NLA AU Dep. 101

  • Zugeordnete Objekte zeigen
  • Drucken
  • Mit Strg+C oder Rechtsklick kopieren.
    Verlinken
  • Versenden
  • Verbessern

Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Gustav-Adolf-Werk Ostfriesland

Laufzeit 

1844-1969

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Am 2. September 1844 wurde in Aurich das "Gustav-Adolf-Werk" zur Unterstützung hilfsbedürftiger protestantischer Gemeinden als Diasporawerk der evangelischen Kirche in Deutschland gegründet.

Bestandsgeschichte 

I. DAS GUSTAV-ADOLF-WERK E.V. DIASPORAWERK DER
EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND. - II. DIE HAUPT-
GRUPPE OSTFRIESLAND IM GUSTAV-ADOLF-WERK. -
III. BESTANDSGESCHICHTE. - IV. LITERATUR.



I. DAS GUSTAV-ADOLF-WERK E.V. DIASPORAWERK DER
EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND

Neben die Errichtung eines steinernen Denkmals zur Erinne-
rung an den Sieg der auf protestantischer Seite kämpfenden
schwedischer Truppen unter König Gustav Adolf von Schweden
sowie an dessen Tod bei Lützen im Jahre 1632 sollte auf
Vorschlag des Leipziger Superintendenten Großmann 1832
auch ein lebendiges Denkmal in Gestalt einer Stiftung "zur
brüderlichen Unterstützung bedrängter Glaubensgenossen"
treten. Die 1833 in Sachsen als evangelisches Diasporawerk
genehmigte Gustav-Adolf-Stiftung blieb zunächst jedoch
außerhalb Sachsens weitgehend unbekannt.

Ohne Kenntnis von dieser Stiftung rief der Darmstädter
Hofprediger Karl Zimmermann in der "Allgemeinen
Kirchenzeitung" vom 31. Oktober 1841 zur Gründung eines
"Vereins für die Unterstützung hilfsbedürftiger protestan-
tischer Gemeinden" auf. Angesichts der großen Resonanz,
die der Aufruf fand, konstituierte sich am 16. September
1842 in Leipzig der "Evangelische Verein der Gustav-Adolf-
Stiftung". Zur ersten Hauptversammlung 1843 erschienen
bereits Vertreter aus 29 Zweigvereinen. 1844 gesellte sich
auch ein Verein bzw. eine Hauptgruppe für Ostfriesland
hinzu.

Leitspruch des Gustav-Adolf-Werks ist der Vers Gal. 6,10:
"Lasset uns Gutes tun an Jedermann, allermeist aber an des
Glaubens Genossen." Mit der Gründung wurde der Gustav-
Adolf-Verein eine Sache des deutschen Protestantismus
insgesamt, d.h. von Anfang an wurden die Grenzen der
Konfessionen und der Landeskirchen überschritten. Dies
hat dazu geführt, dass auch in der Hauptgruppe Ostfriesland
beide protestantische Konfessionen gleichberechtigt
vertreten

sind und der Vorsitz alterniert.

Seit 1948 ist das GAW fest in die Evangelische Kirche
in Deutschland eingebunden. Aufgrund der Teilung
Deutschlands bestanden von 1966 bis 1992 zwei rechtlich
selbständige Werke mit Sitz in Leipzig bzw. in Kassel,
die sich am 19. Juni 1992 wieder im "Gustav-Adolf-Werk e.V.
Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland"
mit Sitz in Leipzig vereinigte.







II. DIE HAUPTGRUPPE OSTFRIESLAND IM GUSTAV-ADOLF-WERK

Nach vorheriger Erörterung durch die 2. Generalkonferenz
der lutherischen Geistlichen Ostfrieslands Anfang Juni 1844
wurde am 2. September 1844 in Eschen die Gründungs-
versammlung für den ostfriesischen Gustav-Adolf-Verein
abgehalten. Am 17. Oktober 1844 genehmigte das Ministerium
der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten die
Statuten. Erster Vorsitzender wurde der lutherische
Generalsuperintendent Hicken.

Da es die Ostfriesen in bekannter Distanz zum hannoverschen
Staat ablehnten, sich dem bereits bestehenden Hauptverein
für das Königreich Hannover anzuschliessen, beschlossen sie
die Gründung eines Hauptvereins für Ostfriesland, der mit
der Zentrale in Leipzig direkt in Verbindung treten sollte.
Gegen anfänglichen Widerstand konnte die Hauptgruppe dies
auch 1845 durchsetzen.

An die Entstehung des Hauptvereins schloss sich die
Gründung zahlreicher Zweigvereine in den verschiedenen
ostfriesischen Orten an, die alljährlich auf den Hauptver-
sammlungen der Hauptgruppe zusammenkamen bzw. -kommen.
Reste der Überlieferung des 1845 gegründeten Auricher
Zweigvereins sind auch in den Bestand Dep. 101 gelangt.
Im Laufe der Jahre entstanden auch in Ostfriesland eigene
Frauenvereine innerhalb des GAW.

Da es sich um einen von oben bzw. aussen initiierten
Verein handelte, liess die Resonanz in Ostfriesland in der
Konkurrenz zu Vereinen der äusseren Mission anfangs
zu wünschen

übrig. Erst ab 1851/1858 konnte der Verein
allmählich seinen Aufschwung nehmen. Neben ostfriesischen
Gemeinden, in denen der Anteil der katholischen Bevölkerung
zugenommen hatte, gehörte vor allem die protestantische
Gemeinde im münsterischen Aschendorf/Papenburg zu den
ersten (und häufigsten) Nutzniessern der in Ostfriesland
gesammelten Gelder (Kollekten und Haussammlungen). Im
Laufe der Zeit erhielten auch Gemeinden in anderen Ländern
und Staaten, vor allem in Österreich, Zuwendungen, in der
Regel auf Empfehlung des die Verteilung der "Liebesgaben"
koordinierenden Zentralvereins.

Nach "Wiederbelebungsversuchen" in den Jahrzehnten nach
dem Zweiten Weltkrieg, in denen das Hauptaugenmerk des
Vereins der Unterstützung emsländischer Gemeinden galt,
besteht das GAW in Ostfriesland in eingeschränkter Form
weiter. Die traditionellen Haussammlungen werden jedoch
nicht mehr durchgeführt. Die Hauptlast der Arbeit tragen
seit rund drei Jahrzehnten mit Basaren usw. die Frauen-
vereine. Im Jahre 1996 konnte so die Hauptgruppe Ostfries-
land mit 12.000 DM beispielsweise Projekte des Gustav-
Adolf-Werks in Portugal, in der Ukraine usw. unterstützen.




III. BESTANDSGESCHICHTE

In seiner kleinen Festschrift aus Anlaß des 150jährigen
Bestehens der Hauptgruppe Ostfriesland verwies Dr. Menno
Smid 1996 noch auf die Tatsache, dass es bis dahin "kein
durchgeordnetes Archiv der im Laufe von mehr als 150
Jahren entstandenen schriftlichen Hinterlassenschaft dieser
Einrichtung gibt" und die vier frühesten Bände "z.Zt. nicht
auffindbar, möglicherweise verlorengegangen" seien.

Per Zufall konnten im Jahre 1999 im Rahmen der
Neuverzeichnung des Schularchivs des Gymnasiums
Ulricianum in Aurich (Rep. 171) bei der Durchsicht der in
der Landschaftsbibliothek deponierten Schulbibliothek
auch die erwähnten ältesten Verwaltungsakten wieder-
aufgefunden

werden. Dorthin waren sie offenbar aufgrund
der Schriftführerfunktion des damaligen Gymnasialdirektors
gelangt.

Nach der Entscheidung der Vorsitzenden des "Gustav-Adolf-
Werks Hauptgruppe Ostfriesland", der Herren Pastoren
Schmidt und Uthoff, die vorhandenen Vereinsunterlagen im
Staatsarchiv in Aurich zu deponieren, wurden im Mai 1999
a) die in Emden von Dr. Menno Smid für die Festschrift von
1996 benutzten Akten, b) die noch auf dem Dachboden des
Pfarrhauses der Lamberti-Kirchengemeinde Aurich lagernden
Akten und Druckschriften und c) 7 Akten des Vorsitzenden
Pastor Klüver (gest. 1984) aus dem Gemeindehaus der Refor-
mierten Kirchengemeinde in das Staatsarchiv überführt.
Gleichzeitig übergab das Gymnasium Ulricianum die bislang
in seinem Besitz befindlichen Akten wieder dem Verein.

Es fiel bereits bei der ersten Durchsicht auf, dass für die
Jahre 1862-1882 noch ein Bruch in der Überlieferung
vorhanden ist, der möglicherweise mit dem Beginn der
Amtszeit des Pastors und späteren Oberkonsistorial-
präsidenten Kirchhoff als Vorsitzenden zusammenhängt.

Das derzeitige Protokollbuch für die Sitzungen des
Vorstands des GAW (Gliederungspunkt 02) wird seit 1917
geführt und befindet sich im Besitz von Frau Klüver,
Aurich.

Im Bestand Rep. 15 Landdrostei Aurich befindet sich eine
Akte mit dem Titel "Die rechtliche Natur des ostfriesischen
Gustav-Adolf-Vereins" (Nr. 12217 [1876 ff.]).
Auch in das Archiv der Ev.-ref. Kirche (Synode ev.-ref.
Kirchen in Bayern und Norddeutschland) in Leer sowie in
das Landeskirchliche Archiv in Hannover (Signaturen:
A 12 d Nr. 308 [1858-1933], L 5i Nr. 14 [1935-1945] und 15
[1946-1954]; daneben S 9 Ostfriesland [Gustav-Adolf-
Werk]) sind Akten der Hauptgruppe gelangt bzw. liegen
die Hauptgruppe betreffende Akten vor. Ausserdem lassen
sich (Gegen-)Akten im Zentralarchiv des GAW in Leipzig
heranziehen.

Der

vorliegende Bestand wurde im August 1999 dankens-
werterweise von der Geschichtsstudentin Frau Insa Bohlen,
Aurich/Freiburg, während eines Archivpraktikums verzeichnet
und im Anschluß daran noch einmal grundlegend von mir
überarbeitet und mit einem Vorwort versehen.

Die übernommenen Bücher und sonstige Druckschriften
wurden von Frau Hennings mit der Signatur Dep. 101 in die
Dienstbibliothek des Staatsarchivs übernommen.



IV. LITERATUR
Menno Smid, 150 Jahre Hauptgruppe Ostfriesland im Gustav-
Adolf-Werk e.V. Diasporawerk der Evangelischen Kirche
in Deutschland. Hrsg. vom Vorstand der Hauptgruppe
Ostfriesland, Emden 1996



Aurich, März 2001



(Dr.

Henninger)

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Aurich, Stadt [Wohnplatz]

Zeit von 

1

Zeit bis 

1

Objekt_ID 

10849

Ebenen_ID 

1