NLA AU Dep. 67

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Deutsch-Niederländische Heimvolkshochschule Aurich

Laufzeit 

1949-1999

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

1954 wurde ein Trägerverein für die Deutsch-Niederländische Heimvolkshochschule in Aurich von Deutschen und Niederländern, genauer Ostfriesen und Groningern, gegründet, um das Verständnis zwischen beiden Völkern zu verbessern.

Bestandsgeschichte 


Im Jahre 1954 gründeten Bürgerinnen und Bürger aus der Provinz Groningen und aus Ostfriesland in der Hohenellernschule in Leer den Verein "Deutsch-Niederländische Heimvolkshochschule e.V.". Zum Vorsitzenden wurde damals Landschaftsrat Dr. Harm Wiemann und zu dessen Stellvertreter Pastor Menno Gaikema aus Groningen gewählt. Schon seit mindestens 1949 hatten sich "Pioniere" wie Dr. Geert Geerink und Fokke Pruin, die dann auch Gründungsmitglieder im Verein waren, aktiv für Versöhnung und Austausch zwischen den beiden Nachbarvölkern eingesetzt.

Der Verein machte sich zur Aufgabe, in Ostfriesland eine Partnereinrichtung zu der Volkshochschule 't Oldörp in Groningerland zu errichten, damit sich nach den leidvollen Erfahrung während des 2. Weltkrieges die Jugend beider Nachbarländer begegnen und verstehen lernen konnte. Am 25. August 1956 nahm dann die Heimvolkshochschule im landschaftlichen de Pottere-Haus in Aurich auf, wo sie sich seitdem befindet und eine umfangreiche Bildungstätigkeit entwickelt hat. Anfang der siebziger Jahren wurde die Heimvolkshochschule in "Europa-Haus" umbenannt, um einer erweiterten Aufgabenstellung sichtbaren Ausdruck zu verleihen. Alten Aurichern ist sie aber auch weiterhin als de-Pottere-Haus bekannt.

Der Verein "Deutsch-Niederländische Heimvolkshochschule" ging aus dem Deutsch-Niederländischen Kuratorium, Aurich, hervor, das schon seit Anfang der fünfziger Jahre unter Leitung von Dr. Geerink Begegnungen zwischen jungen Deutschen und Niederländern organisierte. Darüber hinaus ging im Jahre 1963 der Deutsch-Niederländischen Ausschuß für Niedersachsen, bis 1963 unter Leitung von Frau Professor Petersen, Hannover, und ab dann unter Leitung von Herrn Dr. Harm Wiemann, im Deutsch-Niederländischen Kuratorium auf. Wegen des engen Zusammenhangs dieser Gremien mit der Heimvolkshochschule liegen auch von diesen in beschränktem Maße Unterlagen

vor. Nach einem Vermerk vom 16.2.1971 wurden allerdings alle Akten des Deutsch-Niederländische Kuratoriums am 16.2.1971 an Dr. Harm Wiemann übergeben, der sie dem Staatsarchiv zur Übernahme ins Depositum übergeben sollte.



Bestandsgeschichte

Das Jubiläum des 40jährigen Bestehens des Trägervereins Deutsch-Niederländische Heimvolkshochschule im Jahre 1994 lieferte den Anstoß, Maßnahmen zur Sicherung der historischen Überlieferung dieser wichtigen Auricher bzw. Ostfriesischen Kultur- und Fortbildungsinstitution zu ergreifen. Mit Schreiben vom 11. Februar 1994 erklärte der Vorstand des Trägerverein seine Bereitschaft, ein Depositum im Staatsarchiv Aurich einzurichten. Der Depositalvertrag wurde am 24.4. bzw. 30.5.1995 unterzeichnet.

Im Sommer 1994 wurde die Altablage, in der schon das historisch wichtigste Material konzentriert war, durch mich bewertet und das archivwürdige Schriftgut übernommen. Ein erster Teil des Depositums konnte im März 1995 durch den Geschichtsstudenten Ansgar Weißer (Aurich/Münster) im Rahmen eines Praktikums vorverzeichnet werden. Eine weitere Übernahme fand Ende Juni 1995 statt und erstreckte sich auf Satzungsangelegenheiten sowie vor allem auf Seminarunterlagen. Dieser Teil des Bestandes konnte im Herbst 2004 von Herrn Freerk Steinbömer unter meiner Aufsicht verzeichnet und im August 2005 von mir edv-mäßig überprüft werden.

Unter mehreren Aspekten wird der vorliegende Bestand von Bedeutung für die Heimat- bzw. wissenschaftliche Forschung sein:

1) Die DNHVHS steht beispielhaft für den Versuch engagierter Ostfriesen und Niederländer, nach dem 2. Weltkrieg die Aussöhnung zwischen beiden Völkern in die Wege zu leiten.

2) Als Heimvolkshochschule, hervorgegangen aus der Volkshochschulbewegung, steht das Europa-Haus auch für besondere pädagogische Konzepte in der Erwachsenenbildung.

3) Zu den Leitern und Mitarbeitern

zählten bekannte Persönlichkeiten, deren Tätigkeit auf diese Weise dokumentiert wird, wie etwa der spätere Landesvorsitzende der SPD Johannes Bruns (bis 1970), der Auricher Lehrer und Historiker Johannes Diekhoff, des engagierten Regierungspräsidenten Hamann oder von niederländischer Seite Dominee Gaikema.

4) Im Rahmen der Auricher Stadtgeschichte stellt die DNHVHS ein wichtiges Element im kulturellen Leben der Stadt Aurich bzw. Ostfrieslands dar.

5) Zeitgeschichtlich von Interesse sind Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit um das - auch für Unterrichtsprogramm, wie etwa jene von 1964/1965 zwischen dem evangelischen Konvent und der Heimvolkshochschule und die Kritik an einem Vortrag eines polnischen Publizisten 1965.

Es ist darauf hinzuweisen, daß die Benutzung des Bestandes u.a. wegen der datenschutzrechtlicher Relevanz teilweise beschränkt ist. Nach Absatz 4 des Vertrages wurde festgelegt, daß für die Einsichtnahme in die Protokolle der Sitzungen des Vorstandes und des Gemeinsamen Ausschusses die vorherige Zustimmung der oder des vom Trägerverein benannten Verfügungsberechtigten einzuholen ist. Die Verfügungsberechtigung liegt gemäß Vertrag bei der Verwaltungsleiterin bzw. dem Verwaltungsleiter der Heimvolkshochschule.



Verzeichnung

Eine besondere Gruppe der Überlieferung bilden die Protokolle der Mitgliederversammlungen, der Vorstandssitzungen (ca. alle halbe Jahr) einschließlich der Sitzungen des geschäftsführenden Vorstands (ca. monatlich) sowie des sog. Gemeinsamen Ausschusses. Die Protokolle wurden chronologisch geordnet. Den Protokollen der Mitgliederversammlungen liegen z.T. auch Tätigkeitsberichte und Zeitungsausschnitte bei. Die Vorstandsprotokolle betreffen naturgemäß Fragen der Satzung, des Haushalts, des Personals, der Gebäude, der Aufgabenstellung usw. Seit 1981 liegen auch Protokolle über die Sitzungen des sog. Gemeinsamen

Ausschusses vor, der sich aus dem geschäftsführenden Vorstand und der Vertretung der Mitarbeiter zusammensetzt. Matritzen, überzählige Kopien, Einladungen wurden i.d.R. kassiert, die Akten insgesamt entmetallisiert. Da die Vorstandsprotokolle Abzüge auf säurehaltigem Papier sind, wird zu gegebener Zeit eine Sicherungskopie zu erstellen sein. Die ursprünglich kleinteilige Verzeichnung der Protokolle (Einzelsignaturen für jedes Protokoll) war eine Folge der für die Neuordnung notwendigen Trennung der unterschiedlichen Protokollarten sowie Folge der Verzeichnung durch eine archivische Hilfskraft. Sie wurde in der Zwischenzeit durch Bildung größerer Konvolute aufgehoben, allerdings mit der Folge, daß die Nummern 14-222 zur Zeit (August 2005) nicht belegt sind.

Die Schreiben des allgemeinem Schriftverkehr wurden von mir i.d.R. einzeln bewertet. Es konnte in diesem Bereich erheblich kassiert werden, wenn es sich um Routineanfragen, Rechnungen u.ä. handelte. Hinsichtlich der Archivwürdigkeit wurde natürlich ein besonderes Augenmerk vor allem auf die Kontakte zu Niederländern gelegt. Der Schriftverkehr wurde allgemein nach den Anfangsbuchstaben der Schreiber bzw. Empfänger geordnet. Bestimmte Namen erscheinen allerdings, falls sie Vertreter einer Institution waren, auch außerhalb der alphabetischen Reihenfolge bzw. müssen über die Institution gesucht werden. Beispiel Gründungsmitglied Dominee Gaaikema: unter "G" eher privat, als Vorstandsmitglied der VHS Oldörp unter "O", oder: Gymnasien wurden nach vorgegebenem Muster unter "G" zusammengefaßt. Ein stringente Ordnung ist hier verständlicherweise nicht zu erreichen. Um den Zusammenhang von Schreiben zu wahren, wurde im übrigen auf die Entmetallisierung verzichtet. Aus konservatorischen Gründen mußten vor allem die in mehreren Aktenordnern gesammelte Presseausschnittssammlung und die Mitteilungen an die Presse gesichert

werden, die nun jahrgangsweise auswertbar sind. Hier spiegelt sich das Leben in der Heimvolkshochschule am lebendigsten und greifbarsten wider. Allerdings sind die ersten Jahrzehnte besser dokumentiert als die achtziger Jahre.

Besondere Aufmerksamkeit verursachte im Jahre 1964 der Vorwurf des evangelisch-lutherischen Superindentenden Siefken, die Bildungsarbeit der DNHVHS sei atheistisch und prokommunistisch. Die darüber entstandene Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit ist ausführlich dokumentiert.

Die vier- bis sechswöchigen sog. "Fortbildungsseminare" ab 1962 sollten "strebsame[n] Jugendliche[n] aller Berufe" die "Möglichkeit eines einschneidenden Bildungserlebnisses" bieten. Sie umfaßten Bereiche wie deutsche Literatur, Technik der geistigen Arbeit, Gesellschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Staat-Geschichte-Politik, Lebenskunde und Kunsterziehung. Sie lassen sich daher nicht thematisch fasssen. Durchaus typisch für die Zeit steht etwa die Auseinandersetzung mit dem Marxismus-Leninismus oder den Weltreligionen. Unterlagen zu anderen Bildungsveranstaltungen schließen sich an.

Aus einer Serie von Unterlagen zu Vortrags- und Filmveranstaltungen, die jedoch oft in der Planung stecken blieben oder von denen nur Einladungen vorliegen, wurden nur umfangreichere und repräsentative Beispiele übernommen.
Die aus den Jahren 1964-197. bewahrten Mitteilungen des "Arbeitskreises deutscher Bildungsstätten", dessen Mitglied die DNHVHS war, enthalten zwar zumeist hektographierte allgemeine Informationen und nur gelegentlich Korrespondenzen. Sie wären insofern kassabel. Andererseits können sie gegebenenfalls für eine Untersuchung der Bildungspolitik in jenen Jahren herangezogen werden. Ähnliches betrifft die aus den Mitgliedschaften in anderen Interessenverbänden herrührenden Unterlagen

Der Aktenordner "Älteste Unterlagen" aus den 50er Jahren enthielt

jahrgangsweise geordnete Korrespondenzen, hauptsächlich zwischen Niederländern und Dr. Geerink. Ihnen gehen für jedes Jahr Erinnerungen von Dr. Geert Geerink voraus, die er unter der Überschrift "Jugendaustausch mit Holland" im Jahre 1976 zu Papier brachte.
Quittungen und überzählige Durchschläge wurden kassiert. Gelegentlich wurden Generalakten, denen kein Ordnungsschema zugrunde lag, auf bestehende Faszikel aufgeteilt.


Ergänzend heranzuziehen sind u.a.:

Rep. 17/1, Nr. 190: Deutsch-niederländische Beziehungen, insbesondere deutsch-niederländische Kuratorien und Ausschüsse, 1952-1956


Literatur (chronologisch):

Gaaikema, M., Die Heimvolkshochschule in 't Oldörp, Stätte der Begegnung, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1953, Heft 3, S. 3-4

Das de-Pottere-Haus wird ostfriesische Tagungsstätte, in: Ostfriesische Nachrichten 6.12.1954

Johannes Diekhoff, Eine Übungsstätte besonderer Art. Vom Wollen und Wirken in der Auricher Heimvolkshochschule, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1956, Heft 4, S. 21-22

Ein Brückenpfeiler für Europa, in: Ostfriesische Nachrichten, 27.8.1956

Johannes Diekhoff, Aurich als Schulstadt, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1971, Heft 2, S. 19-25, hier S. 22-23

Hubertus van Wezel, Die Deutsch-Niederländische Heimvolkshochschule Aurich ist ein Europa-Haus geworden, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1971, Heft 2, S. 25-30

[Jürgen Byl], 25 Jahre Deutsch-Niederländische Heimvolkshochschule, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1983, Heft 3, S. 2

F. E. O. Jagemann, Arbeit über Grenzen hinweg. Betrachtungen eines Heimvolkshochschulleiters, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1983, S. 3-6

Jürgen Byl, Die Vorgeschichte der

Deutsch-Niederländischen Heimvollkshochschule. Eine Dokumentation, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr 1981, Heft 3, S. 7-14 [auf der Basis der Erinnerungen von Dr. Geerink, Dep. 67, Nr. ... ff]

[Jürgen Byl?], "Der Mensch, der hierher kommt, soll sich in seiner ganzen Person bestätigt fühlen und weiterentwickeln." Ein Gespräch mit den Dozenten der Deutsch-Niederländischen Heimvolkshochschule, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1981, Heft 3, S. 15-22

Jürgen Byl, Das Wissen erweitern. Gespräch mit Teilnehmern eines Bildungsurlaubskurses, in: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1981, Heft 3, S. 23-

Johannes Diekhoff, de Pottere - ein Name, der verpflichtet. Heimvolkshochschule Aurich verdankt Standort der aus Flandern stammenden Familie, in: Heimatkunde und Heimatgeschichte. Heimatbeilage der ON, Nr. 4, 1995


Aurich, 1995-2005

Dr. Wolfgang Henninger


P.S. Der bislang bestehende Index dieses Findbuchs ist nur vorläufig und konnte auch noch nicht überarbeitet werden.


Ergänzende Literatur: Ingrid Hennings, Die Deutsch-Niederländische Heimvolkshochschule in Aurich. Eine regionale Initiative zur Wiederannäherung von Deutschen und Niederländern nach dem Zweiten Weltkrieg, hrsg. vom Europahaus Aurich, Leer 2006. (Schriftenreihe des Europahauses Aurich ;

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Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

Abgeschlossen: Nein

teilweise verzeichnet

Georeferenzierung

Bezeichnung 

Aurich, Stadt [Wohnplatz]

Zeit von 

1

Zeit bis 

1

Objekt_ID 

10849

Ebenen_ID 

1