NLA HA V.V.P. 104

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Beschreibung

Identifikation (kurz)

Titel

Deutscher Werkbund Nord e.V., Hannover

Laufzeit

1907-2013

Bestandsdaten

Kurzbeschreibung

Der Deutsche Werkbund e.V. als Dachverband und mit ihm der Deutsche Werkbund Nord e.V. engagieren sich für eine verantwortungsbewusste und nachhaltige Gestaltung der Umwelt. Als eine programmatische Vereinigung besteht der Werkbund aus Mitgliedern von Disziplinen, die im Bereich von Gestaltung und Umweltplanung tätig sind. Die Aufgaben umfassen Stadt- und Regionalplanung, Architektur, Design, Mediengestaltung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung, Kunst und Denkmalschutz. Der Deutsche Werkbund Nord e.V. ist ein gemeinnütziger Verein mit einem auf drei Jahre gewählten Vorstand. Die Geschäftsstelle befindet sich in Hannover.

Geschichte des Bestandsbildners

Der Deutsche Werkbund (DWB) wurde am 06. Oktober 1907 in München gegründet. Initatoren und Gründungsmitglieder waren u.a. der Regierungsbaumeister und Professor für angewandte Kunst in Berlin Hermann Muthesius, der Architekt Henry van de Velde, der Architekt und spätere Hamburger Stadtbaumeister Fritz Schumacher, der Architekt, Typograph und Industriedesigner Peter Behrens, der Politiker Friedrich Naumann und der zum ersten Vorsitzenden gewählte Münchener Architekt Theodor Fischer. Ziel der Vereinigung war die "Veredlung der gewerblichen Arbeit", eine Steigerung der Qualität des deutschen Kunstgewerbes wurde angestrebt, um die Wettbewerbsbedingungen "deutscher Qualitätsarbeit auf dem Weltmarkt zu verbessern".
1914 zeigte der Werkbund eine Bauausstellung in Köln, u.a. mit dem Theaterbau von Henry van de Velde, einer Musterfabrik von Walter Gropius und dem Glashaus von Bruno Taut. Während der Ausstellung kommt es zum sog. "Werkbundstreit", einer Grundsatzdiskussion zwischen Hermann Muthesius und Henry van de Velde über Normung bzw. Formgebung. Henry van de Velde vertritt die Position der individuellen Formgebung ("Freiheit des individuellen künstlerischen Schaffens") während Muthesius die weitreichende Typisierung der Formgebung zur Qualitätssteigerung befürwortet ("künstlerische Veredelung der industriellen Massenproduktion durch Typisierung").

1919 entstand in Weimar das "Bauhaus", eine Kunstschule im Geiste des Werkbundes und seiner daran beteiligten Mitglieder wie u.a. Walter Gropius, Lyonel Feininger und Gerhard Marcks.

Als Folge des NS-Regimes löste sich der DWB 1933/34 auf.
1945 konstituierte sich der Werkbund neu, es entstehen - den förderalistischen Strukturen folgend - neun regionale Gliederungen. In Norddeutschland entstand auf diese Weise 1946 der Werkbund Nordwest. Das Territorium umfasst damals die Hansestadt Hamburg, die Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein und die Hansestadt Bremen. Der Vorsitzende war der Architekt Rudolf Lodders. Die einzelnen Landesverbände arbeiten vor Ort und unabhängig von der Bundesgeschäftsstelle, die v.a. die Ziele und Aufgaben des Werkbundes insgesamt durch Publikationen, Ausstellungen, Stellungnahmen u.a. in der Öffentlichkeit vertritt.
Im August 1947 fand die erste bundesweite Werkbundtagung auf Schloss Rheydt bei Mönchengladbach statt, wo das grundsätzlilche Anliegen des Werkbundes neu beschrieben wurde ("Rheydter Manifest"): "Es handelt sich nicht mehr um ästhetische Veredelung einer gesicherten Lebensform, sondern darum: Sinn und Gestalt des Daseins im heutigen Deutschland zu erkennen, zu wollen und zu bilden".

Am 25.04.1949 erfolgte die Gründung des DWB Niedersachsen, somit gab es im Norden Deutschlands ab 1949 einen DWB Norddeutschland bzw. Nordwest (Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein) und einen DWB Niedersachsen. Vorsitzender des DWB Niedersachsen wurde der Architekt Friedrich Hirtz. Allerdings kam der DWB Niedersachsen bereits Anfang des Jahres 1951 wieder zum Erliegen, u.a. wegen des Wegzugs seines Vorsitzenden F. Hirz.
Bis Ende 1959 fanden keine Neuwahlen oder Aktivitäten statt. Erst auf Initiative des hannoverschen Stadtbaurats Prof. Rudolf Hillebrecht kam es zu einer Wiederbelebung der DWB Landesgruppe Niedersachsen. Hillebrecht überzeugte 1959 den Schweizer Architekten Ernst Zietzschmann, Direktor der Werkkunstschule Hannover, den Vorsitz zu übernehmen; dieser wurde dann am 14.11.1959 auf der Werkbundratsstizung als Vorsitzender anerkannt.
Mit Zustimmung des DWB Nordwest hat sich im April 1962 eine Gruppe von Bremern den Niedersachsen angeschlossen, der DWB nennt sich fortan DWB Niedersachsen-Bremen und der DWB Nordwest wird umbenannt in DWB Hamburg/Schleswig-Holstein. Letzterer hatte ab ca. 1969 keinen funktionierenden Vorstand mehr - 1975 wurde der Verein offiziell gelöscht. Bereits Anfang der 1970er Jahre schlossen sich einige der Mitglieder dem DWB Niedersachsen und Bremen an; 1997 erfolgte die Umbenennung von DWB Niedersachsen und Bremen e.V. in DWB Nord e.V., der heute die norddeutschen Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (bis 2013 auch Sachsen-Anhalt) umfasst.

Im Jahr 1997 trat der DWB Nord e.V. (gemeinsam mit den Landesbünden Berlin und Bayern) aus dem Dachverband DWB e.V. wegen interner Differenzen und einem sog. "Richtungsstreit" aus (vgl. Akte mit der Signatur V.V.P. 104 Acc. 2014/118 Nr. 100), der Wiedereintritt erfolgte zum 01.01.2009.

Stand: 01. Juni 2015

Bestandsgeschichte

Die Geschäftsstelle des Deutschen Werkbundes Nord e.V. wandte sich im Sommer 2014 an das Niedersächsische Landesarchiv Hannover mit dem Wunsch, einen Teil der Vereinsunterlagen abzugeben, da ein Umzug in kleinere Räumlichkeiten bevorstand. Nach Abschluss des Depositalvertrages im September 2014 erfolgte die Übergabe der Akten.

Stand: 01. Juni 2015

Enthält

u.a. Mitgliederverzeichnisse, Vorstandsarbeit und Geschichte des Vereins, Protokolle der Gremien des Vereins, Veranstaltungen, Projekte, Publikationen

Literatur

Heidermann, Horst, 100 Jahre Deutscher Werkbund: Godesberger Spuren, in: Godesberger Heimatblätter 44 (2006), S. 77-119 (Signatur in der Dienstbibliothek: SD 6033).
Lindinger, Herbert, Die frühen Jahres des DWB Nord 1945-65, in: Ansichten 2 (2001), S. 1-11.

http://www.deutscher-werkbund.de/
http://www.deutscher-werkbund.de/dwbnord.html

Weitere Angaben (Bestand)

Umfang in lfd. M.

ca. 11,5

Bearbeiter

Christiane Drewes (2015)

Benutzung

Archivgut kann im Niedersächsischen Landesarchiv Hannover unter Berücksichtigung der Einhaltung von Schutz- und Sperrfristen nach § 5 des Niedersächsischen Archivgesetzes (NArchG) eingesehen werden.

Georeferenzierung

Bezeichnung

Niedersachsen

Zeit von

1946

Zeit bis

1993

Objekt_ID

1

Ebenen_ID

200

Georeferenzierung

Bezeichnung

Niedersachsen

Zeit von

1993

Zeit bis

2000

Objekt_ID

5

Ebenen_ID

100