NLA OL Best. 30

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Kabinettsregistratur Lübeck

Laufzeit

1650-1868

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Das sog. Lübecker Kabinett der Oldenburger Herzöge war für den holsteinischen Teil der Erbgüter und für das Fürstentums Eutin seit 1773 zuständig.

Bestandsgeschichte

Best. 30 Kabinettsregistratur Lübeck

Zeit: 1561-1883 (1904-1930)
Umfang: 42,1 lfd. m; 2696 Verzeichnungseinheiten
Erschließung: Archivdatenbank/Internet

Das oldenburgische Fürstentum Lübeck kam durch den Ringtausch zwischen Dänemark, Russland und dem Haus Holstein-Gottorf in den Besitz der Herzöge bzw. Großherzöge von Oldenburg. 1767 tauschte Dänemark mit Großfürst Paul von Russland und späteren Zar Paul I. dessen Anteile am Herzogtum Holstein gegen die dänische Grafschaft Oldenburg-Delmenhorst ein. 1773 wurde die Grafschnaft vom Großfürsten an die jüngere Linie Holstein-Gottorf, an Fürstbischof Friedrich August von Lübeck weitergegeben. Da das Lübecker Domkapitel eine gleichzeitige weltliche Regierung des Gottorfers im Bistum und in Oldenburg genehmigte, die Bischöfe von Lübeck aber seit 1586 aus dem Haus Holstein-Gottorf gewählt wurden, kamen die oldenburgischen Stammlande und das Hochstift Lübeck dauerhaft an das Haus Holstein-Gottorf bzw. das neue Oldenburger Herzogshaus.

Das Hochstift Lübeck bestand aus dem bischöflichen Anteil des Hochstifts mit der Stadt Eutin (mit dem Residenzschloss), dem Amt Eutin (32 Dörfer und sieben Vorwerke) und dem Amt Kaltendorf bei Lübeck (Flecken Schwartau, sechs Dörfer und zwei Vorwerke), dem Domkapitel (Besitz in der Stadt Lübeck und 26 Dörfer nördlich und südwestlich von Lübeck sowie 16 verstreut liegende Dörfer im Besitz der Vikare, einer Präbende und einer Prälatur) und dem Kollegiatstift Eutin (Besitz in der Stadt Eutin und in drei Dörfern). Zudem hatte das Haus Holstein-Gottorf private Fideikomissgüter in der Region. Sitz des Bischofs und der Zentralbehörden (Regierung, Justizkanzlei, Konsistorium, Rentekammer) war Eutin. Der erste Herzog Friedrich August residierte noch in Eutin, seine Nachfolger zogen dann in das größere Oldenburg um, ohne dass Eutin seine Bedeutung als Residenz der Herzöge ganz einbüßte. Bei

der Säkularisierung der geistlichen Territorien 1803 fiel das Hochstift Lübeck als erbliches Fürstentum an das herzogliche Haus, verlor zwar einen Teil des Besitzes in der Stadt Lübeck und ihrer Umgebung, erhielt dafür aber die Besitzungen des Domkapitels und Kollegiatstifts, so dass sich das landesherrliche Territorium nahezu verdoppelte, seine verstreute Lage aber beibehielt. Erst 1842 erlaubten verbesserte Beziehungen eine Besitzarrondierung mit dem Königreich Dänemark.

Nach der Verwaltungsneugliederung von 1842 war das Fürstentum in die beiden Ämter Eutin und Schwartau geteilt, die zentralen Behörden wurden 1844 auf die Regierung als obere Verwaltungsbehörde und die Justizkanzlei als obere Gerichtsbehörde reduziert. Nach der Revolution von 1848 wurde ein Provinzialrat mit beratender Funktion gebildet, zudem waren die Bewohner des Fürstentums im nunmehr geschaffenen Oldenburger Landtag vertreten. 1857 wurde eine Gemeindeordnung nach oldenburgischem Vorbild eingeführt. Neben der Stadtgemeinde Eutin und der Fleckengemeinde Schwartau gab es die Landgemeinden Eutin, Bosau, Malente, Neukirchen, Redingsdorf, Gleschendorf, West Ratekau, Ost Ratekau, Rensefeld und Obernwohlde. Die beiden Ämter Eutin und Schwartau wurden 1861 Sitz je einer Amtsverwaltung und eines Amtsgerichts. Zweite Gerichtsinstanz wurde das Obergericht Eutin, das die Justizkanzlei ersetzte. Eine erhebliche Vergrößerung erfuhr das Fürstentum durch den Anfall des Amts Ahrensbök im Jahre 1867 aufgrund des Verzichts des Herzogshauses auf schleswig-holsteinische Erbansprüche. Zudem wurden auf diese Weise die voneinander getrennt liegenden Ämter vereinigt und das Territorium geschlossen.

Der größte Teil der Archivalien des alten Hochstifts und späteren Fürstentums gelangte nach und nach in die Residenz Oldenburg und in das dortige Archiv. Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes 1937, als der oldenburgische

Landesteil Lübeck mit Preußen gegen Wilhelmshaven getauscht wurde, wurden große Überlieferungsteile zum Fürstentum Lübeck von Oldenburg in das Staatsarchiv Kiel bzw. Landesarchiv Schleswig überführt. Eine letzte Bereinigung der Archivsituation erfolgte 1977. Die hier interessierende Kabinettsregistratur befand sich bis 1814 in ihrer Gesamtheit in Eutin, wobei die Akten für die jeweiligen Territorien (Lübeck, Oldenburg, Birkenfeld) in Schränke aufgeteilt waren. Diese Ordnung wurde nach ihrer Überführung nach Oldenburg aufrechterhalten. Für das Fürstentum Lübeck waren folgende Schränke, die die Akten chronologisch und dann sachlich ordneten, maßgeblich:
Schrank 1 (1600-1762) Schrank 8 (1811-1820)
Schrank 3 (1763-1785) Schrank 11 (1821-1844)
Schrank 5 (1786-1800) Schrank 14 (1845-1855)
Schrank 7 (1801-1810) Schrank 16 (1855-1868).

Inhalt:
Amtsbücher 1600-1869 (25); Reichssachen/Deutscher Bund 1654-1855 (42); (Groß)Herzogliches Haus (u.a. Domkapitel Lübeck/Stift Eutin, Administration des Herzogtums Holstein, Familienverträge, dynastische Beziehungen) 1616-1928 (242); Auswärtige Angelegenheiten 1681-1857 (75); Behörden: Kabinett (mit Personal- und Gnadensachen; landständische Verfassung) 1600-1870 (307); Kanzlei/Regierung (auch Gemeinde- und Postsachen) 1715-1883 (147); Kammer/Rentekammer/Finanzbehörden 1561-1870 (246); Marschallat 1751-1822 (11); Marstall 1764-1779 (1); Justizkanzlei 1805-1869 (53); Korrespondenzen 1709-1830 (68); Polizeisachen (u.a. Sicherheits- und Bevölkerung, Gesundheit, Verkehr, Wohlfahrt, Landwirtschaft) 1748-1870 (460); Justiz-Zivilsachen 1763-1869 (138); Justiz-Kriminalsachen 1765-1866 (61); Kirchen- und Schulsachen 1703-1869 (242); Militärsachen 1774-1854 (15); Zollsachen 1836-1869 (66); Bausachen (Hochbau) 1786-1869 (64); Forst- und Jagdsachen 1720-1869 (110); Abzugssachen 1763-1844 (21); Landesökonomie (Landwirtschaft mit

Dömänen) 1737-1904 (315).

Literatur:
Maximilian Heinrich Rüder, Handbuch zur Kenntniß der Particular-Gesetzgebung des Fürstentums Lübeck, 3 Bde. (1622-1837) Eutin 1837-1842; Georg Sello, Die territoriale Entwicklung des Herzogtums Oldenburg, Göttingen 1917; Albecht Eckhardt/Heinrich Schmidt, Geschichte des Landes Oldenburg, 4. Aufl. Oldenburg 1993, S. 549-590; Albrecht Eckhardt, Archivalien zur Geschichte des Landesteils Lübeck (Eutin) im Staatsarchiv Oldenburg um 1600/1773-1937, 2 Bde., Oldenburg 1989/1990.

Verwandte Bestände:
Best. 35 (Staatsverträge und Landesgesetze); Best. 39 (Oldenburgischer Landtag); Best. 130 - Best. 137 (Oldenburgische Ministerien); Dep 50 (Hausarchiv

Holstein-Gottorf).

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet