NLA OL Best. 117

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Münsterische Gerichtsbehörden und Notariate

Laufzeit

1578-1817

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Die Aktenüberlieferung ist äußerst dürftig. Kontributions- und Kriminalprotokolle, Fiskal-, Kontrakten- und Zivilprotokolle für die größeren Orte sind überliefert.

Bestandsgeschichte

Best. 117 Münsterische Gerichtsbehörden und Notariate
Zeit: 1532-1884
Umfang: 33,7 lfd. m; 1329 Verzeichnungseinheiten
Erschließung: Archivdatenbank/Internet
Lagerungsbestand: auch Rep 950 CLP

Vor der Justizreform im Herzogtum Oldenburg von 1814 und der in der kurzen napoleonischen Herrschaft nach französischem Vorbild durchgesetzten Justizorganisation lag die Gerichtsbarkeit auf der unteren Instanz bei den seit dem Mittelalter existierenden lokalen Gerichten, insbesondere bei den Gogerichten, die wie das für die münsterischen Territorien wichtigste Gogericht auf dem Desum (Desumgericht) schon im Mittelalter in die landesherrliche Gewalt kam. Gogerichte gab es im hier interessierenden Raum außerdem in Damme, Krapendorf, Lohne, Bakum, Goldenstedt (Sutholte), Löningen, Essen, Lastrup, Twistringen und wohl bei Friesoythe (An der Ikenbrücke). Das Gogericht auf dem Desum, das mit dem Vechtaer Burgmannengericht verschmolz, hatte dabei offenbar bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts die Funktion eines Berufungsgerichts (Gesamtgogerichts) für Entscheidungen anderer Gogerichte und war damit das bedeutendste Gericht für die Ämter Cloppenburg, Vechta wie auch Wildeshausen. Sein Wirkungsbereich reichte bis nach Wildeshausen, das zeitweise ebenfalls dem Bischof von Münster unterstand. Städtische Gerichte gab es in Vechta, Cloppenburg und Friesoythe. Ein Patrimonialgericht für ihre Herrlichkeit Dinklage hatte das Adelsgeschlecht von Galen inne.
Das römisch-rechtliche Verfahren wurde durch die münsterische Landgerichtsordnung von 1571 eingeführt, für das Desumgericht setzten die Vechtaer Burgmannen 1578 eine eigene Fassung durch, die vor allem eine höhere Zahl von Geschworenen erlaubte. Spätestens im 18. Jahrhundert tagte dieses Gericht in Vechta am Sitz des Drosten. Die in diesem Bestand vor allem überlieferte Zivilgerichtskarkeit in Form von den bei den Gerichten geführten

Amtsbüchern, aber auch in Form von Prozessakten sowie die Beurkundung durch Notare stellte eine Rechtssicherheit her, die auch für eine agrarische Gesellschaft seit der Frühen Neuzeit unabdingbar war, damit eine Geldwirtschaft funktionieren konnte. Appellationsgerichte waren vor 1802 das Hofgericht in Münster, nach 1802 die Oldenburger Kanzlei.

Inhalt:
Münsterisches Gericht in Damme 1658-1811 (75); Desumgericht 1578-1804 (98); Münsterisches Gericht Dinklage (auch Patrimonialgericht) 1665-1811 (69); Münsterisches Gericht Essen 1730-1811 (8); Münsterisches Gericht Vechta 1535-1884 (505), u.a. Zivilprozesse Adeliger 1535-1884 (386) ; Gericht Sutholte (Südholz) 1643-1686 (1); Gericht Löningen 1600-1804 (7); Gericht Friesoythe 1703-1799 (7); Gericht Cloppenburg 1751-1806 (7); Beurkundungen durch Notare 1654-1817 (38); Zivilprozesse (vor allem Gericht Vechta) 1532-1846 (501); Konkursakten 1660-1825 (13).

Literatur:
Albrecht Eckhardt, Wildeshausen. Geschichte der Stadt von den Anfängen bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert, mit Beiträgen von Günter Wegner, Heinz-K. Junk, Peter Heinken und Walter Schultze, hg. von der Stadt Wildeshausen, Oldenburg 1999, S. 166-169 u. 350-356; Hans-Joachim Behr/Bernhard Brockmann/Nikolaus Kokenge (Hrsg.), Das Gogericht auf dem Desum - hauptt und ubergericht - des Oldenburger Münsterlandes, Oldenburg 2000; Othmar E. Weinreich, Der Zivilprozess nach der Münsterischen Landgerichtsordnung von 1571 sowie der Vechtischen Gerichtsordnung von 1578. Die Praxis des Gogerichts auf dem Desum im Oldenburgischen Münsterland in den Jahren 1578-1652, Münster 2004; Götz Landwehr, Der Gang des neuen und des alten Gerichtsverfahrens vor dem Gogericht auf dem Desum im Niederstift Münster, in: Oldenburger Jahrbuch 104 (2004), S. 27-64.

Verwandte Bestände:
Best. 22 (Regierungskanzlei); Best. 76-20 (Amt Cloppenburg); Best. 76-21 (Amt Friesoythe); Best.

76-22 (Amt Löningen); Best. 76-23 (Amt Steinfeld); Best. 76-24 (Amt Vechta), Best. 76-25 (Amt Damme); Best. 77 Justizkanzlei); Best. 78 (Landgerichte); Best. 79 (Appellationsgerichte); Best. 82 (Französische Verwaltungsbehörden und Gerichte); Best. 111-1 (Münsterisches Amt Vechta); Best. 111-2 (Münsterisches Amt Cloppenburg); Best. 114 (Herrlichkeit

Dinklage).

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet