NLA HA Hann. 91 Kuntze

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel 

Nachlass Familie Kuntze

Laufzeit 

1481-1843

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung 

Unterlagen zu Person und Familie, Militaria, Verwaltung des Gutes Bordenau, topografische Karten (siehe Kartenabteilung: Mappe 1713 und Mappe 1713/1)
Findmittel: EDV-Findbuch
Umfang: 0,2 lfdm. und 60 Karten

Bestandsgeschichte 

I. Geschichte

Bei dem Bestand, der Unterlagen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert umfasst, handelt es sich um die versprengten Reste des Archivs der Familie Kuntze. Der kleine Bestand besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil (Hann. 91 Kuntze Acc. 2005/085 Nrn. 1-15) enthält im Wesentlichen Unterlagen aus dem Nachlass des Ingenieurs Friedrich Christoph Kuntze (Cuntze, Kunze), der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der kurhannoverschen Armee als Ingenieur und Kartograph tätig war und als Unteroffizier an der kurhannoverschen Landesaufnahme unter Leitung Du Plats mitwirkte. Kuntze war ab 1791 im Rang eines Majors zunächst als Chef der Mineur- und Sapeur-Kompanie in Hameln tätig, bevor er 1795 zum Obersten befördert wurde. Im Jahr 1797 wurde er Chef des gesamten Ingenieur-Korps und Direktor der Ingenieur-Schule in Hannover. Auf diesem Posten wurde er 1800 in den Rang eines Generalmajors erhoben. Kuntze starb vermutlich 1821 oder 1822. Nachkommen Kuntzes waren ebenfalls im hannoverschen Militärdienst tätig und haben u. a. an den Feldzügen gegen Napoleon teilgenommen. Auch sie haben einzelne Unterlagen in dem Bestand hinterlassen.

Der zweite Teil des Bestandes (Hann. 91 Kuntze Acc. 2005/085 Nrn. 16-29) umfasst Akten aus dem Archiv des Rittergutes Bordenau im Landkreis Neustadt am Rübenberge, in dessen Besitz Kuntzes Nachfahren wohl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch Einheirat in die Familie des damaligen Rittergutsbesitzers Wallmann gelangten. Die wechselvolle Geschichte des Gutes Bordenau, das vom 17. bis zum 19. Jahrhundert häufige Besitzerwechsel erlebte, bildet sich in dem Bestand ab. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das Gut im Jahr 1648 an den Major Hieronymus Bessel (gest. ca. 1660) verkauft. Um 1687 verkauften Bessels Erben das Gut an den Hofrat Rudolph Caspar von Söhlen zu Hannover, der es um 1700 an Johann Otto Tegtmeyer

weiterveräußerte. Sein Sohn und Nachfolger war Johann Daniel Tegtmeyer. Dessen jüngste Tochter Friederike Wilhelmine (1728-1796) heiratete 1752 den Bordenauer Brinksitzer Ernst Wilhelm Scharnhorst (1723-1782), der in der kurhannoverschen Armee bis zum Quartiermeister aufstieg und mit seiner Familie zunächst auf Bordenau lebte. Nach dem Tod des Rittergutsbesitzers Tegtmeyer 1759 ging das Gut in den Besitz seiner Witwe Magdalene Elisabeth Tegtmeyer über. Scharnhorst verließ Bordenau und pachtete mit seiner Familie das Heidegut Hämelsee bei Eystrup (Landkreis Nienburg) und nach dessen Brand 1765 das Gut Bothmer bei Schwarmstedt (Landkreis Fallingbostel). Nach dem Tod seiner Schwiegermutter Magdalene Elisabeth Tegtmeyer (1761) konnte Ernst Wilhelm Scharnhorst Gut Bordenau nach jahrelangen Erbstreitigkeiten mit den Verwandten seiner Frau im Jahr 1765 übernehmen. Einer der Söhne Scharnhorsts war Gerhard Johann David (von) Scharnhorst (1755-1813), der später als Militärschriftsteller, General und Heeresreformer der preußischen Armee berühmt wurde. Gerhard Johann David (von) Scharnhorst trat nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1782 dessen Erbe auf Bordenau an und bewirtschaftete das Gut von Hannover aus bis zu seinem Wechsel in preußische Dienste im Jahr 1801. Danach verpachtete er es an seinen jüngeren Bruder Friedrich, dessen Witwe Christine Sophie geb. Rolfs den Besitz nach dem Tod ihres Mannes weiterhin innehatte. Im Jahr 1843 verkaufte der General Heinrich Wilhelm Gerhard von Scharnhorst, ältester Sohn und Erbe des Generals Gerhard Johann David von Scharnhorst, Gut Bordenau an den Federschützen und späteren Wildmeister Friedrich Heinrich Wallmann (1793-1868) zu Osterwald, der Christine genannt Georgine (1809-1874), die älteste Tochter Friedrich Scharnhorsts, geheiratet hatte.


II. Bestandsgeschichte

Der Bestand stammt aus dem Besitz der Erben der Familie Kuntze.

Er wurde im Sommer 2005 an das NLA - Hauptstaatsarchiv in Hannover abgegeben.


III. Erschließung

Der kleine Bestand umfasst die Akten der Acc. 2005/085. Des weiteren gehören dazu 60 Karten (Mappe 1713 in der Kartenabteilung). Diese wurden zum Teil von Friedrich Christoph Kuntze selbst gezeichnet, zum Teil stammen sie von anderen Kartographen, deren Arbeiten Kuntze gesammelt hat. Da die Akten und die Karten des Bestandes teilweise aufeinander Bezug nehmen, wurden letztere in das vorliegende Findbuch mitaufgenommen. Der Stammbaum der Familie Wallmann (seit 1640) ist unter der Signatur Mappe 1713 Bl. 59 überliefert.

Eine Akte über Friedrich Christoph Kuntze ist im NLA - Hauptstaatsarchiv unter der Signatur Hann. 47 IV Nr. 180 (Die Auszahlung einer dem Capitaine-Lieutnant Kuntze akkordierten Douceur, 1764/65) zu finden. Unterlagen, die über die Geschichte der Gemeinde und des Gutes Bordenaus Auskunft geben, befinden sich v. a. in den Beständen Cal. Br. 2 (Calenbergische Ämtersachen) , Cal. Br. 7 (Calenbergische Klöster), Hann. 74 Neustadt/ Rbge. (Amt Neustadt am Rübenberge) und Hann. 174 Neustadt (Kreis Neustadt/ Rbge).


IV. Literatur

Bordenau: Geschichte und Struktur 889-1989, Hildesheim 1989.
Königlich Groß-Britannischer und Churfürstlich Braunschweigischer Staats-Kalender, Jahrgänge 1791-1822.


Hannover, im September 2005
gez. Dr. Claudia

Kauertz

Informationen/Notizen

Zusatzinformationen 

teilweise verzeichnet

Abgeschlossen: Nein