Unterbringung, Gebäude, Übungsplätze 1827-1866 (22); Militärmusik 1821-1848 (1); Rechnungswesen 1849-1859 (1); Sanitätswesen 1836-1867 (4); Berufssoldaten 1814-1867 (22); Ausbildung 1827-1867 (54); Übungen, Manöver 1837-1861 (21); Garnisondienst 1816-1867 (8); Orden und Ehrenzeichen 1815-1867 (8); Heiratskonsense, militärisches Personenstandswesen 1808-1867 (10); Befehlstagebücher 1829-1867 (15); Enrollierungslisten, Stammrollen, Ranglisten, Entlassungslisten 1813-1869 (116).

Literatur:
Udo Elerd (Hg.), Von der Bürgerwehr zur Bundeswehr. Zur Geschichte der Garnison und des Militärs in der Stadt Oldenburg, Oldenburg 2006); Frank Langer, Die Uniformierung und Ausrüstung des oldenburgischen Truppenkorps 1813-1867, Schortens 2009.

Verwandte Bestände:
Best. 54 (Oldenburgisches Militärkollegium).

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

teilweise verzeichnet